Keine Shirts von einem toten Torwart
Ein Anruf bei Timo, der mit seiner Idee eines Robert-Enke-Gedächtnis-Shirts die Internet-Gemeinde entzweite.
Menschen wollen trauern dürfen. Und manchmal gehört dazu eben auch ein T-Shirt als Andenken. Als Michael Jackson noch nicht einmal unter der Erde war, da wurden die sogenannten Gedächtnis-Shirts – mit dem Konterfei des Verstorbenen und einem entsprechenden Text – schon fast zu einer Art Kultobjekt. „Du magst Michael? Dann trag das Shirt!“, lautete die Devise. Wenn die Menschen Michael wollen, dann wollen sie bestimmt auch Enke, denkt sich Timo Raber, 27. Selbst ein großer Fan des Torwarts, beginnt der junge Geschäftsmann einen Tag nach dessen Tod, selbstproduzierte Enke-Gedächtnis-Shirts über seinen Shop bei Ebay zu verkaufen. Wo sonst Rollstühle, Sportschuhe, Dessous und Fanschals zu kaufen waren, gibt es nun auch Enke. Doch Timos Angebot entzweit die Fans. Neben zahlreichen Bestellungen bekommt er Hass-Mails und Drohungen geschickt. Mehr als 200 davon in fünf Stunden. Was er mache, sei absolut „geschmacklos“, er sei ein „ekelhafter Mensch“ und er solle „verrecken“, steht da. Auch sein Privatleben bleibt von den Hass-Tiraden nicht verschont. Unter ein Foto im Portal Studi-VZ, das ihn zusammen mit seiner Freundin zeigt, hat ein User geschrieben: „Was bezahlt man eigentlich dafür, um sich mit einer Nutte ablichten zu lassen?“ Und auf seiner Pinnwand, die für jeden einsehbar ist, entsteht derweil eine Diskussion darüber, ob es ethisch korrekt ist, mit dem Tod anderer Menschen Geld zu verdienen. jetzt.de: Wie bist du auf die Idee gekommen, solche T-Shirts zu verkaufen? Timo: Ich habe die Shirts nach dem Tod von Michael Jackson zum ersten Mal bewusst gesehen. Es gibt Leute, die ehren einen verstorbenen Menschen mit so einem Shirt. Ich wollte allen Fans die Möglichkeit geben, ihre Trauer über den Tod von Robert Enke auszudrücken. Um eine Sache direkt klarzustellen: Mir ging es dabei nie um den Profit. Es war immer geplant, einen Teil des Erlöses an die Stiftung „Kinderherz“ zu spenden, für die Robert Enke Botschafter war. Wie hast du denn die ersten Reaktionen auf dein Angebot bei Ebay erlebt? Die ersten Reaktionen waren durchaus positiv. Ich bin sogar gefragt worden, ob ich nicht auch individuelle Shirts drucken kann. Aber dann kam plötzlich auch vermehrt negative Kritik. Am Anfang war das noch harmlos, aber dann wurde es immer schlimmer und ist richtig ausgeartet.
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ich finde die negativen reaktionen in der form vielleicht nicht gerechtfertigt, aber im inhalt schon.
er sieht aus, wie ein idiot und dass es ihm nie um profit ging, glaubt doch bitteschön niemand.
(abgesehen davon, dass motto-shirts IMMER eine schlechte idee sind, gäbe es bestimmt ein paar leute, denen man hehre ziele abgenommen hätte. ihm aber beim besten willen nicht.)
13.11.2009 - 20:48 Uhr
eisengrau
afrirali sagte: und überhaupt, wie ist das nun eigentlich mit rechten an dem mann? zu lebzeiten hätte er das vermutlich nicht einfach machen dürfen...
Die Fotos, die er verwenden will, hätte er sich gegen Gebühr von den Inhabern der Verwertungsrechte lizensieren lassen müssen, ebenso Vereinsabzeichen oder Nationalsymbole. Den Namen selbst kann man nicht schützen, es sei denn, man meldet sie als Marke an. Ansonsten darf sich jeder Deinen oder irgendeinen Namen aufs T-Shirt drucken.
Die können sich ja nicht mehr wehren.
13.11.2009 - 20:52 Uhr
JoergAuch
JoergAuch sagte:
Bin ich eigentlich der einzige, dem dieser Enke-Hype gegen den Strich geht? Ich meine, der Mann war ein guter Fußballtorwart aber eigentlich doch eher ein B- oder C-Promi. Wird in Zukunft jedesmal, wenn einer aus der Garde abtritt, eine Gedenkveranstaltung im Fußballstadion mit 35 000 Marschierern usw. gemacht? Das ist doch völlig überzogen.
ich denk schon. stirbt ja nicht jeden tag ein nationalspieler.
13.11.2009 - 21:03 Uhr
Beru
JoergAuch sagte:
@Beru: Zum Glück nicht, aber er ist nicht der erste und er war jetzt auch kein so wahnsinnig rausragender.
vielleicht weil sein tod so überraschend und schockierend war. der dfb stellt sich hinter ihn und zeigt damit, dass es mit dem thema depression umgehen will.
hab aber eh auch grundsätzlich meine probleme mit (zu) ostentativer betroffenheit, zumal von 'fremden'...
JoergAuch sagte:
Bin ich eigentlich der einzige, dem dieser Enke-Hype gegen den Strich geht? Ich meine, der Mann war ein guter Fußballtorwart aber eigentlich doch eher ein B- oder C-Promi. Wird in Zukunft jedesmal, wenn einer aus der Garde abtritt, eine Gedenkveranstaltung im Fußballstadion mit 35 000 Marschierern usw. gemacht? Das ist doch völlig überzogen.
Naja, ist halt Fußball. Da geht gar nichts ohne Pathos:
Ganz normaler Arbeitstag: Eine Pressekonferenz muss her. Erfolgreicher Arbeitstag: Alles fährt hupend und gröhlend durch die Stadt.
Ereignis außer der Reihe: Eine Großveranstaltung muss her, mit Stadion, Feuerwerk, André Heller und Xavier Naidoo.
Ich wohn in ner Zweitligisten-Stadt, da gewöhnt man sich an Vieles.
Eine Freundin sagte, sie hoffe nur, dass der Event-Manager, der diesmal zuständig ist, den Sarg nicht ausgerechnet ins Tor stellt und die Leute drauf schießen lässt.
Und glaubt mir, das herauszufinden ist gar nicht so leicht und befremdet mich auch selbst sehr !
(Obwohl ich die ganzen Deutungen dazu im spiegel, der sZ und der Zeit gelesen habe, also wenn sich dass jemand hier fragt, wie oben geschehen, besteht die Möglichkeit, der Sache auf den Grund zu gehen)
Also zuerst einmal, hier geht es nicht um einen "Promi", das beweisen ja schon die Analysen im Forum, dass er eigentlich einen sehr begrenzten Promi-Status hatte. Und es geht nicht primär darum, dass er bei Hannover96 gespielt hat, meinem "Heimatverein".
Die Anteilnahme, die Enke vor allem in Hannover (auch leicht nachzulesen) wiederfährt, wäre auch keinem anderem Spieler der Mannschaft so zugekommen, da bin ich mir sicher.
Ich denke, es war diese einzigartige Mischung :
Ein sehr guter Torwart, intelligent und tiefsinnig in Interviews ; engagiert für PETA, aber auch oft auf der KinderHospizStation der Medizinischen Hochschule und bei anderen Schwerkranken Kindern zum Trost spenden und bei vielen anderen karitativen Veranstaltungen präsent ;
In Presse und Interviews immer der, der bei Nationalmannschaft und 96 für ein menschliches Miteinander innerhalb der Mannschaft, aber auch für ein gutes Verhältnis zu Publikum und Fans gesorgt hat ;
Jemand, der Hannover einen Teil seiner Identität zurückgegeben hat, jemand, wo mensch froh oder gar ein bisschen Stolz war, dass er selbst in Zeiten der "Schießbude der Liga" zu und in Hannover gehalten hat und sich in das soziale Leben der Stadt eingebracht hat. (kann glaube ich nur jemand verstehen, der aus Bielefeld kommt, der Stadt die im Rest der Republik neben Hannover am Häufigsten in den Medien verarscht wird) Also mal endlich jemanden viel cooleren als Klaus Meine oder Gerhard Schröder...
Und die Trauerfeier am Sonntag als "Event" zu bezeichnen, ist eine Frechheit ! Ich sitze gerade in meinem beschissenen Wohnheimzimmer in Berlin, und konnte und kann auch am Sonntag an keiner Veranstaltung teilnehmen, bei der ich mit anderen Menschen, die wenigstens verstehen, was gerade abgeht teilnehmen und dieses "Event" hätte mir sehr geholfen, zumindest angemessen Abschied zu nehmen ! Und sollen die 60.000 Leute zum Friedhof kommen und die Frau in den absoluten Nervenzusammenbruch treiben ???
Zum Schluss noch ein Zitat von einem Freund aus Hannover, ein Urlinker Sowi-Student, vielleicht hilft dass, zu verstehen, dass es eben kein Event ist :
"das mag ich mir garnicht vorstellen wie es zu so einem Zeitpunkt in einer "fremden" Stadt ist, wir konnten uns zumindest gegenseitig Trost spenden und über das ganze reden. Ja, die Dfb-Pressekonferenz war richtig schlimm, als der Olli anfing zu weinen liefs bei mir auch nur noch so raus, aber im nachhinein hat das ganz gut geholfen, die Trauer einfach rauszulassen."
nixbewiesenausserich sagte:
der arme zugfahrer.
Im ZDF kam heute irgendwo, dass jeder Lokführer im Schnitt zwei Selbstmörder platt macht. Der Interviewte hatte sogar schon fünf erwischt und hofft, dass der sechste nicht auch noch kommt.
Es gibt aber auch eine ungeschriebene Regel im Journalismus, dass man über Selbstmorde nicht groß berichte, um keine Nachahmer anzulocken. Das wurde hier - aus nachvollziehbaren Gründen - missachtet. Im Gegenteil, der aktuelle Selbstmörder Enke wird zum Helden stilisiert. Und prompt hat sich heute eine Hannover 96 - Fan ebenfalls vor einen Zug gestellt und zwar im Auto.
http://www.focus.de/panorama/welt/volltr...
Aber im Ernst, du hast recht, am Anfang der Berichterstattung wurde auch noch darauf hingewiesen, dass er krank gewesen sei, und er, der selbst todkranken Kindern Hoffnung gegeben hat, einen schlechten Weg gewählt hat, bei Tat und Durchführung, und dass er mit Sicherheit keine Nachahmer gewünscht hätte. Der Aspekt geht aber so nach und nach unter und in der Boulevardpresse war er nie da... Eine Heldenstilisierung finde ich auch einfach Grundfalsch !
Aber darum ging es mir persönlich auch nie !
tja und welche? postmortaler persönlichkeitsschutz? den gibts nämlich schon seit bismarcks tod.
Und zu dem Würstchen da oben sag ich lieber gar nichts.
schlagzeile: "er wollte zu seiner toten tochter"
und nun sollten sich mal einige überlegen was perverser ist.
Charlotte94 sagte:
An den Zugfahrer wird allerorten gedacht ! Das steht überhaupt nicht zur Debatte !!! Aber soll jetzt deswegen der auf die Titelseiten aller Boulevardblätter ??? Das kann doch bitte auch niemand und vor allem nicht der Zugfahrer wollen !
Es muss überhaupt keiner von beiden auf die Titelseiten. Die Boulevardblätter könnten sich genauso gut wieder mit UFOs und Silikontitten beschäftigen.
Aber die ganzen Leute, die sich plötzlich oder schon immer als dem Verstorbenen nahe stehend fühlen, schaffen den Markt für diese Ausschlachtung des Themas.
Charlotte94 sagte:
:-D Nee, Jörg, das lies nochmal nach bitte, der 49-jährige Brite hat mit 2,6 Promille NUR sein Auto auf die Gleise gestellt und keiner weiß wieso ... Er selbst hat nur zugeschaut...
Ah ok,dann stand das bei uns falsch in der Zeitung.
Eine Heldenstilisierung finde ich auch einfach Grundfalsch !
Aber darum ging es mir persönlich auch nie !
Das war auch nicht an dich persönlich gerichtet sondern an die Medien, den Verein usw. Ein Abschiedsfußballspiel des Vereins und/oder der Nationalmannschaft finde ich übrigens adäquat, um einem Fußballer die letzte Ehre zu erweisen, aber eine Riesenfeier mit aufgebahrtem Sarg im Stadion und dieser Marsch der Zigtausenden durch Hannover, das war wirklich zuviel. Das nimmt ja Michael-Jackson-ähnliche Ausmaße an. Soviel Anteilnahme würde ich nichtmal für meine eigenen Verwandten oder Freunde zeigen.
JoergAuch sagte:
Das war auch nicht an dich persönlich gerichtet sondern an die Medien, den Verein usw. Ein Abschiedsfußballspiel des Vereins und/oder der Nationalmannschaft finde ich übrigens adäquat, um einem Fußballer die letzte Ehre zu erweisen, aber eine Riesenfeier mit aufgebahrtem Sarg im Stadion und dieser Marsch der Zigtausenden durch Hannover, das war wirklich zuviel. Das nimmt ja Michael-Jackson-ähnliche Ausmaße an. Soviel Anteilnahme würde ich nichtmal für meine eigenen Verwandten oder Freunde zeigen.
Joerg, möglicherweise versteht man das nicht, wenn man nicht aus Hannover kommt. Er war wirklich ein Idol in der Stadt, auch für die Nicht-Fußball-Fans. Der Medienhype ist in der Tat schwer erträglich, aber da können die Leute, denen die Sache wirklich nahegegangen ist, ja nichts dafür.
Ich wollte gerade nochmals dazu ansetzen, zu erklären, dass alles, was in Hannover selbst passiert nichts mit irgendeinem Hype zu tun hat, sondern viel tiefer geht ...
Oder wie ein anderer Freund, diesmal ein konservativer Bänker, mir schrieb :
"hier ist innerlicher ausnahmezustand..."
Charlotte94 sagte:
Danke, Fraeuleiningeborg !Ich wollte gerade nochmals dazu ansetzen, zu erklären, dass alles, was in Hannover selbst passiert nichts mit irgendeinem Hype zu tun hat, sondern viel tiefer geht ...Oder wie ein anderer Freund, diesmal ein konservativer Bänker, mir schrieb :"hier ist innerlicher ausnahmezustand..."
Allein schon dass noch am selben Abend, also lange bevor die Medienmaschinerie so richtig auf Touren kam, Tausende zum Vereinsheim gepilgert sind zeigt ja dass diese Menschen aus einer inneren Überzeugung heraus gehandelt haben.
Charlotte94 sagte:
Oder wie ein anderer Freund, diesmal ein konservativer Bänker, mir schrieb :
"hier ist innerlicher ausnahmezustand..."
Ein großes Wort. Aber gut, der Zustand sei ja jedem von Herzen gegönnt.
Allen Nicht- Hannoveranern muss die Frage erlaubt sein, wieviel Prozent davon wirklich empfundene Trauer sind und wieviel davon Übertragung (im psychologischen Sinne).
Ich meine, für mich macht es einen Unterschied, ob jemand aus meinem persönlichen Umfeld stirbt, zu dem ich eine tatsächliche Beziehung hatte, die auch erwidert wurde, oder jemand, den ich nur aus der Ferne, vielleicht sogar nur aus den Medien kenne. Von Robert Enke wusste ich bis letzte Woche so gut wie gar nichts, vielleicht ist das in einem Städtchen wie Hannover familiärer.
vigezzo sagte:
Ich find sein Photo total unsympathisch, also hat er schon verloren. So ehrlich muss ich schon sein.
das ist mir auch sofort aufgefallen: was für ein beschissenes foto ist das denn! da wurde sich nicht mal die mühe gemacht, die roten augen zu entfernen, was ungefähr fünf sekunden dauert. der typ kann einem nur unsympathisch sein, mit so einem foto. bzw. macht es das noch schlimmer. sehr offensichtliche manipulation.
° p.s. die verschmelzung der sprachen bringt leider die menschen durch tod und verrat zum grund ihrer verschmelzung - und so bekommt das unscheinbare wort aus der mode eine traurige bedeutung, denn meistens sind wohl kaum damit freudentränen verbunden...
15.11.2009 - 14:19 Uhr
air_kaviar
allein seine treue zu hannover war etwas besonderes. man hat immer gespürt, dass es für ihn auch andere sachen als fußball gibt. und das ist selten. profifußball ist ein extremer kosmos. es ist selbstverständlich, dass jugendliche aus südamerika nach europa verschifft werden, um dort in kurzer zeit unter extremem(n?) druck das auskommen für ganze familien und unternehmen zu erwirtschaften. ich frage mich, ob es abseits des rummels nicht viel mehr spieler gibt die scheitern und untergehen.
Aber ich finde, ein Punkt wird zur Zeit gerne übersehen. Robert Enke war zwar ein toller Torwart und bestimmt auch ein guter Mensch, soweit ich das sagen kann, ohne ihn persönlich gekannt zu haben. Aber diese Heldenverehrung (jetzt soll auch noch ein Platz nach ihm benannt werden) finde ich grundfalsch. Wie kann man jemanden verehren, der einen Menschen - sich selbst - umgebracht und damit die Hinterbliebenen in ein großes Unglück gestürzt hat? Er ist geflohen, vor der Welt, vor sich selbst. Er wollte die Hilfe des DFB-Psychologen nicht annehmen.
Ich trauere um ihn, ich habe großes Mitleid mit seiner Familie, ich bedaure die Umstände, die ihn zu dem Selbstmord getrieben haben - aber ich kann ihn dafür nicht verehren. Das ist ein Unterschied, der meines Erachtens zu wenig gesehen wird.
Jericho4321 sagte:
Er wollte die Hilfe des DFB-Psychologen nicht annehmen.
Das ist so nicht richtig. Seit 2003 nahm er Hilfe in Anspruch (allerdings nicht von seiten des DFB), er lehnte es jedoch ab sich stationär behandeln zu lassen.
littlejohn sagte:
Jericho4321 sagte:
Er wollte die Hilfe des DFB-Psychologen nicht annehmen.
Das ist so nicht richtig. Seit 2003 nahm er Hilfe in Anspruch (allerdings nicht von seiten des DFB), er lehnte es jedoch ab sich stationär behandeln zu lassen.
Naja, dann ist es a doch richtig. Ich habe ja auch ausdrücklich "DFB-Psychologe" geschrieben. Das war im Frühahr 2009, wenn ich mich nicht irre. Dass er seit 2003 in Behandlung war, ist mir bekannt und davon nicht berührt. Natürlich muss man seine Probleme nicht in die Welt hinausposaunen und jeden damit zutexten. Aber er hätte mehr Hilfe haben können. Er wollte sie nicht oder konnte sie nicht annehmen, aus welchen Gründen auch immer. Was ich sagen will: Er war ein Mensch, kein Held. Ein Mensch, den man betrauern darf, den seine Fans verehren können für das, was er im Leben getan hat - aber nicht für seinen Tod.
Jericho4321 sagte:
littlejohn sagte:
Jericho4321 sagte: Er wollte die Hilfe des DFB-Psychologen nicht annehmen.Das ist so nicht richtig. Seit 2003 nahm er Hilfe in Anspruch (allerdings nicht von seiten des DFB), er lehnte es jedoch ab sich stationär behandeln zu lassen.Naja, dann ist es a doch richtig. Ich habe ja auch ausdrücklich "DFB-Psychologe" geschrieben. Das war im Frühahr 2009, wenn ich mich nicht irre. Dass er seit 2003 in Behandlung war, ist mir bekannt und davon nicht berührt. Natürlich muss man seine Probleme nicht in die Welt hinausposaunen und jeden damit zutexten. Aber er hätte mehr Hilfe haben können. Er wollte sie nicht oder konnte sie nicht annehmen, aus welchen Gründen auch immer.
Sehr unwahrscheinlich, dass die Hinzuziehung eines DFB-Psychologen seine Lage entscheidend geändert hätte. Letztlich wäre die einzige Möglichkeit für Enke auf eine komplette Genesung ein stationärer Aufenthalt gewesen. Diesen lehnte er aus verschiedenen Gründen bzw. Ängsten zum Teil auch unbegründeten ab.
air_kaviar sagte:
gerade unter den torhütern ist robert enke aufgefallen. das waren meistens monolithen. titan kahn, das "tier im tor" thomforde, aggro lehmann...
allein seine treue zu hannover war etwas besonderes.
Ach komm, das ist doch Blödsinn. Für jeden außerhalb Hannovers wäre es völlig egal gewesen, ob sich Enke, Adler, Wiese, Neuer, Lehmann, ... umgebracht hätte.
Und seine Treue zu Hannover kam ja wohl hauptsächlich daher, dass sie ihn in Barcelona und Istanbul aussortiert hatten.
Ich hoffe wirklich, dass dieser seltsame Kult endlich wieder ein Ende hat, jetzt wo er unter der Erde ist. Unfassbar das Ganze, wirklich.
15.11.2009 - 17:14 Uhr
JoergAuch
Jericho4321 sagte:
Enke war zwar ein toller Torwart und bestimmt auch ein guter Mensch, soweit ich das sagen kann, ohne ihn persönlich gekannt zu haben. Aber diese Heldenverehrung finde ich grundfalsch.
Eben. Das und der Rest deines Kommentars ist völlig richtig. Ein Mensch mit so schweren psychischen Problemen hätte sich vielleicht einfach einen weniger kompetitiven Beruf aussuchen sollen. Und das hätte ihm mal jemand aus seinem Umfeld klarmachen müssen, z. B. sein Vater, der ja offenbar Fachmann für sowas ist.
JoergAuch sagte:
Für jeden außerhalb Hannovers wäre es völlig egal gewesen, ob sich Enke, Adler, Wiese, Neuer, Lehmann, ... umgebracht hätte.
Glaube ich eher nicht.
littlejohn sagte:
Jericho4321 sagte:
littlejohn sagte:
Jericho4321 sagte: Er wollte die Hilfe des DFB-Psychologen nicht annehmen.Das ist so nicht richtig. Seit 2003 nahm er Hilfe in Anspruch (allerdings nicht von seiten des DFB), er lehnte es jedoch ab sich stationär behandeln zu lassen.Naja, dann ist es a doch richtig. Ich habe ja auch ausdrücklich "DFB-Psychologe" geschrieben. Das war im Frühahr 2009, wenn ich mich nicht irre. Dass er seit 2003 in Behandlung war, ist mir bekannt und davon nicht berührt. Natürlich muss man seine Probleme nicht in die Welt hinausposaunen und jeden damit zutexten. Aber er hätte mehr Hilfe haben können. Er wollte sie nicht oder konnte sie nicht annehmen, aus welchen Gründen auch immer.
Sehr unwahrscheinlich, dass die Hinzuziehung eines DFB-Psychologen seine Lage entscheidend geändert hätte. Letztlich wäre die einzige Möglichkeit für Enke auf eine komplette Genesung ein stationärer Aufenthalt gewesen. Diesen lehnte er aus verschiedenen Gründen bzw. Ängsten zum Teil auch unbegründeten ab.
Okay, wir drehen uns hier im Kreis. Natürlich kann ich über die Wahrscheinlichkeit nichts sagen. Und über die Gründe, dem DFB-Arzt seine Krankheit zu verschweigen, kann ich auch nur spekulieren. Deshalb lasse ich das bleiben. Mein eigentlicher Punkt ist ein anderer, und ich denke der ist auch ganz gut herausgekommen.
Ich hoffe edenfalls inständig, dass der betriebene Hype und die Verehrung nicht dafür sorgen, dass sich andere labile Menschen, denen vielleicht noch geholfen werden könnte, in ein ähnliches Schicksal stürzen.
littlejohn sagte:
JoergAuch sagte:
Für jeden außerhalb Hannovers wäre es völlig egal gewesen, ob sich Enke, Adler, Wiese, Neuer, Lehmann, ... umgebracht hätte.
Glaube ich eher nicht.
Wetten dass? Außerhalb Hannovers hat niemand in Enke etwas Besonderes gesehen. Von dem ganzen Drumherum hat kein Mensch was gewusst und ehrlich gesagt hätte das auch keinen interessiert.
JoergAuch sagte:
air_kaviar sagte:
gerade unter den torhütern ist robert enke aufgefallen. das waren meistens monolithen. titan kahn, das "tier im tor" thomforde, aggro lehmann...
allein seine treue zu hannover war etwas besonderes.
Ach komm, das ist doch Blödsinn. Für jeden außerhalb Hannovers wäre es völlig egal gewesen, ob sich Enke, Adler, Wiese, Neuer, Lehmann, ... umgebracht hätte.
Und seine Treue zu Hannover kam ja wohl hauptsächlich daher, dass sie ihn in Barcelona und Istanbul aussortiert hatten.
[…]
Finde ich ziemlich arrogant, deine erste Behauptung.
Ich glaube, mindestens in Leverkusen, Bremen, Schalke und Stuttgart wäre man sehr schockiert, wenn man ihre Torleute oder sonstige Spieler verloren hätte. Öffentliche Anteilnahme gäbe es auch bei anderen Spielern und ebenfalls auch bundesweit.
Und ja, mag sein, dass er Hannover so treu war, weil er es zu schätzen wusste, wie gut es ist in einem stabilen Verein mit stabilem Umfeld zu spielen? Was ist daran verwerflich?
Ihn jetzt zu einer Ikone zu erheben finde ich aber auch unangebracht. Er war wohl, nach allem was ich gehört und gelesen habe, ein ziemlich guter Typ und großer Hundenarr unter anderem, aber dieser fast-Heiligsprechung ist doch zu viel.
Ich kann jetzt übrigens die Phrase es muss sich etwas ändern nicht mehr hören.
fußball wird zur ersatzreligion aufgeblasen und mit 35000 zuschauern waren ebenso viele leute im stadion wie der aktuelle hannover-schnitt beträgt - vor dem public viewing-leinwänden versammelten sich nur wenige hundert. => von anteilnahme der gesamten bevölkerung kann dann doch nicht gesprochen werden.
dieser aktuelle hype ist auch medien-gewollt und so schaukelt es sich hoch. was frau enke bewogen hat, da mitzumachen, verstehe ich allerdings auch nicht...
in letzter zeit hatte ich den eindruck, daß es umso schicker war, je hysterischer man sich aufgeführt hat. dieser herr hat auch drangedreht.
wie wäre es mit t-shirt mit einem traumatisierten lokführer?








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13.11.2009 - 19:47 Uhr
Beru
Und dass es nicht nur positive Reaktionen auf diese eigensinnige Art der Trauerbewältigung geben würde, dürfte spätestens seit dem Phänomen Hass-Martin klar gewesen sein.