An der Kette
Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Ein Konzern wie Thalia besorgt das auf seine Weise.
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.- Handys im Kampfeinsatz vor 8 Std.
- Wer Endlager suchen darf vor 8 Std.
- Hochgefährliches Spiel vor 8 Std.
- Facebook? Tianji! vor 8 Std.
- Kümmer-Existenz vor 8 Std.
Dieser Text von jetzt.de ist in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
Das von Dir genannte Buch kannst Du natürlich beim Buchhändler Deines Vertrauens bestellen - dagegen wird der nichts haben.
Es ist nur eben so, dass der kleine Buchhändler um die Ecke gern auch das verkauft, was er bereithält. Denn das kauft er mit einer Handelsspanne ein, die ihn einigermaßen wirtschaftlich arbeiten lässt. Viele Kunden kaufen Bestseller eben gern da wo sie grad sind und gehen mit Einzelbestellungen zum 'Kleinen'.
DAS ist der Moment, wo das dann irgendwann zu einem Ehrenamt für den Inhaber eines kleinen Sortiments wird.
Er hat immer weniger Brottitel und immer mehr Einzelbestellungen.
Seine durchschnittliche Handelsspanne sinkt.
Warum der Händler draufzahlt, würde er das Buch beim Verlag bestellen (was er in diesem Beispiel nicht müsste)?
Rechenexempel gefällig?
angenommener Ladenpreis: 13€
abzgl Rabatt für den Händler 30% (das ist sehr großzügig gerechnet, bei Einzelbestellungen sind 20% durchaus üblich, grad bei kleinen Verlagen und/oder Fachbüchern - da gehen die Rabatte sogar schonmal auf bis zu 10% runter)
zzgl Porto 3,00€ (korrekt sind hier zwar 0,91€ als kleine Büchersendung+MwSt, allerdings packen die meisten Verlage Versandkostenpauschalen zwischen 2 und 6 € drauf, die eigentlich unzulässig sind)
Macht einen Preis für den Buchhändler von 12,10€
Wovon lebt jetzt der Buchhändler?
Bei dieser Bestellung wären das 0,90€
Ach nein halt!
Er hat zu zahlen
-Miete
-Personalkosten
-Stromkosten
-Telefongebühren
...
- und möchte vielleicht auch gern ein bißchen Geld mit nach Hause nehmen.
?
Wenn ich mit Kaufabsicht für bestimmtes Buch einen Laden betrete, weiß ich ja vorher nicht, ob der Händler das gerade vorrätig hat. Hat er es, schön für ihn. Hat er es nicht und verweigert die Bestellung, kann ich es auch selbst bestellen, z.B. bei Amazon, dann bekommt er nicht einmal die errechneten 90 Cent und hat eine Kundin weniger.
Ich habe selbst auch schon "für nix" gearbeitet um eine Kundenbindung zu halten. Steuerklasse 6 abzüglich Fahrkosten. Langfristig rechnet sich die Kundenfreundlichkeit.
Das ganze kurzfirstige Bestellgeschäft und Einzelbestellungen ist ja das, was der Buchhändler als Kundenservice sieht und betreibt.
Das Problem entsteht (wie ich schon ausgeführt habe) erst DANN, wenn die gut rabattierten Bücher in den Regalen stehen bleiben, die Bestseller, Taschenbücher und so weiter ... weil die bei den Großen vom Stapel mitgenommen werden.
... das, was bei Dir grad so ein bisschen rüberkommt ist die Kundenhaltung, die langfristig den Kleinen das Genick bricht.
Haltet den Service hoch, arbeitet kundenorientiert, und seid dankbar, dass ich bei Euch einkaufe und Euch so unterstütze ...
Aus seinem Beruf ein Ehrenamt zu machen aus purer Kundenfreundlichkeit sollte kein Kunde von seinem (Buch)Händler verlangen.
Sehe ich nicht so. Langfristig den kleinen das Genick brechen die Kunden, die grundsätzlich selbst bestellen.
Ich erwarte auch keine Dankbarkeit, dafür dass ich bei jemandem einkaufe.
Ich nehme auch nichts bei den Großen vom Stapel weg. Wenn das aber der Grund sein sollte, dass Bücher stehen bleiben, würde ich mich als Händler mal fragen woran das liegt.
An meinem Angebot? An der Präsentation? An der Standortwahl?Oder daran, dass Kunden verprellt wurden?
Wer sich als Kunde gut behandelt fühlt, kommt wieder. Oder nimmt sich gleich ein zweites Buch vom Stapel.
Ich hab hier von einem bestimmten Klientel gesprochen, nicht von allen Kunden.
Ich habe von Rabatten gesprochen und Handelsspannen.
Und vom Geschäftsgebaren der Verlage.
Den Großen (Thalia, DBH) wurde hier vorgeworfen, dass sie Verlage über den Tisch ziehen und dem Kunden keinen guten buchhändlerischen Service biete.
Gleichzeitig gehen viele derer, die über die Großen schimpfen, selbst dorthin hin und kaufen dort - und zwar nicht, weil die kleinen Buchhändler sie verprellt haben, sondern weil die Großen eben vieles da haben und eben AUCH buchhändlerischen Service bieten.
Die Verlage machen bei den beiden Großen das Opfer, knausern aber bei den kleinen Buchhändler.
Ich haber nichts gegen Kundenfreundlichkeit und Kundenservice - im Gegenteil. Bloß bei den og 'Parametern' ist es eben schwierig, wirtschaftlich zu bleiben als 'Kleiner'.
Alle Kommentare anzeigen











0
25.10.2009 - 14:33 Uhr
Bibo59
Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag: Jawohl, ich kaufe beim netten Händler um die Ecke manchmal ein Buch aus der Auslage und manchmal eines, das ich bestelle.
Wie hätten sie es denn gerne?
Bei Amazon bestellen soll ich nicht, bei ebay erst recht nicht, die großen Ketten soll ich boykottieren und beim kleinen Händler darf ich nur das kaufen was der gerade vorrätig hat?
Wo also bekäme ich denn politisch korrekt handelnd z.B: Aikido und der neue Krieger ISBN 3922026419 ?
Wieso zahlt der Händler überhaupt drauf, wenn er so etwas beim Verlag bestellt?