Du nervst, so wie du klickst!
Text: nadja-schlueter - Illustration: Judith Urban
Es ist ganz schön anstrengend, neben Kollegen oder Freunden am Computer zu sitzen und nicht die Maus in der Hand zu haben. Was die Redaktion bei anderen am Computer nervt - zehn Geständnisse.
6. Das Speicherproblem
Meine Eltern haben eine besondere Vorliebe für das Programm Microsoft Word. Sie verwenden es mit großer Begeisterung - selbst dann, wenn sie keine Texte schreiben müssen: zum Abspeichern von Bildern. Als Designstudentin bin ich mir zwar meines Erziehungsauftrags bewusst und versuche, ihnen die Bedeutung von jpeg oder png klar zu machen. Doch meine Eltern bleiben stur: Immer wieder muss ich Worddateien öffnen, nur um darin ein weiteres Verwandschaftsfoto in minimaler Auflösung zu finden.
judith-urban
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7. Antwort ganz unten
Ich freue mich sehr über Emails von meiner Mutter. Nur dachte ich anfangs, sie würde aus Versehen den Antwort-Button drücken, bevor sie etwas geschrieben hat. Das lag daran, dass sie ihre Zeilen immer unten anfügte und nicht oben drauf setzte. Jetzt scrolle ich immer zum Ende der Mail, um das Neueste zu erfahren. Als ich ihr behutsam mitteilen wollte, dass es anders lesefreundlicher wäre, war es mir nicht möglich, begreifbar zu machen, worum es eigentlich ging. Deswegen macht sie es immer noch so.
max-scharnigg
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8. Nicht einkaufen trauen
Naja, ich habe damals vor Jahren auch sehr ungläubig und furchtsam auf den Bildschirm geschaut, als ich dem Browserfenster dieser peruanischen Fluggesellschaft meine Kreditkartendaten anvertraute. Kreditkarte war damals für mich neu, im Computer bezahlen war damals auch neu, aber ich brauchte dringend diesen Anschlussflug von Lima nach Arequipa und mit meinem Spanisch war es damals nicht weit her. Meine Angst war halt, dass ein paar kecke Peruaner meine Daten mit einem höhentauglichen Netz aus der Internetdingsbumsbahn fischen würden und meine angesparten 700 Mark in tonnenweise Pisco Sour investierten. War dann nicht so, war überhaupt seitdem nie so. Internetbezahlung aus meiner Sicht: Eins A. Hab ich auch meinem Bruder gesagt, der es bis heute nicht glaubt. Online schaut er sich alles an und sucht aus, aber er würde partout nicht auf die Idee kommen, relevante Daten in Masken zu geben. Geschweige denn nach Peru. „Dann stehen die irgendwann noch vor meiner Tür“, sagt er gern. Dann frage ich, wer denn da stehen könnte? Die Antwort bleibt er mir schuldig. Naja, so eine Angst ist ja auch was sehr Persönliches.
peter-wagner
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9. Copy-Paste
Ich habe keine rechte Taste an meiner Maus. Manche Menschen halten das für einen Fehler, ich finde diese Apple-Besonderheit aber eher gut. Denn sie bewahrt mich davor, ständig in Texten rumzuklicken. Muss ich das bei anderen Menschen beobachten, werde ich schnell unruhig. Warum auf die rechte Maustaste drücken und auf "Kopieren" klicken, wo man einen markierten Text doch auch mit "apfel-C" und "apfel-V" von hier nach da bewegen kann?
dirk-vongehlen
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10. Auto-Vervollständigen
Es ist schön, wenn mir jemand hilft. Wenn ich beobachte, wie jemand Fremdes angebotene Hilfe ausschlägt, ärgert mich das. Wenn diese Beobachtung am Computer stattfindet, ärgert es mich doppelt. Ich sehe einen Freund, der am Computer ein Formular ausfüllen muss oder eine Suchanfrage eingeben möchte. Der Computer sieht das auch. Er möchte ihm oder ihr helfen.
Auto-Vervollständigen nennt man das. Der Computer bietet nach Eingabe einiger Buchstaben eine vollständige Adresse oder ein ganzes Wort an. Warum geht man auf das Angebot nicht ein? Warum tippt man umständlich (und meistens falsch), wenn doch auch der Computer das machen könnte?
dirk-vongehlen