13.11.2009 - 18:30 Uhr

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Keine Shirts von einem toten Torwart

Text: jan-filipzik - Foto: privat

Ein Anruf bei Timo, der mit seiner Idee eines Robert-Enke-Gedächtnis-Shirts die Internet-Gemeinde entzweite.

Menschen wollen trauern dürfen. Und manchmal gehört dazu eben auch ein T-Shirt als Andenken. Als Michael Jackson noch nicht einmal unter der Erde war, da wurden die sogenannten Gedächtnis-Shirts – mit dem Konterfei des Verstorbenen und einem entsprechenden Text – schon fast zu einer Art Kultobjekt. „Du magst Michael? Dann trag das Shirt!“, lautete die Devise. Wenn die Menschen Michael wollen, dann wollen sie bestimmt auch Enke, denkt sich Timo Raber, 27. Selbst ein großer Fan des Torwarts, beginnt der junge Geschäftsmann einen Tag nach dessen Tod, selbstproduzierte Enke-Gedächtnis-Shirts über seinen Shop bei Ebay zu verkaufen. Wo sonst Rollstühle, Sportschuhe, Dessous und Fanschals zu kaufen waren, gibt es nun auch Enke. Doch Timos Angebot entzweit die Fans. Neben zahlreichen Bestellungen bekommt er Hass-Mails und Drohungen geschickt. Mehr als 200 davon in fünf Stunden. Was er mache, sei absolut „geschmacklos“, er sei ein „ekelhafter Mensch“ und er solle „verrecken“, steht da. Auch sein Privatleben bleibt von den Hass-Tiraden nicht verschont. Unter ein Foto im Portal Studi-VZ, das ihn zusammen mit seiner Freundin zeigt, hat ein User geschrieben: „Was bezahlt man eigentlich dafür, um sich mit einer Nutte ablichten zu lassen?“ Und auf seiner Pinnwand, die für jeden einsehbar ist, entsteht derweil eine Diskussion darüber, ob es ethisch korrekt ist, mit dem Tod anderer Menschen Geld zu verdienen. jetzt.de: Wie bist du auf die Idee gekommen, solche T-Shirts zu verkaufen? Timo: Ich habe die Shirts nach dem Tod von Michael Jackson zum ersten Mal bewusst gesehen. Es gibt Leute, die ehren einen verstorbenen Menschen mit so einem Shirt. Ich wollte allen Fans die Möglichkeit geben, ihre Trauer über den Tod von Robert Enke auszudrücken. Um eine Sache direkt klarzustellen: Mir ging es dabei nie um den Profit. Es war immer geplant, einen Teil des Erlöses an die Stiftung „Kinderherz“ zu spenden, für die Robert Enke Botschafter war. Wie hast du denn die ersten Reaktionen auf dein Angebot bei Ebay erlebt? Die ersten Reaktionen waren durchaus positiv. Ich bin sogar gefragt worden, ob ich nicht auch individuelle Shirts drucken kann. Aber dann kam plötzlich auch vermehrt negative Kritik. Am Anfang war das noch harmlos, aber dann wurde es immer schlimmer und ist richtig ausgeartet.
Timo Wie genau ist das denn abgelaufen? Zuerst habe ich über meinen Ebay-Account Dutzende Mails bekommen, dann über die Mail-Adresse meiner Firma. Und zum Schluss kamen noch die Benachrichtigungen über die Einträge auf meiner Pinnwand im Studi-VZ. Da habe ich mich schon erschreckt, wie schnell so etwas gehen kann. Hast du irgendwann einmal Angst bekommen wegen der ganzen Sache? Dass jemand dich vielleicht auch privat aufsuchen könnte? Nein, Angst habe ich keine. Ich habe ja auch nichts Schlechtes gemacht. Und meine Freunde teilen meine Meinung. Hattest du denn nicht damit gerechnet, dass das passieren könnte? Ehrlich gesagt nicht. Ich hatte nur mit positiven Reaktionen gerechnet. Kannst du die Fans denn verstehen, die sagen, es sei geschmacklos, solche Shirts zu verkaufen? Natürlich verstehe ich sie auf eine Weise und akzeptiere das – aber dann dürfte es meiner Meinung nach auch keine Fernsehbericherstattung geben. Und wer die Shirts schlecht findet, braucht sie ja auch nicht zu kaufen. Hast du denn auf die ganzen Mails geantwortet? Ich habe kurz darüber nachgedacht und bin aber nicht darauf eingegangen. Ich glaube, das hätte sowieso keinen Sinn gehabt. Wie geht es denn jetzt weiter mit dem Verkauf? Und würdest du so etwas noch einmal machen? Den Verkauf habe ich mittlerweile eingestellt, aber das hat andere Gründe. Ich muss halt irgendwie einen Bezug zu dem Menschen haben – dann könnte ich mir auch durchaus vorstellen, dass ich so etwas noch einmal anbiete.


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Jericho4321
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15.11.2009 - 16:48 Uhr
Jericho4321

littlejohn sagte:
Jericho4321 sagte:
Er wollte die Hilfe des DFB-Psychologen nicht annehmen.


Das ist so nicht richtig. Seit 2003 nahm er Hilfe in Anspruch (allerdings nicht von seiten des DFB), er lehnte es jedoch ab sich stationär behandeln zu lassen.


Naja, dann ist es a doch richtig. Ich habe ja auch ausdrücklich "DFB-Psychologe" geschrieben. Das war im Frühahr 2009, wenn ich mich nicht irre. Dass er seit 2003 in Behandlung war, ist mir bekannt und davon nicht berührt. Natürlich muss man seine Probleme nicht in die Welt hinausposaunen und jeden damit zutexten. Aber er hätte mehr Hilfe haben können. Er wollte sie nicht oder konnte sie nicht annehmen, aus welchen Gründen auch immer. Was ich sagen will: Er war ein Mensch, kein Held. Ein Mensch, den man betrauern darf, den seine Fans verehren können für das, was er im Leben getan hat - aber nicht für seinen Tod.

littlejohn
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15.11.2009 - 16:54 Uhr
littlejohn

Jericho4321 sagte:
littlejohn sagte:
Jericho4321 sagte: Er wollte die Hilfe des DFB-Psychologen nicht annehmen.Das ist so nicht richtig. Seit 2003 nahm er Hilfe in Anspruch (allerdings nicht von seiten des DFB), er lehnte es jedoch ab sich stationär behandeln zu lassen.Naja, dann ist es a doch richtig. Ich habe ja auch ausdrücklich "DFB-Psychologe" geschrieben. Das war im Frühahr 2009, wenn ich mich nicht irre. Dass er seit 2003 in Behandlung war, ist mir bekannt und davon nicht berührt. Natürlich muss man seine Probleme nicht in die Welt hinausposaunen und jeden damit zutexten. Aber er hätte mehr Hilfe haben können. Er wollte sie nicht oder konnte sie nicht annehmen, aus welchen Gründen auch immer.


Sehr unwahrscheinlich, dass die Hinzuziehung eines DFB-Psychologen seine Lage entscheidend geändert hätte. Letztlich wäre die einzige Möglichkeit für Enke auf eine komplette Genesung ein stationärer Aufenthalt gewesen. Diesen lehnte er aus verschiedenen Gründen bzw. Ängsten zum Teil auch unbegründeten ab.

JoergAuch
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-2

15.11.2009 - 17:12 Uhr
JoergAuch

air_kaviar sagte:
gerade unter den torhütern ist robert enke aufgefallen. das waren meistens monolithen. titan kahn, das "tier im tor" thomforde, aggro lehmann...

allein seine treue zu hannover war etwas besonderes.

Ach komm, das ist doch Blödsinn. Für jeden außerhalb Hannovers wäre es völlig egal gewesen, ob sich Enke, Adler, Wiese, Neuer, Lehmann, ... umgebracht hätte.

Und seine Treue zu Hannover kam ja wohl hauptsächlich daher, dass sie ihn in Barcelona und Istanbul aussortiert hatten.

Ich hoffe wirklich, dass dieser seltsame Kult endlich wieder ein Ende hat, jetzt wo er unter der Erde ist. Unfassbar das Ganze, wirklich.

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15.11.2009 - 17:14 Uhr
JoergAuch

Jericho4321 sagte:
Enke war zwar ein toller Torwart und bestimmt auch ein guter Mensch, soweit ich das sagen kann, ohne ihn persönlich gekannt zu haben. Aber diese Heldenverehrung finde ich grundfalsch.

Eben. Das und der Rest deines Kommentars ist völlig richtig. Ein Mensch mit so schweren psychischen Problemen hätte sich vielleicht einfach einen weniger kompetitiven Beruf aussuchen sollen. Und das hätte ihm mal jemand aus seinem Umfeld klarmachen müssen, z. B. sein Vater, der ja offenbar Fachmann für sowas ist.

littlejohn
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15.11.2009 - 17:15 Uhr
littlejohn

JoergAuch sagte:
Für jeden außerhalb Hannovers wäre es völlig egal gewesen, ob sich Enke, Adler, Wiese, Neuer, Lehmann, ... umgebracht hätte.


Glaube ich eher nicht.

Jericho4321
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Mag ich Mag ich nicht

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15.11.2009 - 17:19 Uhr
Jericho4321

littlejohn sagte:
Jericho4321 sagte:
littlejohn sagte:
Jericho4321 sagte: Er wollte die Hilfe des DFB-Psychologen nicht annehmen.Das ist so nicht richtig. Seit 2003 nahm er Hilfe in Anspruch (allerdings nicht von seiten des DFB), er lehnte es jedoch ab sich stationär behandeln zu lassen.Naja, dann ist es a doch richtig. Ich habe ja auch ausdrücklich "DFB-Psychologe" geschrieben. Das war im Frühahr 2009, wenn ich mich nicht irre. Dass er seit 2003 in Behandlung war, ist mir bekannt und davon nicht berührt. Natürlich muss man seine Probleme nicht in die Welt hinausposaunen und jeden damit zutexten. Aber er hätte mehr Hilfe haben können. Er wollte sie nicht oder konnte sie nicht annehmen, aus welchen Gründen auch immer.


Sehr unwahrscheinlich, dass die Hinzuziehung eines DFB-Psychologen seine Lage entscheidend geändert hätte. Letztlich wäre die einzige Möglichkeit für Enke auf eine komplette Genesung ein stationärer Aufenthalt gewesen. Diesen lehnte er aus verschiedenen Gründen bzw. Ängsten zum Teil auch unbegründeten ab.


Okay, wir drehen uns hier im Kreis. Natürlich kann ich über die Wahrscheinlichkeit nichts sagen. Und über die Gründe, dem DFB-Arzt seine Krankheit zu verschweigen, kann ich auch nur spekulieren. Deshalb lasse ich das bleiben. Mein eigentlicher Punkt ist ein anderer, und ich denke der ist auch ganz gut herausgekommen.
Ich hoffe edenfalls inständig, dass der betriebene Hype und die Verehrung nicht dafür sorgen, dass sich andere labile Menschen, denen vielleicht noch geholfen werden könnte, in ein ähnliches Schicksal stürzen.

JoergAuch
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0

15.11.2009 - 17:27 Uhr
JoergAuch

littlejohn sagte:
JoergAuch sagte:
Für jeden außerhalb Hannovers wäre es völlig egal gewesen, ob sich Enke, Adler, Wiese, Neuer, Lehmann, ... umgebracht hätte.


Glaube ich eher nicht.

Wetten dass? Außerhalb Hannovers hat niemand in Enke etwas Besonderes gesehen. Von dem ganzen Drumherum hat kein Mensch was gewusst und ehrlich gesagt hätte das auch keinen interessiert.

TomJones
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16.11.2009 - 11:30 Uhr
TomJones

JoergAuch sagte:
air_kaviar sagte:
gerade unter den torhütern ist robert enke aufgefallen. das waren meistens monolithen. titan kahn, das "tier im tor" thomforde, aggro lehmann...

allein seine treue zu hannover war etwas besonderes.

Ach komm, das ist doch Blödsinn. Für jeden außerhalb Hannovers wäre es völlig egal gewesen, ob sich Enke, Adler, Wiese, Neuer, Lehmann, ... umgebracht hätte.

Und seine Treue zu Hannover kam ja wohl hauptsächlich daher, dass sie ihn in Barcelona und Istanbul aussortiert hatten.

[…]


Finde ich ziemlich arrogant, deine erste Behauptung.
Ich glaube, mindestens in Leverkusen, Bremen, Schalke und Stuttgart wäre man sehr schockiert, wenn man ihre Torleute oder sonstige Spieler verloren hätte. Öffentliche Anteilnahme gäbe es auch bei anderen Spielern und ebenfalls auch bundesweit.

Und ja, mag sein, dass er Hannover so treu war, weil er es zu schätzen wusste, wie gut es ist in einem stabilen Verein mit stabilem Umfeld zu spielen? Was ist daran verwerflich?

Ihn jetzt zu einer Ikone zu erheben finde ich aber auch unangebracht. Er war wohl, nach allem was ich gehört und gelesen habe, ein ziemlich guter Typ und großer Hundenarr unter anderem, aber dieser fast-Heiligsprechung ist doch zu viel.
Ich kann jetzt übrigens die Phrase es muss sich etwas ändern nicht mehr hören.

Tjenemit
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Mag ich Mag ich nicht

2

16.11.2009 - 12:03 Uhr
Tjenemit

stimme JoergAuch zu.

fußball wird zur ersatzreligion aufgeblasen und mit 35000 zuschauern waren ebenso viele leute im stadion wie der aktuelle hannover-schnitt beträgt - vor dem public viewing-leinwänden versammelten sich nur wenige hundert. => von anteilnahme der gesamten bevölkerung kann dann doch nicht gesprochen werden.

dieser aktuelle hype ist auch medien-gewollt und so schaukelt es sich hoch. was frau enke bewogen hat, da mitzumachen, verstehe ich allerdings auch nicht...

vaus
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Mag ich Mag ich nicht

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17.11.2009 - 19:52 Uhr
vaus

ich finds gut, daß der hype mal zurückschlägt.
in letzter zeit hatte ich den eindruck, daß es umso schicker war, je hysterischer man sich aufgeführt hat. dieser herr hat auch drangedreht.
wie wäre es mit t-shirt mit einem traumatisierten lokführer?

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