Und wenn ich gar nicht weg will?
Ein Auslandssemester gehört angeblich zum guten Ton im studentischen Lebenslauf. Aber unsere Autorin nervt es, dass der Aufenthalt in einem anderen Land für viele so etwas wie ein Prestigeobjekt ist.
Wo er schon überall gewesen sei, erzählt er, und wie lange und dass er sie immer wieder brauche, diese Reisen, sonst werde er verrückt. Ich höre mir das an, nicke ein bisschen und mache ein bisschen „Mmmh“, stelle aber keine Nachfragen. Als mein Gesprächspartner aufsteht, um Biere zu holen, regt sich sein Freund, der bisher geschwiegen hat. Er sagt, dass er gerne ausländisches Bier trinke, er möchte mal jedes Bier der Welt probiert haben, sagt er – um anschließend darauf zu sprechen zu kommen, dass er Asien ja so sehr liebe und vor allem Vietnam und Thailand und Kambodscha. Ich sitze nur da und spüre ein Brodeln in mir, einen aufwallenden Ärger, weil hier jemand unübersehbar eine Überleitung konstruiert hat, um zu erzählen, wie oft er schon im Ausland war. Als hätte es ihn in seinem Stolz verletzt, dass sein Kumpel davon erzählt hat, ohne dabei auf ihn zu verweisen. Als könne ich ihn deswegen weniger interessant finden. Er prahlt damit wie andere Männer mit ihrem Auto oder ihrer Frau. Denn er ist Student, und für Studenten ist der Auslandsaufenthalt ein Mercedes oder eine Freundin mit Spitzenmaßen, ein Statussymbol, das sie herzeigen, indem sie möglichst viel davon sprechen.
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- Was vom Macchiato-Meeting übrig bleibt 13.05.2012
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- Hooligans - Es geht nicht darum, andere ernsthaft zu verletzen 06.05.2012
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11.10.2009 - 19:22 Uhr
nordzucker
Marcologne sagte:
Vor allem lohnt sich das für einige Studiengänge doch gar nicht. Aber selbst bei uns Lehrämtlern kommt das immer häufiger. Dabei wird je nach Land nix anerkannt (2 Semester länger studieren, yay!) und es gibt im Lebenslauf eines Lehrers nichts unwichtigeres als ein Auslandsaufenthalt.
Hä? Fast jeder Lehrämtler macht doch irgendeine Sprache. Was kann es da Sinnvolleres geben als einen Auslandsaufenthalt?
am meisten kotzen mich die leute an, die ihr ganzes erasmusjahr lang nur auf partys rumhängen, außer saufen keinerlei beschäftigung nachgehen, sich nur mit menschen ihrer eigenen nationalität umgeben, das land in dem sie sind null kennenlernen, und dann auch noch meinen, sie hätten soooo tolle erfahrungen gemacht.
kachel sagte:
Marcologne sagte:
Vor allem lohnt sich das für einige Studiengänge doch gar nicht. Aber selbst bei uns Lehrämtlern kommt das immer häufiger. Dabei wird je nach Land nix anerkannt (2 Semester länger studieren, yay!) und es gibt im Lebenslauf eines Lehrers nichts unwichtigeres als ein Auslandsaufenthalt.
Ja, ich mach Deutsch. Wahnsinn, wa? ;) Und die Frage ist halt, was mir ein Auslandsaufenthalt als Nicht-Fremdsprachenlehrer bringt.
Ganz schlimm ist's ja bei uns Sonderpädagogen. Da ist ein Auslandssemester quasi verschenkt. Außer, man musste kein Zivi machen/ist weiblich und kommt direkt vom Abi. Dann hat man ja noch genug Zeit...
Hä? Fast jeder Lehrämtler macht doch irgendeine Sprache. Was kann es da Sinnvolleres geben als einen Auslandsaufenthalt?
aus meiner erfahrung heraus kann ich nur sagen: traumland aussuchen und LOS!
diedrossel sagte:
grauenhafter artikel. voller engstirniger vorurteile, plattitüden.
Ja, man koennte fast meinen, die Autorin ist aus Ihrem Heimatdorf nie herhausgekommen.
und generell. ich komme sicher nicht aus einer über-wohlhabenden familie. aber hej, reisen (urlaub) konnte ich auch immer ohne viel geld als student. halt nicht südasien, sondern quer durch europa trampen, billigflieger, zelt im rucksack und nem guten kumpel oder ner freundin. mal 3 wochen griechenland hier, ne woche irland da (mit billigflug und allen kosten (essen, 3 hostelnächte) hatten wir am ende pro person 150€ bezahlt, da die freundin total pleite war).
was ich sagen will: klar kostet das alles. aber mir macht es ungeheuer spaß neues kennenzulernen, und dafür schränke ich meine bequemlichkeit dabei ein bißchen ein. und eben weil ich davon begeistert bin, erzähl ich auch gern wie ein polizeihubschrauber im baskenland neben unsrem zelt landete, wie wir durch athos, den griechischen mönchsstaat wanderten, wie lecker melonen in rumänien sind oder wie in den irischen sümpfen ein schafhirte uns die ganze nacht mit tee abgefüllt hat. und ich bin froh, daß ich das machen konnte alles, auch ohne viel geld. jetzt arbeite ich und hab welches, also mal sehn, vielleicht werden die reisen auch weiter weg gehen. auch wenn ich das gefühl hab so vieles nahes gutes noch nicht gesehen zu haben...
soll halt jeder machen wie er will. wer keine lust auf reisen hat, dem mach ich keine vorwürfe. ich würde nur was verpassen, aber jeder ist halt anders... und ner leidenschaft nachgehen hat nichts mit stautssymbol zu tun (auch wenn es sicher auch solche leute gibt...)
a) DAAD-Kurzzeitstipendium (ziemlich gut, man muss ich aber bewerben)
b) man weiss was man da will
c) Man kennt die Gruppe zu der man geht.
Die ewigen Berichte von Leuten, die ueber ein Jahr Erasmus-Party erzaehlt haben fand ich immer witzlos. Wenn ich in Spanien feiern moechte, mache ich da zwei Monate Urlaub oder Sprachkurs und gut is. Ein oder zwei Semester rausblasen ist total irreal.
Ach so ja: jetzt lebe ich nachdem mein Leben vom Kindergaren bis zur Promotion auf 3kmx3km stattgefunden hat, schon 3J in Japan und ich hatte keine groesseren Schwierigkeiten mich zurechtzufinden. Dauerhaften Schaden hat das nicht durchgefeierte Jahr im Ausland also nicht hinterlassen.
Wer irgendwas mit Sprachen/Länder/Ausland studiert oder später ins Ausland gehen möchte, soll bitte wenn es irgendwie geht die Chance nutzen, da auch im Studium schon was mitzunehmen. Alle anderen dürfen gerne daheim bleiben und ihr Studium durchziehen (wer mag, darf auch trödeln). Und bitte, egal welches Modell man wählt, da keine Ideologie draus machen, beide sind ok.
Erfahrungsgemäß wird im Berufsleben gern Fremdsprachen und interkulturelle Fähigkeiten und alles mögliche erwartet, brauchen tut man die aber dann doch nur selten, wenn man nicht klaren Auslandsbezug hat.
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11.10.2009 - 19:21 Uhr
nordzucker