An der Kette
Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Ein Konzern wie Thalia besorgt das auf seine Weise.
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.- Null Punkte für die Meinungsfreiheit 25.05.2012
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Meine Familie ist ebenso wie die Gebrüder Wrensch ein Thalia-Gegenpol. Auch bei uns haben sie verloren.
Endlich mal jemand, der Gauner Gauner nennt! Diesen Artikel rechne ich der Süddeutschen hoch an, da muss ich petekrip zustimmen. Dank Thalia und Co. werden Bücher wohl bald nur noch 08/15-Inhalte haben, denn das ist, was die breite Masse kauft. Gehobene Lektüre wird man dort nicht finden...
Und Bedienung und Kundenbetreuung, wie ich sie mir in drei Jahren harter Arbeit angeeignet habe, findet man in den Ketten schon gar nicht. Das Herzblut, das ich auch bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitlernenden erlebt habe, findet man in keiner Kette, doch wer ist heute noch an Herzblut interessiert...?
folgendes habe ich in dieser Zeit gelernt :
1. Viele Buchhändler sind unfähig bzw. unwillens sich um Ihre Kunden zu kümmern. Und wer seine Kunden nicht enrst nimmt darf sich nicht wundern wenn diese dann zu Thalia gehen.
2. Die grossen Verlage brauchen nicht zu jammern. Sie selbst sind es die diese Preisspirale mit unterstützen. Wie der Artikel sagt macht Thalia bei manchen Verlagen bereits 15 - 20% des Umsatzs aus. Aber mal ganz ehrlich. Wer überlebt länger. Wenn Random house Morgen 20% des Umsatzes verliert an dem Sie ( aufgrund der hohen Rabatte ) nicht mehr verdient haben oder wenn Random House Thalia nicht mehr beliefert und diese dadurch 30 oder 40% Ihrers Umsatzes ( bei dem Sie gewaltige Margen macht ) verliert.
Wenn sich die grossen Verlage endlich einmal einige werden würden diese Spielchen der Großflächen nicht mehr mit zu machen, dann würde es ganz schnell wieder in die andere Richtung gehen. Denn eines sollte man nie vergessen. Die Bestseller ( Harry Potter, Dan Brown, Stephen King u.s.w. ) werden bei Thalia gekauft weil die Kunden diese Bücher haben und lesen wollen. Was passiert wenn Thalia Morgen den neuen Dan Brown von Lübbe nicht geliefert bekommt ?
Ganz einfach. Thalia macht weniger Umsatz und Marge.
Lübbe hingegen verkauft vielleicht 2 oder 3% weniger von diesem Titel. Die anderen werden von den Kunden ganz einfach über andere Kanäle ( sprich andere Buchhändler ) gekauft.
Der glaube der Verlage das Sie auf Biegen und Brechen bei Thalia vorrätig sein müssen ist es der die Peeise vernichtet. Es ist einfach an der Zeit, dass die Verlage Rückgrat zeigen und bei den Preisverhandlungen wieder "nein" sagen.
traurig und ohnmächtig fühle ich mich nach Lektüre dieser trefflichen "Geschichte". Zum Heulen komisch, dass während ich diese Zeilen lese, ein Google-Werbebanner der Firma Hugendubel erscheint.
Aufklärung auf den Internetseiten einer Zeitung, die ohne Frage Große geleistet hat und leisten wird. Vor der Schelte Lorbeeren.
Wer Gut, wer Böse?
Welche Rolle spielt die Süddeutsche in dieser Geschichte? Diese Verlagsgesellschaft gebraucht ihren guten Ruf und das Vertrauen der Leser, um in großen Massen Bücher auf den Markt zu werfen - bei gleichzeitiger, marktmächtiger Kampagne auf den hauseigenen Kanälen.
Welche Rolle spiele ich? Möglicherweise erscheint besagte Google-Anzeige nicht auf euren Bildschirmen. Möglicherweise nur bei mir und ein paar anderen Gaunern: weil zuvor ein Roboter die privaten E-Mails durchkämmt hat nach Interessen und Konsumspuren. Und allein dieser Roboter weiß von meiner Scheinheiligkeit: dieser Mann ist Online-Kunde bei Hugendubel und trauert in Internetforen einer vermeintlich heilen Vergangenheit hinterher.
Schluss damit! Lasst uns gemeinsam Thalia und Hugendubel boykottieren und uns am Abend dieses verkaufsoffenen Sonntags einträchtig am Lagerfeuer sitzen und das Fleisch aus der benachbarten Lidl-Filiale verzehren, bevor es am Montagmorgen weitergeht: in der Redaktion einer Zeitung, die ihr Geld nicht mit Zeitungen verdient, an der Kasse eines Kaffeerösters, der sein Geld mit Mobilfunkverträgen macht, in der Filiale einer Bank, die nicht mit Geld umzugehen weiß.
Vermutlich wird es nicht so weit kommen, weil wir gemeinsam in der defekten S-Bahn eines börsennotierten Transportunternehmen festsitzen, das sein Geld mit der Spekulation auf amerikanische Immobilienanleihen zu machen versuchte.
Müde,
Stefan Schmitt
Ich kann diesem Beitrag zahlreiche Leser wünschen, die als Kunde des Buchhandels ihre Schlüsse daraus ziehen. Zudem finde ich es bedenkenswert, und diese Komponente konnten Sie nicht auch noch unterbringen, dass viele Universitätsbibliotheken u.a. bei Thalia Großkunden sind und somit den inhabergeführten ortsansässigen Buchhandel vernachlässigen und bei dessen Sterben mithelfen.
Was den engagierten Buchhandlungen ebenfalls zu schaffen macht ist das Online-Geschäft à la Amazon & Co.
Noch ein Gedankenanstoß: Es gibt auch bei den Filialisten Buchhändler mit Leib und Seele, die diese Berufung jeden Tag immer wieder gerne ausüben. Die gerne immer wieder ihr Sortiment an Kunden anpassen dürfen, denn es soll ja kein Umsatz verhindert werden: ob nun mit Dan Brown oder mit Schalamow.
Warum kann es nicht beide Formen geben? Der gut sortierte, hochliterarische Kleinbuchhandel (der sich sogar in manchen Orten gegen Thalia behaupten kann) und die Filialisten?
Anders gefragt: was erwartet ihr? Das sämtliche Mitarbeiter von Thalia & Co. den Job kündigen, weil sie mit der aktuellen Einkaufspolitik nicht zufrieden sind? Und dann?
Als langjährige Vertriebsleiterin bei diversen mittelständischen Verlagen und seit 2003 Inhaberin einer Stadtteilbuchhandlung begrüsse ich derlei Artikel sehr. Sie schärfen das Bewusstsein der Buchkunden.
Selbstverständlich begrüsst die Masse Buchsupermärkte wie Hugendubel, Thalia; dennoch der Leser und Interessierte wird sich in Zukunft nicht mit Richtungsandeutungen, wo ein Buch liegt und ob es da noch liegt, nicht zufrieden geben.
Der, auch im Ausland hochgerühmte deutsche Buchhandel, hat immer noch Flaggschiffe von unzähligen kleinen und mittelständiischen Buchhandlungen, die ihren Beruf ernst nehmen und das hochhalten, was Buchhandel ausmacht. Beratung, und Kenntnis von unzähligen Inhalten. Der Buchhändler ist zwar Kaufmann, wie jeder andere, der Ware anbietet, nur der Supermarkt bietet an und zeigt, wo was ist. Hugendubel und Thalia sind zu vergleichen mit Rossmann, Plus, Rewe und anderen Supermärkten. Die Ware ist da: bei Klopapier erwartet kein Kunde die Erklärung der "Inhaltsstoffe". Literatur, jeglichen Genres verlangt dies, denn es ist geistiges Eigentum von Literaten, Journalisten, Fotografen, und natürlich auch Übersetzern, die es uns ermöglichen fremdsprachliche Literatur, egal welchen Genres, in unserer Muttersprache zu lesen.
So wie die Ketten mit den Verlagen umgehen, die die Verbreiter des geistigen Eigentums sind und letztendlich mit dem Konsumenten ist verachtend. Natürlich achtet jeder Händler auf seine Marge, dennoch geht es beim Buch im Wesentlichen um die Inhalte und dies achten die kleinen und mittelständischen Buchhandlungen durch ein hohes Mass an Wissen, mit Kapitalbindung durch Bevorratung auch weniger gefragter Autoren, durch Einkauf von beispielsweise dem Verlag der Weltreligionen und vielen anderen Beispielen. Dies ist Buchhandel, nämlich auch den Nischenprogrammen im Markt eine Chance zu geben.
3000 Expl. oder mehr vom neuesten Dan Brown einzukaufen, hat mit Buchhandel nichts zu tun, das ist Palettenbevorratung, ähnlich wie die Zucker-oder Mehlpaletten beim Plus um die Ecke.
Erneut ein grosses Danke für den Artikel: nach den Hugendubel Artikeln hatte ich Kundenzuwächse, vielleicht und hoffentlich auch nach dem thalia Artikel, da sich die beiden Firmen in der Einkaufspolitik und damit der Sortimentstiefe in nichts unterscheiden. In den 70iger Jahren hatten wir das Sterben des Emma-Ladens, vielleicht erleben wir die Reduktion von Buchsupermarktketten. Es wäre für den Einzelhandel insgesamt, und ich betone Branchenübergriefend! sehr begrüssenswert, denn dann gibt es vielleicht bald wieder mehr Kaiser Buchhandlungen(München), Heinrich Heine Berlin und viele, viele weitere Wrensch Brüder, auch als kleine Läden in austauschbaren Innenstädten.
Mit besten Grüssen,
Philine Meyer-Clason
die kleinen, unabhängigen Buchläden tun sich
1. zusammen, nehmen
2. dezidiert die Titel/Verlage auf, die von Thalia, Weltbild, Amazon boykottiert werden und
3. werben genau damit, und zwar penetrant. Ich habe oft genug bei Thalia was gesucht, nicht gefunden, bin später irgendwann an einem kleinen Laden vorbeigekommen, aber nicht reingegangen, weil ich mir dachte: wenn die "Großen" diesen Titel nicht haben, dann haben die den da erst recht nicht.
Wäre anders gewesen, wenn ein Schild dranhinge, wo groß und deutlich draufsteht: "Wir führen alles, was Thalia nicht führt!"
Ob das wohl realisierbar ist?
Die Buchhandlungen, die noch gut beraten, die noch Geheimtipps auf Lager haben und sich einen persönlichen Geschmack ausserhalb der Spiegel-Bestsellerliste leisten, werden immer weniger und zwar nicht nur, weil sie pleite machen, sondern weil da eine Generation wechselt, weil sich Werte verschoben haben. Geld ist wichtiger als Leidenschaft, aber ich schweife ab ...
Das ebuch-logo kommt zukünftig auf die Ladentüren sämtlicher Mitglied. Man sollte einmal darauf achten.
Bei uns gibt es auch eine Thalia-Filiale, die die Mitarbeiter einer anderen kleineren Buchhandlung komplett übernommen hat und noch immer beschäftigt. Der Laden selbst ist von der Kundschaft sehr gut angenommen worden und die 3 anderen Buchläden vor Ort existieren immer noch. Man kann ja den Kunden wohl kaum einen Vorwurf machen, wenn sie lieber bei thalia einkaufen und bestellen, als anderswo. Vielleicht fühlen sie sich bei uns einfach besser beraten und aufgehoben? Jedenfalls sorgen meine Kollegen und ich mit allen Kräften dafür, dass sich die Kunden bei uns wohlfühlen und gern wiederkommen. Und die Umsätze und auch das persönliche (!) Feedback unserere Kunden gibt uns Recht. Da war noch nie die Rede von der "bösen Kette". Von den Sozialleistungen, die Thalia bzw. die Douglas-Gruppe seinen Mitarbeitern bietet, schreibt Herr Meinhardt natürlich nicht. Das auch in Krisenzeiten keine Mitarbeiter entlassen wurden (im Gegensatz z.b. bei Weltbild oder Hugendubel) muß man wohl auch nicht erwähnen, würde es doch am aufgebauten Feindbild kratzen.
Und ob nun jeder kleine Buchhändler, Verlag oder sonstwer, der mit Büchern zu tun hat die Namen Henny Jahnn und Warlam Schalamow kennt, sei mal dahingestellt. Herrn Buschs Aufgabe ist es ja auch nicht, Bücher zu verkaufen, sondern ein Unternehmen, welches u.a. Bücher verkauft am Laufen zu halten. Und das er das ziemlich gut hinkriegt, ohne personelle Einschnitte, daraus kann man ihm in diesen Krisenzeiten nun wahrlich keinen Vorwurf machen.
15.10.2009 - 15:10 Uhr
Robin_X
Auf der anderen Seite die aufgeregten kleinen Buchhändler, die seit Jahren nichts besseres zu tun haben, als auf die großen zu schimpfen, es aber, mit einigen wirklich guten Ausnahmen, auch nicht schaffen sich über ihr Angebot und über ihren Service eine funktionierende Nische aufzubauen. Wenn man natürlich versucht alle Sparten anzubieten, ist das Sortiment wahrscheinlich in abgespeckter Form identisch mit den Großen. Dann kann ich aber auch gleich in eine große Filiale gehen, weil dort die Wahrscheinlichkeit geringfügig höher ist, das Buch sofort zu bekommen.
Aber genau da liegt jetzt wieder das Problem. Wenn ich als Kunde schon genau weiß, welches Buch ich haben will, dann brauche ich auch eigentlich keine Beratung, dann brauche ich im Zweifelsfall nur jemanden, der mir zeigt wo ich es finde. Das ist auch der Grund für den Erfolg von Amazon. Ein Klick und ich muß nichtmal aus dem Haus gehen. (Das heißt jetzt aber nicht, daß ich dort kaufe. Manchmal suche ich zwar meine gewünschten Bücher dort aus, geh aber dann mit dem Ausdruck in die Buchhandlung und hol es mir dort.)
Noch kurz zu Dan Brown: Dan Brown wird hier aus aktuellem Anlaß mehrfach als Negativbeispiel genannt. Aber eigentlich ist genau dieser Dan Brown gleichzeitig ein positives Beispiel für die Notwendigkeit und den Einfluß von Buchhändlern. Wo kommt denn sein Erfolg her? Sein erstes Buch, das in Deutschland veröffentlicht wurde ("Illuminati") kam erstmal nur als Taschenbuch heraus, ohne jeglichen Werbeschnickschnack. Das heißt, daß dieses Buch und diesen Autor eigentlich niemand auf der Rechnung hatte. Es wurde nichts erwartet. Durch die Empfehlungen der Buchhändler hat er es dann in die Bestsellerlisten geschafft. Also liegt es nicht nur allein am Werbeaufwand der Verlage oder an der Einkaufspolitik der Großfilialisten. Auch die Buchhändler haben ihren Einfluß. Die guten Bücher müssen nur erstmal gefunden werden. Und das ist nicht so einfach bei aktuell 123.000 Neuerscheinungen im Jahr.
und man muß sehen dass man den sprung in die neuen medien schafft, sonst kann man in 3-5 jahren echt einpacken. das ist heutzutage wichtig.
2. Das Buch hat sich nicht allein durch böse Filialen zu einem von x Trägermedien für Entertainment und Information entwickelt... Der Konsument macht die Dinge zu dem, was sie sind und bestimmt damit ihren WERT.
Alle Medien, die dem Menschen zur Verfügung stehen, tragen dazu bei.... Den einzigen Vorteil den eine Buchhandlung hat, ist, dass ich die Bücher dort auch in die Hand nehmen kann.
3. Aus meiner Sicht, wird der Leser/Buchkäufer hier dermaßen entmündigt, so dass ich mich als Gernleser angegriffen fühle. Anmaßend. Eine Buchhandlung ist nur EINE von vielen Informationsquellen (Twitter, Web, div. Literaturportale), die mir zur Verfügung stehen, um Bücher zu finden, die mich interessieren.
Übrigens haben jüngste Studien nachgewiesen, dass Empfehlungen von Freunden/Bekannten des Kaufkriterium.
4. Und JA, so bitter es für alle Buchfans ist. Bücher konkurrieren schon seit Jahren auf einem gleichen Markt, wie TV, Musik, DVD, Kino, Essen, Konzerte usw. um die spärliche Freizeit des Menschen.
5. Wie wäre es mal mit etwas Nachsitzen über aktuellen Studium zum Konsumverhalten des Menschen in der Kunsumwelt rund ums Web2.0.
6. Ich finde den Artikel einfach nur dumm. Da ist jemand in seiner persönlichen Wut steckengeblieben.
7. Die Buchbranche ist durch die Buchpreisbindung ein beschauliches Dorf im Vergleich zur "restlichen bösen Welt der Wirtschaft". Unrentable Kellerverlage und Wohnstubenverleger können produzieren was persönliches Interesse, egal wie die Marktbedürfnisse und Qualitätsansprüche des Kunden aussehen.
8. Ich vermisse übrigens in kleinen Buchhandlungen auch Beratungsqualität, Service, Auswahl usw.! Der mündige Bürger wird schon suchen und finden, was ihm passt.
Wäre die Serviceleistung bei Thalia so schlecht, hätte das Unternehmen in den letzten Jahren nicht wachsen können, auch bei Thalia finden sich genügend Buchhändler mit entsprechender Ausbildung und Knowhow. Wie anmaßend auch, den Mitarbeitern dort abzusprechen, ihre Arbeit nicht machen zu können.
9. BWL Grundkurs: Umsatz und Umsatzwachstum wird nicht durch günstige Einkaufskonditionen sondern immer noch durch den Verkauf von Marktleistungen gemacht.
Thalia hat auch in den Anfangsjahren nicht dem Kunden gewaltsam die Geldbörsen geöffnet und gegen dessen Willen um den Inhalt erleichtert, dies will dieser Artikel suggerieren. Die großen Ketten haben offenbar in den letzten Jahren Bedürfnisse befriedigt, die genauso gewünscht waren. Punkt.
Ich verstehe das Geschrei oder besser Geheule um die Rabattschlacht der Großen nicht. Allseits bekannt ist, dass die Ketten namens Thalia, DBH, Mayersche, etc. höchstmögliche Rabatte aushandeln, an die der Buchhändler um die Ecke nicht einmal zu glauben wagt. Fakt ist auch, dass die Höhe dieser Rabatte mittlerweile das Niveau der Rabatte für den Zwischenbuchhandel, oder sogar höher, angenommen haben.
Was ist das Problem dabei? Unternehmerisch gesehen machen die Ketten genau das, was der Markt erwartet. Wenn andere dies als verwerflich ansehen oder dies mit dem Verrat des Kulturgutes Buch bezeichnen, so hinterfrage ich nur einmal kurz, worauf die Bezeichnung Buchhändler endet. Händler? Und die Institution, wo die Handelsware ausgegeben wird endet auf Handlung. Was ist wiederum verwerflich, mit Büchern zu handeln?
Eine Aussage, dass in Unternehmen wie Thalia nur ungebildete Regalauffüller arbeiten ist völlig aus der Luft gegriffen. Richtig ist, dass auf den Verkaufsflächen der Großen überwiegend ausgebildete Buchhändler ihr Tagwerk verrichten. Eine Zumutung der Überheblichkeit ist es, die Behauptung aufzustellen, dass die Mitarbeiter der Großen keine sach- und fachliche Tiefe besäßen und dass deshalb die "kleine" Buchhandlung von nebenan ja viel besser sei.
Das ist an der Sache vorbeigeschwätzt. Also viel Lärm um nichts.
Nochmals, von der unternehmerischen Seite machen die Großen genau das Richtige. Von der moralischen Seite ist dieses Handeln eher abzulehnen.
Ausgelistete Verlage bringen der Kundschaft nichts. Leider ist heute kein Verlag mehr in der Lage, kein Lieferant der Großen zu sein. Und wenn alle Stricke reißen, greifen die Großen einfach auf das Barsortiment zurück.
Und dann? Verkaufen Sie trotzdem. Nur weniger.
Der Verlag merkt diesen Umstand sofort und sehr schmerzlich.
Nicht zu vergessen ist, wer hat die Großen groß werden lassen? Sicher nicht die kleine Stadtteil-Buchhandlung.
Oder vielleicht doch?
Einen schönen Kommentar las ich, dass Kunden manchmal noch die heiligen Hallen betreten und das Personal „stören“. In der Tat. Diese Form des Buchhändlers gibt es immer noch. Zurückgezogen auf seine Insel der Glückseeligen nimmt er Kundschaft eher als lästig wahr.
Umgekehrt ist es bei den Großen. Da empfindet der Kunde den Buchhändler eher lästig.
Wer beispielsweise eine Buchhandlung in einer Westdeutschen Großstadt betritt, welche über mehr als 2 Etagen verfügt und eine Publikation zum BilMoG sucht, wird auf dem Wege dorthin mindestens sechsmalig angesprochen, ob ihm noch zu helfen sei. Abwinken nutzt dann oft nichts, weil die Mitarbeiter gezwungen sind, den Charme einer Bonboniere oder eines Duftwasserschwimmbades zu verbreiten.
Regelmäßige Überprüfungen seitens der Bereichsleiter oder auch mit Testkunden geben ihr Übrigens bei, dass der Besuch solcher Häuser eine Anstrengung für Kunden ist.
Und, ist der Kunde endlich an seinem Buch angelangt, winkt er die Frage nach möglicher Hilfe mit dem Spruch ab, ob er denn hilflos aussähe.
Dann erfolgt in der Regel eine buchhandelswürdige Beratung. Ein qualifizierter Mitarbeiter macht genau das, was man von ihm erwartet. Er empfiehlt.
Hoch motiviert macht sich der Kunde auf den Weg zur Zahlung. Aber Obacht! Er geht den zur Aufdringlichkeit verdonnerten Mitarbeitern aus dem Weg. Nur noch eine Etage. Die Kasse ist schon in Sicht. Ungeschoren kommt er tatsächlich zur Kasse und wird augenblicklich völlig ernüchtert und desillusioniert.
Möchten Sie ein Lesezeichen? Haben Sie unser Firmen-Magazin? Darf ich es Ihnen als Geschenk einpacken? Oh, dass ist aber toll. Was liest denn ihre Mutter? Haben sie überhaupt eine Mutter? Kennen Sie unser Lifestyle-Food zu allen Lebenslagen?
Spätestens dann möge man weinen.
Dies sind die Verkaufsmethoden von Zeitungs-Drückerkolonnen. Also gezielte Zusatzakquise.
Ach ja, die Rabatte.
Da sind die Großen. Nehmen wir mal Thalia.
Durch den permanenten Zukauf von Buchhandlungen besitzt Thalia mittlerweile ein sehr buntes Dickicht an Neueröffnungen im Hussel-Zuckerguß und sogenannte „Krusch-Hütten“ aus den Zukäufen, die völlig anders funktionieren, als das Hagener Leitbild. Augenblicklich mit Eintreten der Abhängigkeit werden die Neuerwerbungen eingenordet.
Ist dann noch ein Abo- oder Fortsetzungsgeschäft vorhanden, wird dies auf Steiner – sorry – Thalia Medieservice in Idstein umgestellt.
Und jetzt zeigt Thalia, was sie auch zusätzlich können:
Geld vernichten.
Beispiel Zentraleinkauf. Alle Konditionen handelt der Zentraleinkauf aus. Bücher OK. Fortsetzungen und Zeitschriften? Never heard of it sang einst ein Vöglein aus dem Zentraleinkauf.
Das bedeutet, dass diese Rabatte unwichtig sind und unter ferner liefen betrachtet werden. So kam es, dass Buchhandlungen bei Verlagen auf Zeitschriften 30 % Rabatt erhielten. Nach dem Transfer erhält TMS nur noch 10 %. Kein Einzelfall. Und der promovierte Luftbildverkäufer steht ahnungslos daneben und sieht seine Fälle schwimmen.
Da sage ich doch BRAVO Michael... :-)
Und noch mal die Rabatte.
Einkaufsgemeinschaften können die Schlacht mildern. Auch beim Buchhändler um die Ecke. Das bedeutet allerdings ein wenig Aufgabe der eigenen Freiheit. Allerdings nicht in dem Maße, als wenn man geschluckt wird.
Weint also nicht sondern handelt. Bewegt euch. Zeigt Stärke und seit euch einig.
triptease sagte:
Liebe Leut,
traurig und ohnmächtig fühle ich mich nach Lektüre dieser trefflichen "Geschichte". Zum Heulen komisch, dass während ich diese Zeilen lese, ein Google-Werbebanner der Firma Hugendubel erscheint.
...
Müde,
Stefan Schmitt
Herr Schmitt, ich mag ihren Beitrag. Eine schöner Kommentar zu diesem unauflösbaren Knäuel, das sich unsere Realität nennt.
Ich kann Bub2 und RomanE nur zustimmen, die Beiträge sprechen mir aus der Seele !
Herr Meinhardt, sind die Buchhändler von Thalia Schuld, dass Ihre Bücher nicht erfolgreich sind/waren ?
In dem Wort Buchhandel ist auch das Wort Handel enthalten !
Das sollte nicht vergessen werden...
Wer da noch ein romantisches Bild des Buchhändlerberufes hat, bei dem stellt sich Ernüchterung ein. Wär ja alles nur halb so schlimm, wenn wenigstens das Personal auch von den fetten Margen und den wachsenden Umsätzen profitieren würde. Dem ist aber nicht so. Die Löhne stagnieren, oder sinken real sogar und sind mittlerweile auf dem Niveau von Reinungspersonal angelangt.
Der Autor hat recht: Durch das entstehen von Buchhandlungsketten wurde die Branche in den letzten Jahren massiv durcheinandergewirbelt. Was der Autor aber völlig ausblendet ist, dass sowohl auf die grossen wie auf die kleinen Läden ein Konkurrenztsunami ganz neuer Art zu rollt: Downloadplatformen für Ebooks im Internet. Seit einer Woche ist Amazons Ebook Kindle auch in Deutschland erhältlich. Noch können dort vorerst nur englische Bücher per Mobilfunk heruntergeladen werden. Es ist aber anzunehmen, dass das Angebot bald auch auf deutsche Bücher ausgeweitet wird. Sony hat in den USA ebenfalls bereits eine Downloadplatform aufgeschaltet und biete ein Gerät mit mobiler Datenübertragung an. Apple hat mit iTunes den perfekten Shop und bringt sicher auch bald ein mobiles Lesegerät auf den Markt. Währenddessen scannt Google schon mal vorsorglich sämtliche Bibliotheken dieser Welt ein. Globale Megaunternernehmen begeben sich also in Position um sich ein möglichst grosses Stück von diesem vielversprechenden Zukunftsmarkt zu sichern. Gegenüber Firmen von diesem Kaliber sind selbst Thalia, Hugendubel und Weltbild nur Nischenplayer.
Wird es also den Buchläden gleich ergehen wie bereits vor ihnen den Musikläden? Werden sie, wenn sie nicht gar ganz aus dem Stadtbild verschwinden, die teuren Fussgängerzonen verlassen und an schlechtere Lagen, in billigere Räumlichkeiten umziehen, wo sie dann die Rolle des letzten Retters in Not für Ewiggestrige und Technophobe einnehmen?
Vieles spricht dafür. Bereits das Internet hat dazu geführt, dass viele ehemals lukrative Artikel der Büchereien zu Ladenhüter wurden. Die frühere Käuferschaft von Lexikas, Landkarten, Kochbücher etc. findet die gesuchten Informationen heute gratis im Internet.
Einen ganzen Roman am PC-Bildschirm zu lesen, dass war aber bisher selbst für Sparfüchse zu anstregend. Das könnte sich jetzt aber mit den neuen Geräten ändern. Sie stellen die Schrift kontrastreich dar und sind augenfreundlich. Die digitale Distribution ist für die Verlage viel kostengünstiger und ermöglicht theoretisch auch günstige Preismodelle. Wird jetzt auch noch die Werbemaschine angeworfen und gilt es dann als trendy, im Zuge, im Flugzeug, bei Starbucks und am Strand sein eBook auszupacken, dann ist es um das papiererne Buch und seine Händler schon bald geschehen.
Und das ist das traurige, dass uns dieser Artikel vor Augen führt, dass das nun auch den Buchhandel erreicht hat. Mag sein, es war schon immer so, ich war nur zu naiv um es zu sehen. Aber es stimmt mich traurig.
Hugendubel unter dem Dach der DBH würde aber vermutlich problemfrei eine ähnlich große Seite füllen, zumindest im Bereich ihrer Personalpolitik haben sie ja doch drastisch von sich reden gemacht.
Schade, dass so wenig Verlage hier die Traute hatten, offen zu sprechen. Und schade, dass eine Solidarisierung sich auch nun nicht so recht einstellen will.
Sind doch schon vor fast zehn Jahren die mckinsey`schen Krämerseelen nadelgestreift durch die Verlage der Holtzbrink-Gruppe getobt und haben den Büchermachern erklärt, wie Geld verdient wird.
http://www.focus.de/kultur/buecher/buchm...
Letzten Endes geht es doch überall nur um Kohle...stimmt schon, früher war es schöner, als man zum Kaffeeröster noch wegen des Kaffees gegangen ist und nicht wegen der Sim-Karten oder Funktionsunterwäsche.
Gibts eigentlich schon Filialisten für Kunst? Wäre vielleicht ne Geschäftsidee, in dem Bereich sind auch noch viele verträumte Idealisten unterwegs, die nicht rechnen können.
Nijura sagte:
(bin selber buchhändlerin bei thalia, eine gute einkäuferin und dazu noch eine fachkompetente und freundliche beraterin, wie übrigens die meisten meiner kolleginnen
ganz ehrlich, niemand erwartet hier auch, dass eine thalia-mitarbeiterin gegen ihr eigenes unternehmen "aussagt"...;) fraglich ist aber, inwiefern so jemand dann einen kommentar zum artikel abgeben sollte.
Einige Kommentare fordern doch sehr zum Lachen auf: wenn sich z.b. jemand CharlieBone nennt, nach einer Romanfigur, die es auf bisher 6 Fortsetzungen gebrahcht hat, und sich über die Fortsetzungsflut aufregt (und diese auch noch auf die Filialisten schiebt)...
Andere waren wohl noch nie in einer Thalia-Filiale, sonst würde es hier nicht Vergleiche mit z.b. Penny oder Schlecker geben. In der Vorstellung dieser Kommentatoren ist eine Thalia-Filiale eine riesige schmucklose Lagerhalle mit unmotivierten und dummen Mitarbeitern, die Bücher palettenweise an die unmündige Kundschaft (die ja nicht gezwungen wird, in einer Kette zu kaufen, sondern es - die Umsatzzahlen zeigen es - gern tun) herausgibt.
Und die angeblichen Praktiken, die Herr Meinhardt hier zu "enthüllen" glaubt, kann man jede Woche in den einschlägigen Branchenblättern nachlesen. Dazu bedarf es keinen beleidigten SZ-Redakteur, der hier den Kai Dieckmann zu geben versucht.
Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Ein Konzern wie Thalia besorgt das auf seine Weise.
Das ist eine Geschichte, in der, obwohl sie vom Kulturgut Buch handelt, nicht wenige Leute Angst haben. Dazu gehört auch die Angst, zitiert zu werden, weshalb man diesen Leuten andere Namen geben muss.
Zum Beispiel ist da die Vertriebsleiterin eines mittelständischen Verlags. Sie möge Bachmann heißen. Die Frau Bachmann also gibt wieder, wie der Herr Busch sie einmal mit den Worten verabschiedete, nächstes Jahr sehe man sich wieder, und dann sei die Rolltreppe fällig. "Da", sagt sie, "möchte man doch am liebsten einen Farbeimer schmeißen."
Zur Rolltreppe später. Erst einmal zu Michael Busch. Er ist der Geschäftsführer der Buchhandelskette Thalia, und man geht nicht fehl, wenn man behauptet, es handle sich bei ihm um den mächtigsten Mann in der ganzen Branche.
Busch ist ein sportlicher Typ, mal erinnert er an den funkensprühenden Fußballtrainer Matthias Sammer, mal an den metallischen Bond-Darsteller Daniel Craig. Er hat nichts Zweifelndes, oder wenn er es hat, verbirgt er es gut.
"Zwei Sachen konnte ich mir nicht vorstellen, Bücher und Süßwaren", sagt Michael Busch. Das war Anfang der 90er Jahre, und er, studierter Volkswirt, war bei Douglas fürs Controlling zuständig, und zu Douglas, der Parfümeriekette, gehörten damals schon Schoko-Hussel und Juwelier-Christ. Noch nicht Thalia. Stattdessen hatte man die linksalternative Montanus-Buchgruppe im Angebot. Und wie es manchmal so geht: Busch, der Verächter, wurde dort Geschäftsführer. Der Bruttoumsatz, den er am Anfang, 1995, erwirtschaftete, betrug 70 Millionen Euro. Jetzt, mit Thalia, sind es 800 Millionen. "Wir wollen eine Milliarde erreichen. Spätestens übernächstes Jahr möchten wir das schaffen", sagt Busch, "da steckt wirklich eine Menge Herzblut drin."
Übergangslos kommt er, dieser Zusatz. Busch definiert seinen Job über das Geld, das er macht, und nicht über die Bücher, die er vertreibt, um das Geld zu machen. Sie sind seinem Herzen ferner. Man merkt es, wenn man im Laufe eines langen Gesprächs die Namen Hans Henny Jahnn und Warlam Schalamow fallen lässt und er sie nicht kennt. Jahnn hatte in den 50er Jahren "Fluss ohne Ufer" veröffentlicht, eine großartige Romantrilogie, von Schalamow erschienen zuletzt mehrere schonungslose Gulag-Geschichten. Der Normalbürger muss nun über die beiden gar nicht Bescheid wissen, doch für einen in der Literaturbranche Tätigen gehört es zum Einmaleins - gehörte es.
Und das ist die eigentliche Geschichte: Wie das Buch jetzt verkauft wird, als wäre es ein Deo oder ein Schokoriegel oder ein Ohrring, wie es, als allerletztes Produkt, in den harten, effizienten kapitalistischen Warenkreislauf geschoben wird, und was daraus folgt für das Buch.
Einerseits war es natürlich immer Teil dieses Kreislaufs. Es sollte sich schon rechnen; Verlage und Händler müssen nicht erst seit heute überleben. Andererseits war der Kreislauf ein kommoder. Es herrschte weitgehendes Einvernehmen zwischen beiden Seiten. "40 Prozent Rabatt gab's für den Buchhändler, darüber hat man sich gar nicht mehr unterhalten", erinnert sich Frau Bachmann. Es war die Zeit der Vertreter, die mit ihren schweren Koffern kreuz und quer durch die Republik reisten, darin auch immer Werke, von denen sie wussten, die würden nicht leicht verkäuflich sein, so wie es ja auch die Händler wussten, die sie dennoch bestellten und den Kunden empfahlen; es war die Zeit, in der die amerikanische Autorin Susan Sontag, in einem Berliner Buchladen stehend, verzückt ausrief: "What a long shelf life", was für ein langes Regalleben! "Und ich", sagt die Agentin und frühere Übersetzerin Karin Graf, die Sontag begleitete, "wusste damals gar nicht, wovon sie redete . . ."
Es war allerdings auch die Zeit, in der weniger intellektuelle Bürger, so sie sich überhaupt einzutreten trauten, gleich wieder aus dem Laden stürzten, weil der Inhaber, den neuen Habermas stapelnd, sie mit einem Blick bemaß, der nur eines ausdrückte, nämlich größten Unwillen.
"Konzentration", sagt die Frau Bachmann, "war damals nicht mehr als ein Schlagwort für uns. Jetzt wissen wir, was es bedeutet." Sie klingt dabei nicht zynisch, nur müde und fast demütig.
800 der einst fast 5000 Buchhandlungen im Lande haben in den letzten zehn Jahren zusperren müssen; die Ketten steigerten im selben Zeitraum ihren Marktanteil ums Doppelte auf fast 30 Prozent.
2001, das war die Zäsur, kaufte Michael Buschs Gemischtwarenhandel die Thalia-Buchhandlungen. Man wollte, wie es in einer Firmenschrift heißt, "den lifestyleorientierten Wirtschaftssegmenten", die man schon im Portfolio hatte, noch was Passendes hinzufügen; so ein Coelho, ist er denn nicht eine andere Art süßesten Marzipans? Von da an ging es Schlag auf Schlag. Man schluckte auch Bouvier, Buch & Kunst und andere. Heute führt Michael Busch 300 Filialen.
Diese Läden haben in der Regel mehrere Stockwerke. Und damit sind wir fast schon bei der Rolltreppe.
Erst aber tritt noch der Verleger eines kleinen, angesehenen Hauses auf, der alles, was seit 2001 geschah, sehr schön zusammenfassen kann. Er soll den Namen Frisch kriegen. Herr Frisch also fragt, was musste notwendigerweise auf die marktbeherrschende Stellung folgen, welche die Ketten, und er rede da nicht nur von Thalia, erlangt hätten? Nun, es musste folgen deren Versuch, auf Teufel komm raus steigende Margen zu erwirtschaften. Und weiter, wodurch sei nun dieser sozusagen systemimmanente Versuch gekennzeichnet? Ganz klar, durch Erpressung der Lieferanten, behauptet Frisch.
Es geht so: Thalia lädt, einzeln, an die 100 Verlage zu Jahresgesprächen, in denen die Zusammenarbeit für die nächsten zwölf Monate besprochen wird. Dabei dringen Buschs Leute auf höhere Preisnachlässe. Bei 40 Prozent ist heute niemand mehr, die wichtigsten Verlage geben 48 bis 50 Prozent, wobei von Gesetzes wegen bei 50 Prozent sowieso Schluss ist.
"Und was ist, wenn man nicht darauf eingeht, Herr Frisch?" - "Dann wird man ausgelistet. Das schwebt immer im Raum. Genauso kann es übrigens passieren, dass man ausgelistet wird, wenn man sich öffentlich über die Erpressung mokiert. In einem solchen Fall ist es empfehlenswert, ebenso öffentlich Kreide zu fressen." - "Und was bedeutet das genau: ausgelistet werden?" - "Man kommt mit seinen Titeln nicht mehr ins Thalia-Zentrallager. Wer aber dort nicht ist, kommt auch nicht automatisch in die Läden. Da Thalia bei den wichtigsten Verlagen schon 15 bis 20 Prozent des Umsatzes ausmacht, ist es für diese Häuser existenzgefährdend, gerade hier nicht vertreten zu sein."
In der Branche, in der ein beständig Plappern ist, kursieren verschiedene Beispiele für derartige Auslistungen; man kann sich eines heraussuchen, also: Eichborn im Frühjahr 2007. Da war der Verlag auf einmal draußen bei Thalia. Und keine fünf Monate später war er wieder drin. Hatte eingelenkt. Weil er es sich gar nicht leisten konnte, hart zu bleiben. Zu den Geschichten, die über diesen Vorfall erzählt werden, gehört auch jene, wie der Thalia-Unterhändler auf der Leipziger Messe sich schon mit Eichborn geeinigt hatte und am nächsten Tag, nach einem Gespräch mit seinen Vorgesetzten, noch einmal bei den Buchmachern vorstellig wurde und eine abermalige Aufbesserung der Konditionen forderte. Die man ihm zähneknirschend gewährte. Zu den Kosten kam für den Verlag die Entwürdigung.
Aber aber, es gab damals gar keine Auslistung, wendet Michael Busch ein, und überhaupt nie gab es eine, denn: "Prinzipiell ist bei uns jedes Buch erhältlich. Jeder unserer Läden kann jedes Buch ins Sortiment nehmen." Und da hat er recht, theoretisch, doch praktisch ist es so, dass es auf ein Nichtbestellen hinausläuft. Nur wenn ein Kunde ausdrücklich nach einem bestimmten Titel eines mit Bann belegten Verlages verlangt, wird der ihm beschafft.
Es fallen einem die Milchbauern ein. Die, vom Handel nicht minder gedrückt, werfen ihre Trecker an und tuckern bis zum Kanzleramt. Die Büchermacher aber wettern hinter verschlossener Tür. Sie haben ein paar Mechanismen entwickelt, die es ihnen erlauben, sich halbwegs mit der Lage anzufreunden. Der Vertriebsleiter eines größeren Hauses, sagen wir, er hieße Hildesheimer, stellt sich, bevor er ins Jahresgespräch zieht, jedes Mal vor, wie die weiten Thalia-Flächen ohne Bücher aussehen würden. "Ganz leer und fad." Daraus zieht er Kraft. Frau Jelinek wiederum, kluge und zu feinem Spott fähige Kollegin Hildesheimers aus einem anderen Verlag, sagt: "Man verschließt die Augen vor manch grausamer Wahrheit. Täte man's aber nicht, würde es ja nur in die Depression führen. Und wir brauchen doch tolle Stimmung im Haus!"
Nur einmal ist es zu einer Solidarisierung gekommen, 2005, als Michael Busch von den Verlagen eine Kostenbeteiligung für die Errichtung neuer Filialen verlangte. Da war er denn doch zu weit gegangen. Da fegte ihm die Entrüstung ins Gesicht. Da musste er schnell zurückrudern.
Und jetzt sind wir bei der Rolltreppe. Sie ist ein Synonym. Es könnte auch eine Kaffeebar sein. Wenn Michael Busch so eine Treppe für eine der Thalia-Buchhandlungen, respektive deren Finanzierung, von Frau Bachmann fordert, versucht er, die Verleger um noch ein paar mehr Dukaten zu erleichtern. Herr Frisch, der sattelfeste Theoretiker, bezeichnet dies als dritte Phase der Konzentration: "Auf das Verdrängen der Konkurrenz und das Erzwingen höherer Rabatte folgt ziemlich kreativ das Eintreiben von Zusatzgeldern."
In Wahrheit war, nach allem, was man hört, Eichborn auch nicht allein wegen der Rabatte auf die Barrikaden gegangen. Längst werden Gesamtpakete verhandelt, darin enthalten Skonto und Boni. Rechnet man diese Summen den Preisnachlässen hinzu, so kassiert eine Kette wie Thalia von jedem halbwegs großen Verlag weit über die gesetzlich vorgeschriebenen 50 Prozent Rabatt hinaus.
Und die Verlage können das zahlen?
"Nein", sagt Herr Handke, Vertriebschef eines in hügeliger Gegend beheimateten Hauses. "Mein Deckungsbeitragsrechner hat mir gerade ein Minus ausgespuckt. Ich kann die neuesten Forderungen nicht mehr erfüllen, beim besten Willen nicht. Aber wissen Sie, was das Schlimmste ist? Es gibt nie ein Stopp. Selbst wenn wir uns diesmal noch in der Mitte treffen sollten - beim nächsten Mal ist die vollständige Forderung wieder auf dem Tisch." Als hätte sie ihn gehört, sagt weit weg die Frau Bachmann, einem Laden wie Thalia fehle wirklich jedes Feingefühl, was in einem Verlag noch gehe und was nicht, ein Feingefühl, das andere doch nach wie vor aufbrächten.
Andere wie die Brüder Wrensch. Deren Großvater klapperte zu Zeiten, als Goethe noch kein Institut war, in Brasilien deutsche Firmen ab, um den Leuten Bücher und Heimatgefühle zu verkaufen. Mit den Einnahmen erwarb er die Buchhandlung Graff in Braunschweig. Die nun von seinen Enkeln geführt wird.
Klugerweise hatten sich die Wrenschs schon vor zehn Jahren vergrößert, von 1000 auf 2000 Quadratmeter. Einerseits waren sie an Grenzen gestoßen, andererseits wollten sie durch stärkere eigene Präsenz die Filialisten fernhalten. Sechs Jahre gelang das. Dann erschien Michael Busch mit einer freundlich klingenden Frage: Können wir nicht was gemeinsam machen? Seine Vorstellung von Gemeinsamkeit war, den Brüdern einen Anteil von 25 Prozent zu belassen, freilich nur für fünf Jahre, und sie in ihrem früheren Laden zu beschäftigen, wenngleich nur für drei Jahre, und ihnen gut ein Dutzend Entlassungen aufzubürden sowie das volle Risiko für Arbeitsgerichtsprozesse.
"Wie bestimmen Sie den Kaufpreis, fragten wir ihn, was ist der Markt? - Ich bin der Markt, antwortete Busch uns."
Und wenn sie bis dahin ernsthaft über einen Verkauf an Thalia nachgedacht hatten, so gewannen nun Stolz und Trotz die Oberhand; wie es eben ist bei Menschen, denen man unverschämt kommt. "Lieber in Ehren untergehen . . ."
O ja, untergehen, das werdet ihr, prophezeite man ihnen, ihr brecht um 30 Prozent ein, ihr werdet schon sehen!
Aber sie hielten, als er keine 500 Meter von ihnen entfernt seine Innenstadt-Filiale aufmachte, dagegen. Legten sich ein gewaltiges Zeitschriftensortiment zu. Eröffneten eine CD-Abteilung. Und sie leisteten und leisten sich doch weiter ein langes Regal mit Kunstbüchern und eines mit Klassikern; da stehen zum Beispiel Johnsons "Jahrestage", während sie nebenan bei Thalia nicht stehen; weil sie sich nämlich nicht drehen, wie Michael Busch sagt, womit er meint, sie verkaufen sich nicht oft und schnell genug.
"Und trotzdem muss man sie haben", sagt Thomas Wrensch lächelnd. "So etwas gehört zur Seele eines Buchladens. Wir haben eine Seele. Thalia hat keine."
Die Wrenschs haben geschafft, was andernorts kleinere Händler nicht schafften, sie haben auch finanziell obsiegt. Sie können das auf profane Art messen. Man schicke kurz vor Ladenschluss einen Mann an jede Kasse der Konkurrenz und lasse ihn irgendwas kaufen, Postkarte reicht. Er erhält einen Bon, auf dem er ablesen kann, der wievielte Kunde er ist. Demnach kommt Thalia auf ein Drittel des Umsatzes der Buchhandlung Graff, so rechnen es die Gebrüder Wrensch.
"Es wird gemunkelt, Ihre City-Filiale in Braunschweig könnte zugemacht werden, Herr Busch." - "Das schließe ich definitiv aus", erwidert er. "Wir denken über dieses Szenario gar nicht nach." Vielleicht aber nur so lange nicht, bis der Mietvertrag abgelaufen ist. Erst dann macht eine Schließung ja Sinn. In Berlin-Steglitz ist sie den Mitarbeitern schon avisiert. Es wird die zehnte Aufgabe einer deutschen Thalia-Filiale innerhalb von fünf Jahren sein. Expansion und Verdrängung, zu wild betrieben.
Aber ist denn alles schlecht an Thalia (und an Hugendubel/Weltbild, dem großen Konkurrenten, der sich erst genauso aufgebläht und zuletzt gar Hunderte Angestellte ausgeschieden hat)? Kein grünes Ampelmännchen zu sehen?
Doch. Man erinnere sich des habermasstapelnden Misanthropen: In der Anonymität der Ketten kaufen Menschen Bücher, die vorher keine gekauft haben.
Auch betreibt Michael Busch, nach eigenen Worten, Werbung für die Branche. Und zwar mit den Prospekten, die Thalia in einer Auflage von bis zu acht Millionen unters Volk streut. "Da steigen genauso die Verkaufszahlen der anderen Buchhändler, das tut allen gut."
Noch einmal hat er recht, und noch einmal ist alles, genau betrachtet, viel komplizierter und gar nicht mehr erfreulich.
15 000 Euro kostet ein Titel im Weihnachtsprospekt 2009. Der Preis für ein "Thalia-Buch des Monats" liegt bei 50 000 Euro. Dafür haben die Verlage die Gewähr, dass diese Titel erstklassig sichtbar präsentiert werden. Alle anderen, ausgenommen solche, die schon Bestseller sind, verschwinden dagegen im Regal, wo sie kaum wahrgenommen werden. Und daher bezeichnet Herr Frisch jene Summen, die offiziell Werbekostenzuschüsse heißen, schlicht als Eintrittsgelder. Man muss sie zahlen, wenn man da, wo rasant verkauft wird, vertreten sein will.
50 000 Euro für einen Monat, in einer Kette, für einen Titel, wer bringt die schon auf? - Regelmäßig ein Konzern wie Random House. Selten ein unabhängiges Haus wie Suhrkamp oder Hanser. Und gar nie ein kleines wie Matthes & Seitz.
Das ist der Verlag, in dem die Geschichten Schalamows erscheinen. Die Vertriebsleiterin dort heißt Nora Pester; sie braucht kein Pseudonym, sie ist die einzige auf Verlagsseite, die sich vorbehaltlos zitieren lässt, sie hat ja nichts zu verlieren, sie sagt: "Thalia ist für uns wie eine Mauer. An der prallen wir ab."
Bis vor ein paar Jahren war noch eine Tür in dieser Mauer. Durch die kamen, und gingen weiter in jede einzelne Filiale hinein, die Verlagsvertreter, und da sie die Einkäufer vor Ort kannten und schätzten, so wie sie von denen geschätzt wurden, gelang es ihnen, Sachen wie jene von Schalamow an den Mann zu bringen.
Vorbei. Michael Busch hat die Tür zugemauert. Es darf seit diesem Jahr kein Vertreter mehr zu Thalia, und wenn man ihn fragt, warum, sagt er ein paar Worte, die ein Büchervertreter vielleicht gar nicht lesen sollte, weil sie letztlich nur deprimierend sind: "Viele dieser Gespräche waren nicht effizient. Ganz viel irrelevante Kommunikation. Was für Zeit da teilweise vergeudet wurde bei der Weitergabe von Informationen, für die eine Seite Papier reicht - Titel, Thema, Werbemaßnahmen! Es geht um einen guten Überblick."
Die Kommunikation gestaltet sich jetzt folgendermaßen: Der Verlag fertigt eine extra Vorschau für jede Kette. Darin geht es nicht mehr um einen Buchinhalt, sondern, wie der Herr Handke sarkastisch sagt, "darum, ob man zwei Seiten in der Brigitte kriegt oder seinen Autor zu Kerner und wie viele Exemplare dieser Autor beim letzten Mal bei Thalia verkauft hat". So was steht da drin. Und anhand dieses Materials ordert eine Gruppe von Einkäufern die ihrer Meinung nach wichtigsten Bücher für ganz Thalia. Nicht einmal die Anzahl jener sogenannten A-Titel darf von den Filialen selbst bestimmt werden. Sie wird von der Zentrale vorgegeben.
Am Ende muss man noch einmal die Frau Jelinek hören; wie sie reagiert, wenn man das Wort Fehlentwicklung fallenlässt. "Fehlentwicklung? Ich schimpfe darüber nicht, ich sehe das gelassen, bitte schön, es ist doch bloß der letzte Schritt."
Das Buch, das immer auch eine Ware war, ist bei Thalia zur ausschließlichen Ware geworden. Die obersten Verkäufer sehen vollkommen von deren Inhalt ab.
Und da das so ist, verliert die Frau Jelinek dann doch ihre Gelassenheit und erzählt von den Schmerzen, die es allen in ihrem Verlag jedes Mal bereitet, wenn sie die paar Autoren auswählen müssen, welche mit ihren Neuerscheinungen überhaupt in jene dünne, dem mächtigen Thalia-Einkauf mundgerecht servierte Extravorschau kommen. In die Verlosung, bei der die Bestseller gezogen werden. Nur etwa jeder Achte hat bei ihr das Glück. "Das ist schrecklich für die anderen."
Die Bestseller nämlich werden durch das Vorgehen der Ketten immer bestselleriger, der große Rest fällt immer schneller aus den Regalen in die Vergessenheit. Heute verkauft die Frau Jelinek, und sie und ihr Haus bürgen für Qualität, von jeder fünften ihrer Roman-Novitäten weniger als 1000 Exemplare. Vor zehn Jahren waren solche Flops noch zu vernachlässigen. Was das alles fürs Leben & Sterben der eigentlichen Produzenten, der Schriftsteller, bedeutet, liegt auf der Hand.
Und in zehn Jahren? Werden wir darüber berichten, ob irgendwann wirklich ein Farbeimer geflogen ist.
Autor: Birk Meinhardt
war das wirklich nötig?
Es ist ein Leichtes, einen Herrn Busch (Wirtschaftswissenschaftler) auf dem Glatteis zu erwischen, indem man ihn nach einem beliebig herausgegriffenen Autor fragt - es ist bloß weder fair, noch in irgendeiner Weise argumentativ wirksam und wirft zudem ein eigenartiges Licht auf Ihre persönliche Motivation...
Herr Busch ist kein Buchhändler - so what? Ihre Geschäftsführer sind auch keine Journalisten oder Verlagskaufleute. So ist das heute in der Wirtschaft - das mag man gut finden oder schlecht.
Was mich an Ihrem Artikel so stört, ist, dass Sie sich zu einem Gutmenschen erheben, der da den Finger drauflegen darf - das legt den Verdacht nahe, Sie selbst seien besser? Oder das Blatt für das Sie arbeiten? Etwa der Verlag für den Sie tätig sind?
Ich frage mich gerade, wieviele SZ-Redakteure eine Antwort auf Ihre Frage gehabt hätten, Herr Meinhardt. Oder um mal bei der Geschäftsführung zu bleiben - wieviel kann ein Herr Detlef Haaks wohl mit Namen wie Jahnn oder Schalamow anfangen? (Diplom-Informatiker - vom SparkassenVerlag zur SZ gewechselt - klingt auch eher Feuilleton-fern) Wieviel weiß Ihr Herr Rebmann damit anzufangen?
Gut - fairerweise sagen wir: die beiden leiten (gemeinsam mit Herrn Ulrich - auch kein Journalist übrigens) keine Buchhandelskette, sondern einen Zeitungskonzern (immerhin den zweitgrößten nach Springer, der übrigens in letzter Zeit drastischen Stellenabbau betrieben hat und noch betreibt) - dann stellt man vielleicht die folgende Frage, die eigentlich auch noch viel interessanter und spannender ist:
Was hält Herr Rebmann von anspruchsvollem Journalismus? - ein Mensch, von dem man hört, dass er den Anspruch an Qualität als 'Luxus' bezeichnete. Wirklich wichtig seien lediglich Umsätze und Gewinne.
Herr Rebmann ist ein Geschäftsführer, dessen harte Maßnahmen dazu geführt haben, dass seine eigenen Redakteure eine Anzeige in der taz aufgaben - auf der Suche nach einem Verlag, der guten Journalismus schätzt - ist es nicht so?
Putzig, dass ein Artikel wie Ihrer in einem von Rebmann 'geführten' Blatt so erscheint. Vielleicht ist Herr Rebmann auch bloß noch nicht auf die Idee gekommen, Ihre Attacke auf Thalias Geschäftsführer Busch könnte einer Art Kompensation Ihrer persönlichen Unzufriedenheit mit der eigenen Geschäftsführung ent'sprungen' sein?
Wäre es also eine Übersprunghandlung, dann könnte man Ihren Artikel entschuldigen und Sie ein wenig bedauern, dass sie sich einen Herrn Busch heranziehen müssen für Ihren Ausdruck innerer Emigration. Sie werden schon Ihre berechtigten Gründe haben, Konflikte mit der eigenen Geschäftsführung nicht offen auszutragen - es sei Ihnen also verziehen.
Sie sind nicht der Einzige, der Angst vor 'Rebmanns Rache' hat.
Nur sollten Sie sich da - statt auf Busch herumzuhauen - nicht vielleicht eher solidarisch zeigen mit all den Thalianern (die nämlich anders lautenden Gerüchten zum Trotz keine 'Menschanähnliche vom Planeten Thalia' sind, auf die Erde gebeamt, um in den Filialen dumm herumzustehen und Wegelagerei zu betreiben - NEIN! sie sind Buchhändler aus Fleisch und Blut mit Jahren/Jahrzehnten Berufserfahrung)?
Busch ist nicht = alle Buchhändler bei Thalia und Rebmann ist vermutlich nicht = alle Redakteure des Konzerns. Ich fühle mit ihnen - mit den Thalianern - wie auch mit den SZ-Redakteuren.
Sollten Sie vielleicht auch - dann wäre Ihr Artikel nicht so voll von Halbwahrheiten und naivem Schwarz-Weiß-Malen?
Thalia ist als eine der beiden 'Großen' im Buchmarkt die Firma, die Buchhändler beschäftigt und die ihre Buchhändler (noch) ihre betreuten Warengebiete weitgehend selbst bestimmen lässt. Zentraler Einkauf, vorgegebene Titel - geschenkt, denn das sind längst nicht die meisten Titel, sondern nur die wichtigsten - und die hätte der verantwortliche Buchhändler (Disponent) ohnehin eingekauft.
Eine Buchhandlung, die einen Potter nicht einkauft, oder blind an einem Larsson vorbeigehen möchte, kann das gerne tun - das ist nicht unbedingt ein Merkmal für einen guten Buchhändler.
Wenn ein Buchhändler das 'Buch' in seiner Berufsbezeichnung höher wertet den 'Händler' darin, dann ist es vermutlich einer, der auf den Umsatz seines Geschäfts nicht angewiesen ist, der es sich leisten kann, es als teures Hobby zu führen.
Ich kenne viele 'kleine' Buchhändler, die hart am Existenzminimum leben, die für ihre 50-60 Stunden Arbeit weniger mit nach Hause nehmen, als sie ihren Halbtags- Mitarbeitern zahlen. Ich kenne auch Buchhändler, die inzwischen SO wenig bezahlen, dass sich kein gelernter Buchhändler mehr leisten kann, dort zu arbeiten. Bestenfalls jemand, der es - wie eben schon erwähnt - als Hobby betreibt, keine Familie zu ernähren hat..
Jetzt kann man natürlich über 'die Großen' jammern und mit dem Finger drauf zeigen. Aber es ist ja nicht so, dass der zurückgehende Umsatz ein Zeichen dafür ist, dass 'die Großen' alles falsch machen, wie es ein Herr Meinhardt darstellen möchte. Sie scheinen ja irgendetwas richtig zu machen.
Kunden gehen freiwillig dorthin. Mündige Leser entscheiden sich täglich dafür, genau DORT einzukaufen. Und auch die Kunden, die über den Rückgang der kleineren Sortimente schimpfen bestimmen es selbst täglich mit!
Sie nehmen beim Großen wie DBH oder Thalia die Bestseller mit und gehen für die aufwendige Einzelbestellung beim kleinen, unabhängigen und ebenso unbekannten Verlag (der auch beim Klein-Sortimenter nicht das Regal füllt) in die kleine Buchhandlung um die Ecke, die den Titel aus purer Nettigkeit für ihn bestellt, denn sie wird einen Draufleger machen.
Die lieben Kunden stehen dann vor dem 'Lieblingsbuchhändler' und sagen ihm, dass sie sich schon informiert hätten (amazon, buch.de woauchimmer) aber lieber bei ihm bestellen, um ihn zu 'unterstützen'! Eine Freundin sagte neulich zu mir: "der nächste Kunde, der das zu mir sagt, während er eine Verlagsbestellung bei mir aufgibt, auf die ich draufzahl, bekommt meine Bankverbindung in die Hand gedrückt." Sie lacht bitter - das ist die Realität der hier so gern hochgehaltenen 'Kleinen'.
Ich kann sie verstehen, wenn sie darüber nachdenkt, ihren Laden zu schließen und bei einem der Großen anzuheuern. Dort kann sie noch Buchhändlerin sein die nächste Zeit - gut bezahlt obendrein (relativ - denn Berufe im Einzelhandel sind nun mal keine Goldgruben, das wissen wir).
Ist sie dann eine schlechtere Buchhändlerin?
Weil sie beim Branchenführer arbeitet? Mehr Zeit für ihre Familie hat? Wieder Zeit fürs Lesen findet? Mit mehr Spaß Bücher verkauft? Und das auch noch sehr gut.
'Gut' zu sein, bedeutet im Buchhandel eben nicht nur, einen Schalamow zu kennen, sondern ihn dann auch VERKAUFEN zu können.
Denn - ich wiederhole mich hiermit gerne - es sind nicht Bücherwürmer, oder Leseratten, sondern BuchHÄNDLER! Und auch keine Bibliothekare (die übrigens in Büchereien arbeiten) - mit denen haben Buchhändler soviel zu tun, wie Galeristen mit Museumswärtern...
Bestseller.
Auch hier machen es sich die 'Ewig-auf-die'Großen'-Schimpfer' zu leicht.
Buchhändler wie Verleger schätzen Bestseller. Man muss sie nicht mal lesen mögen, denn Bestseller verkaufen sich irgendwann von allein. Aber man sollte sie verkaufen, denn Bestseller sind Brottitel. Sie schaffen dem Buchhändler den finanziellen Raum, seine Lieblingsbücher daneben zu stellen und zu seinen persönlichen Bestsellern zu machen.
Man mag sich mit gerümpfter Nase über einen Dan Brown auslassen und mit spitzen Fingern eine Stephenie Meyer beiseite legen. Sich damit vom Mainstream abheben und so tun, als sei man etwas besseres. Dem Buchhändler um die Ecke wäre es lieber, seine versnobten Kunden würden sich nicht schämern, diese Titel endlich auch bei ihm zu kaufen, denn der kleine Buchhändler könnte hier dann schließlich Rabatte erzielen, mit er wirtschaftlich arbeiten kann.
Und die Verlage, die sich zähneknirschend (und dann laut lamentierend) auf Thalia- und DBH-Konditionen einlassen, damit Tür und Tor geöffnet bleiben, sind bei kleinen Sortimentern gern knausrig - mit dem Hinweis auf die geringen Umsätze. Die sind genausowenig solidarisch wie Sie, Herr Meinhardt. Was glauben Sie wohl, wie groß der Rabatt ist, den Eichborn einem Kleinsortimenter einräumt, der sich 2-5 Titel des Verlags ans Lager nimmt? Hm? Ob ich nun für eine Buchhandlung 2-5 Titel einkaufe, oder für 300 Filialen 10-100 Titel... das ist schon ein kleiner Unterschied, nicht? Da wird der Verleger zum eindeutig wirtschaftlich Handelnden, der den Umsatz vor dem Kulturgut Buch sieht und fühlt sich auch noch als Opfer! Und man soll ihn bedauern.
Machen Sie doch mal eine Stichprobe, Herr Meinhardt, gehen sie mal in eine der 'Großen' ... ich hab den Schalamow da schon im Stapel liegen sehen. In der kleinen Buchhandlung um die Ecke liegt er nicht so plakativ - wenn überhaupt. Sind wir doch mal ehrlich ... die können sich den nicht leisten...
Traurig,
Phyllis
Ach - eine Frage noch an Sie, Herr Meinhardt:
Wie hoch ist der Umsatz der SZ-Editionen (Bücher und DVD) den Ihr Verlag mit den 'Großen' gemacht hat/macht? Und wie sahen Ihre Konditionen für die 'Kleinen' aus?
Heute ein Kundengespräch mitgehört, Studenten, sich herabgesetzte alte Auflagen (nicht mehr preisgebunden!) betrachten: was, das kostet hier nur die Hälfte vom Neupreis? ich hab bei ebay mir eine aktuelle Auflage ersteigert, und die kostete dann nur 5Euro mehr, als die hier.
Die Konkurrenz sind ebay, Amazon - und auch die Internetshops der Verlage. Der Kunde sieht nicht die verbrachte Zeit im Internet als Kostenfaktor an. Sollten wir Buchhändler dankbar sein, wenn der Kunde mit einem Amazonausdruck kommt und genau dieses eine merkwürdige Buch haben möchte - zu diesem Thema kann es anderes und auch am Lager geben, doch der Kunde glaubt einfach mehr dem Internet und nicht dem Menschen, der vor ihm steht.
Ich stimme Die_Phyllis zu, wenn er/sie schreibt, dass der Kunde gern den kleinen Händler unterstützen möchte und dann die Verlagsbestellung aufgibt: Buch kostet 9.80 und sollte möglichst auch noch morgen zum Geburtstag da sein. "Bitte rufen Sie doch beim Verlag an" - bei Thalia würde er abgewiesen werden, weil (angeblich) nicht bestellbar.
Ein Aspekt ist auch der der angestellten Buchhändlerinnen - schlecht bezahlt üben sie (meistens) mit Freude einen Beruf aus, der miserable Arbeitszeiten hat (Einzelhandel!!!), schlechte Aufstiegschancen - noch immer sind die meisten Führungspositionen in der der Hand weniger männlicher Buchhändler (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die angebliche Sicherheit eines Konzerns wiegt halt viele im Glauben, einen guten Arbeitsplatz zu haben.
Herr Busch und Thalia haben der Branche einen anderen Umgang miteinander aufoktroiert - wer von den anderen das gut oder schlecht findet, ist schwierig zu entscheiden.
Das stimmt nicht mal, auch die bestellen direkt und einzeln beim Verlag.
Bloß liegt der Laden in der Innenstadt und da muss der Kunde wieder hin zum Abholen - da geht man dann doch lieber in die Stadtteilbuchhandlung, weil die so schön nah ist und kann da den mildtätigen Unterstützer mimen, dem der kleine Buchhändler dankbar sein soll.
(Den Bestseller hat man natürlich beim Großen grad noch vom Tisch mitgenommen.)
20.10.2009 - 10:24 Uhr
Die_Phyllis
Fragt sich überhaupt mal jemand, woher die 'gebrauchten' aber verlagsneuen und noch eingeschweißten Bücher kommen, die man dann dort so billig bekommt?
Schon mal darüber nachgedacht, gestohlene Ware zu kaufen?
Schon mal darüber nachgedacht, was das für Folgen hat?
Schade nur, dass der Text so grauenvoll verschwurbelt geschrieben ist, mit diesen ganzen umständlich eingeführten Pseudonymen und vagen Andeutungen. Klar, das soll ein Stilmittel sein, dass so literarisch angehaucht zu erzählen. Leider funktioniert das nur, wenn man es kann, was man bei Birk Meinhardt nicht sagen kann.
Und die jetzt.de-Redakteure könnten bei solchen Riemen auch mal strukturierende Zwischenüberschriften machen. :)
22.10.2009 - 16:53 Uhr
michel-b
Beworben habe ich mich damals auch bei der Mayerschen und bei einigen unabhängigen Buchhandlungen, die mir aber teilweise sofort (aus mir durchaus verständlichem Geld- und Personalmangel) absagten, oder (selbst auf Rückfrage) nichts von sich hören ließen.
In den 2 Jahren die ich jetzt in diesem Unternehmen arbeite gab es sicher nicht nur positive Erlebnisse, sonder auch einige Dinge und Entscheidungen, die mir und meinen Kollegen schwer nachvollziehbar erscheinen, womit ich betonen möchte das die Buchhändler bei Thalia nicht so Kritikunfähig sind wie hier teilweise dargestellt. Und, ja: Wir haben einen sehr aktiven Betriebsrat...
Ich habe die Buchhändlerschule in Frankfurt besucht, wo ich Gelegenheit hatte, mit Azubis aus anderen Unternehmen zu sprechen und musste erschreckt feststellen, dass das mir immer so selbstverständliche "nach Tarif bezahlt werden" gar nicht so selbstverständlich ist.
Und ich gebe auch gerne ehrlich zu, das ich mein Urlaubs- und mein Weihnachtsgeld jedes jahr aufs Neue zu schätzen weiß.
Und was die Kunden betrifft:
Ich hatte, bevor ich meine Ausbildung begonnen habe, selbst vorbehalte, was Beratungskompetenzbildung und Stammkundenbindung in einem Unternehmen solcher Größe anbelangt.
Die haben sich aber sehr schnell gelegt, als ich am eigenen Leib erfahren durfte, das genau das Gegenteil der Fall ist: Wir Mitarbeiten werden geschult, auf Beratungskompetenz wird hohen Wert gelegt und die Tatsache, das unsere Kunden diese immer wieder lobend erwähnen und mit Freude wiederkommen (damit also über kurz oder lang Stammkunden werden) spricht wohl für sich.
Für mich als Azubi sehe ich in einem Unternehmen dieser Größe bessere Ausbildungsmöglichkeiten, wäre ich in einer literarisch ambitionierten Stadtteilbuchhandlung beschäftigt, wären mir die von Herrn Meinhardt erwähnten Autoren sicher geläufig, wollte mein Kunde jedoch Beratung bei medizinischen Fachbüchern, im Esoterikbereich oder bei Bilderbüchern müsste ich passen.
Bei Thalia darf ich alles kennenlernen und mich an allem selbst versuchen.
Ich finde es schade, das dieser Artikel so böse geworden ist; Thalia mag ja vielleicht in einigen Augen das schwärzeste Schaf auf der Weide sein, aber blütenweiß sind die anderen deshalb noch lange nicht. (Wenn ich an meine "Fast-Azubi-Kollgen" denke, die eigentlich diesen Sommer bei Hugendubel hätten anfangen sollen...)
Bücher sind und bleiben (hoffentlich) preisgebunden.
Die Entscheidung, wo man kauft, trifft man selbst.
Und viele unserer Kunden treffen ihre Wahl durchaus bewusst und kommen gerne.
So, müde und enttäuscht ob soviel Bosheit
V
22.10.2009 - 21:05 Uhr
Fallacy
Beworben habe ich mich damals auch bei der Mayerschen und bei einigen unabhängigen Buchhandlungen, die mir aber teilweise sofort (aus mir durchaus verständlichem Geld- und Personalmangel) absagten, oder (selbst auf Rückfrage) nichts von sich hören ließen.
In den 2 Jahren die ich jetzt in diesem Unternehmen arbeite gab es sicher nicht nur positive Erlebnisse, sonder auch einige Dinge und Entscheidungen, die mir und meinen Kollegen schwer nachvollziehbar erscheinen, womit ich betonen möchte das die Buchhändler bei Thalia nicht so Kritikunfähig sind wie hier teilweise dargestellt. Und, ja: Wir haben einen sehr aktiven Betriebsrat...
Ich habe die Buchhändlerschule in Frankfurt besucht, wo ich Gelegenheit hatte, mit Azubis aus anderen Unternehmen zu sprechen und musste erschreckt feststellen, dass das mir immer so selbstverständliche "nach Tarif bezahlt werden" gar nicht so selbstverständlich ist.
Und ich gebe auch gerne ehrlich zu, das ich mein Urlaubs- und mein Weihnachtsgeld jedes jahr aufs Neue zu schätzen weiß.
Und was die Kunden betrifft:
Ich hatte, bevor ich meine Ausbildung begonnen habe, selbst vorbehalte, was Beratungskompetenzbildung und Stammkundenbindung in einem Unternehmen solcher Größe anbelangt.
Die haben sich aber sehr schnell gelegt, als ich am eigenen Leib erfahren durfte, das genau das Gegenteil der Fall ist: Wir Mitarbeiten werden geschult, auf Beratungskompetenz wird hohen Wert gelegt und die Tatsache, das unsere Kunden diese immer wieder lobend erwähnen und mit Freude wiederkommen (damit also über kurz oder lang Stammkunden werden) spricht wohl für sich.
Für mich als Azubi sehe ich in einem Unternehmen dieser Größe bessere Ausbildungsmöglichkeiten, wäre ich in einer literarisch ambitionierten Stadtteilbuchhandlung beschäftigt, wären mir die von Herrn Meinhardt erwähnten Autoren sicher geläufig, wollte mein Kunde jedoch Beratung bei medizinischen Fachbüchern, im Esoterikbereich oder bei Bilderbüchern müsste ich passen.
Bei Thalia darf ich alles kennenlernen und mich an allem selbst versuchen.
Ich finde es schade, das dieser Artikel so böse geworden ist; Thalia mag ja vielleicht in einigen Augen das schwärzeste Schaf auf der Weide sein, aber blütenweiß sind die anderen deshalb noch lange nicht. (Wenn ich an meine "Fast-Azubi-Kollgen" denke, die eigentlich diesen Sommer bei Hugendubel hätten anfangen sollen...)
Bücher sind und bleiben (hoffentlich) preisgebunden.
Die Entscheidung, wo man kauft, trifft man selbst.
Und viele unserer Kunden treffen ihre Wahl durchaus bewusst und kommen gerne.
So, müde und enttäuscht ob soviel Bosheit
V
Ein Buchhändler der bei Thalia ein Buch empfiehlt, tut das mit ebensoviel Seele, wie andernorts.
Aber wers nicht glauben will, wird das ohnehin nicht glauben - und weiterhin den Quatsch vom seelenlosen Buchhändler bei Thalia verbreiten. *bitterlach*
Die Methoden in der Wirtschaft, die Strukturierung von Großkonzernen mag man finden, wie man mag - man findet sie überall. Man muss sie allerdings nicht unterstützen - das kann man auch, ohne die Mitarbeiter zu beleidigen.
Außerdem ... diejenigen, die hier blöken, dass sie die 'Großen' boykottieren, kaufen doch trotzdem bei MediaMarkt, H&M, Lidl und sonstwo, weil nämlich außer Büchern nichts preisgebunden ist.
Und auch bei denen, die hier den Gutmenschen raushängen lassen, der die 'Großen' jetzt nach diesem 'großartigen Artikel' meidet, ist Geiz letztendlich doch geil und es wird dort gekauft, wo es am günstigsten ist...
Und wenn man an Bücher günstiger rankommt (Ebay und Konsorten machens möglich), dann kauft man auch 'vom Lastwagen gefallenes'.
Bevor man hier kritisiert, sollten die sich viellleicht mal ein bißchen schlau machen über den Buchhandel (Sortimente und Verlage) und wie er funktioniert.
Waren es nämlich bisher die Verlage, die diktierten, was in den Regalen zu finden ist und die Sortimenter viel zu geringe Rabatte gaben (und den Kleinen - ich wiederhole es wirklich gern - immer noch geben) sind es jetzt Thalia und die DBH, die den Spieß mal umdrehen.
Statt aktiv dagegen zu gehen, und sich mal zusammen zu tun und zu sagen: nein!
fügen sie sich jammernd und sparen bei den 'Kleinen' an Rabatten und Boni. Die krebsen dann am Existenzminimum ... und gehen ein.
Wer ist jetzt 'Schuld'?
Thalia?
Die bösen Verlage?
Oder vielleicht Kunden, die jeden Tag die Wahl haben, wo sie kaufen?
... wieso denk ich denn jetzt plötzlich an Kafka? *grübel*
Natürlich machen Internet und große Ketten den kleinen Buchläden das Leben schwer. Meiner Erfahrung nach gibt es auch bei Thalia und Co. gutes und erfahrenes Personal, daß hängt wohl stark von der entsprechenden Filiale ab.
Wann kaufe ich eher im Internet und bei einer Kette? Wenn ich weiß welches Buch ich kaufen will und es schnell haben möchte (zweimal zum Laden fahren, um die Bestellung dann abzuholen ist aufwändig).
In dem Moment wenn ich Beratung benötige, in verschiedenen Büchern vorher schmöckern will, erst noch ein Bild entstehen muß, dann haben die kleinen Läden Ihre einzigartige Chance. Es muß aber eben das Gefühl entstehen, daß ich etwas anderes als eine Ware kaufe. Und die muß nicht zwangsläufig hochliteriarisch sein, sondern meinen Bedürfnissen entsprechen. Übrigens auch das Einkaufserlebnis. Hier nutzen viele kleine Läden Ihre Chance nicht wirklich.
Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag: Jawohl, ich kaufe beim netten Händler um die Ecke manchmal ein Buch aus der Auslage und manchmal eines, das ich bestelle.
Wie hätten sie es denn gerne?
Bei Amazon bestellen soll ich nicht, bei ebay erst recht nicht, die großen Ketten soll ich boykottieren und beim kleinen Händler darf ich nur das kaufen was der gerade vorrätig hat?
Wo also bekäme ich denn politisch korrekt handelnd z.B: Aikido und der neue Krieger ISBN 3922026419 ?
Wieso zahlt der Händler überhaupt drauf, wenn er so etwas beim Verlag bestellt?
Das von Dir genannte Buch kannst Du natürlich beim Buchhändler Deines Vertrauens bestellen - dagegen wird der nichts haben.
Es ist nur eben so, dass der kleine Buchhändler um die Ecke gern auch das verkauft, was er bereithält. Denn das kauft er mit einer Handelsspanne ein, die ihn einigermaßen wirtschaftlich arbeiten lässt. Viele Kunden kaufen Bestseller eben gern da wo sie grad sind und gehen mit Einzelbestellungen zum 'Kleinen'.
DAS ist der Moment, wo das dann irgendwann zu einem Ehrenamt für den Inhaber eines kleinen Sortiments wird.
Er hat immer weniger Brottitel und immer mehr Einzelbestellungen.
Seine durchschnittliche Handelsspanne sinkt.
Warum der Händler draufzahlt, würde er das Buch beim Verlag bestellen (was er in diesem Beispiel nicht müsste)?
Rechenexempel gefällig?
angenommener Ladenpreis: 13€
abzgl Rabatt für den Händler 30% (das ist sehr großzügig gerechnet, bei Einzelbestellungen sind 20% durchaus üblich, grad bei kleinen Verlagen und/oder Fachbüchern - da gehen die Rabatte sogar schonmal auf bis zu 10% runter)
zzgl Porto 3,00€ (korrekt sind hier zwar 0,91€ als kleine Büchersendung+MwSt, allerdings packen die meisten Verlage Versandkostenpauschalen zwischen 2 und 6 € drauf, die eigentlich unzulässig sind)
Macht einen Preis für den Buchhändler von 12,10€
Wovon lebt jetzt der Buchhändler?
Bei dieser Bestellung wären das 0,90€
Ach nein halt!
Er hat zu zahlen
-Miete
-Personalkosten
-Stromkosten
-Telefongebühren
...
- und möchte vielleicht auch gern ein bißchen Geld mit nach Hause nehmen.
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Wenn ich mit Kaufabsicht für bestimmtes Buch einen Laden betrete, weiß ich ja vorher nicht, ob der Händler das gerade vorrätig hat. Hat er es, schön für ihn. Hat er es nicht und verweigert die Bestellung, kann ich es auch selbst bestellen, z.B. bei Amazon, dann bekommt er nicht einmal die errechneten 90 Cent und hat eine Kundin weniger.
Ich habe selbst auch schon "für nix" gearbeitet um eine Kundenbindung zu halten. Steuerklasse 6 abzüglich Fahrkosten. Langfristig rechnet sich die Kundenfreundlichkeit.
Das ganze kurzfirstige Bestellgeschäft und Einzelbestellungen ist ja das, was der Buchhändler als Kundenservice sieht und betreibt.
Das Problem entsteht (wie ich schon ausgeführt habe) erst DANN, wenn die gut rabattierten Bücher in den Regalen stehen bleiben, die Bestseller, Taschenbücher und so weiter ... weil die bei den Großen vom Stapel mitgenommen werden.
... das, was bei Dir grad so ein bisschen rüberkommt ist die Kundenhaltung, die langfristig den Kleinen das Genick bricht.
Haltet den Service hoch, arbeitet kundenorientiert, und seid dankbar, dass ich bei Euch einkaufe und Euch so unterstütze ...
Aus seinem Beruf ein Ehrenamt zu machen aus purer Kundenfreundlichkeit sollte kein Kunde von seinem (Buch)Händler verlangen.
Sehe ich nicht so. Langfristig den kleinen das Genick brechen die Kunden, die grundsätzlich selbst bestellen.
Ich erwarte auch keine Dankbarkeit, dafür dass ich bei jemandem einkaufe.
Ich nehme auch nichts bei den Großen vom Stapel weg. Wenn das aber der Grund sein sollte, dass Bücher stehen bleiben, würde ich mich als Händler mal fragen woran das liegt.
An meinem Angebot? An der Präsentation? An der Standortwahl?Oder daran, dass Kunden verprellt wurden?
Wer sich als Kunde gut behandelt fühlt, kommt wieder. Oder nimmt sich gleich ein zweites Buch vom Stapel.
Ich hab hier von einem bestimmten Klientel gesprochen, nicht von allen Kunden.
Ich habe von Rabatten gesprochen und Handelsspannen.
Und vom Geschäftsgebaren der Verlage.
Den Großen (Thalia, DBH) wurde hier vorgeworfen, dass sie Verlage über den Tisch ziehen und dem Kunden keinen guten buchhändlerischen Service biete.
Gleichzeitig gehen viele derer, die über die Großen schimpfen, selbst dorthin hin und kaufen dort - und zwar nicht, weil die kleinen Buchhändler sie verprellt haben, sondern weil die Großen eben vieles da haben und eben AUCH buchhändlerischen Service bieten.
Die Verlage machen bei den beiden Großen das Opfer, knausern aber bei den kleinen Buchhändler.
Ich haber nichts gegen Kundenfreundlichkeit und Kundenservice - im Gegenteil. Bloß bei den og 'Parametern' ist es eben schwierig, wirtschaftlich zu bleiben als 'Kleiner'.










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13.10.2009 - 21:00 Uhr
steamboat