25.09.2009 - 18:30 Uhr

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Das Leben ist kein Ponyhof

Text: eva-schulz

Schon wieder erscheint ein Buch über die Jugend von heute. Schon wieder steht nichts Neues drin.

Angestrichen: "Dani dankt Jan für seine Liebe, Jan dankt Dani für ihre Liebe, Jana und Rike danken Nanette dafür, dass sie zum selben Mobilfunkanbieter gewechselt ist, um immer stundenlang kostenlos mit ihnen telefonieren zu können, Atina dankt Stephanie für ihre tiefe und enge Freundschaft, und Michael dankt seinen Eltern für deren Unterstützung und Vertrauen in all den Schuljahren." Wo steht das denn? Auf Seite 115 von Lara Fritzsches Buch "Das Leben ist kein Ponyhof" über "die unbekannte Welt der Abiturienten". Die Autorin, deren Abi selbst erst sechs Jahre zurückliegt, begleitet mehrere Kölner Gymnasiasten durch ihr letztes Schulhalbjahr und das, was danach kommt. Dabei wird die Jugend von heute einmal ordentlich durchleuchtet und auf alle wichtigen Themen hin untersucht: Was halten die von der Bildungspolitik (nicht viel), wie ist das Verhältnis zu ihren Eltern (viel zu gut), wie stellen sie sich ihre Zukunft vor (zu viele Möglichkeiten). Es gibt typische Elternthemen (Flatrateparties) und typische Schülerthemen (dass man nämlich ständig den 2. Weltkrieg durchnimmt, aber nie das, was danach kam). Besonders wichtig ist scheinbar das Thema Jugend und Internet. So hat jedes Kapitel einen Untertitel, der aus dem Namen einer populären SchülerVZ-Gruppe besteht, es werden die Chatgespräche der Protagonisten wiedergegeben und ihr Netzgebrauch ausführlich geschildert und analysiert. Das Problem ist nur, dass dabei nicht wirklich etwas Neues herauskommt. Das Ganze ist zwar sehr treffend beschrieben, fasst aber im Grunde nur die Diskussionen zusammen, die in den letzten Jahren in diversen Feuilletons und Talkshows geführt wurden. Ebenso verhält es sich bei der Frage, warum Jugendliche heute nicht mehr rebellieren. Das endet wieder im Porträt einer pragmatischen Jugend, die vom sicheren Job und heiler Familie träumt. Einzig bei Themen wie Sex, Beziehungen und dem Verhältnis zum eigenen Körper wird der Leser überrascht – weil die Aussagen so extrem sind. Da ist von Gruppen- und ungeschütztem Disko-Sex die Rede, von One Night Stands und Brust-OPs. Das sei eben "wilder Partysex", nicht zu vergleichen mit "zärtlichem Pärchensex". Man fragt sich dann, ob die Protagonisten wirklich so repräsentativ sind für ihre Generation. Mehrfach entsteht der Eindruck, dass es sich bei ihnen bloß um die "Coolen" handelt, diese besondere Clique, die in der Oberstufenhackordnung ganz oben stehen. Wo bleiben die anderen, die Streber, die Nerds, die Normalos? Sie werden nebenbei und viel zu kurz abgehandelt. Wahrscheinlich waren sie einfach nicht spannend genug. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man ganz am Ende des Buches den viel zu klein gedruckten Hinweis darauf findet, dass die Autorin an verschiedenen Schulen recherchiert und ihre Charaktere "in ihren persönlichen Merkmalen typisiert" hat. Im Einband wird noch vorgegaukelt, Fritzsche habe lediglich eine Abschlussklasse begleitet. Wie viel Sachbuch kann das dann noch sein? Letztendlich ist "Das Leben ist kein Ponyhof" eine leicht wegzulesende Generationenstudie, die für all jene, die dieser Generation angehören, zwar keine Neuigkeiten enthält, wohl aber die Gelegenheit, sich noch mal in die eigene Abizeit zurückzuversetzen. Bleibt nur die Frage, ob man das überhaupt will. Steht im Regal zwischen: "Generation Internet – die Digital Natives" von John Palfrey und Urs Gasser und dem Spiegel Special "Wir Krisenkinder: Das Selbstporträt einer Generation". "Das Leben ist kein Ponyhof – die unbekannte Welt der Abiturienten" von Lara Fritzsche, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 215 Seiten, 17,95 Euro


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lilluvya
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26.09.2009 - 12:26 Uhr
lilluvya

Sicherlich wird bald alles so heißen wie studivz-Gruppen, weil es schließlich für alles mindestens eine Gruppe gibt.

Cate81
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26.09.2009 - 13:46 Uhr
Cate81

Ich finde es seltsam, dass studivz und facebook inzwischen schon so ein fest integrierter und normaler Bestandteil des täglichen Lebens sind.
Gerade bei Jugendlichen und Studenten. Bei meinen ehemaligen Ersti-Mitbewohnerinnen hatten sich sämtliche Sozialstrukturen und -hierarchien innerhalb ihres BWL-Semesters fast schon herauskristallisiert, bevor sich die Leute auch nur einmal im echten Leben begegnet waren: alles aufgrund von studivz-Gruppen, über die sie sich alle vor Beginn der Uni schon kennen gelernt haben. Leute, die nicht bei studivz waren, gab es bei denen praktisch keine.

Ich bin auch (noch) bei studivz, aber in letzter Zeit eher passives Mitglied. Das hatte so eine Hochphase, vor ca. drei Jahren, wo ständig Nachrichten geschrieben und "neue alte" Freunde aufgestöbert wurden, aber inzwischen spielt es bei mir bei der Organisation von Kontakten und Freizeitaktivitäten keinerlei Rolle mehr.

kachel
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26.09.2009 - 17:24 Uhr
kachel

barthes sagte:
"xy ist kein ponyhof..." ist sowas von verboten.


Find ich auch, das war schon schlecht, als es noch neu war. Wenn überhaupt, dann: das Leben ist keine Leckmuschel ;D

manic
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27.09.2009 - 15:36 Uhr
manic

War Lara Fritsche mal beim Kölner Stadtanzeiger?

cocainemate
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28.09.2009 - 01:29 Uhr
cocainemate

2001 gemacht und schon geistiger rentner? das ist doch schon. so jung schon von der ''jugend von heute'' zu sprechen, ist schon recht grenzwertig. wie alt seid ihr? 27 auf dem papier, 57 im kopf?

ich bin mir nicht ganz sicher, was an handys und internet so schlimm sein oll. ihr seid nun ja schon so alt, aber habt auch einen internet-anschluss. habt ihr ein rentner-handy mit besonders großen tasten?

zu dem buch: klingt bäh. wer will denn so etwas lesen? disko sex, flatrate-partys? das klingt nach ein paar provinz-prolls.

octopussy
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28.09.2009 - 08:52 Uhr
octopussy

ich (abi 1995, diplom 2000) bin definitiv nicht zielgruppe für das buch. Den Titel find ich äusserst fragwürdig. Allein, dass dieser Begriff, den es schon so lange gibt, für einen Buchtitel genommen werden darf... Hm.

Ansonsten frag ich die Jugend, mit der ich zu tun habe, lieber selbst, was bei ihnen so abgeht (Nichte und deren Freunde)

Cate81
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28.09.2009 - 18:34 Uhr
Cate81

Warum so giftig, cocainemate?

Fundus
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01.10.2009 - 16:01 Uhr
Fundus

Nicht wirklich ansprechender Buchtitel...

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eva-schulz

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.

Eva Schulz