23.11.2009 - 18:30 Uhr

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„Reiche Söhnchen“ gegen „linke Zecken“

Text: xifan-yang - Fotos: ddp

Bei der Audimax-Besetzung werden alte Klischees aufgewärmt, aber auch konstruktive Diskussionen geführt

Die Botschaft ist unmissverständlich. „Lieber Herr Präsident der LMU,“ heißt es in einem der letzten Einträge auf der Internetplattform Facebook, „machen Sie von Ihrem Hausrecht Gebrauch und lassen Sie die Polizei das Audimax räumen!“ Die Gruppe, die derzeit solche Drohkulissen im Netz aufbaut, trägt bezeichnenderweise den Arbeitstitel „Bitte werft die Hippies aus dem Audimax der LMU!“. In den letzten Tagen hat sie fast 1 000 Mitglieder rekrutieren können, die meisten davon BWL-, VWL- und Jurastudenten. „Dem Spuk ein Ende setzen“, fordert einer, eine massive „Gegenfront“ bilden, ein anderer. Die Unterstützer des Bildungsstreiks reagieren zum Teil ähnlich gereizt: „Kann ja nicht jeder reiche Eltern haben!“ Die Bedrohung wird ernst genommen. Die „WIWIs“ (Wirtschaftswissenschaftler) könnten „zu einem sehr gefährlichen Faktor für uns werden“ schreibt der Autor „shadowman“ auf dem Blog zum LMU-Protest. Und weiter: „Bald kann alles vorbei sein.“ „Wir bezahlen die Zeche“ Der Konflikt hatte sich schon in den ersten Tagen angebahnt. Am 11. November versuchte eine Handvoll Studenten erstmals, eine Vorlesung im Audimax zu stürmen. Was sie nicht wussten: Dort saßen BWL-Erstsemester. Es wurde gebuht, mit Papierkugeln nach den Demonstranten geschmissen. Die „linken Zecken“, wie sie beschimpft wurden, mussten kleinlaut wieder abziehen. Zwei Wochen später, der Audimax ist besetzt, Zehntausende gehen in Deutschland auf die Straße, Merkel und Landespolitiker signalisieren Einlenken. Der interne Streit unter den Studenten hat aber weiter an Fahrt gewonnen. Inzwischen machen die ersten Unterschriftenlisten für ein Ende der Audimax-Besetzung die Runde. Für Unmut sorgt besonders die Tatsache, dass die Veranstaltungen im größten Vorlesesaal der Uni weiter ersatzlos ausfallen. „Elf von 18 Vorlesungen, die hier stattfinden, werden von uns besucht“, sagt Rafael von der Fachschaft der Wirtschaftswissenschaftler (WASTI): „Wir bezahlen die volle Zeche für den Streik.“ Die Stimmung unter den Kommilitonen sei am Boden.
Das Problem: Ersatzräume sind schwer zu organisieren. Im Audimax tragen Dozenten vor mehreren hundert Studenten ihren Stoff vor. Räume in vergleichbarer Größe gibt es nicht. Die Forderungen der Besetzer sind ein weiterer Streitpunkt: Zu „unrealistisch“ sei das aktuelle Positionspapier, sagen die Gegner, zu „weltverbesserisch“ der Anspruch. Statt ein Lernendengehalt für alle und die Abschaffung des NCs zu fordern, solle man sich auf machbare Kernforderungen konzentrieren, zum Beispiel eine Überarbeitung des Bachelors oder mehr Transparenz bei der Verwendung der Studiengebühren. In einer offiziellen Stellungnahme des WASTI beklagt man sich darüber, dass im Audimax immer noch kein offizieller Forderungskatalog zustande gekommen ist. „Erstaunlich ineffizient“ liefen die Plenumssitzungen ab, es werde „zu wenig über Inhalte und zuviel über Formalien diskutiert“. Dass man sich in einigen Studiengängen nicht mit dem Protest identifiziert, hat außerdem mit dem ideologischen Graben zu tun, der sich zwischen den Gruppen aufgetan hat. Die VWL-Studentin Anna ist genervt von den, wie sie sagt, „Trittbrettfahrern der Antifa“. Die Ziele des Streikes könne sie unterschreiben, aber: „Mit manchen Leuten im Audimax will ich nichts zu tun haben.“
Das ist inzwischen bei den Leuten im Audimax angekommen. „Im Plenum ist jeder erwünscht“, sagt Dominik, Theaterwissenschaftsstudent. Er ist seit Beginn der Proteste aktiv, moderiert gelegentlich die Sitzungen im Plenum. Linke Gruppen hätten einen großen Anteil daran gehabt, den Streik überhaupt auf die Beine zu bringen, erklärt er. Eine „Entideologisierung“ der Forderungen sei jetzt aber bestimmt sinnvoll, um einen Konsens unter den Studenten zu schaffen und jene, die sich bislang nicht beteiligen wollten, zu mobilisieren. „Unser Ziel ist größer“ Worte wie „Neoliberalismus“ habe man mittlerweile aus dem Positionspapier gestrichen. Zur Fortführung der Besetzung sieht er allerdings keine Alternative: „Unser Ziel ist größer, als dass manche ihre Vorlesungen nicht besuchen können. Wenn wir da Ausnahmen machen, können wir gleich einpacken.“ Man versuche einen Kompromiss zu finden, etwa Professoren dazu zu bewegen, ihre Vorlesungen als Skript oder Stream im Internet anzubieten. Andere Stimmen fordern ebenfalls, die „WIWIs“ besser in den Protest zu integrieren. „Die fachspezifischen Fertigkeiten der WIWIs wie Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsfähigkeit sind genau das, was der Besetzung bisher fehlt“, kommentiert jemand auf www.unsereunibrennt.de. Auch die Fachschaft der BWLer versucht jetzt, sich so gut wie möglich von der Hippies jagenden Facebook-Gruppe zu distanzieren. „Dass ausgerechnet wir BWLer die Leidtragenden der Besetzung sind, hat sicher nicht dazu beigetragen, sich gegenseitig ernst zu nehmen“, sagt Rafael vom WASTI. Auf der nächsten großen Münchner Demo am Mittwoch wird er aber trotzdem mitlaufen.


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Bastie
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Mag ich Mag ich nicht

4

23.11.2009 - 20:12 Uhr
Bastie

PS: Ja ich arbeite nebenbei um mir das Studium leisten zu können!

alcofribas
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.11.2009 - 20:13 Uhr
alcofribas

jbo007 sagte:
dass sie die studienbedingungen verbessern wollen. wie geht das mit bier?


ich könnte hier das blockseminar "lebensführung in der modernen welt" (WS 1997/98) nennen, da waren wir am abend vorher auf kneipentour, allein der restalkohol hat uns den samstag durchstehen lassen und den schein möglich gemacht

diedrossel
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Mag ich Mag ich nicht

17

23.11.2009 - 20:13 Uhr
diedrossel

500 euro plus semesterticket, studentenwerksbeitrag und bücherkosten. mac einen tausender pro semester draus und wir sind in der realität. und das ich auf einen schlag zu zahlen, abstottern nicht möglich. und es ist auch nicht steuerlich absetzbar, im gegensatz zu fortbildungen. also hier mal nicht äpfel mit birnen vergleichen.

Laudi
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Mag ich Mag ich nicht

5

23.11.2009 - 20:17 Uhr
Laudi

jbo007 sagte:
Laudi sagte:
jbo007 sagte:
war mal jemand von euch in den letzten tagen in der uni, am audimax? es stinkt, das audimax ist verdreckt, überall stehen bierflaschen. was ist daran denn lernwillig?


was hat das eine mit dem anderen zu tun?


diese besetzer sagen von sich selbst, dass sie die studienbedingungen verbessern wollen. wie geht das mit bier?



was ist denn an bier so schlimm? wär chai latte besser?

afrirali
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22

23.11.2009 - 20:26 Uhr
afrirali

man muss die forderungen der studierenden ja echt nicht mögen, aber dieses ganze: die trinken da bier, wie kann das ernst sein, da muss man ob der plattheit der gegenargumente fast wieder für diese studis sein. natürlich ist das auch ein soziales event, natürlich hängen die leute miteinander ab, natürlich muss da auch gefeiert werden, weil so mobilisierung und sozialisierung funktioniert. das sagt nicht das geringste über die forderungen aus, an denen man nun auch wirklich viel kritisieren kann. aber so viel plattheit auf einen schlag, das ist echt kaum erträglich.

TomJones
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Mag ich Mag ich nicht

-19

23.11.2009 - 20:28 Uhr
TomJones

Ich finde es sehr erfreulich, dass endlich mal die vernünftige Gegenseite zu Wort kommt. Unsere Studenten sind nämlich nicht nur der krakelende Mob, sondern auch arbeitssame und motivierte Studenten, die mit ihren Studienabschlüssen unserem Land weiterhelfen können.
Dass man sich dazu auf den Hosenboden setzen und hart arbeiten muss, ist selbstredend. Manche setzen sich lieber auf den Aulaboden und stricken. Das steht ihnen natürlich frei, aber den Studenten nützlicher Fächer das Studium unmöglich zu machen, ist selbstverständlich asozial.

Citterio
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Mag ich Mag ich nicht

-11

23.11.2009 - 20:28 Uhr
Citterio

diedrossel sagte:
500 euro plus semesterticket, studentenwerksbeitrag und bücherkosten. mac einen tausender pro semester draus und wir sind in der realität. und das ich auf einen schlag zu zahlen, abstottern nicht möglich. und es ist auch nicht steuerlich absetzbar, im gegensatz zu fortbildungen. also hier mal nicht äpfel mit birnen vergleichen.

Verlustvortrag bzw. Sonderausgaben sind aber für ein Studium möglich. Und es steht ja jedem frei auch BWL zu studieren, wenn er mehr verdienen möchte.

diedrossel
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Mag ich Mag ich nicht

1

23.11.2009 - 20:32 Uhr
diedrossel

es steht jedem frei?

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Mag ich Mag ich nicht

15

23.11.2009 - 20:32 Uhr
diedrossel

dann sollen sie doch kuchen essen!

jbo007
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Mag ich Mag ich nicht

-14

23.11.2009 - 20:37 Uhr
jbo007

ich will niemandem das trinken verbieten. aber wenn er damit den größten hörsaal der uni blockiert und sonst nicht viel bei rum kommt, dann kann man das alles schon mal anzweifeln.

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xifan-yang

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.