Fischbrötchen
Ein Labyrinth tut sich vor Tim auf. Jetzt, wenn das Jahr sich dem Ende neigt, sind es Kalender, die an Drahtgestellen aufgehängt zur Schau geboten werden. In zwei Reihen übereinander, ein Aufsteller neben dem Anderen, wird dieses oder jenes schöne Monatsbild zum Besten geboten. Aus dieser breiten Vielfalt sind für ihn nur solche interessant, die zwei Leben miteinander verkuppeln. Kalender, die für zwei Menschen gedacht sind, und Beispielhaft hat irgendein Verlagsmensch auf dem Titelblatt schon Namen eingetragen. Tim liebt Alexandra. Jetzt sucht er ihren Namen auf den Kalendern. Für ihn ist das ein Spiel. Er findet das nicht neurotisch, aber er kann auch nicht weitergehen, ohne dieses Spiel zu spielen. Es zieht ihn an. Er muss Alexandra finden. Die Namen ziehen geübt vorbei, wie in einer einstudierten Choreographie: Jana, Maike, Rebecca, Catharina,.... Aber was er sucht ist noch nicht dabei. Er wird unruhiger, der Atem schneller, seine Schritte um das triste Papiergehänge beschleunigen. Anja, Lilly, Eva, Marie, Sophie. Seine Finger fahren immer hektischer an den nichtssagenden Illustrationen vorbei. Eigentlich ließt er nurnoch die Anfangsbuchstaben, und sein Herz versucht pochend die Realität zu übertönen. In Tims Kopf schreit eine Stimme: WER SIE NICHT FINDET, DER KANN NUR EIN VERSAGER SEIN. Leonie, Julia, Lynn ...... Alexandra! Es geht ihm nicht um Snoopy, der unter Alexandra abgebildet ist. Es geht um den Namen neben ihr. Aber da steht nicht Tim. Da steht Uli. Uli hat Alexandra. Fuck. Enttäuscht sinken seine eben noch hektischen Züge in sich zusammen. Immerhin, auch wenn er nicht gewonnen hat, das Spiel, es ist vorbei. Tim hat mal ein Sprichwort gehört, das ging ungefähr so: "Wer einen Krieg verliert, verliert deshalb nicht gleich die ganze Schlacht". Sein Kopf ist nicht so gut, findet Tim. Der verändert manchmal die Sachen so komisch. Er findet ihn auch nicht sehr schön, seinen Kopf. Aber andere Leute haben gute Köpfe, und die machen dann schöne Sätze. Tim mag schöne Sätze. Er versucht seine salzigen Tränen wegzudenken, und macht sich auf den Weg nach draußen. Das nächste Spiel beginnt. Das nächste Spiel sagt, man darf nicht weinen. Das nächste Spiel sagt: Sei unsichtbar. Wenn man sich nur alle Mühe gibt, ganz genauso zu sein, wie die anderen Menschen einen erwarten, wenn man niemals einen Grund gibt als besonders zu gelten, dann wird man nicht gesehen. Er lässt die ganzen Vorstadteinkaufszentrumsbesucher an sich vorbeiziehen, und wird Eins mit der kitschigen, goldgrünen Weihnachtsdeko, die das amerikanisch angehauchte Bild bestimmt. Der Duft von Plätzchen zieht vorbei, und überall wartet das verlockende Funkeln auf seine Käufer. Tim ist kein Käufer. Tim ist ein Geist. Einmal geht seine Fassade kurz zu Bruch, einmal sieht er ein Mädchen, das zu schön ist. Da sagt sein Kopf: Sieh ihr hinterher. Er guckt auf ihren Jeanspo. Und ihre schönen Haare. Er liebt sie ein bisschen. Aber dann erinnert er sich an das Spiel. Er will nicht verlieren. Wenn sie ihn entdecken, wer weiß was dann passiert. Hexen haben sie verbrannt, hat Tim gelernt. Tim will nicht verbrannt werden. Er hat einmal vergessen, dass eine Herdplatte noch heiß war. Jetzt weiß er: Verbrennen tut weh. Eine Fastfoodkette, die sich Fisch auf die Segel schreibt (Das ist noch so ein schlaues Sprichwort, da hängen garkeine Segel, und Fisch steht auch nicht darauf) taucht neben ihm auf. Tim möchte ein Fischbrötchen und eine Cola. Tim möchte nicht alleine sein. Die Cola wäre sein Freund. Colas meckern nicht, nie. Aber er weiß nicht wie man hier einkauft. Was sagt man zu Fischbrötchenverkäufern ? Also geht er am Laden vorbei. Er setzt sich auf eine Bank. Plastikweihnachtsidylle überall, aber keine rettende Idee. Dann plötzlich doch: In einem Computerspiel bei seinem Bruder hat er es schonmal gesehen. Wie man das macht. Mission: Get the Fish Objectives: Buy a bread roll with fish and a coke from "Nordsee" salesman Reinhard W. (Target Distance: approx 2 mtrs) Tim möchte den Schwierigkeitsgrad per Mausklick wählen, aber er darf nicht. Irgendwer hat das für ihn getan. "Impossible", aber Tim ist jetzt ein Geheimagent. Geheimagenten können das, Fischbrötchen kaufen, sagt Tim sich. Er stellt sich vorsichtig in der Schlange an, den Masterplan im Hinterkopf, und vergibt Namen an die Leute, damit kein Platz für Angstgedanken bleibt. Olga, Horst und Eliana. Eliana hat Tim zwar noch nie gehört, aber neue Sachen sind kreativ, glaubt er. Und er möchte so gerne kreativ sein. Er legt seinen kreativen Missionsplan für die zweite Phase zurecht. Welche Wörter er benutzen wird, und eine Exit-Strategie. Wenn es sein muss, wird Tim auf seine Uhr gucken, und geschäftig schauen. Und dann rennt er aus der Schlange, und aus diesem Haus, in eine andere Welt. Schließlich ist er dran. Er bestellt. Wie er es vorher vorbereitet hat, sein Plan geht auf. Sie nehmen das Geld, obwohl es von ihm kommt. Geld nehmen sie alle, zum Glück. Irgendwo weit abseits findet er einen Platz, für sich und seine neuen, gekauften Freunde. Er umarmt den Pappbecher. Jetzt gibt es nurnoch die beiden.
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30.11.2009 - 16:34 Uhr
Schokobaerchen
Schokobaerchen sagte:
1. rebecca steht nie auf solchen kalendern. und wenn, dann mit 2k oder ck. aber niemals mit cc :P (aber da der name hier vorhanden ist, interessiert mich brennend, welcher name daneben steht...)
2. ich will auf ein fischbrötchen!
3. guter text.
4. =]
*auch. :D:D:D ich will AUCH ein fischbrötchen. ai ai ai.








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30.11.2009 - 16:19 Uhr
Schokobaerchen
2. ich will auf ein fischbrötchen!
3. guter text.
4. =]