Mädchen, was ist besser: Erotik lesen oder gucken?
Text: fabian-fuchs
Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
Die Jungsfrage
Folgende Situation: Junge und Mädchen schauen zusammen fern, sie sind müde, es war ein langweiliger Tag. (Ich weiß, das ist eine selten thematisierte Tabusituation.) Und weil sie sich nicht vorab über das Programm informiert haben, ihr oller Fernseher keinen richtigen Videotext hat und weil das Programm mal wieder absolut schrecklich ist, zappen sie so rum. Wie immer beim Rumzappen, bleiben sie mitten in einem hyperrealistisch gedrehten, französischen Beziehungsdrama auf arte hängen und gucken ein paar Minuten hin. Und wie immer in französischen Beziehungsdramen kommt die sehr hübsche Hauptdarstellerin gerade, schwer beladen vom Einkaufen, in ihre Wohnung und fängt an, sich zwecks Duschen auszuziehen, während es draußen regnet. Schon fast nackt spaziert sie durch die riesigen Zimmer, nestelt gerade noch an ihrem sehr französischen BH, als es – Zapp!
Das Mädchen hat gähnend weitergezappt. Da kann man als Junge schon mal kurz die Fassung verlieren, nie-nie-nie würde ein Junge gerade in dieser Sekunde umschalten, egal wie befriedigt, müde oder gelangweilt er ist und egal, ob die Hauptdarstellerin nun sein Typ ist oder nicht. Es muss gesehen werden.
Mädchen aber schalten mit der gleichen Nonchalance in Sexszenen, Ausziehszenen, Duschszenen um, als wären es die Wiederholungen einer SWR-Talkshow. Wir schlussfolgern: Das anzügliche Bild ist für euch nicht von anzüglicher Bedeutung, ihr zieht zumindest keinen leichtfertigen Reiz aus zufälliger visueller Erotik. Wir hingegen, das haben wir ja schon mehrmals geschildert, werden von Nacktem zumindest kurzzeitig komplett gebannt.
Andere Szene. Ein Junge und ein Mädchen liegen zusammen im Bett und lesen, sie sind müde, es war ein langweiliger Tag. Er liest „Coma“, das neue Buch von John Niven, in dem es mal wieder durchgehend hübsch zu Sache geht. Weil er heute ein bisschen, nun ja, untenrum anfällig ist, sprinten seine Augen über die Seiten und suchen nur nach der nächsten saftigen Sexszene, die bei John Niven niemals weit ist. Die Seiten flappen nur so, aber keine Sexszene ist dem Jungen ausführlich genug, man könnte doch, findet er, alles noch detaillierter beschreiben, man könnte doch Bilder dazustellen, man müsste doch sehen, wie...
Sie liest unterdessen, denn sie ist heute abend auch ein bisschen anfällig, sehr langsam und genüsslich immer die gleiche Stelle in ihrem englischen Waisenhausdrama. Und zwar die, wo sich Stallbursche und Gutsherrentocher während eines Gewitters in der Scheune behutsam annähern. Diese Stelle würde den Jungen in seiner FastForward-Leseweise nicht mal zum Stoppen verleiten, so dezent ist sie. Dem Mädchen hingegen glühen die Wangen.
Wir schlussfolgern: Ihr mögt lieber Erotik lesen als sehen, ihr geht am nächten Wochenende in Berlin eher zur Erophil, während wir das 4. Pornfilmfestival ansteuern. Ihr findet eher unsere Pornos lahm und wir eure harmlosen Stallburschen. Stimmt doch, oder?
Auf der nächsten Seite kannst du die Mädchenantwort lesen.