Dänisches Abi mit Google
In Dänemark dürfen Schüler sogar in ihren Abschlussprüfungen das Internet zu Rate ziehen
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22.11.2009 - 18:32 Uhr
vaus
Erkennungssoftware ist unheimlich toll, funktioniert aber nicht lückenlos.
Außerdem war den Prüflingen aus guten Gründen bisher auch nicht erlaubt, die Schulbibliothek zu benutzen. Es ist zu zeitaufwändig, aber der Schüler würde lieber seine Zeit verschwenden. Es ist fraglich, ob wir jemandem den Reifegrad des Abiturs zusprechen sollen, der alles und jedes nachschauen muss und keine große Eigeninitiative mehr bringen muss.
Hingegen eine Auswahl von Nachschlagewerken (eine Auswahl deswegen, dass man sich nicht in der Fülle verheddert) auf reinen Prüfungs-Computern, also ein definierter Umfang von entsprechenden digitalen Hilfsmitteln, das ist durchaus zu begrüßen und hilfreich. Wenn man sich in Mathe z.B. die komplexe Funktion in wenigen Sekunden zeichnen lassen kann und dadurch evtl. mehr versteht. Oder die Formelsammlung schneller durchsucht ist. Oder ein eingeschränktes Spektrum an guten Zitaten Arbeiten wirklich aufwertet und letztlich so auch dem Schüler Mehrwert bringt.
22.11.2009 - 19:13 Uhr
MorbusBahlsen
fetzt sagte:
toll mit google hilfe kriegt doch jeder trottel ne gute note, ohne zu lernen
tja, wenn trottel aufgaben stellen, die man einfach per google lösen kann.
Und was nützt einem Schüler ein vorschnell ergoogeltes Zitat, dessen Kontext er mangels Kenntnis des Kontexts überhaupt nicht versteht, nicht einordnen kann, oder vielleicht sogar falsch einsetzt?
Was würdest du sagen, hat ein Abiturient durch das Abitur dann "gelernt"?
(2) Zitate: Es nützt ihm natürlich nichts, und er wird dafür hoffentlich auch keine gute Note bekommen. Wenn der Schüler aber ein Zitat richtig einordnet, es richtig einsetzt, mit dem Zitat seine eigene These untermauert, dann bekommt er eine gute Note.
Im praktischen Alltag benutzen wir auch immerzu google. Zumindest ich. Es löst ein paar Probleme, nämlich diejenigen, die ich auch durch Literatur lesen lösen könnte. Aber es erlöst mich nie davon, Denkarbeit leisten zu müssen. Bei Schülern verhält sich das genauso. (Es zeigt übrigens schon einiges an Verständnis an, die richtigen Suchbegriffe bei google eingeben zu können.)
Und selbst ohne Internet ist das jüngst erst in einem Mathe-Abitur passiert, das ja von mehreren Lehrern vorher bearbeitet wird (wurde auch auf jetzt.de berichtet)! Wir öffnen uns damit nur Pandora's Box.
Von wo wird denn zitiert? Was ist hier noch zitieren und was Abschreiben beim Zitate-Suchen? Denn der Schüler wird die wohlbedachten Gedanken und Formulierungen einer Interpretation, aus der zu zitieren es sich lohnen würde, sehr interessant und eingängig finden, so eingängig, dass er sich unweigerlich denken muss, nicht selbst denken zu müssen, da er auf so etwas eh nie gekommen wäre von allein. Oder sollen wir dann nur Literatur nehmen, die einfach noch nicht genügend durchgekaut ist, ergo unbedeutsam?
aber die debatte ist eigentlich müßig, dänemark hat dich ja widerlegt.
Viele Versuche Fächer in Fremdsprachen zu unterrichten sind nicht sehr erfolgreich verlaufen. Selbstverständlich ist es durchaus praxisgerecht Erdkunde auch mal in Englisch zu hören, wird man Geologe sind viele Texte auf Englisch.
Letztlich ist dann aber nicht herauszufinden, ob der Prüfling jetzt schlichtweg die Frage nicht verstanden hat, weil sein Englisch schlecht ist, oder ob er wirklich von Erdkunde keine Ahnung hat. Das soll aber geprüft werden.
Es ist nicht nachvollziehbar, warum jemand eine bessere Mathenote bekommen soll, nur weil er besser mit Google umgehen kann. Später wird es nämlich - insbesondere in der Entwicklung - durchaus Problemstellungen geben, die eben NICHT mal eben im Matheforum nachzusehen sind.
Es geht um den alten Satz, dass man ja garnichts zu wissen braucht, sondern nur wissen muss, wo es steht. Demnach müsste die einzige Schulbildung in Zukunft darin bestehen möglichst effektiv Google zu nutzen. Wozu Mathe wo es doch Maple und Matlab gibt?
Neinnein, die Schule soll Grundlagen auf breiter Basis vermitteln und dazu gehört, dass man ohne weitere Hilfsmittel einfache Aufgaben zügig lösen kann. Dass reines Auswendiglernen ebenso unsinnig ist wie alles benutzen dürfen hat man früh erkannt, daher gibt es einfache Taschenrechner und simple Formelsammlungen.
Schon die Einführung des graphikfähigen Taschenrechners geht meines Erachtens zu weit. Die Vorstellung einer Kurve an Hand weniger Werte gehört genauso zum mathematischen Grundverständnis wie das lösen einfacher Gleichungssysteme oder das Wissen um wenige Werte der Kreisfunktionen. Man muss eben NICHT nur wissen, wo es steht. Entscheidend ist das Gefühl für die Sache, das schnelle Erfassen des Ansatzes.
Kein Entwickler kommt je weiter, wenn er nie gelernt hat selbst zu denken, sondern nur nachschlägt. Mathe ist hierfür wirklich das Paradebeispiel.
Nicht alles was die Skandinavier machen ist uneingeschränkt großartig. Hier sollte wohl doch noch einmal gründlich überlegt werden.
DagnyTaggart sagte:
Ist ja nichts neues, dass die Qualitaet des Abis exponentiell mit der Entfernung vom Weisswurstaequator abnimmt.
klingt so als ob das abi eine neue wurst sei.
(von wegen internetrecherche - kenntnissen und so)
ansonsten, ich habe dänische studierende schon zu genüge an der uni als dozentin kennengelernt, die sind auf keinen fall unfitter als deutsche.
(was viele hier vielleicht nicht wissen - in dk gibts ja auch erst ab klasse 8 oder 9 noten ;-) unvorstellbar, was? V.a. südlich des "weißwurstäquators" wo es ja , wie ich gehört habe, noten ab der 2.klasse (inkl. kopfnoten) geben soll(grusel). )
Wir Deutschen suchen ja immer gerne Vorbilder in anderen Ländern, aber Dänemark sollten wir da aussparen.










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22.11.2009 - 18:32 Uhr
vaus