27.11.2009 - 18:33 Uhr

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"Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen."

Text: regenstuermerin

[Welt Kompakt – von der Zeitung kann man ja halten, was man will, aber die Werbung derzeit ist zum Teil echt gelungen...] "Oh! If you got facebook, search me! I got some beautiful pics from our trip on there…", schreibt mein hinreißender Argentinier und lässt mich lächeln. Ich antworte trotzdem, auch weil ich nicht wie ein verliebtes Girlie scheinen will, das sich natürlich sofort einloggen würde, um sich ein paar Bildchen der Urlaubsaffäre anzusehen: "Show me over a beer some time, I don’t do facebook." Großes Erstaunen seinerseits und ein peer-pressured doppeltes Fragezeichen bezeichnet mich Nicht-facebook-Userin tatsächlich schon fast als rückständig: "Why not??" Where do I begin!? Facebook. Twitter. Studi-VZ. Und wie sie alle heißen. Geißeln der Menschheit! Klar, für Herzensfreunde, die tatsächlich Welten weit weg sind, wie Su in Südafrika oder die Jungs in Spanien oder lass es nur Scharri in Stuttgart, demnächst München sein... Super! Her mit den Blogs! Den Mails! Den Anrufen! Und wäre facebook tatsächlich nur eine wunderbare Sache für z.B. Fotos, wie mein Argentinier ausführt, was für mich heißt: ganz unverbindlich anonym und ohne Anmeldung... Wunderbar! Ich wäre sofort dabei! Aber diese ganze „Anstalkerei“, wie Helenchen es bei facebook immer nannte, oder das große Gruscheln auf Studi-VZ... Leute, die man kaum kennt, werden plötzlich zu „Freunden“ und noch mehr Freundesfreunden, während deine echten Freunde dir tatsächlich 1000 Welten weiter weg scheinen, weil man sich nur noch anmailt, statt wirklich in einer Bar auf einen Drink trifft, wo wir doch kaum zwei U-Bahn-Stationen voneinander entfernt wohnen. Trotzdem schaffen wir es kaum, uns zu sehen, nicht einmal, um nur kurz ein paar Plakate abzuholen. Dafür finden wir aber genug Zeit, einen Blog zu schreiben. All die schöne heile Welt der Kommunikation... ein Segen? Seit der ständigen Erreichbarkeit, die nicht mehr nur Anwälte meiner Kanzlei 24/7 für sich in Anspruch nehmen, ausgereizt durch den Trend i-Phone und Blackberry neben den gängigen zwei E-Mail-Accounts plus diversen Netzwerk-Logins, die auch erst einmal alle gemerkt und regelmäßig gecheckt sein wollen, dazwischen also fühlt sich der Großteil meiner Freunde und Bekannten sowie meine Wenigkeit nur noch gestresster. Ungeduld ist seither Gang und Gäbe und spontane rainchecks per SMS von beiden Seiten (Asche auf mein Haupt) sind an der Tagesordnung. Mal ganz abgesehen davon, dass wir viel verzettelter durch die Multi-Tasking-Welt rennen und kaum mehr eine Sache am Stück ohne Unterbrechung durchziehen können, weil schon wieder eine neue Benachrichtigung hierüber und ein neuer Kommentar darüber angezwitschert kommt. Jede neue Nachricht ein Baum des Waldes, den man schon kaum mehr sieht als Brett vor dem Kopf, wir völlig vernagelt... müssen nur noch schnell diesen Anruf entgegen nehmen und diese Mail beantworten und hier Feedback geben und da Fotokommentare checken. Sitzen wir dann doch mal zu viert in einer Bar, liegen auch alle vier Handys mit auf dem Tisch, frei nach der Parole „Seid bereit! Immer bereit!“. Früher nannte man das Diktatur, und tatsächlich scheint es heute nichts anderes zu sein, das Diktat des Verbundenseins, der Verbind-mich-keit. In diesem Moment ruft mich freenet an und schenkt mir eine Sim-Karte mit 10 € Guthaben ohne Vertragsbindung... denn wir sind ja noch nicht connected genug!! (Natürlich sage ich zu dem Angebot ja.) Haben wir verlernt uns Freiheit Freizeit loszulösen oder wollen wir es gar nicht mehr? Erinnere mich an vier grandiose Wochen Spanien: ohne Handy, ohne Internet... ein Traum! Ruhe. Frieden. Wellenrauschen. Die wichtigsten Leute traf man, rief man an von einer Telefonzelle aus an oder schrieb sogar Postkarten! (Wer kennt heute noch Briefe?) Ganz einfach weil man die Zeit hatte. Und Muße. Ohne Ablenkung. Ganz entspannt. Fokussiert. Nie ausgelaugt von viel zu viel Information, die sich als Reizüberflutung gar nicht mehr verarbeiten lässt! Natürlich ist Vernetzung ist wichtig! Und Kontakte pflegen! Aber meine Freunde sind meine Freunde vor allem im realen Leben. Und nach 7 Stunden konstant online und am Telefon für den Job, bin ich auch einfach dankbar, wenn man einmal den Stecker ziehen kann. Und das mal ausnahmsweise ganz ohne Gruppenzwang.


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BIST DU DIE ANTWORT... WILL ICH DIE FRAGE SEIN.
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