Vollmond
Die Quotenjagd verläuft nachts nicht glimpflicher als am Tage. Es sind die selben Gerichtsshows, wie sie jeder triste Plattenbaunachmittag kennt. Der Unterschied ist, dass man beim Sender nebenan die Titten, von denen sonst nur die Rede ist, auch sehen kann. Seltsames Niveau hat 3Sat, wo man einem Mann stundenlang dabei zusehen darf, wie er Grafitti mit einer komischen Maschine entfernt - wobei er höchstens Quadratzentimeterweise vorankommt. Diese Art von Tiefgang erschließt sich mir nicht. Einzig erträglich scheint die Kika-Nachtschleife mit dem deprimierten Kastenbrot Bernd. Nur lange währt das Glück hier nicht: Schleife impliziert, dass sich das Geschehen wiederholt. Nach 10 Minuten kommt einem die Handlung schon sonderbar bekannt vor. Abende wie dieser enden manchmal in Schmerz und Verzweiflung. Dann, wenn die Vorstellungskraft nicht reicht, um die Einsamkeit wegzudenken. Das erste Mal hat es mich noch überrascht, aber das ist längst vorbei. Ich kann vorhersagen was passiert - auch ohne Astro TV.... Ich stelle mir vor wie du schläfst. Eigentlich schläfst du alleine in deinem Bett, aber in meinen Gedanken ist dein traumsüßer Atem direkt neben mir. Ich halte es nicht aus hier zu sein. Ich halte es nicht aus, dass du so weit weg bist, renne in den Garten, wo der Vollmond scheint. Über das herbstregennasse Gras tapsen meine Füße hinweg, und ich muss an deine denken. Ich starre nach Oben, wo die vereinzelten Wolken über den Himmel ziehen, als hätten sie es eilig. Als würden sie einer großen Ordnung folgen, die heute Nacht etwas Wichtiges geschehen lässt. Über uns beiden leuchtet der selbe Mond am gleichen Himmel. Die ersten Tränen machen meinen Blick glasig und verschwommen. Ich weiß nicht wohin, also setze ich mich auf die Schaukel. Mich beschäftigt jetzt nur die Frage, wie lange es wohl noch dauern wird, bis wir uns wiedersehen. Die Antwort macht mir Angst. Vielleicht weil sie so ungewiss ist. Ich versuche ihr davonzuschaukeln. Immer höher, bis es nicht mehr weitergeht. Bis ich bei den Sternen bin. Und wenn ich es einmal bis zu den Sternen geschafft habe, dann auch bis zu dir. "Komm her" wirst du sagen. Wie beim letzten Mal. Dann werde ich einen Schritt auf dich zu machen, und es wird eine unserer komischen Umarmungen geben. Die sind irgendwie schief, weil du so groß bist. Wahrscheinlich sähe das ziemlich lustig aus, wenn es nicht so schön wäre. Aber du hast diese seltene Gabe, die dem Platz in deinen Armen einen großen Namen gibt: Glück. Ich liebe dich.
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06.11.2009 - 00:43 Uhr
sisyphe1
ich meine, rennt da wirklich wer in den garten über taunassen gras und stellt dem mann im mond seine fragen?
das gefällt mir einfach nicht, so ein bild.
das ist alles.








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04.11.2009 - 15:52 Uhr
cathie