Die älteren Semester
Text: claudia-dambacher - Fotos: privat, Photocase Nora Philipp
Wie es ist, wenn die Kommilitonen zehn Jahre jünger sind - vier Spätstudenten über ihr neues Leben an der Uni
Andreas Lips, 38, studiert Germanistik und Soziologie in Freiburg im Breisgau
"Manchmal denke ich schon, ich bin eine Art Fehler im System. Jetzt, wo langsam auch die Dozenten jünger sind als ich und ich viel mehr Doktoranden als Studenten kenne. Die normalen Studenten werden eben nicht immer jünger - so wie mir das schon mal vorkommt - sondern ich werde immer älter und sollte langsam mal die Seiten wechseln.
Ich hatte nach meinem Abitur eine Ausbildung angefangen, die ich nach drei Jahren abgebrochen habe. Nach meinem Zivildienst habe ich sechs Semester Deutsch und Geschichte studiert und auf Soziologie gewechselt. Dann kam mein Sohn dazwischen und ich habe hauptsächlich Geld verdient, während seine Mutter fertig studiert hat. Jetzt plane ich, mich für die Magisterarbeit anzumelden, habe aber nebenher noch zwei Jobs.
An der Uni bin ich natürlich mit ganz vielen jungen Leuten zusammen und komme mir schon ein bisschen wie ein Opa vor. Ich habe auch mit der Lebenswelt der meisten Kommilitonen nicht mehr viel gemeinsam. Die durchlaufen jetzt einen Prozess, den ich längst hinter mir habe. Da werden hauptsächlich Gespräche über WGs geführt und über die nächste Feier. Das hatte ich auch mal und es war eine schöne Zeit, aber es wäre irgendwie albern, mir das zurückzuwünschen.
Ich habe mich lange Zeit komisch gefühlt, aber inzwischen gehe ich relativ offen damit um, dass den jungen Leuten auch mal der Kiefer herunterfällt, wenn ich erzähle, wie alt ich bin. Es ist auch in Ordnung für mich, dass die eben ihre Partys machen und dass ich da nicht hingehe. Wobei ich ohnehin das Gefühl habe, dass die jungen Studenten gerade nach der Bachelor-Einführung ihr Studium nicht mehr so Laissez-faire angehen, wie das bei mir vor zehn oder 15 Jahren war. Ich glaube, die stehen ganz schön unter Druck und müssen alles ziemlich ernst nehmen. Aber jede Studentengeneration hat eben ihre Schwierigkeiten. Mit der Freiheit umzugehen, die wir damals hatten, war auch sehr schwer. Jetzt werden sie halt mehr geführt, es wird ihnen mehr gesagt, was sie tun müssen. Und darauf kann man sich auch einfach einlassen und dann hat man alles erledigt."
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