21.09.2009 - 21:45 Uhr

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Im Rahmen meiner Forschungen…

Text: melan

Im Rahmen meiner Forschungen zum Thema Langeweile, führte mich die Lektüre letztendlich auch in die Untiefen der Psychoanalyse, aber dort fand ich die Erklärung für den Kadavergeruch nicht – dafür aber ein Zitat von Johann Elias Schlegel, der Onkel der Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel, eine Allegorie, aus einem Vorspiel in der Mitte des 18. Jahrhunderts. »In einem dunklen Kleide mit einem Aufsatz nach Art der Fledermaus auf dem Kopfe, und auf der Hand eine Nachteule tragend, in einem Winkel des Theaters auf einem Stuhl sitzend und schläft oder brütet; als man sie zu wecken versucht, gähnt sie und gibt zu verstehen, dass sie in Ruhe gelassen sein will.« Die ist ja wie ich, dachte ich über den Butterkuchen. Und ich las weiter in dem Text von Ursula Kreuzer-Haustein und erfuhr einiges über libidinöse Besetzung, und ich verstand mit einem mal, die tiefe Verletzbarkeit der Psychoanalytiker und deren Probleme, und von Mitleid bewegt unterbrach ich mein Forschungsvorhaben und schrieb den Stiftungen und Geldgebern, die soviel investiert hatten in meinen kleinen Forschungswunsch, der sich mit ihrem großen Geldwunsch libidinös vernetzte, nämlich was es bedeuten würde, die Langeweile abzuschaffen, schrieb ihnen, dass ich - aus Forschungsgründen - die Forschung würde unterbrechen müssen, um eine Analyse zu unternehmen. Dort würde ich, so versprach ich, mit Sicherheit an das GEHEIM gehaltene Wissen der Psychoanalyse stoßen, und würde ihnen das GEHEIMNIS verraten. Selbstverständlich waren die geldgebenden Institute erpicht , an das GEHEIMNIS der Psychoanalyse zu rühren. Und so traf ich Jutta Voss (http://www.jutta-voss.de) eine Jung-Schülerin, und ich erzählte ihr, einmal, vor seligen Jahren, war ich Butterkuchen und besetze libidinös, was mir unter die Augen kam, und ich sagte, um ihr einen Gefallen zu tun, diese Frau:
sei irgendwer aber bestimmt nicht meine Mutter. Ich erzählte ihr, dass traurigerweise die Hand, in der ich Wachs war, eine andere Hand gewaschen hat, und vom Vermissen erzählte ich ihr zwei Pfund, und vom Vergessen, und ich erzählte ihr, wie ich versuche, so zu leben ›dass ich jeden Moment, wenn ich wolle vergessen könne, und mich an jeden Moment, wenn ich wolle erinnern könne‹, und als sie sich erkundigte, wie es damit liefe, gestand ich ihr, ich wüsste es nicht mehr. Und ich sagte noch, keine Objektrepräsentanz würde mich mehr quälen, als diese Hand im Feuer der anderen Hand, und sie sagte, während sie unter einem Federhut hervorlächelte: »Ihr Sprache perlt wie die Säue vor dem Herrn, ich möchte bulgarische Tänze mit ihnen machen und die Übertragungsfunktionen erleben. Ich mache mich auf Kämpfe und Beherrschungsversuche gefasst.« Aber da unterbrech ich Fr. Voss, weil ich über die Wahlen sprechen möchte, und ich frage sie, ob ich recht in der Annahme gehe, dass Guido Westerwelles Fahrtwasser-Homosexualität Ausdruck von irgendetwas sei, und was man von seinem Lebensgefährten halten solle, und Fr. Voss sagt, es sei immer gut, wenn der Beruf des anderen libidinös besetzt sei, und ich wundere mich, was für Menschen den Beruf der Psychoanalytikerin libidinös besetzen. Patienten, sagt Fr. Jutta Voss, Patienten. Am Abend schreibt sie den geldgebenden Instituten: Der Patient langweilte mich über eine lange Zeit, um sich und mich vor inzestuösen Triebwünschen zu schützen. Die Qualität dieser Langeweile war jedoch tolerabel. Klammer auf (protrahierte Adoleszenz) Klammer zu Warum sind Sie denn eigentlich hier, fragte mich am Ende einer schwungvollen Mazurka-Session die Voss, die auch Theologin ist, und über das Seelenheil von hier bis Mönchengladbach sorgt: Ich sage ihr, weil ich unendlich traurig bin: über die UMWELT und die UNBESONNENHEIT und die VERLORENHEIT und VERLOGENHEIT und über einiges mehr, was wir ein andermal besprechen. Super!, sagt die Voss, und ich fahre mit meinem BMX und meinen zerissenen Jeans und dem Kapuzenpullover und dem Walkman unter dem Sternenhimmel entlang der Küste vom Starnberger See und es ist Ende der Neunziger, bald zerbrechen in der Ferne die Twin Towers, die ollen Phallus-Symbole einer libidinös besetzten Form der Freiheit, und die Wunden der Gegenübtragung sind auf meinem Körper noch nicht gezeichnet.


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7 Kommentare

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polaroid_android
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Mag ich Mag ich nicht

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21.09.2009 - 21:51 Uhr
polaroid_android

endlich wieder Grandioses!

dascory
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Mag ich Mag ich nicht

0

21.09.2009 - 21:55 Uhr
dascory

polaroid_android sagte:
endlich wieder Grandioses!


ja.
was hab ich es vermisst.

glitzerkugel
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.09.2009 - 09:06 Uhr
glitzerkugel

libidinöse Langeweile. toll.

chippyq
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Mag ich Mag ich nicht

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22.09.2009 - 20:28 Uhr
chippyq

"Symbole machen die Seele satt." (j. voss)

lousal
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Mag ich Mag ich nicht

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23.09.2009 - 17:12 Uhr
lousal

ich schließe mich den vorrednern an und bejahe!

_pulque_
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.09.2009 - 23:34 Uhr
_pulque_

ein hoch auf die noch nicht libidinös besetzten 90er. und ein hoch auf melan, den ich schon an die geldgebenden institute verloren glaubte, aber er ist noch da! und immer noch ganz umsonst zu haben in diesem zu einem zähen klumpen geschrumpften kosmos. die verbliebene logische notwendigkeit in der kontingenten welt.

rene
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Mag ich Mag ich nicht

0

25.09.2009 - 10:05 Uhr
rene

Deswegen also war Jutta Voss so aufgewühlt, als ich sie am folgenden Abend traf, um über mythologischen Tanz in Deutschland zu debattieren.

Im Übrigen ist dein Forschungsprojekt bei mir libidinös besetzt, aber das ist ja sicherlich auch nicht verkehrt!


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