13.10.2009 - 18:30 Uhr

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Gymnasiasten im Stress: 38 Stunden in der Woche plus Hausaufgaben

Text: claudia-dambacher - Fotos: ap, privat

Alle Gymnasiasten sollen künftig ihr Abitur in acht Jahren machen. Die Verkürzung der Schulzeit sorgt für Probleme - in Bayern sprechen die Lehrer bereits von "müden und erschöpften Schülern". Ein Interview mit Mathelehrer und Schulpsychologe Roland Kirschner

Die Einführung des G8 ist für alle deutschen Gymnasien beschlossene Sache, allerdings dauert die Umstellung in den Bundesländern unterschiedlich lange. In Bayern und Niedersachsen soll sie 2011 abgeschlossen sein. Das bedeutet, dass die derzeitigen 11. Klassen in diesen beiden Ländern der erste G8-Jahrgang sind, der in die Oberstufe eingetreten ist. Jetzt warnte der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV), viele Gymnasiasten seien bereits wenige Wochen nach Schulbeginn „erschöpft, müde und ausgebrannt.“ Ein Interview mit Roland Kirschner, Mathematiklehrer und Schulpsychologe am Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium in Moosburg und Leiter der Fachgruppe Gymnasium des BLLV.
jetzt.de: Herr Kirschner, der BLLV spricht von einer massiven Burnout-Gefährdung der derzeitigen Gymnasiasten, vor allem der 11. Klassen. Wie kommt es, dass gerade dieser Jahrgang so besonders belastet ist? Roland Kirschner: Es gibt eine Regelung, die besagt, dass an allen deutschen Gymnasien von der 5. Klasse bis zum Abitur 265 Wochenstunden unterrichtet werden müssen, damit die Länder ihre jeweiligen Abiturprüfungen gegenseitig anerkennen können. Durch die Einführung des G8 muss diese Stundenanzahl jetzt in acht Jahren untergebracht werden. In den letzten beiden Jahren kommen die Q11- bzw. Q12-Schüler im Schnitt auf mindestens 33 Stunden pro Halbjahr. Aber natürlich versuchen die Schüler, ihre Kurse so zu legen, dass sie im letzten Halbjahr – wenn die Abiturprüfungen anstehen – weniger Stunden haben. Manche Kurse werden auch nur in den ersten drei Halbjahren angeboten. Dadurch kommen manche in den beiden Q11-Halbjahren auf bis zu 38 Wochenstunden. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Q11 beziehungsweise Q12? Das Q steht für Qualifikationsphase, Q11 und Q12 ist also das, was früher die Kollegstufe war: die letzten beiden Jahre, während der die Leistungen bereits ins Abiturzeugnis mit eingehen. Das Kurssystem, das es in der Kollegstufe gegeben hat und das sich meiner Meinung nach durchaus bewährt hat, gibt es ja in dem Sinn nicht mehr. Anders ist jetzt, dass zum Beispiel ein Seminar zur Vorbereitung auf die Universität und ein Projektseminar zur Studien- und Berufsorientierung dazugekommen sind. Insbesondere die Stärkung der Berufs- und Studienorientierung halte ich für sehr sinnvoll. Was die übrigen Fächer anbelangt, sind die Wahlmöglichkeiten in der Qualifikationsphase eingeschränkter. Und bedauerlicherweise müssen jetzt alle in Deutsch, einer Fremdsprache und Mathematik Abitur machen. Bedauerlicherweise? Das sagen Sie als Mathematiklehrer? Ja. Warum sollte man jemanden zwingen, dessen Begabungen woanders liegen, in Mathematik Abitur zu machen? Er wird doch in diesem Fach nicht dadurch besser, dass er am Schluss eine Prüfung machen muss. Da geht man ja von einem veralteten Lernbegriff aus. Wie muss man sich eine 38-Stunden-Woche eines Schüler vorstellen? Die Schüler, die ich habe, haben schon mal bis kurz nach fünf Unterricht, sind dann noch eine gute halbe Stunde mit dem Bus unterwegs. Freitag findet wenig Nachmittagsunterricht statt, das heißt man kommt von Montag bis Donnerstag auf etwa acht Stunden Unterricht, der an drei, wenn nicht an vier Tagen auch auf den Nachmittag fällt. Am Vormittag gibt es wenig Entlastung durch Freistunden, wobei an den meisten Schulen für diese Zeit ohnehin angemessene Rückzugsmöglichkeiten fehlen. Abends muss man, wenn es gewissenhaft gemacht wird, auf jeden Fall eineinhalb Stunden für Hausaufgaben und Lernen rechnen. Die Frage ist, ob das machbar ist, wenn man erst gegen 18 Uhr nach Hause gekommen ist. Ich glaube eigentlich, dass das nicht geht. Außerschulisches Engagement – zum Beispiel im Sportverein – ist beinahe unmöglich.
Roland Kirschner Kann man für die Schüler etwas tun, die jetzt in der 11. Klasse sind? Für die jetzigen 11. Klassen lässt sich wahrscheinlich nichts mehr ändern. Mittel- und langfristig sehe ich die Möglichkeit einer Umwandlung der Gymnasien in echte Ganztagsschulen. Da wechseln sich dann anstrengende Phasen mit weniger anstrengenden, also Lern-, Freizeit und Übungsphasen ab. Natürlich sind die Schüler dann täglich bis 16.30 Uhr in der Schule, aber dann ist das nicht so wie jetzt, dass man in den Freistunden rumhängt oder noch schnell ein Referat für die nächste Stunde vorbereitet.


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DarkAngel9434
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Mag ich Mag ich nicht

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16.10.2009 - 06:13 Uhr
DarkAngel9434

Wann? Hm...Also bitte....Welch komische Frage, aber gut ...da gibt es genug Moeglichkeiten nach dem Essen. ;)
Manche Schueler wiederholen das waehrend sie entspannt vor dem Fernsehr liegen, andere nochmal kurz vor dem Schlafen gehen und wenn man das jeweilige Nachmittagsfach ohnehin nicht am naechsten Tag hat, dann eben am Wochenende. (Ob Zufall oder nicht, alle Nachmittagsstunden, die ich hatte, waren Faecher die nicht mehr als 2 Wochenstunden beanspruchten und erst naechste Woche wieder anstanden, also kann hier auch mal das Wochenende genutzt werden.)
Letztes Jahr hatte ich uberwiegend 8-stuendig und einmal woechentlich bis zur 10. Stunde. Momentan komme ich jeden Tag nicht vor 17 Uhr nach Hause und ich finde trotztdem genug Wege mir den Stoff nochmal anzusehen, also bitte O.o....
Es gibt immer einen Weg und sei es die Pause in der man sein Pausenbrot isst und dann mal eben die Notizen zur Hand nehmen kann.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

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16.10.2009 - 13:45 Uhr
MorbusBahlsen

Na da habt ihr aber einen guten Stundenplan erwischt. Manche Klassen haben das nicht. Und ich denk nur an mich. Gelernt hab ich allerhöhcstens am Tag davor für die Sachen (außer für die schriftlichen Arbeiten natürlich). Und war da keine Zeit... Pech gehabt.

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

1

16.10.2009 - 15:18 Uhr
__xxx__

Du wirst allen ernstes behaupten dass Du 24h am Tag, 7 Tage die Woche so beschäftigt warst und sonst keine Zeit hattest? Oder war es etwa Deine Entscheidung, anderen Beschäftigungen Vorrang zu geben?

MorbusBahlsen
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16.10.2009 - 17:00 Uhr
MorbusBahlsen

Hä? Was meinst du jetzt?

DarkAngel9434
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17.10.2009 - 06:23 Uhr
DarkAngel9434

Ich glaube er meint ganz einfach, dass es geradezu laecherlich ist keine Zeit zu finden sich das wenigstens nochmal durchzulesen...
Wenn man will findet man die Zeit sich das nochmal anzuschauen.
Und ob man da das Fach gleich am naechsten Tag wieder hat, macht es natuerlich schwieriger, aber nicht unmoeglich...
Und bezogen auf die Auswahl der Nachmittagsstunden war das wohl wirklich etwas "Glueck" (Chemie, Datenverarbeitung und Musik war wohl eher etwas geplant).
Zusaetzliche Wahlfaecher, Clubs und viele lange Hohlstunden waehrend denen ein anderer Teil der Klasse seinen Unterricht hat, haben einen Schultag nur unnoetig verlaengert und das nenne ich unorganisiert oder eben Pech...
Habe mir schon oft ausgerechnet, dass ich an mindestens 2 Nachmittagen um 13 Uhr anstatt um 17 Uhr aus der Schule rauslaufen koennte, haette man meine Hohlstunde um 8 Uhr morgends, waehrend der ein Minimum der Klasse ihr spezielles Wahlfach hat, auf den Nachmittag verlegt...
Aber der Herr Direktor mag es nunmal nicht so lange zu arbeiten...-.-

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

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17.10.2009 - 13:37 Uhr
__xxx__

DarkAngel9434 sagte:
Ich glaube er meint ganz einfach, dass es geradezu laecherlich ist keine Zeit zu finden sich das wenigstens nochmal durchzulesen...


Ja. Will man etwas gut machen, muss man sich eben Prioritäten setzen.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

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17.10.2009 - 15:39 Uhr
MorbusBahlsen

Es geht hier da drum, dass auch ein guter Schüler noch besser sein könnte, wenn er seine Hausaufgaben nicht erst abends nach dem Essen machen kann, weil er mehrere Tage bis 17 Uhr Schule hatte. Ein paar Freistunden zwischendurch sind weit nicht so effektiv nutzbar wie ein zusammenhängendes Stück nach Schulschluss, nicht zuletzt auch deswegen, weil es universaler für verschiedenste Aktivitäten (Abwechslung!) verwendet werden kann und z.B. in Zeiten mit erhöhtem Lernaufwand, bei Klassenarbeiten, flexible (!) Lernzeiten darstellt. Ansonsten wird das ganz mehr und mehr zum Fließband wo jeden Tag das gleiche abläuft und Eigeninitiative immer weniger gefragt wird. Das ist auch eins der Probleme, die ich bei einer Ganztagsschule sehe. "Abwegige" Hobbies abseits des Schulbetriebs sind da kaum möglich.

DarkAngel9434
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Mag ich Mag ich nicht

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17.10.2009 - 23:30 Uhr
DarkAngel9434

Ja, natuerlich. Was das angeht kann ich dir natuerlich nur zustimmen, aber dies war nicht die Frage...
Diese Bedingungen wuerden jeden zu einem besseren Schueler machen, wenn er denn die Zeit auch nutzen wuerde.
Aber diese Traumbedingungen gibt es nunmal nicht jeden Tag und wir zielten vorher auf den Umstand ab, dass es auch Moeglichkeiten gibt sich das trotzdem nochmal anzuschauen. Nicht jede Hausaufgabe ist am naechsten Tag faellig und wer will der kann...
Trotz taeglichen Schulschluss von 15 Uhr und einmal woechentlich um 17 Uhr habe ich auch noch die Zeit gefunden einmal woechentlich Klavierunterricht zu nehmen und am Wochenende Stunden fuer "Abwegige Hobbies" zu finden.

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