"Beim Küssen zeigt sich das wahre Ich"
Die 27-jährige Taiwanerin Ya-Ching Yang studiert in Paris Musik – und die Kunst des Küssens! Sie hat sich vorgenommen, in der Stadt der Liebe 100 fremde Männer zu küssen.
Ya-Ching, wie bist du auf die Idee gekommen, 100 Küsse von Fremden zu sammeln?Ich weiß auch nicht, das ist schon drei Jahre her und ich fand die Vorstellung einfach toll. Damals war ich aber noch nicht mutig genug. In Paris wurde mir dann bewusst, dass ich inzwischen genug Courage habe, und legte los.
Wie gehst du das an – läufst du einfach los und küsst den nächstbesten Fußgänger?
Wenn ich an einem Ort in Paris bin, dessen Atmosphäre mir besonders gut gefällt, halte ich Ausschau nach einem Fremden, der irgendwie zu dem Gefühl passt, das ich mit diesem Ort verbinde. Ich erzähle ihm dann von meinem Projekt und bitte ihn um einen kurzen Kuss. Ich habe zum Beispiel schon ein Model, einen Fabrikarbeiter und sogar einen Soldaten geküsst. Ein paar Deutsche waren auch dabei!
Und wie küssen die dich dann: Ganz brav auf den Mund, oder bekommst du sogar französische Küsse? Du bist schließlich in Paris!
Nein, doch keine Zungenküsse! Das sind alles ganz leichte Küsse auf die Lippen, so wie eine Libelle, die die Wasseroberfläche berührt… Manchmal habe ich das Gefühl, es war bloß ein Kuss und da ist nichts dahinter. Aber manche Männer küssen unheimlich intensiv. Ich war überrascht, wie groß die Unterschiede sind.

Über 50 Küsse hast du schon gesammelt. Welcher war bisher der schönste?
Das bleibt mein Geheimnis! Aber ich glaube, er war für den Fremden genauso besonders wie für mich. Ich konnte sein Herz klopfen hören! Wir haben uns wohl beide in diesen Kuss verliebt, so schön war das. Als würde man sich in die ganze Welt verlieben.
Hast du eigentlich gar keine Angst, dass du dich mit der Schweinegrippe oder irgendeiner anderen Krankheit ansteckst?
Je mehr Dinge man fürchtet, desto weniger erreicht man, oder? Das Wichtige ist, mit den seelischen Bazillen klarzukommen, dann können einem die aus der Außenwelt nichts mehr anhaben.
In Europa und Amerika wird dein Blog gerade zur Internetattraktion. Drei Millionen Besucher hattest du bisher. Was halten denn die Menschen in deiner Heimat Taiwan von dem Projekt?
Einige Taiwaner denken, dass ich unsere traditionellen moralischen Werte verletze, aber für mich hat das nichts mit Ethik zu tun. In Asien ist generell der gesellschaftliche Druck sehr stark, die Menschen haben Angst davor, ihr wahres Ich in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Was hat denn Küssen mit dem wahren Ich zu tun?
Es ist das Wichtigste! Bei einem richtig guten Kuss geht es nicht darum, attraktiv zu sein oder das Handwerk zu beherrschen. Man muss den Mut haben, sein wahres Ich zu zeigen. Durch soziale Zwänge und Traditionen ist die Kluft zwischen der Innen- und der Außenwelt der Menschen sehr groß geworden. Ich versuche, die beiden zu vereinen und geistige Freiheit zu erlangen. Das macht mich glücklich, und wenn ich glücklich bin, stecke ich vielleicht die anderen an und sie werden auch froh. Auf keinen Fall will ich immer nur daran denken müssen, den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Das macht die Leute unglücklich, und dann sind all ihre Anstrengungen vergebens.
Ya-Chings Blog findest du hier
- Der Panda in mir 25.05.2012
- „Es muss eine klare Zuordnung geben“ 25.05.2012
- "Ich würde ihr keinen Rassismus bescheinigen" 24.05.2012
- "Seit Aristoteles wird geklagt, die Jugend sei nicht leistungsfähig" 22.05.2012
- „Ein bisschen geil“ 20.05.2012
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
aeh. erasmus. na gut, dann eben mit 21.
und unfreiwillig mit 22, aber das war cool.
16.09.2009 - 19:26 Uhr
ein_oxymoron
16.09.2009 - 19:50 Uhr
Make_war
ein kuss kann zeigen, dass man einfühlsam, wild, experimentierfreudig, humorvoll, zurückhaltend, fordernd, schüchtern, genießerisch, ungestüm, etc. ist.
es ist etwas anmaßend zu behaupten, ein kuss würde das wahre Ich zeigen.
mit äußerungen wie dieser ist bedacht umzugehen, ich denke, solche generalisierende aussagen über jemanden erfordern auch eine sehr spezielle situation.
16.09.2009 - 22:56 Uhr
noplacespecial
kakaoseele sagte:
schöne fotos! allerdings eindeutig zu hetero.. wieso nicht auch eine frau küssen?
wieso immer die quote einbinden?
aber es gibt genug anderen stuss, da sind die photos doch schön anzusehen!
und dass mein gegenüber gut küssen kann bzw. dass es passt find ich verdammt wichtig :-)
noplacespecial sagte:
es gibt so viele verschiedene küsse. und man kann auf so viele verschiedene arten und weisen küssen.
ein kuss kann zeigen, dass man einfühlsam, wild, experimentierfreudig, humorvoll, zurückhaltend, fordernd, schüchtern, genießerisch, ungestüm, etc. ist.
es ist etwas anmaßend zu behaupten, ein kuss würde das wahre Ich zeigen.
mit äußerungen wie dieser ist bedacht umzugehen, ich denke, solche generalisierende aussagen über jemanden erfordern auch eine sehr spezielle situation.
ich kann mir schon vorstellen, dass genau dies in diesem moment mit fremden menschen möglich sein kann.
was du beschreibst passiert wenn eine persönlichkeit die möglichkeit hat sich zu entfalten. genau das wird aber bei fremden verhindert oder unterbunden. und von all der vielfältigkeit bleibt dann nur genau dieses eine gefühl des _gerade_ ich. das moment_ich.
und dann ist eben der kuss nicht mehr als das gefühl dieses moments, aber alles was ein jeder der beteiligten im moment vorzuweisen hat-seine ganze person.
ich glaube dein oben beschriebenes phänomen tritt auf wenn du das projekt 'sehr enge und langebekannte freunde küssen' beginnst. das ist dann ein ganz anderer schuh. dann beginnst du nämlich die ganzen verfänglichen vorhänge erstmal zu entfernen.
und es steht nirgends dass das wahre Ich allumfassend wäre. das muss es doch gar nicht sein.
http://www.boston.com/bigpicture/2009/09...
wen ich das mal so in die diskussion reinwerfen darf ;)
aber eklig. irgendwie. nicht?
http://www.wretch.cc/album/show.php?i=an...
immernoch ein süßes mädchen?
17.09.2009 - 10:44 Uhr
norrra
elias_b sagte:
was du beschreibst passiert wenn eine persönlichkeit die möglichkeit hat sich zu entfalten. genau das wird aber bei fremden verhindert oder unterbunden.
wieso sollte das verhindert werden? wenn sich jemand dazu entschließt, jemanden zu küssen, dann ist er doch prinzipiell ziemlich offen, etwas von sich preiszugeben.
elias_b sagte:
und von all der vielfältigkeit bleibt dann nur genau dieses eine gefühl des _gerade_ ich. das moment_ich.
und dann ist eben der kuss nicht mehr als das gefühl dieses moments, aber alles was ein jeder der beteiligten im moment vorzuweisen hat-seine ganze person.
eben nicht seine ganze person, sondern nur eine facette. natürlich ist es der einzige eindruck, den man im moment von diesem menschen bekommt und insofern vielleicht auch wieder etwas repräsentatives, da sich der mensch dazu entschlossen hat, genau diesen teil von sich zu zeigen. aber ich denke, dass man bei einem kuss genausogut auch einen anderen teil von sich zeigen kann, evtl. sogar einen gegensätzlichen.
elias_b sagte:
und es steht nirgends dass das wahre Ich allumfassend wäre. das muss es doch gar nicht sein.
das stimmt wiederum.
elias_b sagte:
ich glaube dein oben beschriebenes phänomen tritt auf wenn du das projekt 'sehr enge und langebekannte freunde küssen' beginnst. das ist dann ein ganz anderer schuh. dann beginnst du nämlich die ganzen verfänglichen vorhänge erstmal zu entfernen.
würde ich so nicht unterschreiben. man muss nicht sehr lang mit jemandem bekannt sein, um einen eindruck bestätigen zu lassen oder über den haufen zu werfen und dabei dann etwas neues zu entdecken.
ich denke aber, dass eine erwartungshaltung für einen kuss bei einem fremden für diesen kurzen augenblick und der gewissheit, die andere person dann nie wieder zu sehen, eine andere situation schafft. als fremder rechnet man nicht damit, es ist dann ein moment, der komplett aus aller alltagswelt entrissen ist und auf den man sich evtl. ganz anders einlässt als ein kuss mit jemandem, den man gerade kennengelernt hat, und bei dem es einem selbst - und wenn nur für eine kurze zeitspanne - wichtig ist, dem anderen etwas bestimmtes über sich zu offenbaren, z.b. "jetzt zeig ich dir mal, wie ein zungenkuss zu laufen hat", und die besonders wild und verrückt küssen wollen.
übrigens verabscheue ich solche art küsser, die bei jedem menschen gleich küssen und sich nicht auf den anderen einlassen. die glauben, dass küssen ein sport ist, den man einseitig beherrschen muss und dann seine skills vergleichen kann. das ist müll. ebenso diejenigen, die permanent die lippen aufeinanderpressen und dann einfach nur abwarten. ein kuss muss andauern und sich dann entwickeln und dabei verliert derjenige, der jeden menschen gleich behandelt.
auf bild 7 luschert er nur in die kamera.
ist doch ne gute idee.
jeder wie er möchte, ne!?!
also ich find die ab dem 8. am schönsten.
vor allem das mit dem sonnenuntergang is spitze.
das leben, eine aneinanderreihung von facetten. oder?
alces sagte:
Zuerst sei angemerkt - das Videospiel zum Blog ist erhältlich und heißt "HerpesQuest: Mission Paris"
Die Bilder finde ich aber sehr schön. Ich würde allerdings erschreckt zurückweichen, wenn mich eine Fremde küssen wollte - nüchtern und am hellichten Tag, meine ich.
dacht ich mir auch:
Ya-Ching. Von einer, die auszog, den beeindruckendsten Herpes Europas zu finden.
alces sagte: Zuerst sei angemerkt - das Videospiel zum Blog ist erhältlich und heißt "HerpesQuest: Mission Paris"
Checkst du vorm Küssen etwa immer ab, ob dein Gegenüber mal Herpes hatte?! ;-)








6
16.09.2009 - 18:55 Uhr
alces
Die Bilder finde ich aber sehr schön. Ich würde allerdings erschreckt zurückweichen, wenn mich eine Fremde küssen wollte - nüchtern und am hellichten Tag, meine ich.