Liebespaare: Susi, Alex und die Sache mit dem Kind
Text: wlada-kolosowa - Illustration: Katharina König
Was wir von der Liebe wissen, wissen wir aus eigenen Erfahrungen und aus den Geschichten anderer. In Folge 15 erzählen Alex und Susi von einer Liebe, die sehr schnell sehr ernst wurde.
Alex, 21, Groß- und Außenhandelskaufmann aus Ulm. Zusammen mit Susi seit fünf Jahren, verheiratet seit drei Jahren. Ihre Tochter Janny ist drei Jahre alt.
Irgendwie denken alle, dass es Susis Idee war, mit dem Kind, oder mit dem Küssen, oder mit unserer Beziehung überhaupt. Dabei habe ganz oft ich den ersten Schritt gemacht. Susi ist mir auf der Hochzeit meines Onkels aufgefallen. Ich mochte ihr Lachen und ihre blonden Haare und habe dann die Gelegenheit ergriffen, als wir uns vorgestellt wurden. Eingeschüchtert war ich nicht, obwohl ich erst 16 war und sie fünf Jahre älter. Ich bin so ein Typ, ich gehe auf Frauen zu. Und meistens klappt das dann auch.
Später auf der Feier haben wir uns geküsst. Danach haben wir uns SMS geschrieben und uns ganz oft getroffen. Ich fing an, bei Susi über Nacht zu bleiben. Ein paar Wochen später bin ich ganz eingezogen, samt Playstation und meinem Motorrad. Ich habe ja sowieso so gut wie bei ihr gewohnt. Meine Mutter hatte nichts dagegen, sie schaute sich sowieso nach einer billigeren Wohnung um und da kam es gelegen, dass sie kein Zimmer mehr für mich brauchte. Die Kumpels haben erst gestichelt, fanden es dann aber super, dass ich eine Freundin mit Führerschein hatte. Susi war auch diejenige, die mich zur meiner Abschlussprüfung gefahren hat. Und nach dem Kicken oder der Disco heim.
Nach der neunten Klasse bin ich von der Schule abgegangen, habe hier und da gejobbt und musste danach zum Bund. Was ein bisschen schade war, weil ich gern mehr von Susis Schwangerschaft mitbekommen hätte. Das ist noch so ein Ding, das viele falsch verstehen: Janny ist kein Zufall, wir haben von Anfang an ein Baby gewollt. Viel denken ja: Wer so jung ein Kind kriegt, war zu blöd, zu verhüten. Aber wenn ich unsere Liebesgeschichte erzählen soll, gehört Janny genauso dazu wie die ganze Verliebtheit. Sie ist ein wichtiger Teil von uns. Wenn nicht der wichtigste überhaupt.
Susi hat sich schon sehr lange ein Kleines gewünscht und ich habe Kinder schon immer sehr gern gehabt. Schwer zu erklären, warum. Sie sind so… echt. Mit ihnen kann ich am besten ich selbst sein. Natürlich habe ich nie vorgehabt, mit 18 Jahren Vater zu werden. Aber wenn man es wirklich will, warum aufschieben und warten, bis alles perfekt ist? Einen Moment, in dem alles passt, wird es sowieso nie geben. Irgendwas ist immer. Also warum nicht einfach versuchen?
Als ich meiner Mutter von unseren Kinderplänen erzählt habe, hat sie gedacht, ich mache Späße. Als sie dann die Ultraschallbilder sah, hat sie sich aber trotzdem gefreut. Nur Susis Eltern hatten Angst, dass ich zu viel Wind im Kopf habe. Dass ich Schiss bekomme, etwas zu verpassen. Ich wollte es ihnen dann erst recht beweisen, dass ich so einer nicht bin. Ich meine, was bringt mir das, es immer mit anderen Weibern zu tun - und danach sehe ich sie nie wieder? So habe ich es doch viel besser: Frau daheim, Kind daheim. Jemand, um den ich mich kümmern kann. Und der sich um mich kümmert.
Klar, es ist nicht immer einfach gewesen: Nachts Janny, tagsüber Ausbildung. Auch mein Motorrad musste ich verkaufen, das hat schon weh getan. Ich kann jetzt auch nicht einfach Sachen für mich kaufen, nur weil ich sie haben will. Eine Wii ist nicht drin. Oder ein dicker Urlaub mit Freunden. Diesen Sommer waren wir zu dritt in Italien zelten, für mehr hat‘s nicht gereicht. Auch am Wochenende müssen wir oft zu Hause bleiben, während meine Kumpels feiern. Das schmerzt manchmal schon. Dafür bin ich ihnen im Windelnwechseln um Welten voraus. Das kann ich übrigens bald wieder üben. Im Dezember kommt unsere zweite Tochter zur Welt.
Auf der nächsten Seite erzählt Susi von ihrer Liebe zu Alex.