25 25 Kommentare | 5 5 Lesenswertpunkte | SZ |

Kultur

| 08.11.2009 18:30  

Die Anti-Piraten

Die Debatte um die digitale Kultur radikalisiert sich. Gegen die liberalen Vordenker hat sich längst ein konservativer Gegenpol positioniert, der weit weniger Beachtung findet.
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.

Du willst mehr aus der Süddeutschen Zeitung lesen? Hier Deutschlands große Tageszeitung zwei Wochen lang gratis testen.
Textoptionen
Mehr Texte Mehr Texte aus der SZ
Alle Texte Alle Texte zum Label SZ
-----
Lesenswert Diesem Text einen Lesenswertpunkt geben
Abonnieren Abonnieren: Kommentare oder Texte von jetzt-redaktion
-----
Netiquette Netiquette Melden Diesen Text melden
-----
Kommentare
Kommentar schreiben:


+ -
Kommentar >> speichern
Alle Kommentare anzeigen
soylentyellow 09.11.2009 | 01:25
Recht und Gerechtigkeit überschneiden sich ja unter Umständen manchmal, haben aber nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.

Abmahnanwälte sind .... (Wort Deiner Wahl einsetzen).

Genauso unverständlich ist wie Inkassofirmen für einen schlecht gedruckten Serienbrief Unsummen an Geld wollen.

Wäre ich nicht so ein moralischer Mensch mit einem Gewissen würde ich ein Abmahnanwalt werden, der nebenbei noch ein Inkassobüro betreibt um die Abgemahnten nochmal richtig einzuschüchtern und noch mehr Kasse zu machen. Aber dann könnte ich ja nicht mehr ruhig schlafen... Ach ja - und noch so eine Abzockerseite wo sich ein Abo im Kleingedruckten versteckt (lässt sich ideal mit dem Inkassobüro verbinden), zusammen mit einem Klingeltonanbieter (vertikale Integration mit besagtem Inkassobüro) und ein Spamversand mit Nebenbusiness in halblegalem Adresshandel.

Mann-o-Mann - Gewissen oder Millionär, immer diese schwierigen Entscheidungen. Ich verfluche meine ethisch-korrekte Erziehung!

1

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


marvis 09.11.2009 | 07:26
Ich bin selber ein sehr "digitaler" Mensch, kann aber verstehen, warum es eine radikale Gegenbewegung gibt. Denn so langsam wird klar, dass nicht nur alles für alle besser wird, sondern es auf jeden Fall auch einige Verlierer geben wird.

Was passiert z.B. wenn ein Großteil der Telefonie über das Internet läuft? Dann werden die, die sich bisher um die alten Leitungen gekümmert haben, zum Großteil überflüssig.

Urheber und Verwerter von Urheberrechten werden sich zumindest deutlich umstellen müssen - und es ist fraglich, ob damit dann ähnlich viel Geld zu verdienen ist wie mit den alten Modellen.

Wenn sich eBooks flächendeckend durchsetzen, dann werden Buchdruck und Buchhandlungen an Bedeutung verlieren.

Und wenn Unternehmen und Institutionen zunehmend digital kommunizieren, dann werden immer noch Fähigkeiten gebraucht, um dies zu tun - aber eben z.T. völlig andere als die, die man bisher brauchte.

Dass es durch das Internet große Veränderungen geben wird und schon gegeben hat sollte mittlerweile jedem klar sein. Wie wir das umgesetzt kriegen ohne eine Menge Menschen einfach abzuhängen dürfte eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre werden.

0

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


Yithmas 09.11.2009 | 12:26
Mal sehen... Es gibt schließlich immer Gegenbewegungen und es wird bestimmt auch nicht die letzte bleiben.
Das Netzt wächst weiter und es hat auch noch nicht wirklich einen vollkommenen Durchsatz der Gesellschaft erreicht, da wird sich noch viel verändern. Diese Debatten pro/kontra Urheberrecht sind wichtig, mal sehen wo sie hinführen und ob "Big Bad Company" oder "Freespirited User" (oder so) gewinnt, falls überhaupt.
Wahrscheinlich schmunzenln wir in 10-15 Jahren sowieso über diese Angelegenheiten.

0

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


air_kaviar 09.11.2009 | 14:20
nicht nur junge menschen haben kein "unrechtsbewußtsein", wenn es um copyrights geht. sarkozy wurde gerade mal wieder erwischt. aber was heißt unrecht. für mich gibt es keine alternative zur legalen privatkopie.

0

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


GiCl 09.11.2009 | 16:18
Bravo!
Mehr solche Artikel. Der Abmahnwahn sollte mehr in Richtung Öffentlickeit gerückt werden. Bsp. bei einem Downlaod von einem Top 100 Chart Container ( einer Ordner indem sich 100 Lieder befinden) kommt es zur Abmahnung eines Titels: ca. 480€ im günstigsten Fall. Damit aber nicht genug nach und nach kann es sein, dass man bis zu 10 solcher Abmahnungen bekommt. (4800€) jedes für ein anderes Lied. Dabei hat der Benutzer nur einen Container geteilt. Derjenige, der dies getan hat wäre mit 480€ Abschreckungsstrafe schon bedient !! Aber mein... Druck und Terror sind die Antwort der Abmahnanwälte..

0

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


Beru 09.11.2009 | 18:56
Die Gegenbewegung zu den Piraten? Also Abmahnanwälte gibts meines Wissens schon deutlich länger. Für mich ehrlich gesagt ein alter Hut. Hatte sogar schon mal mit denen zu tun. Aber das war auch größter Leichtsinn und grobe Fahrlässigkeit. Passiert mir nicht mehr.

Also dass die das wegen dem Geld machen und so wissen glaub ich sogar RTL-Zuschauer, da braucht ihr jetzt keinen OMG-Aufriss zu machen. Also wie gesagt, ich glaube das war eher andersrum. Die Piraten gibts gerade weil mit den Abmahnung so Schindluder getrieben wurde.

0

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


PeterNuemann 09.11.2009 | 20:50
Ich bin selbst einer der in diesem Beitrag von Herrn Boie als „Abmahnanwälte“ geschmähten anwalt-lichen Vertreter der kreativen Branchen, die mit Abmahnungen gegen Raubkopierer vorgehen. Ich kann bestätigen, dass die Technik spezialisierter Unternehmen ebenso wie die Umsetzung der EU-Durchsetzungsrichtlinie und anderer internationaler Standards des „digitalisierten“ Urheberrechts die massenhafte Ermittlung von Raubkopierern und deren zivilrechtliche Inanspruchnahme ermöglicht, und die maßgeblichen Branchen – m.E. vollkommen legitim – hiervon auch Gebrauch machen. Die vermeintliche „Abmahnindustrie“ wird aber ein relativ kurzzeitiges Phänomen bleiben, das allein durch die fehlende Einsicht zigtausender Raubkopierer insbesondere in Filesharing-Netzwerken gespeist wird. Unkenntnis kann man nach der jahrelangen Diskussion über die notwendigen Änderungen des Urheberrechts und die Berichterstattung über „Napster“-, „The Pirate Bay“- und andere Prozesse aber nicht unterstellen. Die Illegalität der kostenlosen Tauschangebote über eDonkey oder Bittorrent ist offensichtlich und wird von den Tätern auch nicht geleugnet.
Warum Herr Boie meint, nach der nie widerlegten „Enttarnung“ der verlogenen Argumentation der Datenpiraten im Pirate Bay Prozess (vgl. Spiegel online v. 22.02.2009) die seichte Spur der vermeintlichen „digitalen Vordenker“ wieder aufnehmen zu müssen, kann niemand nachvollziehen, der mit der Thematik wirklich vertraut ist. Wo ist denn die Vision dieser „Vordenker“, die über die kostenlose Aneignung fremder Güter hinausgeht? Herr Boie jedenfalls scheint sie nicht gefunden zu haben, sein Artikel zeigt sie nicht.
Stattdessen lesen wir von zugeknöpften Anwälten, vermeintlich überzogenen Kostenforderungen und einem „Geschäft, das vor allem auf dem fehlenden Unrechtsbewußtsein beim Thema Copyright der mit dem Internet aufgewachsenen Generation aufbaut“. Dieses fehlende Unrechtsbewußtsein, Herr Boie, ist durch die fehlende Sanktion der anonymen Urheberrechtsstraftaten entstanden, die nun natürlich umso mehr „Kanonenfutter“ findet, weil sie zu spät kommt. Unwissenheit ist bestimmt nicht das Problem der Leute, die die „Abmahnindustrie“ beklagen, deren Schicksal doch ganz und gar von der Bereitschaft der Filesharer-Gemeinde abhängig ist, weiter Urheberechtsverletzungen zu begehen. Vielmehr bemüht sich diese Klientel, der Herr Boie insofern vollständig auf den Leim gegan¬gen ist, durch fadenscheinige und falsche Argumente zu überzogenen oder nicht zu erstatten¬den Anwaltsgebühren die effektive Durchsetzung der Urheberrechte zu torpedieren, die der Gesetzgeber, endlich, installiert hat. Die Filesharing-Szene wird sich genüsslich auf den „Abmahn-Anwalt“ Christian Weber stürzen, der laut Herrn Boie das zehnfache von dem als Anwaltshonorar in seinen Abmahnschreiben „feststellt“ , das in § 97 a UrhG in "einfachen Fällen" gefordert werden darf. Eine Gemeinheit, denn der Kollege Christian Weber ist gerade dafür bekannt, maßvolle Vergleichsangebote zu unterbreiten, in Schreiben der angesprochenen Art üblicherweise 450 € für Anwaltshonorar, Recherchekosten, Kosten des gerichtlichen Auskunftsverfahrens, Providerhonoraren für die Auskunfterteilung und eine moderate Schadensersatzpauschale als Entschädigung für eine nicht lizenzierte weltweite Verbreitung des Produkts des Mandanten. § 97a UrhG, eine außerordentlich problematische Regelung, ist dagegen auf die gravierenden und schwierigen Filesharing-Fälle seines Erachtens nicht anwendbar, was in dem Anschreiben in aller Regel ausführlich erläutert wird, das Herrn Boie offensichtlich vorliegt.
Dass es bei dem Ganzen „nur“ ums Geld geht, ist kein Argument. Den Kreativen geht es um das Geld, das sie verdienen, den Raubkopierern um das, das sie nicht bezahlen.
Wenn den Produzenten von Musik, Filmen, Computersoftware oder anderer digitaler Güter die Rechtsverfolgung in den verschiedenen derzeit angebotenen Modellen „Gewinne“ bringen kann, ist das eine Tatsache, die sich schlicht daraus ergibt, dass nach Abzug der Kosten von dem Schadensersatz, der dem Rechteinhaber gegen den Betreiber einer illegalen, lizenzfreien Quelle von Rechts wegen zusteht, noch etwas übrig bleibt. Dies den Rechteinhabern und Kreativen, die unsere Kultur mit Inhalt füllen, zu missgönnen, ist eine schlichte Gemeinheit und hat mit Open Source, Web 2.0 und anderen echten Visionen des Digitalen Zeitalters nichts zu tun.

-2

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


GiCl 10.11.2009 | 15:36
Mehr zum Thema gibt es auf http://www.netzwelt.de/forum/allgemeine-... nur als eines von vielen Beispielen.

Viele Abmahnopfer und Freundeskreise der Abmahnopfer werden nie wieder Soundtracks dieser Künstler bzw. andere Werke unterstützen. Bzw. als weitreichendere Folge die ganzen Liste die auf der dreipage zu sehen ist. http://abmahnwahn-dreipage.de/

Wenn ich für 100 Abmahnungen mit ca. 100 x 450€ rechnen muss und es um "präventive" Maßnahmen geht und hierbei geht es unter anderem bei der Unterlassungserklärung, dann ist dies eine Konsequenz. Eine einmalige Strafe hat auch einen ausreichenden Abschreck-Charakter.

My 2 cents

0

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


Martina1234 10.11.2009 | 17:01
Welche Intention verfolgt nun Herr Nümann mit seinem Beitrag. Will man hier auf biegen und brechen Überzeugungssarbeit für das eigene Handeln leisten, indem man durch die pauschalisierten Negativierung Abgemahnte plötzlich mit dem Tatbestand eines Raubes gleich stellt, indem diese als Raubkopierer bezeichnet werden?

Ihr Schmusekurs über die achso maßvollen Vergleichsangebote ist doch ein alter Hut. Reden Sie doch Tacheles. Warum ist eine Anwendbarkeit von 97a Abs. 2 UrhG Ihrer Meinung ausgeschlossen, obwohl hier wahrscheinlich vor Versendung keine Einzelprüfung durchgeführt wird, indem 1000sendfach die gleiche Abmahnung, generiert aus Textbausteinen, versendet wird. Fehlerquellen sind ja Ihrer Meinung praktisch ausgeschlossen. Allerdings frage ich mich dann, wie man z.b. ohne Telefon- und Internetanschluss eine Abmahnung wegen Verstoss gegen das Urheberrecht erhalten kann.

Ist diese ablehenende Haltung von 97a Abs. 2UrHG tatsächlich der Wille des Gesetzgebers gewesen?

Natürlich ist Geld kein Argument. Es liegt aber an Ihnen, diese Einschätzung ein für alle mal auszuräumen.

0

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden


Martina1234 10.11.2009 | 17:09
Sollten alle Abgemahnten bezahlen, würde man 13,5 Millionen Euro einnehmen. aus http://www.gulli.com/news/mit-13-045-abm...

Ja Herr Nümann, 13,5 Millionen - da bleibt schon ein bisschen was übrig, Gell

1

Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden



zurück
erste Seite (inaktiv) einen Block zurück (inaktiv)
1 2 3
einen Block weiter (inaktiv) letzte Seite
weiter


Kommentar schreiben:


+ -
Kommentar >> speichern
Alle Kommentare anzeigen
Dieser Text stammt aus der Süddeutschen Zeitung. Teste Deutschlands große Tageszeitung jetzt zwei Wochen kostenlos und unverbindlich: hier klicken!