04.11.2009 - 18:30 Uhr

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Liebespaare: Jule, Sven und der Moment am Pfandautomaten

Text: wlada-kolosowa - Illustration: Katharina König

Was wir von der Liebe wissen, wissen wir aus eigenen Erfahrungen und aus den Geschichten anderer. In Folge 19 erzählen Jule und Sven von ihrer Liebe, die beim Leergutabgeben begann.

Jule, 29. Grundschullehrerin in Kiel. Zusammen mit Sven seit drei Jahren. Es war an einem Mittwochvormittag, eine Woche nach meinem Geburtstag. Ich brachte das Partyleergut weg – eine ganze Menge Partyleergut. Geschlagene zwanzig Minuten fütterte ich den Getränkeautomaten, schob eine Flasche nach der anderen rein und fühlte mich ganz schuldig, weil es so ewig dauerte. Hinter mir wartete ein junger Mann, sommerlich in Shorts und T-Shirt und einem Bierkasten Astra unterm Arm. Ich drehte mich um, um ihn entschuldigend anzugucken. Er lächelte. Es war wirklich nur ein kurzer Augenblick, in dem wir uns ansahen.
Als ich zurück schlenderte, saß er schon in seinem Wagen und kritzelte irgendetwas auf einen Schnipsel Papier. Ich wartete kurz in meinem Auto, hoffend, dass er mich ansprechen würde. Vergebens. Dann lächelten ich ihm zu und fuhr los. Immer noch hoffte ich, dass er mir ja vielleicht folgen würde. Aber nichts. Als ich zuhause ankam, hatte ich immer noch diesen kurzen Augenblick mit dem Astra-Jungen im Kopf. Ich hatte mir – warum auch immer – das Nummernschild seines weißen, klapprigen Polos gemerkt. Bevor ich zu der Probe meiner Band fuhr, bat ich einen alten Freund, der bei der Polizei arbeitete, herauszufinden, wem der Wagen gehört. Das Auto war auf einen Sven zugelassen. Mein Vormieter hat ein altes Telefonbuch auf der Fensterbank liegen gelassen und ich beschloss nachzuschlagen, obwohl ich nicht viel Hoffnung hatte: Wer lässt sich denn schon heutzutage noch ins Telefonbuch eintragen? Aber der Typ stand tatsächlich drin. Und zu meinem Glück auch noch mit seiner Handynummer. Ich weiß nicht, was mich trieb, ich habe so was auch noch nie vorher gemacht, aber ich schrieb ihm einfach eine SMS: „Vielleicht sehen wir uns am Getränkeautomat ja mal wieder?!“ Es dauerte nicht lange und mein Telefon piepte. „Oh, das freut mich aber sehr. Woher hat denn die hübsche Unbekannte meine Nummer…übrigens, ich heiße Sven.“ Ich musste schmunzeln: Dank meiner Recherche wusste ich ja schon alles. Nach einigen SMS ging ich zu Bett und wachte völlig verwirrt auf, als mein Telefon um 2.30 Uhr morgens klingelte. Am anderen Ende war ein hellwacher Sven. Er wollte nur mal sicher gehen, dass ich tatsächlich seine Supermarktbekanntschaft war. Sehr rücksichtsvoll! Ich fürchte, ich klang ziemlich grantig, weil ich noch im Halbschlaf war. Immerhin war ich geistesgegenwärtig genug, mich mit Sven zum Frühstück zu verabreden. Am nächsten Morgen war ich furchtbar aufgeregt, weil mir plötzlich bewusst wurde, was ich da angestoßen hatte. Mein Gott, wir hatten uns ja schließlich nur ein Mini-Sekündchen in die Augen gesehen. Was ist, wenn ich ihn nicht erkenne und mich an den falschen Tisch setze? Und wenn wir uns überhaupt nichts zu sagen haben? Als Sven ins Café rein schlenderte, in Flip-Flops und ziemlich verpennt, waren meine Zweifel aber sofort verflogen. Sven hatte eine ganz tolle Lache – so eine, der man nicht nur gern zuhört, sondern auch sofort mitmachen möchte. Wir bestellten beide Krabbensalat und Nutella zum Frühstück und gingen danach im Park spazieren. Abends wollte Sven seine Familie und Freunde an der Nordsee besuchen. Eigentlich hatte er vor, dort ein paar Tage zu bleiben. Je länger wir aber so nebeneinander spazierten, desto mehr glaubte ich heraus zu hören, dass er nichts dagegen hätte, noch in derselben Nacht nach Kiel zurückzukehren. Also bot ich ihm an, sein telefonischer „Wach-Halter“ für die nächtliche Autofahrt zu sein. Nur für den Notfall, natürlich. Kurz nach Mitternacht klingelte mein Handy. Als ich ran ging, rückte Sven gleich damit heraus, dass er bereits vor meiner Haustür stand. Ich bat ihn rein, wir tranken Wein, erzählten und guckten dann gegen vier Uhr morgens meinen Lieblingsfilm, „Tatsächlich Liebe.“ Mitten im Film, bei der Hochzeit von Peter und Juliet, küssten wir uns. Und da war es endgültig um mich geschehen. Liebe auf den ersten Blick? Eigentlich glaube nicht daran. Viele verwechseln das oft, dieses Aufgeregt-Sein und wirkliche tiefe Gefühle. Bloßer Zufall? Nein, das kann es aber auch nicht gewesen sein. Auf der nächsten Seite erzählt Sven von der Liebe auf die x-te Pfandflasche.
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.