Neues aus der Bewerbungsanstalt
Wir sitzen in einer Stuhlreihe, die pädagogisch wertvoll einen Halbkreis formt. Eine klare Mehrheit an Frauen und zwei Typen, die nun auf die Erlösung von ihren Fragen warten. „Bewerben im Web 2.0“ – ein verheißungsvoller Titel. Frau D. will uns Antworten geben. Frau D. ist spritzig. Sie war einst Personalerin und plaudert gern aus dem Nähkästchen. Zudem ist Bewerben für sie ganz was Spannendes. Auch wenn sie gerade hier als Referentin eines bekannten Verlags für Bewerbungsliteratur ist, liegt sie gern in mehreren Bewerberpools, um das Glücksrad weiter drehen zu lassen... Heute sieht sie allerdings aus, als wäre sie auf dem Weg zur Reitstunde. Ihre leicht angewitterten ü-30-Züge versucht sie mit Pferdeschwanz und dem enge-Jeans-in-hohe-Stiefel-Look vom vorletzten Jahr zu kaschieren. Nach dem Vorstellungsgespräch ist anscheinend wieder alles erlaubt.Erste Vorstellungsrunde. Was erwarten wir? „Ja, ich wüsste gerne, wie das mit der Online-Bewerbung ist, also, so im Gegensatz zur normalen Bewerbung- und wie ich mich von den Anderen absetzen kann!“ – das wollen irgendwie alle. Ein Gähnen legt sich mir in den Mund. Wie mache ich eine PDF-Bewerbung? – D.: „Das möchte ich hier gerne entmystifizieren! Die PDF-Bewerbung unterscheidet sich im Grunde nicht von der Papierbewerbung!“ Und wie ist das mit den Online-Bewerbungstools? D:„Ja, unterschiedlich. Je nach Unternehmen gibt es unterschiedliche Masken.“ Elanvoll doziert Frau D. ihre Weisheiten aus ihrem letzten Leben in der Personalabteilung. Wahres Gold. Wir hören, dass wir sowieso zuerst mal unsere Kompetenzen definieren müssen. Jeder soll jetzt schnell seine drei Hauptkompetenzen aus dem Hirn wringen und seinem Nachbarn darstellen. Viele sind sichtbar gefordert. „Ich rufe Sie heute Nacht um drei an, und da müssen Ihre Kompetenzen wie aus der Pistole geschossen kommen!“ peitscht D. auf die eingeschüchterten Bewerbungsazubis nach der Auswertung ein. Jeder hat die Message verstanden. In der Abschlussrunde weiß jeder brav zu sagen, dass er und sie sich mehr mit seinen und ihren Kompetenzen beschäftigen muss. Eine sagt noch, für sie habe sich die Online-Bewerbung jetzt entmystifiziert. Ich habe noch eine Frage, die sich mir seit Beginn des Seminars stellt: Wie ist das mit den wahren web 2.0-Apps? Facebook, Xing und so weiter? Was ist da gerade state of the art? D: „Ähm, ja, also ich habe mich ja bisher geweigert, mir ein Profil dort anzulegen. Aber das ist sicherlich das Ding der Zukunft! Das wird demnächst eine riesige Rolle beim Bewerben spielen!“
Aha. Danke. Frau D. hat keine Ahnung. Schade eigentlich.
virgina sagte:
diese seminare sind furchtbar. selbstdarstellung und lügen ist der inhalt. und die dozenten haben keine ahnung!
es gibt auch sehr gute seminare und coaches, dies nur zu verteidigung einiger mir bekannter.
mal schauen, wann ich zu solchen seminaren geschickt werde...








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25.11.2009 - 13:30 Uhr
blucashmere