14.10.2009 - 18:30 Uhr

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Liebespaare: Laura, Chris und die rätselhaften Alpakas

Text: wlada-kolosowa - Illustration: Katharina König

Was wir von der Liebe wissen, wissen wir aus eigenen Erfahrungen und aus den Geschichten anderer. In Folge 16 erzählen Laura und Chris von vielen Vermutungen, die irgendwann mit der Realität abgeglichen wurden.

Laura, 22, studiert Politikwissenschaften in Berlin. Sie ist seit drei Monaten mit Christian zusammen. Wären wir bei der MTV-Sendung Roomraiders gewesen, wäre Chris ziemlich sicher durchgefallen. Ähnlich wie in der Show, habe ich sein Zimmer lange vor ihm kennengelernt – und nicht für gut befunden. Chris war für zwei Semester im Ausland, stattdessen wohnte in der Wohnung sein bester Freund Martin, den ich aus einem Seminar kannte. Als ich ihn zum ersten Mal zu Hause besuchte, fühlte ich mich eher wie in einem IKEA-Katalog als in einer Jungs-Wohnung. Es gab keine Geschmacklosigkeiten, keine peinlichen Poster oder Flecken, aber auch nichts, woran das Auge haften blieb. Eine Musterwohnung. Als würde in diesem Raum ein Mensch hausen, dessen Leben daraus besteht, Fehler zu vermeiden. Es gab nur einen Fauxpas, einen ganz furchtbaren: Eine Flasche Selbstbräuner. Martin und ich haben dann gewettet, ob die tatsächlich Chris gehört und ihn angerufen. Er stritt alles ab - na klar.
Bei Martins Umzugsparty ein paar Monate später lernte ich dann den Besitzer der Wohnung kennen. Er war verdächtig gut gebräunt und tatsächlich ein bisschen wie sein Zimmer: einen Tick zu makellos. Chris sah zu gut aus, als dass man ihn schön hätte nennen können. Letzteres heißt für mich, dass Gesichtszüge zusammengewürfelt sind, die an sich unperfekt sind, in der Anordnung aber zumindest interessant. Chris hingegen sah auch in echt irgendwie gephotoshopped aus, mit korrigiertem Hauttonwert und einer Frisur, die nie lochte oder strähnte und wirklich nie ihren Urzustand verließ. Zum Gähnen schön. Wir versuchten Smalltalk zu führen, aber das war ganz ungelenk, wie es immer so ist, wenn man enge Freunde von engen Freunden kennenlernt. Man weiß durch den Dritten alles übereinander, traut sich aber nicht recht, die Information zu verwenden und kratzt dann an der Oberfläche entlang. Außerdem baggerte er gerade ein passend perfektes weibliches Gegenstück an. Ich habe ein paar garstige Gedanken gedacht, mich dann gleich dafür geschämt und vermutlich deswegen nicht weiter mit ihm befasst. Vielleicht wollte ich mir aber einfach selbst nicht eingestehen, dass ich doch ein bisschen geschwärmt habe. Nach der Party sahen wir uns dann noch ab und zu an der Uni, sagten hallo und das war‘s. Das erste Mal, dass ich mich ernsthaft um Konversation bemühte, war halb Not, halb Vorwand. Ich musste dringend in die Unibibliothek, durfte aber nicht rein, ohne mein Zeug einzuschließen. Wie immer waren alle Schließfächer belegt, außer denen in der obersten Reihe. An die kam ich aber nicht heran, außer hüpfend oder mit fremder Hilfe – beides eine ganz entwürdigende Angelegenheit. Mit krachend schlechter Laune stampfte ich aus der Bibliothek und sah davor Chris mit Handy am Ohr. Er war groß. Und hatte außerdem Martin an der Strippe. Wir haben zu dritt telefoniert und dann beschlossen, zu zweit Kaffee trinken zu gehen. Schließfächer und schlechte Laune habe ich bald vergessen und auch schnell festgestellt, dass mein Urteil zu voreilig war. Chris war nicht langweilig fehlerlos, er war einfach nur jemand, der alles richtig machen wollte. Ich hatte mir aus äußeren Hinweisen ein ganz falsches Bild zusammengepuzzelt. Chris war nicht der unangreifbare Schönling, sondern sogar richtig von mir verunsichert. Jedes Mal wenn ich versuchte, ihm in die Augen zu gucken, schaute er weg und lächelte dann ganz entschuldigend. Es war ein ganz tolles Lächeln, ein Lächeln, das der bis dato glatten Gedankenvorlage Leben einhauchte. Und er lächelte oft. Ein paar Tage später hat Chris gefragt, ob wir nicht Babyalpakas im Zoo angucken wollen. Ich hatte keine Ahnung, was Alpakas waren (vielleicht eine Art Hund?), tat aber ganz begeistert. Ich war ja schon ein bisschen verknallt. Wir haben dann einen Tag im Zoo verbracht, wobei ich die Alpaka-Thematik gekonnt umschiffte. Vielleicht haben wir sie gesehen, vielleicht auch nicht – eigentlich waren sie mir wurst. Aber das konnte ich ja kaum zugeben. Erst in der U-Bahn nach Hause habe ich mich getraut, meine Unwissenheit zu entblößen. Chris gab daraufhin zu, ebenso keine Ahnung zu haben. Wir haben dann die Alpakas aufgemalt, jeder so, wie er sie vorstellt, und gewettet, wessen Version am nächsten ran kommt. Mein Hund hat gewonnen. Ich weiß nicht mehr genau, was der Einsatz war, irgendwas mit DVDs und Eis - es ging primär darum, zu zweit in vier geschlossenen Wänden zu sein. Ein paar Tage später habe ich den Wetteinsatz eingefordert. Und seitdem übernachte ich oft in dem viel zu aufgeräumten Zimmer. Und mache morgens Unordnung. P.S.: Ein Alpaka ist ein südamerikanisches Wollkamel. Auf der nächste Seite erzählt Christian seine Version der Liebesgeschichte
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.