Der Mörder mit der Axt !!!
Seit nunmehr fünfzehn Jahren, hob die Fuçik an, bin ich, die Fuçik, Ihre Sekretärin. Da grunzte die Bitterbier. Und ich dachte, dass wenn dies alles vorbei sei, ich zurückkehren würde zu dem Jungen Mann, dem ich noch eine Axt schuldig war. Seit fünfzehn Jahren also, fuhr die Fuçik mit Seitenblick auf die Bitterbier fort, stehe ich nun in Ihren Diensten. Ich möchte nicht all das aufzählen, was ich in diesen vielen aber doch kurzweiligen Jahren für Sie geleistet habe, täte ich es aber, geschähe es nicht, um diese meine Leistungen zu erhöhen, sondern vielmehr, um geschützt durch den Filter ihrer Unwichtigkeit auf das Licht derjenigen Leistungen hinzuweisen, die Sie, lieber Herr Professor vollbracht haben für uns alle. Die Stationen Ihres Lebens reichen aber noch vor die Zeit meiner Beschäftigung zurück, geboren wurden Sie, wer wüsste es nicht, am heutigen Tag vor... Hatte ich ein paar mal zu oft „Nein“ gesagt, fragte ich mich. Sie waren ein guter Schüler, ich kann es vor mir sehen, sagte die Fuçik und drückte die Zettel ihrer Rede. Nach Ihrem Abitur in ländlicher Gegend nahmen Sie ein Studium auf und weil Ihr gewaltiger Verstand und ihr ungeheures Gedächtnis und Ihre sehr entwickelte intellektuelle Kapazität dadurch noch nicht ausgelastet waren, studierten Sie nebenbei, wer in diesem Raum wüsste es nicht, noch... Oder hatte ich vielmehr zu oft „Ja“ gesagt, fragte ich mich. Oder hatte ich einfach nur, aus Unwissenheit, nicht entscheiden können, was ich sagen sollte oder wollte? Womit hatte ich dieser unerträgliche Unversehrtheit verdient? Mein Gewissen war kurz angebunden, wenn es mit mir sprach. „... zählt zu Ihren Preisen, ebenso wie der Leibniz-Preis, der Wissenschaftspreis, der Humboldt-und-Humboldt Preis, der Goethe-Schiller Preis, der Hegel-Schlegel Preis der Stadt Tübingen, der Mayflower-Gedächtnis-Preis, der Preis der Vertriebenen, der Walther-Kempowski-Preis, die Goldene Glienicker-Brücke für Innerdeutsche Integration, die Michaelsen-Münze – zweimal einmal in Silber, einmal in Blau, den Otto-von-Taube Wanderschaftspreis, die goldenen Schlüssel der Städte Düsseldorf, Augsburg, Riehm, Potsdam, Tel Aviv, Bonn, Helsinki, Wien und Los Angeles, die Ehrendoktorwürde der Universitäten von Padua, Rom, Paris III und IV, Glasgow, Prag, Shanghai und Braunschweig. Gut erinnere ich mich, sagte die Fuçik, an das Manuskript Ihrer ersten Monographie, die ich, hier unter Freunden kann ich es ja sagen, als eine der allerersten gelesen und, wenn dieses Wort im Zusammenhang mit einem Menschen wie Ihnen überhaupt in Betracht kommt, korrigiert habe, und obwohl ich nicht hoffen kann, auch nur einen winzigen Bruchteil der Schönheit Ihres Denken erfasst zu haben, mag ich doch die Gelegenheit nicht entkommen lassen, Ihnen hier und heute zu sagen, dass ich schon damals einiges von dem Ruhm erahnt oder doch zumindest nicht grundlos erhofft hatte, der sich dann ja auch später für Sie mit meiner nicht nennenswerten Hilfe, auch einstellte. Es folgten bald diverse Lexikonartikel und Fachartikel und Wissenschaftspossen und Nachdenkliches und Texte zum Schmunzeln, stets bewiesen Sie Ihre Fähigkeit, präzisen Humor mit humorvoller Präzision (hier stockte die Fuçik kurz) – zu vereinen. Nach Ihrem Ruf an die Universität Göttingen, also nach Ihrer Rückkehr aus Fribourg, fünf Jahre nach Ihrer Habilitation also acht nach Ihrer Promotion, als Sie also genau um die Quersumme Ihres Geburtstages jünger waren, als Sie es heute, an Ihrem Geburtstag sind – die Fuçik atmete schwer, die Bitterbier grunzte – schenkten Sie mir zu meinem Geburtstag einen kleinen Baum, der ist nun groß und ich blicke ihn oft an...
- So hatte ich mir das vorgestellt 18.10.2009
- Apokalypse, jaja! 01.10.2009
- Im Rahmen meiner Psychoanalyse… 25.09.2009
- Im Rahmen meiner Forschungen… 21.09.2009
- Dies vorsätzlich fade Herz 27.06.2009
11.10.2009 - 20:25 Uhr
virginja
peterzier sagte:
melan schreibt teils ganz gute sachen!
ja, "teils" im sinne von "eher öfter" in "die bibel gehört zu den eher öfter gedruckten büchern".
Daß Sie den gelben Pizzakuli immer noch nicht gefunden hat, darüber ist sie freilich stillschweigend hinweggegangen (daher wohl die grummelnde Bitterbier).
Innigst,
Dein Münzwart








0
11.10.2009 - 17:27 Uhr
AllesOderNichts