30.11.2009 - 18:30 Uhr

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Gegenstand der Woche: TECHNICS 1210

Text: jonathan-fischer - Illustration: katharina-bitzl

Eine Nachtleben-Konstante stirbt aus: Panasonic hat bekanntgegeben, dass sie die Produktion des legendären DJ-Plattenspieler TECHNICS 1210 einstellen - wegen zu geringer Nachfrage. Ein Nachruf

Es gibt drei nicht wieder gutzumachende Beleidigungen im Leben eines DJs: Sein Name wurde auf dem Party-Flyer vergessen. Der Veranstalter weist ihn darauf hin, dass Getränke mit der Gage verrechnet werden. Und die schlimmste von allen: Der Club hat keine 1210er. Keine 1210er? Da hätte man ja gleich die fetten, sich langsam in Fahrt jaulenden Holzkästen der heimischen Stereoanlage einpacken können. Schließlich gelten sie in DJ-Kreisen längst als Synonym: Der Plattenspieler und der Technics 1210. Dessen Robustheit, Direktantrieb und im Bruchteil von Sekunden auf die gewünschte Umlaufgeschwindigkeit beschleunigter Plattenteller haben Millionen von DJ-Träumen beflügelt und einige der kreativsten Musikschöpfungen von HipHop bis Techno ermöglicht Womöglich ist er gar das folgenreichste Musikinstrument der Neuzeit. Und das nicht nur, weil Eric B & Rakim ihm ein eigenes Stück gewidmet haben: „Don’t Sweat The Technics“ .
“The classic 1200 embodies the past, present and the future of the DJ”, lässt Rakim uns 1992 mit lässigem Näseln wissen. Und hat dabei die Rechnung offensichtlich ohne den japanischen Elektronikkonzern Panasonic gemacht. Der schockte nun die Clubszene: Man werde, verkündete eine Pressemitteilung, die Produktion der 1200er und 1210er Serien des Technics im Jahre 2010 einstellen. Zu wenig weltweite Nachfrage. Zu teure Produktion. Gehörten 1210er bisher so zwingend zur Diskothekenausrüstung, wie Weißpressungen in Techno-Plattenkoffer und Singlepucks in das Gepäck von Northern Soul DJs, kann man sich nur schwer eine Zukunft ohne den silbernen Freund mit der breiten Start-Stop-Taste, dem rötlich tanzenden Licht der Pitchcontrol und der eingebauten Nadelbeleuchtung vorstellen. 1979 war das Jahr als der weltweit meist genutzte Profiplattenspieler von japanischen Ingenieuren in Osaka zur Serienreife entwickelt wurde. Firmenbezeichnung: SL-1210MK2. Es war das Jahr als mit „Rapper’s Delight“ von der Sugar Hill Gang der erste HipHop-Track zum Radiohit heranwuchs – und die Kunde von den Mix-Großtaten New Yorker DJs wie Larry Levan oder Frankie Knuckles weltweit eine DJ-Szene befeuerte, die mehr wollte als zwei Platten aneinanderzureihen. Der Plattenspieler war zum Instrument geworden. Cooler als die Rockgitarre. Und kreativer als eine ganze Discoband. Jeder, der ein bisschen Geduld und Übung mitbrachte, konnte nun aus einem Stapel Vinyl seine eigene Tanzmusik designen – mit Hilfe zweier Technics und einem Mischpult. Keine Frage. Die Musikwelt hat sich seit dem ersten Start-Druck auf einem 1210er gewaltig gedreht: Discoscheiben wurden von Garage-, von House-, von Techno-, von Drum’n Bass-Vinyls abgelöst. Sampler hielten im HipHop Einzug. DAT-Player reproduzierten fertige Mixes. Und doch blieb er das Herzstück aller Clubmusik. Teller und Gehäuse aus schwerem Aluminiumguss. Der Antrieb auch nach minutenlangem Halten der Platte intakt. Nichts außer Bier und Cola konnten den Dauerläufer außer Gefecht setzen. Nicht einmal gröbste Handarbeit: Wer DJs wie Jeff Mills schon mal über die Schulter geschaut hat, weiß was das bedeutet: 120 oder mehr Vinyls in 60 Minuten, ständiges halten und anschubsen, Stop and Go – und dabei keinen Beat verpasst. Seit 30 Jahren galt der 1210er als unverwüstlicher Standardplayer – an dessen Möglichkeiten und Klangeffekten sich selbst Produzenten orientierten, die längst auf digital umgestellt hatten: Wie darf man sich also eine Zukunft ohne die sprichwörtlichen „Wheels Of Steel“ (Grandmaster Flash) vorstellen? Natürlich geistern längst Konkurrenzprodukte von Numark, Stanton, Vestax, Reloop auf dem Markt. Aber hätte ein Rapper jemals eine Zeile an diese blassen Konkurrenten verschwendet? Sollte das Begräbnis des 1210er endgültig sein, und nicht nur eine zur Weihnachtszeit zwecks Umsatzförderung lancierte Ente (wie manche Blogger vermuten) dann bleibt den DJs der Zukunft nicht viel übrig als: Den guten alten Freund auf Raritätenbörsen ersteigern. Sich einen chinesischen Klon zum halben Preis zulegen. Oder: Auf Sex und Glorie eines Plattenspielers ganz verzichten, digital auflegen, und die Beleidigung zu einer permanenten machen.


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26 Kommentare

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Sagittarius
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Mag ich Mag ich nicht

1

01.12.2009 - 17:52 Uhr
Sagittarius

Dazu fällt mir folgendes ein:
Sehr geehrter Herr XXX,
Bezug nehmend auf Ihre telefonische Anfrage teilen wir Ihnen mit, dass der im Betreff genannte Plattenspieler weiterhin hergestellt wird und damit Bestandteil unserer aktuellen Produktpalette bleibt.Der SL-1200MK2 wird seitens Panasonic Australien nicht mehr erhältlich sein.Die vorstehenden Auskünfte werden von uns nach bestem Wissen gegeben. Sie sind nicht rechtlich bindend. Insbesondere stellen sie keine Eigenschaftszusicherung dar, die Ansprüche gegen uns oder Ihren Fachhändler begründen.Mit freundlichen GrüßenIhr Panasonic Customer Care Team Panasonic Deutschland eine Division der Panasonic Marketing Europe GmbH.
Der 1210 MK2 ist nicht alles,es gibt noch den 1210 MK5G der um Längen besser ist,um nicht zu sagen "Der Beste" kostet allerdings auch ein bisserl mehr.
Also nicht gleich wieder alle verrückt machen;)

mixchen
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Mag ich Mag ich nicht

1

01.12.2009 - 19:24 Uhr
mixchen

naja, um längen besser nur weil er anstatt +/-8% +/-16% pitchen kann, ist ein bisschen übertrieben.

bittekeinenquarkschreiben
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Mag ich Mag ich nicht

2

02.12.2009 - 12:35 Uhr
bittekeinenquarkschre…

Könnt ihr bitte wenigstens noch dazuschreiben das der Artikel substanziell falsch ist!!! Der Plattenspieler wird weiterhin erhältlich sein.

bangforthebuck
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Mag ich Mag ich nicht

0

02.12.2009 - 19:19 Uhr
bangforthebuck

naja der mk5g hat noch keylock glaub ich. das rechtfertigt aber nicht den höheren preis, weil wer keylock braucht, auch ohne vinyl auflegen kann.

Little_Joe
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Mag ich Mag ich nicht

2

03.12.2009 - 13:29 Uhr
Little_Joe

drolli sagte:
Ich glaube auch nicht dass es viel mehr als 2000 Euro/stueck kostet das in Kleinstserie/fast Einzelanfertigung herzustellen. So wie ichs verstanden habe ist der Aufbau schlicht und robust. Sogar wenn man die kritischsten Teile per CNC anfertigen muss, sollte das recht problemlos gehen.



Klugscheißalarm... UIUIUIUIUIUIUI.... Klugscheißalarm :)

netzzwerg
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.12.2009 - 23:13 Uhr
netzzwerg

Eine kleine Nachtbetrachtung auf http://www.djcontroller.de/

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jonathan-fischer

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

Jonathan Fischer