An der Kette
Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Ein Konzern wie Thalia besorgt das auf seine Weise.
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.- Handys im Kampfeinsatz vor 13 Std.
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und man muß sehen dass man den sprung in die neuen medien schafft, sonst kann man in 3-5 jahren echt einpacken. das ist heutzutage wichtig.
2. Das Buch hat sich nicht allein durch böse Filialen zu einem von x Trägermedien für Entertainment und Information entwickelt... Der Konsument macht die Dinge zu dem, was sie sind und bestimmt damit ihren WERT.
Alle Medien, die dem Menschen zur Verfügung stehen, tragen dazu bei.... Den einzigen Vorteil den eine Buchhandlung hat, ist, dass ich die Bücher dort auch in die Hand nehmen kann.
3. Aus meiner Sicht, wird der Leser/Buchkäufer hier dermaßen entmündigt, so dass ich mich als Gernleser angegriffen fühle. Anmaßend. Eine Buchhandlung ist nur EINE von vielen Informationsquellen (Twitter, Web, div. Literaturportale), die mir zur Verfügung stehen, um Bücher zu finden, die mich interessieren.
Übrigens haben jüngste Studien nachgewiesen, dass Empfehlungen von Freunden/Bekannten des Kaufkriterium.
4. Und JA, so bitter es für alle Buchfans ist. Bücher konkurrieren schon seit Jahren auf einem gleichen Markt, wie TV, Musik, DVD, Kino, Essen, Konzerte usw. um die spärliche Freizeit des Menschen.
5. Wie wäre es mal mit etwas Nachsitzen über aktuellen Studium zum Konsumverhalten des Menschen in der Kunsumwelt rund ums Web2.0.
6. Ich finde den Artikel einfach nur dumm. Da ist jemand in seiner persönlichen Wut steckengeblieben.
7. Die Buchbranche ist durch die Buchpreisbindung ein beschauliches Dorf im Vergleich zur "restlichen bösen Welt der Wirtschaft". Unrentable Kellerverlage und Wohnstubenverleger können produzieren was persönliches Interesse, egal wie die Marktbedürfnisse und Qualitätsansprüche des Kunden aussehen.
8. Ich vermisse übrigens in kleinen Buchhandlungen auch Beratungsqualität, Service, Auswahl usw.! Der mündige Bürger wird schon suchen und finden, was ihm passt.
Wäre die Serviceleistung bei Thalia so schlecht, hätte das Unternehmen in den letzten Jahren nicht wachsen können, auch bei Thalia finden sich genügend Buchhändler mit entsprechender Ausbildung und Knowhow. Wie anmaßend auch, den Mitarbeitern dort abzusprechen, ihre Arbeit nicht machen zu können.
9. BWL Grundkurs: Umsatz und Umsatzwachstum wird nicht durch günstige Einkaufskonditionen sondern immer noch durch den Verkauf von Marktleistungen gemacht.
Thalia hat auch in den Anfangsjahren nicht dem Kunden gewaltsam die Geldbörsen geöffnet und gegen dessen Willen um den Inhalt erleichtert, dies will dieser Artikel suggerieren. Die großen Ketten haben offenbar in den letzten Jahren Bedürfnisse befriedigt, die genauso gewünscht waren. Punkt.
Ich verstehe das Geschrei oder besser Geheule um die Rabattschlacht der Großen nicht. Allseits bekannt ist, dass die Ketten namens Thalia, DBH, Mayersche, etc. höchstmögliche Rabatte aushandeln, an die der Buchhändler um die Ecke nicht einmal zu glauben wagt. Fakt ist auch, dass die Höhe dieser Rabatte mittlerweile das Niveau der Rabatte für den Zwischenbuchhandel, oder sogar höher, angenommen haben.
Was ist das Problem dabei? Unternehmerisch gesehen machen die Ketten genau das, was der Markt erwartet. Wenn andere dies als verwerflich ansehen oder dies mit dem Verrat des Kulturgutes Buch bezeichnen, so hinterfrage ich nur einmal kurz, worauf die Bezeichnung Buchhändler endet. Händler? Und die Institution, wo die Handelsware ausgegeben wird endet auf Handlung. Was ist wiederum verwerflich, mit Büchern zu handeln?
Eine Aussage, dass in Unternehmen wie Thalia nur ungebildete Regalauffüller arbeiten ist völlig aus der Luft gegriffen. Richtig ist, dass auf den Verkaufsflächen der Großen überwiegend ausgebildete Buchhändler ihr Tagwerk verrichten. Eine Zumutung der Überheblichkeit ist es, die Behauptung aufzustellen, dass die Mitarbeiter der Großen keine sach- und fachliche Tiefe besäßen und dass deshalb die "kleine" Buchhandlung von nebenan ja viel besser sei.
Das ist an der Sache vorbeigeschwätzt. Also viel Lärm um nichts.
Nochmals, von der unternehmerischen Seite machen die Großen genau das Richtige. Von der moralischen Seite ist dieses Handeln eher abzulehnen.
Ausgelistete Verlage bringen der Kundschaft nichts. Leider ist heute kein Verlag mehr in der Lage, kein Lieferant der Großen zu sein. Und wenn alle Stricke reißen, greifen die Großen einfach auf das Barsortiment zurück.
Und dann? Verkaufen Sie trotzdem. Nur weniger.
Der Verlag merkt diesen Umstand sofort und sehr schmerzlich.
Nicht zu vergessen ist, wer hat die Großen groß werden lassen? Sicher nicht die kleine Stadtteil-Buchhandlung.
Oder vielleicht doch?
Einen schönen Kommentar las ich, dass Kunden manchmal noch die heiligen Hallen betreten und das Personal „stören“. In der Tat. Diese Form des Buchhändlers gibt es immer noch. Zurückgezogen auf seine Insel der Glückseeligen nimmt er Kundschaft eher als lästig wahr.
Umgekehrt ist es bei den Großen. Da empfindet der Kunde den Buchhändler eher lästig.
Wer beispielsweise eine Buchhandlung in einer Westdeutschen Großstadt betritt, welche über mehr als 2 Etagen verfügt und eine Publikation zum BilMoG sucht, wird auf dem Wege dorthin mindestens sechsmalig angesprochen, ob ihm noch zu helfen sei. Abwinken nutzt dann oft nichts, weil die Mitarbeiter gezwungen sind, den Charme einer Bonboniere oder eines Duftwasserschwimmbades zu verbreiten.
Regelmäßige Überprüfungen seitens der Bereichsleiter oder auch mit Testkunden geben ihr Übrigens bei, dass der Besuch solcher Häuser eine Anstrengung für Kunden ist.
Und, ist der Kunde endlich an seinem Buch angelangt, winkt er die Frage nach möglicher Hilfe mit dem Spruch ab, ob er denn hilflos aussähe.
Dann erfolgt in der Regel eine buchhandelswürdige Beratung. Ein qualifizierter Mitarbeiter macht genau das, was man von ihm erwartet. Er empfiehlt.
Hoch motiviert macht sich der Kunde auf den Weg zur Zahlung. Aber Obacht! Er geht den zur Aufdringlichkeit verdonnerten Mitarbeitern aus dem Weg. Nur noch eine Etage. Die Kasse ist schon in Sicht. Ungeschoren kommt er tatsächlich zur Kasse und wird augenblicklich völlig ernüchtert und desillusioniert.
Möchten Sie ein Lesezeichen? Haben Sie unser Firmen-Magazin? Darf ich es Ihnen als Geschenk einpacken? Oh, dass ist aber toll. Was liest denn ihre Mutter? Haben sie überhaupt eine Mutter? Kennen Sie unser Lifestyle-Food zu allen Lebenslagen?
Spätestens dann möge man weinen.
Dies sind die Verkaufsmethoden von Zeitungs-Drückerkolonnen. Also gezielte Zusatzakquise.
Ach ja, die Rabatte.
Da sind die Großen. Nehmen wir mal Thalia.
Durch den permanenten Zukauf von Buchhandlungen besitzt Thalia mittlerweile ein sehr buntes Dickicht an Neueröffnungen im Hussel-Zuckerguß und sogenannte „Krusch-Hütten“ aus den Zukäufen, die völlig anders funktionieren, als das Hagener Leitbild. Augenblicklich mit Eintreten der Abhängigkeit werden die Neuerwerbungen eingenordet.
Ist dann noch ein Abo- oder Fortsetzungsgeschäft vorhanden, wird dies auf Steiner – sorry – Thalia Medieservice in Idstein umgestellt.
Und jetzt zeigt Thalia, was sie auch zusätzlich können:
Geld vernichten.
Beispiel Zentraleinkauf. Alle Konditionen handelt der Zentraleinkauf aus. Bücher OK. Fortsetzungen und Zeitschriften? Never heard of it sang einst ein Vöglein aus dem Zentraleinkauf.
Das bedeutet, dass diese Rabatte unwichtig sind und unter ferner liefen betrachtet werden. So kam es, dass Buchhandlungen bei Verlagen auf Zeitschriften 30 % Rabatt erhielten. Nach dem Transfer erhält TMS nur noch 10 %. Kein Einzelfall. Und der promovierte Luftbildverkäufer steht ahnungslos daneben und sieht seine Fälle schwimmen.
Da sage ich doch BRAVO Michael... :-)
Und noch mal die Rabatte.
Einkaufsgemeinschaften können die Schlacht mildern. Auch beim Buchhändler um die Ecke. Das bedeutet allerdings ein wenig Aufgabe der eigenen Freiheit. Allerdings nicht in dem Maße, als wenn man geschluckt wird.
Weint also nicht sondern handelt. Bewegt euch. Zeigt Stärke und seit euch einig.
triptease sagte:
Liebe Leut,
traurig und ohnmächtig fühle ich mich nach Lektüre dieser trefflichen "Geschichte". Zum Heulen komisch, dass während ich diese Zeilen lese, ein Google-Werbebanner der Firma Hugendubel erscheint.
...
Müde,
Stefan Schmitt
Herr Schmitt, ich mag ihren Beitrag. Eine schöner Kommentar zu diesem unauflösbaren Knäuel, das sich unsere Realität nennt.
Ich kann Bub2 und RomanE nur zustimmen, die Beiträge sprechen mir aus der Seele !
Herr Meinhardt, sind die Buchhändler von Thalia Schuld, dass Ihre Bücher nicht erfolgreich sind/waren ?
In dem Wort Buchhandel ist auch das Wort Handel enthalten !
Das sollte nicht vergessen werden...
Wer da noch ein romantisches Bild des Buchhändlerberufes hat, bei dem stellt sich Ernüchterung ein. Wär ja alles nur halb so schlimm, wenn wenigstens das Personal auch von den fetten Margen und den wachsenden Umsätzen profitieren würde. Dem ist aber nicht so. Die Löhne stagnieren, oder sinken real sogar und sind mittlerweile auf dem Niveau von Reinungspersonal angelangt.
Der Autor hat recht: Durch das entstehen von Buchhandlungsketten wurde die Branche in den letzten Jahren massiv durcheinandergewirbelt. Was der Autor aber völlig ausblendet ist, dass sowohl auf die grossen wie auf die kleinen Läden ein Konkurrenztsunami ganz neuer Art zu rollt: Downloadplatformen für Ebooks im Internet. Seit einer Woche ist Amazons Ebook Kindle auch in Deutschland erhältlich. Noch können dort vorerst nur englische Bücher per Mobilfunk heruntergeladen werden. Es ist aber anzunehmen, dass das Angebot bald auch auf deutsche Bücher ausgeweitet wird. Sony hat in den USA ebenfalls bereits eine Downloadplatform aufgeschaltet und biete ein Gerät mit mobiler Datenübertragung an. Apple hat mit iTunes den perfekten Shop und bringt sicher auch bald ein mobiles Lesegerät auf den Markt. Währenddessen scannt Google schon mal vorsorglich sämtliche Bibliotheken dieser Welt ein. Globale Megaunternernehmen begeben sich also in Position um sich ein möglichst grosses Stück von diesem vielversprechenden Zukunftsmarkt zu sichern. Gegenüber Firmen von diesem Kaliber sind selbst Thalia, Hugendubel und Weltbild nur Nischenplayer.
Wird es also den Buchläden gleich ergehen wie bereits vor ihnen den Musikläden? Werden sie, wenn sie nicht gar ganz aus dem Stadtbild verschwinden, die teuren Fussgängerzonen verlassen und an schlechtere Lagen, in billigere Räumlichkeiten umziehen, wo sie dann die Rolle des letzten Retters in Not für Ewiggestrige und Technophobe einnehmen?
Vieles spricht dafür. Bereits das Internet hat dazu geführt, dass viele ehemals lukrative Artikel der Büchereien zu Ladenhüter wurden. Die frühere Käuferschaft von Lexikas, Landkarten, Kochbücher etc. findet die gesuchten Informationen heute gratis im Internet.
Einen ganzen Roman am PC-Bildschirm zu lesen, dass war aber bisher selbst für Sparfüchse zu anstregend. Das könnte sich jetzt aber mit den neuen Geräten ändern. Sie stellen die Schrift kontrastreich dar und sind augenfreundlich. Die digitale Distribution ist für die Verlage viel kostengünstiger und ermöglicht theoretisch auch günstige Preismodelle. Wird jetzt auch noch die Werbemaschine angeworfen und gilt es dann als trendy, im Zuge, im Flugzeug, bei Starbucks und am Strand sein eBook auszupacken, dann ist es um das papiererne Buch und seine Händler schon bald geschehen.
Und das ist das traurige, dass uns dieser Artikel vor Augen führt, dass das nun auch den Buchhandel erreicht hat. Mag sein, es war schon immer so, ich war nur zu naiv um es zu sehen. Aber es stimmt mich traurig.
Hugendubel unter dem Dach der DBH würde aber vermutlich problemfrei eine ähnlich große Seite füllen, zumindest im Bereich ihrer Personalpolitik haben sie ja doch drastisch von sich reden gemacht.
Schade, dass so wenig Verlage hier die Traute hatten, offen zu sprechen. Und schade, dass eine Solidarisierung sich auch nun nicht so recht einstellen will.
Sind doch schon vor fast zehn Jahren die mckinsey`schen Krämerseelen nadelgestreift durch die Verlage der Holtzbrink-Gruppe getobt und haben den Büchermachern erklärt, wie Geld verdient wird.
http://www.focus.de/kultur/buecher/buchm...
Letzten Endes geht es doch überall nur um Kohle...stimmt schon, früher war es schöner, als man zum Kaffeeröster noch wegen des Kaffees gegangen ist und nicht wegen der Sim-Karten oder Funktionsunterwäsche.
Gibts eigentlich schon Filialisten für Kunst? Wäre vielleicht ne Geschäftsidee, in dem Bereich sind auch noch viele verträumte Idealisten unterwegs, die nicht rechnen können.
Nijura sagte:
(bin selber buchhändlerin bei thalia, eine gute einkäuferin und dazu noch eine fachkompetente und freundliche beraterin, wie übrigens die meisten meiner kolleginnen
ganz ehrlich, niemand erwartet hier auch, dass eine thalia-mitarbeiterin gegen ihr eigenes unternehmen "aussagt"...;) fraglich ist aber, inwiefern so jemand dann einen kommentar zum artikel abgeben sollte.
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16.10.2009 - 13:57 Uhr
CharlieBone