An der Kette
Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Ein Konzern wie Thalia besorgt das auf seine Weise.
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.- Arabischer Vorfrühling vor 8 Std.
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Meine Familie ist ebenso wie die Gebrüder Wrensch ein Thalia-Gegenpol. Auch bei uns haben sie verloren.
Endlich mal jemand, der Gauner Gauner nennt! Diesen Artikel rechne ich der Süddeutschen hoch an, da muss ich petekrip zustimmen. Dank Thalia und Co. werden Bücher wohl bald nur noch 08/15-Inhalte haben, denn das ist, was die breite Masse kauft. Gehobene Lektüre wird man dort nicht finden...
Und Bedienung und Kundenbetreuung, wie ich sie mir in drei Jahren harter Arbeit angeeignet habe, findet man in den Ketten schon gar nicht. Das Herzblut, das ich auch bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitlernenden erlebt habe, findet man in keiner Kette, doch wer ist heute noch an Herzblut interessiert...?
folgendes habe ich in dieser Zeit gelernt :
1. Viele Buchhändler sind unfähig bzw. unwillens sich um Ihre Kunden zu kümmern. Und wer seine Kunden nicht enrst nimmt darf sich nicht wundern wenn diese dann zu Thalia gehen.
2. Die grossen Verlage brauchen nicht zu jammern. Sie selbst sind es die diese Preisspirale mit unterstützen. Wie der Artikel sagt macht Thalia bei manchen Verlagen bereits 15 - 20% des Umsatzs aus. Aber mal ganz ehrlich. Wer überlebt länger. Wenn Random house Morgen 20% des Umsatzes verliert an dem Sie ( aufgrund der hohen Rabatte ) nicht mehr verdient haben oder wenn Random House Thalia nicht mehr beliefert und diese dadurch 30 oder 40% Ihrers Umsatzes ( bei dem Sie gewaltige Margen macht ) verliert.
Wenn sich die grossen Verlage endlich einmal einige werden würden diese Spielchen der Großflächen nicht mehr mit zu machen, dann würde es ganz schnell wieder in die andere Richtung gehen. Denn eines sollte man nie vergessen. Die Bestseller ( Harry Potter, Dan Brown, Stephen King u.s.w. ) werden bei Thalia gekauft weil die Kunden diese Bücher haben und lesen wollen. Was passiert wenn Thalia Morgen den neuen Dan Brown von Lübbe nicht geliefert bekommt ?
Ganz einfach. Thalia macht weniger Umsatz und Marge.
Lübbe hingegen verkauft vielleicht 2 oder 3% weniger von diesem Titel. Die anderen werden von den Kunden ganz einfach über andere Kanäle ( sprich andere Buchhändler ) gekauft.
Der glaube der Verlage das Sie auf Biegen und Brechen bei Thalia vorrätig sein müssen ist es der die Peeise vernichtet. Es ist einfach an der Zeit, dass die Verlage Rückgrat zeigen und bei den Preisverhandlungen wieder "nein" sagen.
traurig und ohnmächtig fühle ich mich nach Lektüre dieser trefflichen "Geschichte". Zum Heulen komisch, dass während ich diese Zeilen lese, ein Google-Werbebanner der Firma Hugendubel erscheint.
Aufklärung auf den Internetseiten einer Zeitung, die ohne Frage Große geleistet hat und leisten wird. Vor der Schelte Lorbeeren.
Wer Gut, wer Böse?
Welche Rolle spielt die Süddeutsche in dieser Geschichte? Diese Verlagsgesellschaft gebraucht ihren guten Ruf und das Vertrauen der Leser, um in großen Massen Bücher auf den Markt zu werfen - bei gleichzeitiger, marktmächtiger Kampagne auf den hauseigenen Kanälen.
Welche Rolle spiele ich? Möglicherweise erscheint besagte Google-Anzeige nicht auf euren Bildschirmen. Möglicherweise nur bei mir und ein paar anderen Gaunern: weil zuvor ein Roboter die privaten E-Mails durchkämmt hat nach Interessen und Konsumspuren. Und allein dieser Roboter weiß von meiner Scheinheiligkeit: dieser Mann ist Online-Kunde bei Hugendubel und trauert in Internetforen einer vermeintlich heilen Vergangenheit hinterher.
Schluss damit! Lasst uns gemeinsam Thalia und Hugendubel boykottieren und uns am Abend dieses verkaufsoffenen Sonntags einträchtig am Lagerfeuer sitzen und das Fleisch aus der benachbarten Lidl-Filiale verzehren, bevor es am Montagmorgen weitergeht: in der Redaktion einer Zeitung, die ihr Geld nicht mit Zeitungen verdient, an der Kasse eines Kaffeerösters, der sein Geld mit Mobilfunkverträgen macht, in der Filiale einer Bank, die nicht mit Geld umzugehen weiß.
Vermutlich wird es nicht so weit kommen, weil wir gemeinsam in der defekten S-Bahn eines börsennotierten Transportunternehmen festsitzen, das sein Geld mit der Spekulation auf amerikanische Immobilienanleihen zu machen versuchte.
Müde,
Stefan Schmitt
Ich kann diesem Beitrag zahlreiche Leser wünschen, die als Kunde des Buchhandels ihre Schlüsse daraus ziehen. Zudem finde ich es bedenkenswert, und diese Komponente konnten Sie nicht auch noch unterbringen, dass viele Universitätsbibliotheken u.a. bei Thalia Großkunden sind und somit den inhabergeführten ortsansässigen Buchhandel vernachlässigen und bei dessen Sterben mithelfen.
Was den engagierten Buchhandlungen ebenfalls zu schaffen macht ist das Online-Geschäft à la Amazon & Co.
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13.10.2009 - 21:00 Uhr
steamboat