09.09.2009 - 16:00 Uhr

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abgenabelt -- angekabelt -- teil 3

Text: bergerac in Überzeugte_Grantler (25)



Dieser erste Atemzug verwandelte sich umgehend, als ich ihn über die Stimmbänder wieder nach aussen entlies zu meinem ersten Protestschrei - ich schrie an gegen --- die Ungerechtigkeit, die mir bereits in sehr jungen Minuten wiederfahren sein sollte-
gegen--- Zwangsumsiedlungen im Allgemeinen und gegen meine im Besonderen – gegen --den Hunger auf der Welt, der durch mich höchstens noch größer werden würde – gegen –-- ich weiß nicht was noch Alles – gegen --- den Vietnamkrieg;- Notstandsgesetze, -Franz Joseph Strauss --– usw. – --prophylaktisch, ---wenn schon mal jemand zuhört!!!!
Das eben erst „erlernte“ Atmen wurde mir damit nicht erleichtert.
Nicht nur meine Lebensader wurde mir damit durchtrennt, NEIN damit begnügte man sich keineswegs. Nein auch aus meiner Wohnung wurde ich hinausgejagt, geschlagen, und nackt zur Schau gestellt wurde ich obendrein. Eine Ahnung von unheimlicher Gefahr stieg in mir auf, seit ich von meiner Mutter getrennt war. Ich befand mich plötzlich und unvermittelt in einem völlig falschen Film, der zudem noch ziemlich überbelichtet schien.
Ich kam mir vor wie ein 13-jähriger, der von seiner Erziehungsberechtigten in der irrigen Annahme, dass es sich bei dem Film „Im tiefen Tal der Superhexen“ um einen netten Märchenfilm handeln müsse, im Kino abgeliefert wird um sich in einem für damalige Verhältnisse eher härteren Porno von Russ Mayer wiederzufinden ( was ich selbstredend in fortgeschrittenen Alter auch noch live miterleben sollte ). Ebendieser war dafür bekannt, ausschließlich mit Darstellerinnen mit überdurchschnittlich großen Brüsten zu arbeiten.
Solche Exemplare waren auch die ersten wirklich herausragenden Bekanntschaften mit dieser Welt. Denn auf solche, wie die unter ihnen befindliche Frau ebenfalls massiv geschwängert wirkende Exemplare, wurde ich zuerst einmal, allerdings nur kurz, gepresst. Die Frau unter den Brüsten stellte sich mir übrigens als „Mama“ vor, was auch immer das sein sollte-vielleicht so etwas wie ein Immobilienmakler, der einem behilflich sein konnte eine neue Bleibe zu finden.?.? Wie man sieht war meine Vorstellung von der „Welt“ noch sehr bruchstückhaft und diffus.
Eine Frage die mich jedoch damals (weniger) wie heute (etwas mehr) umtreibt, ist die nach wie vor vorhandenen starken Affinität zur weiblichen Brust. Lange Zeit dachte ich, dass es damit zusammenhängt, dass man Dinge, die man nach der Geburt als erste erblickt fixiert bleibt. Aber hätte ich dann nicht eher zuhause den Schrank voll mit gelben OP-Handschuhen
oder gar 200 Watt Osramstrahlern? Vielleicht hing es damit zusammen, dass diese mir nach dem Erstkontakt sofort wieder entzogen wurde??
Umgehend wurde ich – schuldunfähig – und vor allem unschuldig wie ein Neugeborenes, dass ich ja auch war, sofort in Isolationshaft genommen. Man zwickte mir eine Art Wäscheklammer an den Zeigefinger meiner linken Hand, klebte mir ein paar oblatenähnliche Gegenstände mit Kabeln dran auf meine noch sehr schmale Brust und ließ mich so einfach mal liegen. Gnädigerweise hatte man mir wenigstens mittlerweile etwas angezogen. Eine Art Plastikhose, die innen schön weich gefüttert war und in die ich um meinen Unmut und Widerwillen kundzutun mit großem Elan gleich mal rein pisste. Auch ein Nachthemdchen hatte man mir angezogen. Ausgerechnet blau – ich hasse die Farbe blau – wobei es sich mit dem Zustand vollkommen anders verhalten sollte. Ich hatte zwar nun eine neue Wohnung gefunden, mit zugegebenermaßen hervorragenden Rundumblick, aber was nützte mir dieser?
Da draußen war also die Welt, auf die ich ja unbedingt kommen sollte, aber nicht für mich, wie es aussah. Fehlte nur noch das Schild „WIR MÜSSEN LEIDER DRAUSSEN BLEIBEN“. Es war zwar warm und kuschelig in meiner Einzelzelle, was auch auf das Vorhandensein einer funktionierenden Heizung schließen ließ, jedoch wusste ich noch nicht wie ich für das Alles aufkommen sollte. Heute sehe ich jedoch, dass ich wohl bis an mein Lebensende dafür zu bezahlen haben werde.
- Für eine kleine Unaufmerksamkeit – wobei ich mir keinen allzu großen Vorwurf machen kann.
- Was hätte ich tun sollen? Nicht mit dem Scheißatmen anfangen?
- Die hätten mich gnadenlos beatmet
- Einfach-- NEIN-- niente-- nada--njet-- schreien, aber ich konnte ja noch gar nicht sprechen und es hätte eh wieder niemanden interessiert.
- Mittelfinger zeigen – Arzt anpissen – ins Gemächt treten, realistisch betrachtet – es hätte alles nichts genützt.
Hätte es machen sollen wie meine Schwester – Frauen sind eben doch intelligenter-- Totgeburt
Oder meine Nachgeburt – hat sich von der ersten Silbe ihres Vornamens getrennt und feiert als Senta Berger beachtliche Erfolge als Schauspielerin im deutschsprachigen Raum.
Aber es half kein Jammern, Philosophieren oder Zetern.
Ich war nun einfach mal -- DA
In jedem Fall waren damit auch bereits die ersten Weichen meines Lebens in Richtung Umweg gestellt Ich war, wie es schien nicht mal im Stande meine Mutter auf dem eigentlich dafür vorgesehenen Weg zu verlassen.
Die Richtlinienkompetenz des „Willens“ hatte bereits Schaden genommen und ein Faible für Umweg sollte ein Grundmotiv meines Lebens sein

und vor allen Dingen auch –- bleiben......


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