23.10.2009 - 18:30 Uhr

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Freunde-Typologie. Heute: Der Internetfreund

Text: eva-schulz - Illustration: judith-urban

Der Internetfreund ist für Fernsehserien und zum Chatten da. Mit ihm Feiern oder Streiten ist allerdings nicht drin.

Früher waren Internetfreunde noch etwas Gruseliges. Man kannte sie aus diesen altmodischen Chats, in denen sich lauter Unbekannte zufällig treffen, und konnte sich nie sicher sein, ob sie wirklich so hießen, aussahen, drauf waren wie sie vorgaben. Man erzählte ihnen alles Mögliche, blies es einfach raus in das damals noch so anonyme Netz – etwa so wie Tom Hanks und Meg Ryan in „E-Mail für dich“. Nur waren es normalerweise eher kurze „Affären“ und keine langen freundschaftlichen Bindungen.
Heute freundet man sich im Fanforum der britischen Comedyserie „Extras“ an oder indem man jemandem eine E-Mail schreibt, weil er in seinem Weblog so tolle Pastarezepte postet. Vielleicht findet man auch einen Flickr-User, der ebenso gern diese mit-Licht-in-die-Luft-schreib-Bilder mit offener Blende macht, oder einen Last.fm-Kollegen, der genau die gleichen afrikanischen Indiebands hört wie man selbst. Das sind alles Hobbys und Interessen, die in der realen Clique sehr wahrscheinlich keiner teilt. Im Internet jedoch findet man spielend Gleichgesinnte. So sind Netzfreunde kein Ersatz mehr für die aus dem direkten Umfeld, sondern eine Ergänzung dazu. Endlich muss man sich nicht mehr alleine darüber aufregen, wie Maggie sich in jeder Folge um Kopf und Kragen redet, und kann sich gegenseitig Nudelwassertipps geben. Im Gegensatz zu „richtigen“ Freundschaften braucht die Internetfreundschaft kein Stammcafé und keinen Kickerabend – in den meisten Fällen wäre das auch schier unmöglich, weil man in verschiedenen Städten oder gar Ländern lebt. Eigentlich braucht man nicht mal eine Verabredung. Wer wirklich auf einer Wellenlänge ist, ist auch gleichzeitig im Netz. Dann wird gechattet oder geskypet, und wenn doch mal einer alleine online ist, schreibt er eben eine Mail. Es ist sozusagen die Brieffreundschaft 2.0. Das bedeutet aber auch, dass der Internetfreund selten die ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt – beim Chatten klickt man ja doch immer noch nebenbei rum. Doch darum geht es auch gar nicht, man will dem Netzkumpel schließlich selten von seinen Liebesproblemen oder dem Streit mit den Eltern erzählen. Dafür ist die Beziehung zu oberflächlich. Sowieso ist sie eine sehr lose, die auch ganz unbemerkt einschlafen könnte. Es gibt einfach keine Möglichkeit, sich richtig aneinander zu binden. Der Internetfreund ist nicht auf Abruf da, so wie die beste Freundin, die man zur Not jederzeit auf dem Handy erreichen kann. Man geht ja auch nicht mit seiner Internetbekanntschaft feiern, streitet sich oder tröstet sich gegenseitig über irgendetwas hinweg – es wird nie so intensiv, dass man sich später mal an gemeinsame Erlebnisse zurückerinnern könnte. Außer natürlich, man verabredet sich zum nächsten Afropop-Festival. Das ist anfangs oft mit Herzklopfen verbunden - ein bisschen misstrauisch ist man nun mal doch immer noch, ob der Typ jetzt wirklich genauso ist, wie man ihn sich vorgestellt hat. Meistens geht es aber gut, und während man gemeinsam vor der Bühne herumspringt, kommt es einem vor, als würde man sich schon ewig kennen. Dann wird aus der virtuellen Freundschaft eine reale und das Einzige, was dann noch komisch ist, ist, den übrigen Freunden zu erklären, wie man sich eigentlich kennengelernt hat.


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Die_Phyllis
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Mag ich Mag ich nicht

5

24.10.2009 - 11:07 Uhr
Die_Phyllis

Komisch, dass die Verfasserin so denkt...
Sie ist 19. Nicht mal meine Mutter (über 60) findet es 'komisch', dass sich Menschen im Netz kennenlernen.

Natürlich gibt es im Netz diese oberflächlichen Kontakte - das sind aber eher nicht die, die Menschen gemeinhin als 'Freundschaften' bezeichnen.

Aber egal ...


Bloß grad noch zu "real/virtuell" (oder 'physisch/virtuell') noch ein Gedanke:

Die Kommmunikation im Netz ist nicht face-to-face, bedeutet das, dass sie virtuell ist?

Man schreibt im Chat - ist das dann 'virtuelles Reden'?

Eine Mail verschickt man von 'virtuellem Postausgang' zu 'virtuellem Briefkasten' - aber ist das dann auch nur noch ein 'virtueller Brief', mit virtuellem Inhalt?

Für mich sind die Kontakte nie virtuell - oberflächlich oder nicht.
Ich bin ein Mensch und ich habe bisher noch nie das Gefühl gehabt, mit einer virtuellen Einheit zu kommunizieren, oder nur virtuelle Inhalte auszutauschen.

lousal
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Mag ich Mag ich nicht

5

24.10.2009 - 12:27 Uhr
lousal

ich finde die ganze was für freundarten gibt es?-reihe insgesamt total daneben. man versucht etwas in eine form zu pressen, die hinten und vorne nicht passt.
auch jetzt wieder: schwachsinn!
bleibt alles anders.

Honesty
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Mag ich Mag ich nicht

0

24.10.2009 - 13:05 Uhr
Honesty

Ich hab ne "chat-Freundin" dich im realen Leben zwar kenne, wir uns fast täglich sehen, aber niemals mehr als 2 Worte wechseln - nachts schreiben wir uns stundenlang (teilweise) mit ungeteilter Aufmerksamketi, über Liebesprobleme und den Streit mit den Eltern, meinen auch immer wieder, wir müssten uns doch mal wirklich unterhatlen - wird aber nie was draus (vllt zum Glück)

also, text ein griff ins klo ?

sosoaha
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Mag ich Mag ich nicht

0

24.10.2009 - 13:46 Uhr
sosoaha

Honesty sagte:
also, text ein griff ins klo ?


Net unbedingt, beweist er doch, dass dieser bestimmte Zeitgeist bei Ihr noch net angekommen ist. Das mag einem gefallen oder auch nicht, nur sperrt Sie sich einer imho unvermeidbaren Realität: Kommunikationsmedien evolvieren.

Cate81
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Mag ich Mag ich nicht

0

24.10.2009 - 19:52 Uhr
Cate81

Ich finde, dass die einzelnen Freundestypen in der Rubrik hier oft unzureichend oder auch völlig falsch beschrieben sind. Oder aber aus einer völlig individuellen Perspektive des persönlich Erlebten beschrieben, was ja dann aber naturgemäß kein verallgemeinerbarer "Typ" ist.

Douzitou
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Mag ich Mag ich nicht

4

25.10.2009 - 01:52 Uhr
Douzitou

Mit Leuten, die Kommentare im Internet schreiben, gebe ich mich nicht ab.

andreasspiegler
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Mag ich Mag ich nicht

0

25.10.2009 - 17:31 Uhr
andreasspiegler

Ich finde, es ist ein schöner Versuch, die verschiedenen Typen von Freunden zu beschreiben. Nur muss dann auch viel Platz für die weitere Diskussion sein. Und natürlich überlappen sich diese Beschreibung in Wirklichkeit auch. Ich habe viele solche Internetfreunde, wie sie in diesem Text beschrieben werden. Aber auch Bekanntschaften, die nach und nach immer näher an mich herankamen und man am Ende mehr Gemeinsamkeiten hatte, als der vielleicht beste "reale" Freund. Man sollte schauen, wo man Menschen findet, die einem etwas bedeuten. Egal wo - so lange es von beiden Seiten ernst gemeint ist :)

octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

3

25.10.2009 - 22:47 Uhr
octopussy

das jetzt.de ist doch ein Beweis (zumindest unter den älteren und seit langem usern), dass sich Internetfreundschaften lange halten, dass man sich dann auch gerne mal in echt, Farbe und 3D kennen lernt, dass hier manche Beziehungen entstehen und auch wieder beendet werden können, dass es im Grunde ein kleines familiäres Netz ist, was den "echten" Freundschaften in nichts nachsteht, sondern vielmehr eine Bereicherung ist.
Und ja: wir schreiben das Jahr 2009. Es ist wirklich nix mehr dabei, zu sagen "Wir kennen uns von der und der community" das verstehen auch 70jährige Eltern.

wurzel
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.05.2010 - 10:05 Uhr
wurzel

da wieder die alte frage eine relativ alten jetzt'lers... warum gibt es eigentlich diese rubrik nicht mehr, in der man sich früher zum treff mit all seinen jetzt freunden verabredet hat bzw. mit denen, die in der gleichen stadt wohnen???

rufeyda
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Mag ich Mag ich nicht

0

02.06.2010 - 19:57 Uhr
rufeyda

hallo ich such einen internet freund 13-14jahre?!

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eva-schulz offline

eva-schulz

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.

Eva Schulz