15.09.2009 - 18:30 Uhr

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Staatsfeind Nr.1? Wie Hans-Martin zu Hass-Martin wurde

Text: sebastian-sittner - Foto: dpa

Der Apotheken-Praktikant Hans-Martin Schulze hat es am Wochenende geschafft, innerhalb von wenigen Stunden zum Buhmann der Nation zu werden. Als Kandidat der Pro-Sieben-Show „Schlag den Raab“ verdarb es sich der 24-jährige Oldenburger nicht nur mit dem Studiopublikum. Sein übermäßiger Ehrgeiz und eine deutliche Siegesgewissheit sicherten ihm auch die Abneigung der fernsehenden Internet-Gemeinde, die ihn umgehend in „Hass-Martin“ umbenannte. Noch während Hans-Martin sich die 500. 000 Euro Preisgeld erkämpfte, formierte sich im Netz eine Front gegen ihn. Jetzt.de sprach deswegen mit Christian Schlender, der auf der Homepage www.hassmartin.de dokumentiert, wie leicht die sozialen Netzwerke zu Pöbel-Plattformen werden.

Warum wurde aus dem Raab-Kandidaten Hans-Martin das ideale Feindbild „Hass-Martin“? Es hat ja schon begonnen, als Hans-Martin vom Publikum auserwählt wurde gegen Raab anzutreten. Da hat er schon großspurig von seinem Intelligenzquotienten von 143 erzählt und war sehr siegessicher. Er war einfach nicht der klassische Kandidat, den man sonst so aus dieser Sendung kennt. Der ambitionierte Underdog gegen den überheblichen Raab. So sind die Rollen eigentlich klar verteilt. Doch Hans-Martin hat für die Zuschauer wohl viele Eigenschaften in sich vereint, die ihn so unbeliebt gemacht haben. Hast du die Sendung dann auch parallel bei Twitter verfolgt? Nein, ich habe mir die Sendung komplett angesehen, aber schnell gemerkt, dass das sicher ein Thema im Internet wird. Gerade als das Publikum nach der fünften Wettkampf-Runde schon komplett hinter Raab stand wusste ich, dass sich da sicher etwas tun wird. Nach der Sendung hab ich gesehen, welche enorme Resonanz das alles hinterlassen hat.
Shirts bei spreadshirt.net Was hast du im Netz nach der Sendung gefunden? Bei Twitter ist ziemlich die Post abgegangen. Das verselbstständigt sich ja schon nach kurzer Zeit. Die User haben dann schnell sein StudiVZ-Profil gefunden, vieles über sein Privatleben rausgekriegt und online gestellt. Die Informationen über Hans-Martin deckten sich dann natürlich mit den Charaktereigenschaften, die er in der Sendung zeigte. Der Kreativität waren danach keine Grenzen gesetzt. Es konnten T-Shirts mit Sprüchen über ihn gekauft werden und Videos wurden für Youtube zusammengeschnitten. Es ist sogar ein Artikel aus seiner Abi-Zeitung aufgetaucht, der sich ebenfalls mit seinem Verhalten in der Show deckten.
Christian Schlender hat hassmartin.de eingerichtet. Und du bist dann schnell auf die Idee gekommen, dir die Seite www.hassmartin.de zu sichern? Ich hab gemerkt, dass diese Domain noch nicht vergeben ist und habe sie mir gesichert. Aber ich habe das nicht gemacht, um in die Hass-Tiraden einzustimmen. Auf der Homepage dokumentiere ich, wie sich die „Hass-Martin“-Diskussion verselbstständigt hat und so groß werden konnte. Über mein Studium bin ich auf das Thema aufmerksam geworden und glaube, dass dem Ganzen immer noch zu wenig Beachtung geschenkt wird. Kann so etwas deiner Meinung nach zu einer Gefahr für die betroffene Person werden? Was Deutschland angeht kann ich das schlecht beurteilen. Ich studiere Wirtschaftsinformatik und beschäftige mich schon etwas länger mit dem Thema und weiß, dass es in Amerika schon Fälle gab, die nicht gut ausgegangen sind. Da mussten Menschen in psychiatrische Behandlung, weil sie über das Internet von einer Hetzkampagne überwältigt wurden. Der Umfang ist vergleichbar mit dem Fall von Hans-Martin. Es ist der erste Fall, dass eine Privatperson in Deutschland auf so eine negative Weise in den Fokus gerät.
Die Vorgänge in sozialen Netzwerken sind kaum zu kontrollieren. Wie glaubst du, kann man sich davor schützen? Zunächst mal muss man einsehen, dass so eine Hass-Welle, wie die bei Hans-Martin schlichtweg nicht zu verhindern ist. Er wird unterschätzt haben, wie viel Privatsphäre im Internet über ihn recherchierbar ist. Man hat ja gesehen, dass es User gibt, die in kürzester Zeit deine Lebensgeschichte herausfinden können. Hans-Martin ist also das perfekte Beispiel, was passieren kann, wenn man unvorsichtig private Informationen im Internet preisgibt? Definitiv. Er konnte natürlich nicht wissen, dass es solche extremen Ausmaße annehmen wird. Er gehört aber zu dieser breiten Masse an Internet-Nutzern, die zu leichtfertig mit ihren privaten Informationen umgehen. Man kann sich vor dieser Form des Internet-Mobbings nur schützen, indem man seine privaten Informationen im Internet auch privat hält. Es ist ja sehr einfach so etwas in den Nutzer-Einstellungen zu ändern. Der Mehrheit ist das jedoch nicht klar. Genau darauf will ich mit meiner Seite aufmerksam machen. Welche Resonanz hast du bisher bekommen? Eigentlich durchweg positive Reaktionen. Dieses Medienphänomen ist neu in Deutschland und anscheinend für viele sehr interessant. Die meisten finden es gut, dass ich nicht auch noch mal draufhaue, sondern die Thematik kritisch sehe. Ich hoffe, dass dadurch ein paar mehr Unvorsichtige bekehrt werden und Hans-Martin sich von dem ganzen Rummel um ihn erholt. Die betreffende Sendung kann hier nochmal nachverfolgt werden.


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kikuju
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15.09.2009 - 19:34 Uhr
kikuju

man könnte aber trotzdem ein anderes nehmen :) gibt ja ein paar. und schaffen andere ja auch.

herzschlag_ins_gesicht
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15.09.2009 - 19:36 Uhr
herzschlag_ins_gesicht

aber warum? er hat dieses bild aus freien stücken aufgenommen. wenn hans-martin nicht solche reaktionen hervorrufen würde, sondern einfach nur blöd auf diesem bild geschaut hätte, hätte es dich nicht gestört, oder?

dem_osten_so_nah
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2

15.09.2009 - 19:40 Uhr
dem_osten_so_nah

und wieder macht sich das gefühl bei mir breit: gut, dass ich in der regel privatsender nicht nach 20 uhr gucke. und davor auch nicht.

kikuju
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15.09.2009 - 19:43 Uhr
kikuju

herzschlag_ins_gesicht sagte:
aber warum? er hat dieses bild aus freien stücken aufgenommen. wenn hans-martin nicht solche reaktionen hervorrufen würde, sondern einfach nur blöd auf diesem bild geschaut hätte, hätte es dich nicht gestört, oder?


ich hab das ja samstag nacht schon verfolgt und eine form, den kandidaten fertig zu machen, war es, bilder und screenshots zu suchen, auf denen er ganz besonders bescheuert aussah (von denen es wohl auch genug gibt). und jetzt gibts hier einen artikel, der das virtuelle mobbing anprangert, aber letztendlich das gleiche stilmittel benutzt - nämlich ein bescheuertes bild.
die verlinkte seite zum beispiel kommt ja ohne foto aus, in manchen portalen wurde ein "stop" schild über ein anderes sehr schmeichelhaftes foto gelegt etc.

klar ist das das offizielle foto und deswegen isses ja shcon okay, den artikel so zu bebildern. aber ich ganz persönlich finde das aus genannten grünen halt eher weniger gelungen. ich sag ja nicht "macht das bild da weg, das ist menschenverachtend" oder so.

herzschlag_ins_gesicht
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1

15.09.2009 - 19:48 Uhr
herzschlag_ins_gesicht

kikuju sagte:

klar ist das das offizielle foto und deswegen isses ja shcon okay, den artikel so zu bebildern. aber ich ganz persönlich finde das aus genannten grünen halt eher weniger gelungen. ich sag ja nicht "macht das bild da weg, das ist menschenverachtend" oder so.


okay, das habe ich verstanden.

hart an der grenze fand und finde ich übrigens das aufwiegeln von moderator opdenhövel. der hat wirklich stimmung gegen den kandidaten gemacht, inklusive vorführen von der mitgereisten hm-crew.

aber eines war es trotz allem: saugute samstagabend-unterhaltung. dank hans-martin, dank raab. etwas, was gottschalk längst nicht mehr schafft.

kallisto
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3

15.09.2009 - 19:51 Uhr
kallisto

Interessante Entwicklung eines Mobs. Insbesondere anschaulich für die Menschen, die immer schreien: "Wieso, ich hab doch nichts zu verbergen."

alcofribas
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2

15.09.2009 - 19:57 Uhr
alcofribas

ich habe die sendung nicht gesehen, aber ein mensch mit einem IQ von 143 kann nicht schlecht sein und ist mir schon mal sympathischer als stefan raab und je mehr ich über den lese, desto besser finde ich den. also hans-martin.

der dumme internet-mob soll das erstmal nachmachen. oder ist es neid auf die kohle?

ich_balu
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3

15.09.2009 - 20:28 Uhr
ich_balu

Habe Sonntag morgen die Wiederholung geschaut, um mir ein Bild davon zu machen (war krank, das muss als Entschuldigung reichen), da fand ich, dass er die Sache mit dem IQ von 143 eher nebenher erwähnt hat; glaube zumindest in dem Punkt ist viel Neid dabei.

DagnyTaggart
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2

15.09.2009 - 20:48 Uhr
DagnyTaggart

alcofribas sagte:
ich habe die sendung nicht gesehen, aber ein mensch mit einem IQ von 143 kann nicht schlecht sein und ist mir schon mal sympathischer als stefan raab und je mehr ich über den lese, desto besser finde ich den. also hans-martin.

der dumme internet-mob soll das erstmal nachmachen. oder ist es neid auf die kohle?


GRUENE DAUMEN!

maid
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.09.2009 - 21:02 Uhr
maid

also...
ich hab die sendung nicht gesehen.
hab ihn, durch zufall, am montag kennen gelernt ohne zu wissen wer er ist. und siehe da: ganz normal, eher mit der tendenz zu langweilig.
ich kann die aufregung nicht verstehen, nur weil mal jemand genauso viel ergeiz zeigt (und damit vlt etwas übertreibt) wie raab selbst.
und das foto find ich witzig! nett lächeln kann jeder.

im übrigen hat er mich die ganze zeit gesiezt und das obwohl ich nur 3 jahre älter bin; das hat mich ein wenig getroffen. =)

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