Schulz oder Mraczny heißen? Ein Fall für Zwei
Text: eva-schulz - und sebastian-mraczny
Im Internet ergeben sich für Leute mit Nachnamen wie Müller, Schneider oder Schulz ganz neue Probleme. Für die, die einzigartig heißen, aber auch.
Sebastian Mraczny will lieber Schulz heißen
Ich stelle mir das ja so vor: Wenn eine Eva Schulz ein Elite-Auslandspraktikum in Kapstadt gemacht hat, können sich alle anderen Eva Schulzes beim Bewerbungsgespräch damit schmücken. Und wenn im Gegenzug eine Eva Schulz jung und geldbrauchend nackt vor der Webcam herumgesprungen ist, kann sie das auf eine ihrer zahlreichen Namensbasen abwälzen. Man hat quasi gleich zwei Vorteile: Zum Einen kann man in der Masse Gleichnamiger untertauchen, zum Anderen seine Wunschidentität steinbruchartig aus den vielfältigen Biographiesplittern der Web-Kollektividentität „Eva Schulz“ zusammenbasteln – und wer könnte das schon so genau nachprüfen?
Gestern wurde ich gefragt, was denn so interessant sei an der Frage, wie viel Energie Rolltreppen verbrauchen. Erst war ich ganz perplex. Doch dann dämmerte es mir: Wer mich googlet, gelangt irgendwann zu einem Beitrag in einem ökologischen Forum, wo ich diese Frage mal gestellt habe. Das ist fast zwei Jahre her. Umgekehrt ist allerdings auch leicht herauszufinden, dass mein Name auf keiner Umweltschutz-, Menschenrechts-, Gewerkschafts- oder sonstigen Organisations-Webseite genannt wird. Wie wird sich dieser Beweis für mein recht beschränktes sozial-ökologisches Engagement auf künftige Bewerbungen oder berufliche Beziehungen auswirken?
Das Problem ist: Ich bin mit meinem ungewöhnlichen Namen sozusagen der Alptraum jedes Online-Identitätsmanagers. Jede meiner Äußerungen im Web, alles, was ich je veröffentlicht habe, ist kinderleicht zu ergooglen und unverwechselbar von mir, denn mein Name ist nahezu einzigartig. Mit Roman Polanski, seinen Filmbusiness-Freunden und seinen Fans habe ich es mir beispielsweise letzte Woche durch einen Blogkommentar verdorben - ich wollte mal aufrichtig Stellung beziehen, ohne Pseudonym. Eine Hollywoodkarriere ist also schon mal gestorben. Und deshalb beneide ich die Eva Schulzes dieser Welt, trotz aller E-Mail-Schwierigkeiten. Denn alles, was ich im Internet tue – oder eben nicht tue - ist mir eindeutig zuordenbar.