07.12.2009 - 18:30 Uhr

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Vier Geschichten aus vier Wochen Streik

Text: adrian-renner - Foto: ddp

Seit knapp einem Monat halten Studierende das Audimax der Münchner LMU besetzt, bald könnte es vorbei sein. Zeit zu erzählen, was wirklich (nicht) wichtig war.

1. Tokio
Jede Protestbewegung braucht Gesichter. In München gibt es zwei: den Studentensprecher Malte Pennekamp und Tokio. Tokio kannten eine Zeit lang wirklich alle, denn Tokio sorgte dafür, dass die ganzen Bierflaschen wieder in ihre Bierkästen kamen. Jeden Abend kletterte er die Bänke des Audimax entlang und sammelte Leergut ein. Er trug entweder ein Antifa-T-Shirt oder eines der Band Tokio Hotel. Niemand wusste, wie er richtig hieß, und irgendwann musste er nach Hamburg und wurde nie mehr gesehen. Nur noch ein Banner im Audimax erinnert an ihn, darauf steht: Liebesgrüße aus Hamburg – Euer Tokio.

2. VoKü
Der Ort, an dem immer laut Punkmusik lief. Die Volksküche war natürlich vegan, meisten gab es also interessant gewürzte Kartoffel-, Reis- und Nudeleintöpfe – oder eben auch: Sushi für alle (ohne Fisch). Nur eines Abends liefen Studenten mit Hähnchenschenkeln, Hummerpaste und Lachshäppchen durch die Gegend. Das Hilton hatte Reste eine Großbuffets gesponsert. Warum? Wusste keiner. Der einfachste Weg, die Besetzung zu beenden, wäre wahrscheinlich gewesen, ein paar Tropfen Schweinegrippe-Erreger irgendwo reinzukippen. Hygienisch alles leicht fragwürdig, aber jeden Abend Schlangen, als gäbe es etwas umsonst. Gab es ja auch.

3. Audimarxismus
Rede, Gegenrede, Verfahrensvorschlag, Gewedel. Rund acht Stunden Plenum waren es jeden Tag, das macht nach 25 Tagen Besetzung rund 200 Stunden. Wenn man von durchschnittlich 200 Besetzern pro Plenum ausgeht, wurden dort also 4 000 Stunden Arbeitszeit verbraten. Unvergessen das Plenum am Donnerstag vergangener Woche: Seit zwei Tagen galt es zu beschließen, wie auf ein Kompromissangebot des LMU-Präsidenten Huber reagiert werden soll. Sieben Stunden fürchterlicher Streit, Menschen verließen unter Tränen türenschlagend das Audimax, der Redeleitung wurde ständig das Misstrauen ausgesprochen, bei Abstimmungen wurde laut Streikbrecher, Spalter und ähnliches gebrüllt. Nach Plenumsende war kurz alles möglich: Massenschlägerei, Vandalismus, Spaltung des Protests. Am nächsten Morgen ist alles für die Katz, man hatte schlicht vergessen zu überlegen, was passieren soll, wenn Huber den Gegenvorschlag des Plenums gar nicht annimmt. Was dann prompt geschah.

4. Revolutionbabys
Selbst Harald Schmidt bemerkte kritisch: Was für eine Revolution soll das denn sein, wenn Menschen Nacht für Nacht brav nebeneinander in ihren Schlafsäcken liegen? Also wirklich nichts mit freier Liebe? Wahr ist: Es wurden BHs verbrannt, noch vor der Kunstakademie, Mädchen sollen mit nackten Brüsten herumgetanzt sein und die Jungs spielten dazu Bob Dylan auf ihren Gitarren. Und es gab die AG Beischlafzentrale, jede Nacht nach dem Plenum in B101. Was da passiert ist? Genaues ist nicht bekannt, was nur heißen kann: Entweder geschah dort nichts, oder es waren derartige Orgien, dass die Teilnehmer lieber schweigen – bis heute.


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Laudi
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Mag ich Mag ich nicht

2

07.12.2009 - 19:17 Uhr
Laudi

Beischlafzentrale

tolles wort.

derkleinekeks
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.12.2009 - 21:24 Uhr
derkleinekeks

Wenn 200 Studenten das Audimax 200 Stunden besetzen, gibt das dann 4000 Arbeitsstunden? Bitte um Aufklärung. Trotzdem schade um die Zeit.

TomJones
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Mag ich Mag ich nicht

1

07.12.2009 - 21:24 Uhr
TomJones

Mein Gott, was für Zustände!

Ich frage mich, wie lange die Behörden solch ein Treiben in einer öffentlichen Einrichtung noch dulden. Jeder Tag, den das schon so geht, ist ja schon zu viel. Da hätte man längst mal eine Hundestaffel reinschicken MÜSSEN.
Kein Wunder, dass die alle nicht mit ihren Studiengängen fertig werden, wenn die immer nur im Plenum (was für ein dummes Wort) rumlabern und Suppe fressen.

Hurtz
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.12.2009 - 22:19 Uhr
Hurtz

Genau, lassen wir doch einfach das miteinander Reden sein. Sich-fügen ist angesagt!

meniinem
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.12.2009 - 22:27 Uhr
meniinem

@ Tom Jones

Weißt du wieso das nicht geschieht?

Weil die Politik langsam die Fehler realisiert die in de letzten Jahren gemacht wurden und so langsam zurückrudert (ohne großes Aufsehen zu erregen)...

JosephineKilgannon
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.12.2009 - 01:36 Uhr
JosephineKilgannon

Gschichten ausm Bestzerwald...

@Tom Jones: In Frankfurt haben sie deinen Rat befolgt, was die Hunde angeht

und_jetzt
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.12.2009 - 01:54 Uhr
und_jetzt

Bildungsinsolvenz! Konkursverwalter Staat überfordert. Studenten im Streik, fordern Bildungsausgleich. Staat noch in Verhandlungen.

DerNaturjoghurt
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Mag ich Mag ich nicht

-2

08.12.2009 - 07:51 Uhr
DerNaturjoghurt

Das klingt ja alles grauenvoll nach 68er Kopie. Vegane Küche - *würg* .... 7h diskutieren ohne Ergebnis. Lässt schlussfolgern, dass Demokratie nicht so der Bringer ist. Wie Dieter Nuhr schon sagte: "Man darf eine Meinung haben, man muss aber nicht" ... die Anekdoten lassen mich schon leicht speien. Und zur freien Liebe trauen sich die gutbürgerlichen Kinder dann doch wieder nicht ... haha !!!

shafty
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Mag ich Mag ich nicht

2

08.12.2009 - 09:03 Uhr
shafty

ich finde diese geschichten leider sehr,sehr gruselig und bin gottfroh nicht in einer situation zu sein, wo ich unter umständen der sache wegen mit bh-verbrennenden und dylan klampfenden, miefenden dauerdiskutierern abhängen muss.
gibt es eigentlich irgendwelche regelwerke, die vorschreiben, dass studentenproteste immer so aussehen müssen, bzw. geriete der protest in den verdacht, nicht radikal und ernsthaft genug zu sein wenn man diesen verdammten hippiemist mal weglassen würde?

jbo007
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.12.2009 - 09:36 Uhr
jbo007

die haben doch nie 7 stunden pro tag ihr "plenum" abgehalten?! immer, wenn ich da mal vorbei gegangen bin, saßen da 5-12 Menschen vor ihren Laptops...

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adrian-renner

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