16.11.2009 - 18:30 Uhr

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Rap Review Rendezvous – Vol. IX. Wir hören neue Platten mit Björn Beton (Fettes Brot)

Text: daniel-schieferdecker

Rap-Musik, das bedeutet immer auch Sprache, Austausch, Kommunikation. Aus diesem Grund plaudert jetzt.de jeden Monat mit einem Vertreter aus dem großen weiten HipHop-Kosmos über einige aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit Björn Beton von Fettes Brot über die Neuerscheinungen von den Orsons, Glashaus, Marc Hype & Jim Dunloop, BK-One und She MC. Und irgendwie auch noch über Mayer Hawthorne. Und Diamond District. Und K-Os. Und Wale…

In dieser Kolumne geht es um einen Dialog. Um ein Zwiegespräch zwischen Rapper und Rezensent. Aus diesem Anlass haben wir uns diesmal Björn Beton von Fettes Brot mit ins Boot geholt. Einer Band also, die zusammen mit Leuten wie den Beginnern oder der Tobi und das Bo vor zehn Jahren die Hansestadt Hamburg zum Herzstück der hiesigen HipHop-Szene hat werden lassen und seitdem konsequent und gemeinsam erfolgreich weiter an ihrer ureigenen Version genreübergreifender Rap-Musik werkelt. Derzeit arbeitet das Trio an gleich zwei neuen Alben für 2010, die beide mit Band eingespielt werden. Es dürfte also spannend werden im nächsten Frühjahr. „Da draußen“ Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und:
Die Orsons - "Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons" jetzt.de: Wie hast du das Album aufgenommen? Björn Beton: Ich hatte zur Platte bereits eine vernichtende Kritik gelesen, die den Orsons aber durchaus zugestanden hat, mit diesem Album etwas ganz Eigenes geschaffen zu haben. Ich selbst finde das musikalisch auf jeden Fall sehr innovativ und spannend, habe inhaltlich aber nicht verstanden, was die eigentlich von mir wollen. Auch nach mehrmaligem Durchlauf nicht. Vielleicht soll das auch so sein, aber ich hätte gerne etwas mehr über die Menschen hinter den Stücken erfahren, so wie sie es in "4PigsAquaCadillacStill“ kurz andeuten. Ist das ein Aspekt, der dir generell beim Hören einer Platte wichtig ist? Nein, nicht unbedingt. Man kann auf einem Album genauso gut eine Fantasiefigur etablieren, aber es muss irgendwie nachvollziehbar bleiben. Ich frage mich immer, was für ein Gemeinschaftsgefühl eine Platte erzeugt. Und das Gemeinschaftsgefühl bei diesem Album scheint zu sein: „Wir sind alle scheißdumm, hurra!“ Das ist mein Eindruck. „Es fühlt sich gut an, ein Orson zu sein“: In der HipHop-Szene werden die Orsons sehr gespalten aufgenommen. Die einen feiern sie als Vertreter eines längst überfällig gewordenen neuen Love-Movements, die anderen fühlen ihren harten Straßen-Rap-Lifestyle verarscht und verraten. Du scheinst ein bisschen ratlos zwischen den Stühlen zu sitzen. Dass jemand seinen Straßenlifestyle dadurch verraten sieht, weil die Jungs einen humorvollen bis dadaistischen Ansatz in ihren Texten verfolgen, dafür habe ich kein Verständnis. Das finde ich vollkommen in Ordnung – völlig unabhängig davon, ob das nun auch interessant ist. Per se finde ich es immer spannend, die Grenzen zwischen Rap-Handwerk und Popmusik aufzuheben. Die Jungs haben auf jeden Fall Talent. Auf Disses reagiert man im Rap oft mit Gegendisses, auf verbalierten Hass mit Hass. Die Orsons setzen jetzt mit Liebe dagegen. Kann das in einer Battle-Kultur wie HipHop funktionieren? Natürlich. Auf Hass mit Liebe zu reagieren ist ja prinzipiell erst einmal ein guter Plan. Aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob die Band sich tatsächlich zum Ziel gesetzt hat, die Aggressionen im HipHop mit Liebe zu bekämpfen. Ihnen ging es wohl vielmehr darum, ihren Spaß an der Musik zum Ausdruck zu bringen. Viele Leute machen Musik, weil sie sich etwas von der Seele schreiben wollen und der Schmerz aus ihnen heraus will. Aus den Orsons möchte hingegen der Spaß heraus. Beides ist natürlich vollkommen legitim und in Ordnung.
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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.