11.10.2009 - 18:30 Uhr

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„Die Leute sollen lieber jobben“

Text: eva-schulz - Fotos: privat

Wieder mal kämpfen Praktikanten für bessere Bedingungen – von einer „Generation Praktikum“ kann aber keine Rede mehr sein

Kaffeekochen und Kopieren – dieses Praktikantenklischee ist veraltet. Heute machen Praktikanten richtige Arbeit und eigentlich ist das ja gut. Nur hat sich der Lohn für diese Arbeit nicht geändert. Noch immer bekommen viele Praktikanten eher „Aufwandsentschädigungen“ oder überhaupt kein Geld. Im Rahmen eines Schulpraktikums oder eines Praktikums während des Studiums sei das noch in Ordnung, findet Robin Thiesmeyer, schließlich komme da der Weiterbildungsaspekt zum Tragen. „Aber als Uniabsolvent ist man bereits voll ausgebildet. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase ist da das Lernen meist vorbei und es wird nur noch gearbeitet.“ Deshalb lud der 30jährige, der selbst gerade ein halbes Jahr Praktikant war, zusammen mit sieben Gleichgesinnten zum „Praktikantenstreik“. Am vergangenen Freitag war es soweit. Die Streikenden trafen sich auf dem Potsdamer Platz in Berlin, um für eine faire Entlohnung und gegen Ausbeutung zu kämpfen. Karl-Heinz Minks ist Hochschulforscher bei HIS, der Hochschul-Informations-System GmbH. Er sieht in solchen Streiks keinen rechten Sinn mehr. „Es ist natürlich richtig, sich gegen den Missbrauch von Praktikanten als billige Arbeitskräfte zu wehren“, sagt er. Tatsächlich komme das aber nur noch selten vor. Er ist der Autor einer Studie, die zeigt, dass es die „Generation Praktikum“ in Deutschland nie wirklich gegeben hat. Der Begriff, der für Kettenpraktika und Unterbezahlung steht, ist laut Minks „völlig überzogen“.
„Es gibt zwar bestimmte Bereiche, in denen Praktika sich häufen“, sagt Karl-Heinz Minks. „Aber es kommt äußerst selten vor, dass jemand nach dem Studium mehr als eines absolviert. Spätestens nach einem Jahr haben fast alle einen festen Job.“ Vor allem Studenten aus den Kultur- und Medienwissenschaften sowie aus den Wirtschaftswissenschaften kennen sich mit Praktika aus, sagt Minks. „Das ist aber nur auf den ersten Blick überraschend. Wirtschaftswissenschaftler sind Pragmatiker. Wenn die vorne nicht reinkommen, gehen sie eben durch die Hintertür und hoffen, im Anschluss an ein Praktikum eine Stelle zu bekommen.“ Jetzt, da in den Stellenbörsen weniger Jobs als vor zwei Jahren stehen, umgehen viele Absolventen die drohende Joblosigkeit mit einem Praktikum. Ein Wagnis, sagt Robin Thiesmeyer: „Mit nur 400 Euro im Monat kommt man nicht aus. Wir bezahlen dafür, arbeiten zu dürfen – das ist doch eine verkehrte Welt!“ Mindestens 800 Euro müssten drin sein, wenn man nicht unter dem Existenzminimum leben wolle. Karl-Heinz Minks macht einen anderen Vorschlag. „Die Leute sollen lieber jobben, als ihre Arbeitskraft für lau anzubieten“, empfiehlt der HIS-Forscher. „In der Masse produzieren all die bereitwilligen Praktikanten doch genau den Billiglohnsektor, über den sie sich beschweren und der unserem Wirtschaftsstandort nicht gut tut.“ Es spricht sich herum, welche Unternehmen besonders gern billige Praktikanten nehmen. Minks glaubt, dass Schulabgänger daraus Schlüsse ziehen: Wenn in der Wunschbranche zu wenig bezahlt wird, wird die Zukunft eben anders geplant. Jahre später mangelt es den Betrieben dann an qualifizierten Leuten. Robin und seine Kollegen wollen jetzt etwas tun. Sie wollen, dass sich die Politik einmischt, dass Gehalt und Arbeitszeiten geregelt werden. „Außerdem sollte man die Dauer von Praktika auf höchstens sechs Monate beschränken und sicherstellen, dass damit keine regulären Arbeitsplätze ersetzt werden“, so Robin. Zum Streik am Freitag kamen über 100 Leute. Das ist zwar keine ganze Generation, aber mindestens eine Randgruppe – eine, die ein Problem hat. Manche Demonstranten tragen weiße Masken, wie man sie von früheren Protesten aus Frankreich und Deutschland kennt. „Sie sollen ein Symbol für unsere Austauschbarkeit und Anonymität sein“, erklärt Robin. Dann spielen sie „Reise nach Jerusalem“: Sie benutzen große Bürostühle und nennen es „Reise in die Festanstellung“. Am Ende bekommt nur einer den Job, es ist ein Ellenbogenspiel. Die anderen Stühle, die, die zur Seite geräumt wurden, sind wieder frei – für die nächsten Praktikanten.


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isawmusic
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Mag ich Mag ich nicht

3

11.10.2009 - 19:22 Uhr
isawmusic

Ich selber habe gerade ein Praktikum absolviert - drei Monate - welches unbezahlt war. Musste in eine andere Stadt ziehen und natürlich alles bezahlen. Meistens sogar die Fahrtkosten, wenn ich aufgrund des Praktikums in eine andere Stadt musste. Der Redaktion fehlte jegliches Geld und sie bestand größtenteils aus Praktikanten. Das Gute daran war allerdings, dass man quasi ein festes Glied der Redaktion war und sich u.a. seine Themen aussuchen und eigene Ideen einbringen konnte - man wurde ernst genommen. Natürlich kommt dann bei einem selber (mir) die Frage auf - nach sieben Stunden Arbeit: Mache ich das jetzt für mich oder für die armen Leute, die sich keine >richtigen< Arbeitskräfte leisten können? - Tja...

Und:
"Die Leute sollen lieber jobben, als ihre Arbeitskraft für lau anzubieten."
Lieber Herr Mink, gucken Sie sich doch mal das Bachelor-System an, bei dem jedes Praktikum zählt. Da ist das Jobben im Café gegenüber keine Alternative (das machen doch eh schon alle während des Studiums).

shaddu
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Mag ich Mag ich nicht

-2

11.10.2009 - 19:48 Uhr
shaddu

minks. du bist ein arschloch.

donrazzi
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1

11.10.2009 - 21:27 Uhr
donrazzi

Ähm, ich glaube, er meint das Jobben nach dem Studium, die Zwischenzeit, die auch viele mit einem unbezahlten Praktikum zu überbrücken müssen meinen.

JoergAuch
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0

11.10.2009 - 22:26 Uhr
JoergAuch

Günstig wäre es ja, wenn man sich vor dem Studium erkundigt, ob man hinterher auch Berufschancen hat. Dann hat man nämlich noch Zeit, umzudisponieren. Vielleicht ist der Wuschstudiengang auf einmal gar nicht mehr so attraktiv, wenn er nur zum Dauerpraktikum führt.

octopussy
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0

11.10.2009 - 23:30 Uhr
octopussy

JoergAuch sagte:
Günstig wäre es ja, wenn man sich vor dem Studium erkundigt, ob man hinterher auch Berufschancen hat. Dann hat man nämlich noch Zeit, umzudisponieren. Vielleicht ist der Wuschstudiengang auf einmal gar nicht mehr so attraktiv, wenn er nur zum Dauerpraktikum führt.


ähm... dazu sollte man aber wissen, wie die Wirtschaftslage in 4-8 Jahren in dem speziellen Bereich aussieht, den man machen will.
Und das ist ziemlich unabsehbar.

Nehmen wir die Endneunziger, Anfang 2000er: da haben einige ihr Dilpim o.ä. in Design gemacht, alles ging Richtung Medien u Internet und viele Arbeitslose wurden zu Mediengestaltern umgeschult. Tja und was war dann 2003 als alle fertig ausgebildet waren? Die erste Medienkrise kam, die Agenturen kürzten und schon gings los mit "nur noch Praktikanten".

JoergAuch
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0

12.10.2009 - 00:04 Uhr
JoergAuch

@octopussy: Na ja, Design ist ja wohl ganz allgemein eines der Felder, die ziemlich anfällig für Arbeitsplatzmangel sind ...

Aporia
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3

12.10.2009 - 00:09 Uhr
Aporia

@octopussy: So isses.

Es wird sich nur was ändern, wenn endlich Alle sich weigern, zu solchen Bedingungen Praktika zu leisten. 6 Monate Praktikum (am Stück) sind da schon viel zu viel. Wenn Unternehmen argumentieren, dass sich sonst die Einarbeitung nicht lohne, tja, dann geben sie selbst zu, dass sie eigentlich echte Arbeit von einem wollen. Wenn man dann nicht oder mies bezahlt wird, sollte man spätestens nach einem Monat gehen.

MorbusBahlsen
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0

12.10.2009 - 00:46 Uhr
MorbusBahlsen

Und was machen "Jobber" nach dem Studium dann? Nichts anderes als bezahlte Praktikanten... das Lohnniveau für weniger anspruchsvolle Jobs durch Arbeitskräfteüberschuss kaputt, dann triffts halt nicht die armen Studenten, sondern andere. Auch nicht wirklich besser, aufs Gesamte gesehen, oder? Solange miesbezahlte Jobs angenommen werden, wird es sie auch geben.

donrazzi
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.10.2009 - 02:41 Uhr
donrazzi

Naja, es gibt Branchen, die können jemanden, der nicht zwei Sätze geradeaus sprechen kann, einfach nicht einstellen, aber für die Arbeit auch nicht wirklich viel bezahlen.

Der Gedanke ist eigentlich ganz einfach: Bevor man ein un(ter)bezahltes Praktikum macht, welches nur marginale Chancen auf einen festen Arbeitsplatz bietet, sollte man besser einen kleinen Job annehmen, solange der Lebensunterhalt noch an das niedrige studentische Niveau gewöhnt ist. Es ist nur meist sehr schwierig, einen Job zu finden, wenn dem Arbeitgeber klar ist, daß man nur maximal ein halbes Jahr bleibt. Außerdem hängt bei vielen Arbeitgebern einiges vom Studentenstatus auf dem Papier ab. Wer ohnehin schon immer nebenher gearbeitet hat, hat da deutlich bessere Karten...

afrirali
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.10.2009 - 05:07 Uhr
afrirali

octopussy sagte:
JoergAuch sagte:
Günstig wäre es ja, wenn man sich vor dem Studium erkundigt, ob man hinterher auch Berufschancen hat. Dann hat man nämlich noch Zeit, umzudisponieren. Vielleicht ist der Wuschstudiengang auf einmal gar nicht mehr so attraktiv, wenn er nur zum Dauerpraktikum führt.


ähm... dazu sollte man aber wissen, wie die Wirtschaftslage in 4-8 Jahren in dem speziellen Bereich aussieht, den man machen will.
Und das ist ziemlich unabsehbar.

Nehmen wir die Endneunziger, Anfang 2000er: da haben einige ihr Dilpim o.ä. in Design gemacht, alles ging Richtung Medien u Internet und viele Arbeitslose wurden zu Mediengestaltern umgeschult. Tja und was war dann 2003 als alle fertig ausgebildet waren? Die erste Medienkrise kam, die Agenturen kürzten und schon gings los mit "nur noch Praktikanten".


jede wette, dass auch in 4-8 jahren (wie auch vor 5 jahren schon...) ein mangel an ingenieuren etc. besteht?

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

-1

12.10.2009 - 08:02 Uhr
JoergAuch

afrirali sagte:
jede wette, dass auch in 4-8 jahren (wie auch vor 5 jahren schon...) ein mangel an ingenieuren etc. besteht?

Eben. Design ist Luxus. Das macht man, wenn man es sich leisten kann. Ingenieure et al. werden dagegen immer gebraucht.

Gargoyle
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Mag ich Mag ich nicht

3

12.10.2009 - 08:25 Uhr
Gargoyle

Blöd ist nur, dass Menschen begabungsmäßig nicht alle gleich vielseitig gestrickt sind und nicht jeder gute "Kreative" auch als Ingenieur eine gute Figur machen würde (und umgekehrt) ... :-/

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.10.2009 - 08:32 Uhr
JoergAuch

@gargoyle: Sicher richtig, aber man kann auch nicht erwarten, dass es in jedem Beruf genug Jobs gibt. Ein Beruf muss Spaß machen, klar, aber er muss auch die Möglich bieten, davon zu leben.

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Mag ich Mag ich nicht

0

12.10.2009 - 08:34 Uhr
JoergAuch

(Formatierungsfehler. Nur "jedem" sollte kursiv sein ...)

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Mag ich Mag ich nicht

0

12.10.2009 - 08:38 Uhr
JoergAuch

nochmal @gargoyle: Im Zweifelsfall sollte man vielleicht als Kreativer auch was Technisches machen. Kreative Ingenieure sind definitiv was Positives.

Wenn 1000 Leute jodeln, ist das Jodeldiplom bißchen wenig, aber wenn du auch noch schuhplattnern kannst, stichst du raus.

riesenherz
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1

12.10.2009 - 08:44 Uhr
riesenherz

Ich verstehe sowieso nicht, warum Praktika so einen positiven Ruf haben. Es gibt auf den praktikarelevanten Berufsfeldern (Geistes-, sozial- und Wirtschaftswiss.) nur wenige Jobs, die man nicht in zwei Wochen Einarbeitung gut ausfüllen könnte. Mir will gerade überhaupt keiner einfallen.

Nennt es arrogant, aber ich habe mich schon deshalb nie in der Lage gesehen, ein Praktikum zu absolvieren.
Doch, da fällt mir ein, die 3 Wochen sogenanntes Praktikum in Jura, die mußte ich ja wegen des Scheins machen.

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

1

12.10.2009 - 08:51 Uhr
JoergAuch

Haben Praktika einen postivien Ruf bei jemand anderem als der Firma, die davon lebt, dass die Leute umsonst für sie arbeiten? Spätestens, wenn man das zweite Praktikum macht, wird es doch höchste Zeit grundsätzlich umzudisponieren.

Gargoyle
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Mag ich Mag ich nicht

1

12.10.2009 - 09:05 Uhr
Gargoyle

JoergAuch sagte:
nochmal @gargoyle: Im Zweifelsfall sollte man vielleicht als Kreativer auch was Technisches machen. Kreative Ingenieure sind definitiv was Positives.

Wenn 1000 Leute jodeln, ist das Jodeldiplom bißchen wenig, aber wenn du auch noch schuhplattnern kannst, stichst du raus.


Also ich bin glücklich über mein Jodeldiplom. ;-)

Natürlich muss man sich den Gegebenheiten des Marktes im Rahmen seiner Möglichkeiten anpassen und es macht wenig Sinn, wenn die halbe Welt Kunstgeschichte studiert. Trotzdem denke ich, nicht jeder kann jeden Job machen, egal wie sehr er sich das wünschenswert wäre. Wenn jemand überhaupt kein Gespür für Mathematik/Physik hat, wird er es da auch nicht weit bringen und in der Konkurrenz der Begabteren untergehen. Man muss sich halt auf seine Stärken besinnen und schauen, wie man damit eine Nische ausfüllen kann ...

riesenherz
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2

12.10.2009 - 09:17 Uhr
riesenherz

Technik und Ingenieurleistungen werden generell überschätzt in diesen Zeiten.
Letztlich bewegen Ideen die Welt. Da sollte wenigstens ein idealistisches Studium schon drin sein.

octopussy
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2

12.10.2009 - 10:03 Uhr
octopussy

JoergAuch sagte:
afrirali sagte:
jede wette, dass auch in 4-8 jahren (wie auch vor 5 jahren schon...) ein mangel an ingenieuren etc. besteht?

Eben. Design ist Luxus. Das macht man, wenn man es sich leisten kann. Ingenieure et al. werden dagegen immer gebraucht.


klar. Design ist Luxus. Das ganze Leben ist Luxus. Gestaltung und ansprechende Informationsbroschüren braucht die Welt genausowenig wie Logos oder Stadtpläne, U-Bahn Pläne, Hinweisschilder.
Ja, Ingenieure werden gebraucht. Sicher. Sag ich auch nix gegen. Bloß: wie soll man auf Ingenieur studieren, wenn nun mal die Eignung bei Design liegt? (Und diese Eignung muss man da ja mit Mappe einreichen und Aufnahmeprüfung beweisen).
Ich hätte auch Interesse an Ingenieurberufen wie Elektrotechnik gehabt. Aber es liegt mir nicht im Blut.
Dann schon besser eine Ausbildung. Es muss ja auch nicht jeder mit Abi studieren.

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2

12.10.2009 - 10:10 Uhr
octopussy

Das generelle Problem ist doch, dass es sich wirklich eingespielt hat, das "Prinzip Praktikum"
Wenn ich nein sage, gibt es wirklich 3 hintenach, die ja sagen.
Oft wird ja auch geködert mit: "Wir übernehmen Sie auf jeden Fall" und blaaa. Bei einigen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, klappt das dann auch. Andere bauen sich ein Praktikumsleben aus und wundern sich, dass sie nicht ernst genommen werden in der Arbeitswelt.
Und andersrum müssen die, die sich gegen die Praktikumswelt stellen, wenn sie schon Berufserfahrung haben, auch mal auf andere Arbeit ausweichen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und damit mein ich jetzt nicht nur die Kellnerjobs sondern die, die in andere Berufe einsteigen.

JoergAuch
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0

12.10.2009 - 10:50 Uhr
JoergAuch

octopussy sagte:
Das generelle Problem ist doch, dass es sich wirklich eingespielt hat, das "Prinzip Praktikum"

Richtig, aber eben nur in bestimmten Berufen. Und man sollte sich eben fragen, ob man nicht doch (meinetwegen zusätzlich) was anderes machen kann, um nicht in die Praktikumsfalle zu treten. Und das nicht jeder Ingenieur werden kann (und will) ist mir auch klar. Soll ja auch gar nicht. Das war ja nur eins von vielen Beispielen.

keinekueche
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1

12.10.2009 - 11:33 Uhr
keinekueche

"symbol für austauschbarkeit und anonymität" - oder die feigheit, erkannt zu werden und den praktikumsjob zu verlieren?

octopussy
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2

12.10.2009 - 14:10 Uhr
octopussy

Jedenfalls kam gerade im Radio, dass die Rate der Arbeitslosen mit Abi im Alter zw. 24-34 angestiegen ist.

casmodia
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2

12.10.2009 - 14:30 Uhr
casmodia

@ JoergAuch

Das mit den Ingenieuren ist auch so eine Sache - mein Bruder hat Elektrotechnik studiert, das sogar an einer sog. "Elite Uni", hat Auslandserfahrung, nen Forschungspreis gewonnen und hatte dann mit Dipl. Ing. trotzdem Probleme, einen Job zu finden, weil er sich aus Interesse auf Medizintechnik spezialisiert hat und gerade in dem Bereich gerade 2009 wenig Leute gesucht wurden. Er ist dann 500 km weg von allen seinen Leuten in ein kleines Kaff bei Stuttgart gezogen.

Ein anderer Bekannter von mir ist Wirtschaftsprüfer. Hat sich damals von seinen Eltern belabern lassen von wegen bessere Jobchancen und hat sich bewusst gegen Geisteswissenschaften entschieden. Nach zwei Jahren in seinem Job ist er inzwischen komplett im Arsch. Hasst jede Sekunde am Arbeitsplatz, wurde schon mit Burnout krankgeschrieben und will nächstes Semester wieder anfangen, zu studieren, auf Lehramt.

Zwei Geschichten zu "studier halt das was der Markt braucht". Selbst wenns einem Spaß macht, gehts selten ohne Probleme und wenn die jobsichere Variante einen komplett unglücklich macht, hat auch keiner was davon.

afrirali
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4

12.10.2009 - 14:35 Uhr
afrirali

Gargoyle sagte:
Blöd ist nur, dass Menschen begabungsmäßig nicht alle gleich vielseitig gestrickt sind und nicht jeder gute "Kreative" auch als Ingenieur eine gute Figur machen würde (und umgekehrt) ... :-/


und nicht jeder, der meint, gut als "kreativer" zu sein, ist es auch. auch ein problem, dass heute halt alle meinen, kreativ sein zu wollen.

MorbusBahlsen
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0

12.10.2009 - 14:35 Uhr
MorbusBahlsen

riesenherz sagte:
Technik und Ingenieurleistungen werden generell überschätzt in diesen Zeiten.
Letztlich bewegen Ideen die Welt. Da sollte wenigstens ein idealistisches Studium schon drin sein.

Und Ingenieure sind oder handeln folglich also ideenlos?

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12.10.2009 - 14:38 Uhr
MorbusBahlsen

JoergAuch sagte:
Spätestens, wenn man das zweite Praktikum macht, wird es doch höchste Zeit grundsätzlich umzudisponieren.

Hehe... wenn allerdings schon vom Studium und der Prüfungsordnung zwei ein-Semester-lange Praktika gefordert werden, sollte ich wohl den Studiengang wechseln ;) Naja gut, die kann man wenigstens auch an der Uni in aller Wissenschaftlichkeit erledigen ;)

JoergAuch
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0

12.10.2009 - 14:43 Uhr
JoergAuch

casmodia sagte:
Das mit den Ingenieuren ist auch so eine Sache - mein Bruder hat Elektrotechnik studiert, das sogar an einer sog. "Elite Uni", hat Auslandserfahrung, nen Forschungspreis gewonnen und hatte dann mit Dipl. Ing. trotzdem Probleme, einen Job zu finden, weil er sich aus Interesse auf Medizintechnik spezialisiert hat und gerade in dem Bereich gerade 2009 wenig Leute gesucht wurden. Er ist dann 500 km weg von allen seinen Leuten in ein kleines Kaff bei Stuttgart gezogen.

Bißchen flexibel muss man natürlich sein, gerade wenn es um spezialisierte, anspruchsvolle Jobs geht. Die wachsen nicht auf Bäumen.
Ein anderer Bekannter von mir ist Wirtschaftsprüfer. Hat sich damals von seinen Eltern belabern lassen von wegen bessere Jobchancen und hat sich bewusst gegen Geisteswissenschaften entschieden. Nach zwei Jahren in seinem Job ist er inzwischen komplett im Arsch. Hasst jede Sekunde am Arbeitsplatz, wurde schon mit Burnout krankgeschrieben und will nächstes Semester wieder anfangen, zu studieren, auf Lehramt.

Sich was aufschwatzen lassen, was man eigentlich gar nicht will, ist natürlich erst recht falsch. Man muss schon dahinter stehen. Ich plädiere ja dafür, auch den Markt zu berücksichtigen, aber natürlich trotzdem nach Neigung zu studieren oder einen Beruf zu erlernen.

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0

12.10.2009 - 14:44 Uhr
JoergAuch

MorbusBahlsen sagte:
Hehe... wenn allerdings schon vom Studium und der Prüfungsordnung zwei ein-Semester-lange Praktika gefordert werden, sollte ich wohl den Studiengang wechseln ;) Naja gut, die kann man wenigstens auch an der Uni in aller Wissenschaftlichkeit erledigen ;)

Nee QUatsch, das meinte ich natürlich nicht. Ich hatte auch mehrere Jahre Praktikum im Studium. Es geht ja um diese "freiwilligen Ausbeuterpraktika" nach Ende des Studiums.

casmodia
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0

12.10.2009 - 14:46 Uhr
casmodia

@JoergAuch

Du findest irgendwie bei allem ein Schlupfloch, damit es dann doch noch irgendwie in deine Theorie passt, oder?

JoergAuch
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1

12.10.2009 - 15:07 Uhr
JoergAuch

casmodia sagte:
@JoergAuch

Du findest irgendwie bei allem ein Schlupfloch, damit es dann doch noch irgendwie in deine Theorie passt, oder?

ja.

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12.10.2009 - 15:10 Uhr
JoergAuch

@cosmodia: Nee, im Ernst: Ich denke nicht, dass ich hier Schlupflöcher suchen muss, aber wenn ich mich misverstanden fühle, führe ich etwas genauer aus, was ich meine. Es gibt ja in diesem Zusammenhang nicht nur die Extreme "nach Neigung" und "nach Markt". Man muss das eben zusammenführen. Die Wahl des Berufs/Studienfachs ist nicht so eine triviale Geschichte.

riesenherz
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1

12.10.2009 - 15:14 Uhr
riesenherz

MorbusBahlsen sagte:
riesenherz sagte:
Technik und Ingenieurleistungen werden generell überschätzt in diesen Zeiten.
Letztlich bewegen Ideen die Welt. Da sollte wenigstens ein idealistisches Studium schon drin sein.

Und Ingenieure sind oder handeln folglich also ideenlos?


naturellement non, aber mitunter humorlos;)

octopussy
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1

12.10.2009 - 16:16 Uhr
octopussy

casmodia sagte:
@ JoergAuchDas mit den Ingenieuren ist auch so eine Sache - mein Bruder hat Elektrotechnik studiert, das sogar an einer sog. "Elite Uni", ...auf Medizintechnik spezialisiert hat und gerade in dem Bereich gerade 2009 wenig Leute gesucht wurden. Er ist dann 500 km weg von allen seinen Leuten in ein kleines Kaff bei Stuttgart gezogen.

Ein anderer Bekannter von mir ist Wirtschaftsprüfer. Hat sich damals von seinen Eltern belabern lassen von wegen bessere Jobchancen und hat sich bewusst gegen Geisteswissenschaften entschieden. Nach zwei Jahren in seinem Job ist er inzwischen komplett im Arsch. Hasst jede Sekunde am Arbeitsplatz, wurde schon mit Burnout krankgeschrieben ....


zum E-Techniker... hm. Naja. Hocken bleiben darfs halt heute nicht mehr geben. Da muss man schon mal von seinen Leuten weg, um einen Job zu bekommen. Heißt ja nicht, dass es für immer ist. Ich denke von der Richtung her und in seinem Fachgebiet ist er auf jeden Fall gefragt.

zum WP. Naja, wenn er in ner großen Klitsche is und da verheizt wird - kein Wunder mit dem Burnout. Dennoch kann man auch in kleineren Partnerschaftsgesellschaften ein Plätzchen finden und da gehts einem besser und man arbeitet nicht 50 oder mehr Std die Woche...
Ob er dann mitm Lehramt glücklich wird, wenn dann die Kinder ihn nerven oder ob er dann auch wieder nen Burnout bekommt, wird er ja sehen.

MorbusBahlsen
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12.10.2009 - 16:29 Uhr
MorbusBahlsen

JoergAuch sagte:
Nee QUatsch, das meinte ich natürlich nicht. Ich hatte auch mehrere Jahre Praktikum im Studium. Es geht ja um diese "freiwilligen Ausbeuterpraktika" nach Ende des Studiums.

Schon klar. Hätte explizit erwähnen sollen, dass man auch alternativ solche Ausbeuterpraktika dafür anerkannt bekommen kann.

seleukos
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13.10.2009 - 13:58 Uhr
seleukos

"fair company" ?

z. B.: --> http://www.karriere.de/fair-company

Kommentatorin
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0

13.10.2009 - 14:37 Uhr
Kommentatorin

Diese riesige Diskussion hier zeigt doch, dass der Artikel oben in die falsche Richtung geht.

"Zum Streik am Freitag kamen über 100 Leute. Das ist zwar keine ganze Generation, aber mindestens eine Randgruppe – eine, die ein Problem hat."

Es betrifft eben nicht nur eine Randgruppe! Die meisten haben jedoch Angst den Mund aufzumachen, um sich ihre Karrierechancen komplett zu verbauen!


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Eva Schulz