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Leben

| 08.11.2009 18:30  

Wurst, Steine, Tränen

Vor 20 Jahren gab es in Berlin euphorische Pläne: Man wollte die weltweit erste Adresse für neue Architektur werden. Heute fehlt nicht nur Geld, sondern vor allem eine Idee von sich selbst.
Berlin - Das einzige Stück Wüste in Deutschland - es hat sich nicht auf den öden Brachen der neuen Bundesländer entwickelt, es befindet sich mitten in der deutschen Hauptstadt, ja es lappt direkt hinein in den aufgeregtesten Ort Berlins. Rund um den Berliner Hauptbahnhof ist im Lauf der lokalen Neuplanungen die Wüste Gobi herangewachsen.

In keinem Großstadtbahnhof der Welt sind die Besucher, die einem Zug entsteigen, von ihren angepeilten Zielen psychologisch weiter entfernt als im zentralen Bahnknotenpunkt Berlins. Wer sich hier aus dem fünfgeschossigen Lift- und Rolltreppenchaos ins Freie gerettet hat, fällt ins Nichts. Gobi ringsum. In Richtung Norden dehnt sich Niemandsland bis zum Horizont, auf der Südseite streckt sich zwar eine plattenbelegte Fläche zum Flussufer hinüber, und jenseits des Flusses zeichnen sich Riegelbauten ab, die man zu kennen glaubt, doch wie man dorthin kommt, ist nicht ersichtlich.

Bei der Planung des Berliner Stadtquartiers am Hauptbahnhof haben die Architekten in den Neunzigern Tabula rasa gemacht - weil sie den zur Verfügung stehenden Raum um den neuen Bahnhof, ohne auf Altbaureste Rücksicht nehmen zu müssen, nach einem grausamen Rasterplan möglichst dicht, möglichst massig, möglichst spekulantenfreundlich überbauen wollten.

Jahrelang hat sich für das in Aussicht gestellte Bahnhofsquartier kein Investor interessiert. Doch in den vergangenen Monaten ist die erste der Einheitskisten plötzlich aus dem Wüstenboden geschossen. Ihr Auftritt vor der gläsernen Tonne des Hochbahnsteigs ist derart plump, dass man versucht ist, das waltende Nichts, das den Bahnhof bisher umgeben hat, noch schnell unter Schutz zu stellen. Mit dem banalen Lochmuster ihrer vier gleichen Steinfassaden und mit dem bösartigen Verzicht auf jegliche ästhetische Differenzierung markiert dieser Erstlingsbau des projektierten Quartiers in der Wüste Gobi einen neuen Tiefpunkt in der Entwicklungsgeschichte der Neu-Berliner Investorenarchitektur.

Doch wenn man 20 Jahre nach dem Fall der Mauer ein Resümee ziehen will über das Baugeschehen in den provisorisch zusammengenähten, aber nicht mehr ineinander passenden Hälften Berlins, muss man, um den Ärger über die jüngsten Kreationen zu verstehen, zurückblenden zu den Anfängen in den Jahren der großen Spekulation. Hier sollen darum anhand einiger prominenter Ensembles die Leistungen, Versäumnisse und Irrtümer dieser zweiten deutschen Gründerzeit dargelegt werden. Zu Beginn sei eine pauschale Erstbewertung gewagt: Fast alles, was in Berlin im Rahmen des Umbaus zur Hauptstadt mit öffentlichen Mitteln errichtet, umgebaut und ergänzt worden ist, kann als Gewinn verbucht werden.

Das neue Regierungsviertel mit dem freigestellten Reichstag, mit dem Band des Bundes, das die vormals getrennten Stadthälften an der empfindlichsten Stelle in einer markanten Geste zusammenspannt, mit den frei zugänglichen Grünanlagen, die sich in den Tiergarten hinein öffnen, und mit der hindurchkurvenden Spree scheint für viele Besucher eine Attraktion von überraschender Ungezwungenheit zu sein. Tatsächlich gibt sich Deutschland in diesem grün durchwirkten Ensemble, das auch als Spreepark bezeichnet werden könnte, bei aller Entschiedenheit einzelner Baukörper entspannt. Man muss sich nur das 290 Meter hohe, ungegliederte Steingebirge vor Augen rufen, das Hitler über die ganze Breite des Spreebogens stülpen wollte - es hätte den Reichstag zur Hundehütte degradiert -, um die heutigen Erscheinungsformen der Macht als Manifestationen purer Differenzierungskunst zu empfinden.



Aber auch die Baulichkeiten, die für die Ministerien errichtet oder ausgebaut worden sind, fügen sich bereichernd in das Gefüge der Stadt ein. Schließlich die dichte Folge architektonisch anspruchsvoller neuer Botschaftsgebäude und Bundesländervertretungen: Wie ein Schmuckgürtel haben sich die Häuser um den Tiergarten gelegt und so dem alten Diplomatenviertel seine Würde zurückgegeben.

Vor allem aber im Kulturbereich hat sich Enormes getan. Auf der Museumsinsel wächst das Ensemble der bestehenden Museen nach der Wiedervereinigung und Neuordnung der Sammlungen wieder zu einem Komplex von unvergleichlicher Vielfalt zusammen. Nimmt man noch das benachbarte Deutsche Historische Museum im Zeughaus sowie das Schinkel-Museum in der Friedrichwerderschen Kirche hinzu und malt sich aus, dass das Stadtschloss weitere staatliche Museen auf der Insel beherbergen wird, dass der anvisierte Erweiterungsbau am Kupfergraben gegenüber dem Bode-Museum die Gemäldegalerie aufnimmt und dass die zu rekonstruierende Bauakademie von Schinkel als Forum der Architektur aktiv wird, dann blickt man auf ein Konzentrat, das an inhaltlicher Vielfalt und räumlicher Dichte Vergleiche mit wirklichen Weltmetropolen nicht scheuen muss.

Es gab aber auch Ärgerliches auf dem Gebiet der Kultur. Dass bei der dringend fälligen Totalsanierung der Staatsoper Unter den Linden der gedrückte, akustisch erbärmliche Zuschauerraum des DDR-Architekten Paulick aus sentimentalen Gründen mit gigantischem Aufwand rekonstruiert wird, obwohl mit der gleichen Summe eine akustisch ergiebige Überhöhung des Auditoriums im Dekorationsstil Paulicks möglich gewesen wäre, ist eines der Zugeständnisse an den Berliner Architekturgeschmack, die man nur als dumm bezeichnen kann.

Leider haben solche Fehlentscheidungen Tradition in Berlin: Der Schweizer Architekt Peter Zumthor hat die Phantasielosigkeit der Berliner Behörden massiv zu spüren bekommen, als sein sensibler Entwurf für das Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" maroden Pleitefirmen anvertraut wurde: Schon nach dem Betonieren der Treppenhäuser haben die Berliner Bautrupps nur noch Pfusch produziert, als müssten sie den Beweis erbringen, dass das filigrane Stabwerk der Gebäudehülle nicht realisierbar sei. Berlin hat sich des Schweizers, der wenig später den Pritzker-Preis zugesprochen bekam, auf schäbigste Weise entledigt. Realisiert wird nun eine banale Ersatzlösung, die nirgendwo anecken kann, weil sie ja nichts zu sagen hat.

Womit wir auf dem baukulturellen Niveau angekommen wären, auf dem wir uns bei der Betrachtung der stadtbeherrschenden Investorenarchitektur von nun an fortbewegen werden. Als sich nach dem Fall der Mauer die Immobilien-Spekulanten in Berlin-Mitte auf die Grundstücke an der vormals goldenen Meile warfen und die Plattenbaupaläste aus DDR-Tagen durch Palastbauten eigener Vorstellung ersetzten, haben sich viele Stars der damaligen internationalen Architekturszene zur Mitarbeit eingefunden. Aus irgendeinem Grund aber sind den Herren Pei, Nouvel, Koolhaas, Grassi, Piano, Rogers, Moneo, Isozaki, Moore oder Portzamparc für Berlin nur verschrobene oder indiskutabel schwache Lösungen eingefallen. Es war, als würde die lokale Architektenszene - im Mittelmaß geübt - die Kreativen von auswärts negativ inspirieren.

Vor dem Krieg ist die Friedrichstraße das vitale Zentrum des Geschäftslebens und die wichtigste Nord-Süd-Arterie der Innenstadt gewesen. Zur DDR-Zeit hatte das verbliebene Reststück, das im Norden und Süden gegen die Mauer lief, seine Attraktivität eingebüßt. Nun, nach der Öffnung, sollte die Kommerz- und Vergnügungsmeile von einst wieder Mittelpunkt Berlins werden. Doch um großstädtisches Leben rund um die Uhr möglich zu machen, hätte man sich um eine Vielfalt unterschiedlichster Bautypen und Funktionsgehäuse bemühen müssen. Die Investoren der ersten Stunde hatten aber nur einen Haustyp im Gepäck, als sie über Berlin-Mitte herfielen: das Bürohaus mit ebenerdigem Ladengeschoss, das sie von da an in endlosen Wiederholungen in jede Lücke schoben. So reihen sich Monumente des Scheiterns an der Friedrichstraße und an den Querstraßen peinigend dicht nebeneinander.

Unter dem Konkurrenzdruck während der hektischen Bauaktivitäten der ersten Jahre haben die Investoren ihre ästhetischen Ansprüche dann nicht nach oben, sondern noch weiter nach unten korrigiert. Mit ihren Wunscharchitekten schienen sie der Überzeugung zu sein, dass es genüge, wenn ihre Häuser die angegrauten Vorgängerbauten aus DDR-Tagen blass aussehen ließen - was angesichts der umgebenden Plattenbauten, der Büroblöcke mit kackbraun verspiegelten Glasfassaden und der Wohnkasernen mit Ecktürmchen, die wie übereinandergestapelte Aborterker aussahen, nicht schwerfiel.

Hätten sich die Herren die wenigen erhaltenen Fassadenzeilen aus der Vorkriegszeit zum Maßstab genommen, so hätten sie die Kardinalfehler ihrer Wiederaufbauarbeit bemerken müssen. Schräg gegenüber von Nouvels Kaufhaus Lafayette hat ein Bautenkomplex der alten Friedrichstraße alle Stürme des vergangenen Jahrhunderts überstanden. Mit geradezu überbordender Plastizität setzen sich die vier Charakterbauten stilistisch voneinander ab: Jugendstil, Neugotik, Neuromanik und Klassizismus prallen auf engstem Raum aufeinander und machen klar, was den widersprüchlichen Reiz dieser Straße einst ausgemacht hat: eine prickelnde Vielfalt an Lebens- und Erlebensformen. Hier standen Kaffeehäuser, Wein- und Bierstuben, Luxushotels, Theater, Kinos, Banken, Großkaufhäuser, Modesalons, Luxusboutiquen, ja sogar Armenküchen, Nachtlokale und Spielhöllen.

An diesen Resten Alt-Berlins hätten die Protagonisten des Stadtumbaus studieren können, wie sich mit architektonischer Vielfalt eine Ahnung von der alten Sinnlichkeit in das Quartier hätte zurückholen lassen. Doch wenn die Regeln des Markts nichts anderes zulassen als jenen Einheitsblock mit dem streng geregelten (und man möchte sagen: gegelten) Übereinander von sehr oft leeren Läden, Büros und Luxuswohnungen, und wenn die lokalen Baugesetze verlangen, dass diese immer gleichen Schichtgebilde hinter immer gleichen glatten Steinfassaden verschwinden, dann verlieren die Quartiere, die man vollgeklotzt hat, auch noch die letzten Reste dessen, was sie mal interessant gemacht hat. Dann wird Überdruss zum beherrschenden Stadtgefühl.

Wer sich ein paar Tage lang durch die Neubauquartiere Berlins bewegt hat, wird den steinernen Rechteckraster der Neubaufassaden, der inzwischen große Teile der Stadt überzieht, als physische Strafe empfinden.

Um ihre Kreationen von der Masse der steinsichtigen Bauten abzuheben, haben einige Architekten in den Neunzigern den unumgänglichen Prototyp umzumodeln versucht. Doch was ihnen erlaubt wurde, waren lediglich groteske Varianten der Normalfassade. So hat etwa der amerikanische Prophet der Postmoderne Philip Johnson den ihm zugeteilten Block zwischen Mauer- und Friedrichstraße mit einer hässlich unrhythmischen Abfolge aneinandergereihter Fassadensegmente zu beleben versucht: Steinerne, oben abgerundete Risalite wechseln sich mit Glaswänden ab, die mal aufrecht stehen, mal leicht nach hinten gekippt sind, mal als Tafeln schräg aus der Fassade herausstehen. Und der italienische Rationalist Aldo Rossi lässt in seinem Block die Stockwerke einheitlich um alle Ecken herumlaufen, teilt den Riegel aber in Häuser auf, die alle den gleichen Fensterrhythmus haben, aber sich farblich schrill unterscheiden. Einem der Häuser hat er in einem Anfall von Aberwitz drei Achsen der von Michelangelo entworfenen hyperplastischen Hoffassade des Palazzo Farnese in Rom vorgeblendet: Wenn er damit zeigen wollte, wie erbärmlich niedrig die Flure und Zimmer in den Halbgeschossen hinter der Prunkfassade sind und wie restlos absurd eine triumphbogenartige Tordurchfahrt ist, wenn sie nur zu den Mülltonnen führt - so ist ihm das auf nahezu dramatische Art und Weise gelungen.

Am anderen Brennpunkt des Baugeschehens nach der Wende - am Potsdamer Platz - sind nun wahrhaft ungeheure Geldmassen im Boden versenkt worden, um eine kurze Sackgasse im ehemaligen Sperrbereich der Mauer zum zentralen Erlebnisquartier der Stadt aufzublasen.

Leider wurde bei der bombastischen Bauanstrengung versäumt, eine Brücke hinüber ins Kulturforum - zur Philharmonie, zur Staatsbibliothek und zu den Museen - zu schlagen und so die psychologisch getrennten Kulturbereiche miteinander zu verzahnen. Das maximal verdichtete Quartier beidseits der Potsdamer Straße schottet sich nach allen Seiten hin so hermetisch ab, dass Kommunikation mit der Nachbarschaft über die Lücken hinweg unmöglich ist. So wirkt auch der Grünstreifen des Tilla-Durieux-Parks, der das Quartier bis zum Landwehrkanal begleitet, mit seinen gebirgig steilen Rasenflächen wie ein Stück Westwall zwischen den begleitenden Bürozeilen.

Und doch: Auch wenn Renzo Piano beim Debis-Zentrum und Rafael Moneo beim Hyatt-Hotel unter ihren Möglichkeiten geblieben sind, auch wenn Richard Rogers mit seinen dekonstruktivistisch zerklüfteten Wohn-/Bürobauten, in denen die Rolltreppe erst oberhalb der Freitreppe beginnt, nur noch Kopfschütteln erregt, wird man das Viertel mit den drei an der Spitze paradierenden Hochhäusern und der Glaskuppel des Sony-Zentrums doch zu den interessanteren baulichen Errungenschaften der Stadt zählen.

Man muss nur hinübersehen zu den Ensembles, die in der Nachbarschaft hochgeschossen sind, um die Bauten der ersten Generation loben zu können: So ergehen sich etwa im Beisheim-Center die hintereinander gestellten Einheitshochhäuser in einer nicht überbietbaren steinernen Lochmuster-Monotonie. Am achteckigen Leipziger Platz haben sich die Architekten damit einverstanden erklärt, dass sie sich innerhalb des feststehenden Fassadenaufbaus nur noch zwischen hoch- und querrechteckigen Fensterformen entscheiden können, also auf Individualität total verzichten. Dass von dreien der Häuser, die den Ring bilden, bislang nur gemalte Fassaden existieren, fällt da nicht weiter auf; denn auch als Realbau würde das flache Kulissengebilde, zu dem der vormals kraftvoll strukturierte Leipziger Platz bei der Neuplanung inzwischen geschrumpft ist, die gleiche Wirkung erzielen.

Am Pariser Platz haben sich die Architekten der Neubauten zwar um individuelle Fassadenbilder bemüht, doch die Gesamtwirkung ist ähnlich furchtbar. Vor dem Krieg haben Charakterbauten unterschiedlicher Epochen und Stile das Brandenburger Tor wirkungsvoll freigestellt und dem Platz zu einer Harmonie der schönen Gegensätze verholfen. Heute ist das Tor eingespannt in einen engen Ring eintönig gleicher Stein-Glas-Fassaden, die unfähig sind, ein Ensemble zu bilden und den Platz zu strukturieren.

Frank Gehrys demonstrativ übergroße Rechteckfenster in der vorschriftsmäßig glatten Steinfassade der DG-Bank wirken wie eine Parodie des Neu-Berliner Fassadenstils, dem die deutschen Kollegen auf der gegenüberliegenden Seite kniefällig huldigen. Die Versuche des Büros Charles Moore, an der Botschaft der USA durch eine canyonartige Einkerbung über dem Portal und durch kleine Vordächlein über den Fenstern, die scherzhafterweise bis zum Fensterkreuz abgerutscht sind, die Fassade des Blocks aufzulockern, sind von geradezu rührender Hilflosigkeit. Da kommt einem das große Loch, das Günter Behnisch mit der Glasfassade der Akademie der Künste in das steinerne Geviert gerissen hat, schon wie ein Geniestreich vor.

Immer noch wird natürlich weitergebaut in Berlin. An der nördlichen Friedrichstraße, Ecke Unter den Linden, dort wo die DDR einen Platz geschaffen hatte, der Luft in die enge Straße fächelte, hat ein Bauherr nicht nur den Platz kassieren, sondern auch den Gehsteig der Friedrichstraße überbauen dürfen. Wer dort spazieren geht, wird plötzlich in atemberaubend scheußliche Kolonnaden gezwungen. Wer hat denn diesen Wahnsinn genehmigt?

Und wer hat das schwarzbraune Monster hinter den Bahnhof Friedrichstraße gestellt? Auf dem dreieckigen Grundstück an der Spreebrücke, auf dem Mies van der Rohe in den Zwanzigern ein filigranes Bürohaus hochschießen lassen wollte, erhebt sich seit kurzem ein Stück Blutwurst, das unschön geknetet worden ist. Da sich dieser Bau nicht an die Berliner Kleiderordnung hält, hätte er die Chance gehabt, angenehm aufzufallen, aber so plump wie er aussieht, ist er ein Fall für den "Tränenpalast", der nebenan auf seine Wiedereröffnung wartet.

Angesichts solcher Gruselarchitekturen wagt man nicht mehr zurückzudenken an die großen Utopien, die nach dem Mauerfall in den Planerhirnen aufgestiegen sind. Das wiedervereinte Berlin werde sich innerhalb weniger Jahre zum Laboratorium eines neuen Städtebaus, ja zur Architekturhauptstadt der Welt entwickeln, glaubten viele. Visionen von einem Manhattan auf märkischem Sand geisterten durch die Magazine. Und alle Größen des Architekturgeschäfts meldeten sich zur Stelle. Doch wofür man Ideen entwickeln sollte und wie man mit Architektur Zeichen setzen könnte, wusste damals keiner in der Stadt. Und so kam es zu den Offenbarungseiden.

Heute, im Quartier am Hauptbahnhof können wir dabei zusehen, wie die letzten Reste des Anspruchs von damals im Sand verbuddelt werden.


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Kommentare
nordzucker 08.11.2009 | 19:13
die politik entschied sich fuer das steinern und massiv berlin durch klare bauvorgaben und vorschriften. viele gebaeude sind tiefer als hoch. an ideen von architekten mangelte es nicht.

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swisskuede 10.11.2009 | 19:05
Schade, dass sich der wortgewandte Verfasser des Artkels nicht zu erkennen gibt. Hätte gerne mehr gelesen von ihm.
Wer mal in Barcelona war, weiss, wie man es besser machen kann.
Mischt sich die Politik zu viel ein in die Architektursprache, wird zwar Katastrophales verhindert, aber Geniales auch verunmöglicht.
Gaudí hätte in Berlin nie eine Baubewilligung bekommen, Mies van der Rohe ebensowenig.
swisskuede, Berlin 10.11.09

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DonnaSummer 12.11.2009 | 13:03
Es gibt eindeutig zu benennede Autoren der aktuellen Situation. Ihre Bestandsaufnahme ist in beinahe jeder Zeile eine Verkürzung und (un)wissende Verklärung zugleich.

by the way - Autor des Artikels ist der Münchner Architekturkritiker Gottfried Knapp.

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