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Redaktionsblog
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Technik| 06.10.2009 18:30Bloggen heute. Eine Bestandsaufnahme
Text: jetzt-redaktion
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Der Hype hat sich gelegt, übrig bleibt ein Stück Alltag. Blogs sind da. Sie informieren, zerstreuen, inspirieren oder ernähren uns. Und manchmal bringen sie uns auch um. Die jetzt.de-Redaktion hat sich auf die Suche nach dem Ist-Zustand der Blogosphäre begeben.
![]() Deutsche Blogger gelten im Ausland als untalentiert… Es ist freilich eine subjektive Meinung, doch hat der erfolgreiche US-Blogger Felix Salmon im Mai 2009 (Quelle: blogs.reuters.com) aufgezählt, warum die deutschen Blogger außerhalb deutscher Grenzen für eher untalentiert gehalten werden. So seien deutsche Blogger zu gründlich, hätten große Angst davor, etwas Falsches zu schreiben und seien einfach zu langweilig. …und unprofessionell Laut einer Studie der Berliner Humboldt-Universität (2008) ist der Reifegrad der deutschen Blogosphäre eher gering. Der Reifegrad lässt sich am Ausmaß der Professionalisierung des Bloggens gegenüber der Freizeittätigkeit ablesen. So nutzen die meisten Blogger ihr Weblog als Online-Tagebuch, insbesondere im Vergleich zur USA nutzen es jedoch nur wenige als Haupterwerbsquelle. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Der russische Blogger Alexander Podrabinek ist nach einem Beitrag über einen Kneipennamen untergetaucht. Der Streit dreht sich um eine Schaschlik-Stube mit dem Namen „Antisowjetisch ”. Kriegsveteranen hatten eine Umbenennung gefordert, weil sie das Andenken an den Zweiten Weltkrieg beleidigt sahen. Podrabinek hatte dies kritisiert: Die Veteranen „privatisieren den Patriotismus und die Liebe zu Russland”, hatte er geschrieben und ihnen vorgeworfen, wahrscheinlich seien sie selbst damals Gulag-Aufseher gewesen. Mitglieder der nationalistischen Kreml-Jugend „Naschi”, „die Unseren”, protestieren seit Tagen vor Podrabineks Haus. Dieser fürchtet, man wolle mit ihm „ abrechnen ”. Die Kneipe ist auf einen Erlass des zuständigen Moskauer Präfekten Oleg Mitwol inzwischen umbenannt in „Sowjetisch”. (aus der SZ) +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Hollywood-Star Ben Affleck, 36, hasst Blogger. "Eine völlig polarisierte, verbitterte und hässliche Welt aus Blogs als Primärquelle könnte den Platz des Journalismus einnehmen. Und keiner weiß dann mehr, was wahr oder frei erfunden ist." (aus BUNTE) +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Die am häufigsten verlinkten Blogs Deutschlands Laut aktueller Rangliste (39/2009) der deutschen Blogcharts ist netzpolitik.org das am häufigsten verlinkte Blog der Republik (1709 Blogs). Auf den Plätzen folgen spreeblick (986) und nerdcore (953). Hier die vollständigen Top Ten: 1.netzpolitik.org 2.spreeblick.com 3.nerdcore.de 4.law blog 5.StyleSpion 6.Basic Thinking Blog 7. Fefes Blog 8.Stefan Niggemeier 9.Indiskretion Ehrensache 10.netzwertig.com +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Die Amerikanerin Heather B. Armstrong fing 2001 an zu bloggen – und wurde ein Jahr später gefeuert, weil sie satirisch über ihre Arbeit berichtet hatte. Doch nicht nur ihr Job, auch ihr Privatleben ist Thema ihres Blogs: Sie schrieb über ihre Depression und die anschließende therapeutische Behandlung, über ihre Schwangerschaften und ihren Hautkrebs. Besonders auffällig sind die vielen Fotos ihrer älteren Tochter, deren Kindheit sich so scheinbar komplett nachvollziehen lässt. Dank zahlreicher Anzeigen auf ihrem Weblog konnte Armstrongs Mann 2005 seinen Job kündigen. Seitdem lebt die Familie von dooce.com und zahlreichen Nebenprojekten der Bloggerin. Jüngst startete sie „Monetizing The Hate“, eine Website, auf der sie alle Hassmails und –kommentare sammelt und mit zahlreichen Anzeigen garniert. So lässt sich sogar aus den unschönen Seiten des Bloggens Geld machen. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Web|log [auch: wblg], das, auch: der; -s, -s [engl. weblog, zusgez. aus web (siehe →Web) ... Quelle: Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 6., überarbeitete Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2007. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Anruf bei Rechtsanwalt Dr. Alexander Wachs , Leuchturm für abgemahnte Blogger ![]() Sind Sie auf verzweifelte Blogger spezialisiert? Dr. Alexander Wachs:Das hat sich irgendwie so ergeben. Erstmal bin ziemlich netzaffin, habe auch früher bei dem ein oder anderen Netzprojekt mitgearbeitet und jetzt kümmere ich mich eben hauptsächlich um die Themen Urheberrecht und markenrechtliche Auseinandersetzungen - und irgendwie bin ich dabei immer auf der Seite der Kleinen. Ich fühle mich da ganz wohl, auch wenn es nicht ganz so lukrativ ist wie andere Sachen, aber es macht Spaß, ich bekomme viel positives Feedback. In welchen Situationen kommen die Blogger zu ihnen? Vor zwei Jahren war es noch ein bisschen extremer, da haben viele weinend angerufen, weil sie eine Wahnsinnabmahnung ins Haus bekommen haben. Oft waren das Mütter, deren Kinder sich unbesorgt Sachen runtergeladen haben. Heute ist das meist schon gefasster, weil viele Informationen ins Netz getragen wurden, die Menschen dann schon von ähnlichen Fällen gelesen haben und ungefähr wissen, was zu tun ist. Ich telefoniere aber immer noch sehr viel und gebe sehr viel Auskunft. Wo gibt’s denn besonders viel Ärger in der Blogosphäre? Kontinuierlich viel Ärger haben nach wie vor DJs, die eigene Remixe auf ihrer Homepage oder ihrem Blog veröffentlichen. Und dann merke ich jetzt gerade, dass wieder eine Abmahnwelle durchs Land geht, dass also einige wenige Kanzleien sehr viele Musikblogs abmahnen. Wer beauftragt denn diese Abmahnungsanwälte? Das geht meist über die Verbände der Musikindustrie oder auch direkt von den Majorlabels aus, Sony oder Universal machen das auf jeden Fall. Und wie sehen die angemahnten Fälle aus? Relativ oft kommt es vor, dass der Blogger zum Beispiel einen Deeplink auf die Seite einer Band setzt, die einen ihrer Songs zum Download anbietet. Die Band darf das natürlich und man darf auch auf die Seite der Band verlinken. Aber schon durch den direkten Link auf das Lied, macht der Blogger sich das Lied zueigen, so sieht es zumindest die abmahnende Seite. Dann gibt es andere Fälle, in denen etwa auf einen legal downloadbaren Song in den USA verlinkt wird, der aber hierzulande von der Plattenfirma nicht freigegeben ist. Komische Sache, oder? Letztlich ist das doch nur freiwillige Promo für die Musik des Labels? Damit wir uns richtig verstehen, die Abmahnung ist in vielen Fällen schon berechtigt und steht nun mal im Einklang mit dem Urheberrechtsgesetz. Aber die große Frage ist, ob diese Abmahnungen verhältnismäßig sind. Früher wurden da zum Teil gleich sehr abschreckende Summen genannt, in der aktuellen Abmahnwelle beobachten wir, dass immerhin oft der Paragraph 97a Abs. 2 UrhG angewandt wird. Das bedeutet, der Blogger muss 100 Euro für die Abmahnung bezahlen und eine Unterlassungserklärung abgeben. Die ist in meinen Augen aber sehr problematisch, denn damit verpflichtet er sich über die nächsten 30 Jahre, etwa den gesamten Katalog von Universal nicht mehr zu tangieren. Falls er in dieser Zeit noch mal damit in Zusammenhang gebracht wird oder der angemahnte Link über andere Wege im Netz noch auf ihn zurückzuführen ist, knallt es gleich, dann werden 5000 Euro fällig. Also vor der Unterlassungserklärung zum Anwalt – was macht der? Die Unterlassungserklärung eng formulieren und auf die Sache beschränken. Sie kriegen ja auch nicht in allen Kaufhäusern Deutschlands ein Hausverbot, nur weil sie einmal einen Lippenstift geklaut haben. Die 100 Euro müssen wohl in jedem Fall gezahlt werden, billiger wird’s nicht. Lebt man als Blogger gefährlicher als, sagen wir, als Journalist? Auf jeden Fall, das liegt auch in der Natur der Sache weil sie ein einfacheres und schwächeres Ziel sind. Die Industrie verfolgt eine Strategie der Abschreckung. Und für die Kanzleien ist es deutlich bequemer 1000 mal 500 Euro Abmahngebühren zu bekommen, als gegen große Verlage oder Firmen wie Rapidshare vorzugehen, weil die gleich mit mehr Anwälten zurückschießen. Die wenigsten Blogger können sich eine Kanzlei leisten, die 250 Euro die Stunde kostet. Was war Ihr härtester Blogfall? Na, das kommt auf die persönliche Situation an. Ich vertrete viele Mandanten die Künstler sind und manche davon sind strenggenommen arbeitslos und beziehen HartzIV. Wenn die eine Forderung von 800 Euro für eine Handvoll fauler Links kriegen, tut das richtig weh. Interview: max-scharnigg Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Teste Deutschlands große Tageszeitung jetzt zwei Wochen kostenlos und unverbindlich: hier klicken!
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