02.09.2009 - 18:30 Uhr

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Angehört und angetörnt. Neue Musik für den Frühherbst aka Spätsommer.

Text: max-scharnigg

Schließlich hat man jetzt wieder Zeit, vor dem knisternden iPod ein paar gemütliche Stunden zu verbringen.

Erstmal zu Einstimmung drei Lieder, die bei mir gerade so im Kopf sind. Super Titel, wilde Geschichte: Mt. St. Helen's Vietnam Band - "Albatross, Albatross, Albatross"

Irgendwie doch hypnotisch: The xx - "Crystalised" Hey, das Video soll mich nicht anrühren: Cubworld - "Good Morning Love" Jetzt weiter zu den Sachen. Stuart Murdoch heißt der ewige Junge aus Schottland, dessen beste Tat darin bestand, als er arbeitslos war die Band Belle&Sebastian zu erfinden - die netteste, vornehmste und eleganteste Popband der letzte zehn Jahre. Für seine Film-Projekt "God Help The Girl" hat er nun nicht nur vorab einen jubilösen Soundtrack geschrieben und bereits veröffentlicht, sondern auch allerlei zartschmelzige Sing-Stimmchen gesucht und gefunden. Herbstsoundtrack galore! Wer dazu kein Kastanienmännchen baut, der baut dieses Jahr keines mehr. „God Help the Girl“ Pop mit Kokosgeschmack macht der fabelhafte & anbetungswürdige Ezra Koenig aus New York. Schon mit seiner Band Vampire Weekend ( die hoffentlich fleißig an einem neuen Album arbeitet) klang das alles schwer nach Südsee, Hula und Teakholz. Jetzt unterstützt der smarte Heini das interessante schwedisch-französisch-malawische Projekt The Very Best (eigentlich lautet der Name: Esau Mwamwaya and Radioclit are the Very Best), die eine leicht skurrile Ethno-Indie-Platte vorgelegt haben. Die Langstrecke ist nur was für Leute, die keine Angst vor dem Wort Weltmusik haben und tropisch tanzen können, der Song „The Warm Heart Of Africa“ mit Koenigs sexy Leierkasten-Stimme ist aber ganz einfach ein exzellenter Sommerhit. Für die letzten warmen Tage und für alle mit fetten Glutaugen. Leider gibt’s dazu kein richtiges Video: Dafür aber schon mehre Remixe, zum Beispiel hier ein Instrumental von den notorisch-angesagten Architecture in Helsinki: Herr J. Tillman ist bisher als eigenständiger Multiinstrumentalist und Schlagzeuger der Fleet Foxes aus Seattle aufgetreten. Wir erinnern uns – das war die Band, die letztes Jahr die synthrock-zerschossenen Herzen der Indie-Emos wieder streichelte, mit ihrem rauschbärtigen Hippiesound. J. Tillman geht als Solist auf „Year in the Kingdom“ weiter in dieser Richtung spazieren und liefert melancholisch-düsteres Songwriting, allerdings in der Gourmetklasse. So dermaßen low ist das, dass die Band Low neidisch werden könnte. Ein trauriger junger Mann mit Gitarre gehört unbedingt in jedes Haus, wenn’s draußen kahl wird. „Firstborn“ von der Vorgänger-Platte. Das aktuelle Werk klingt genauso. Eine weitere hübsche Entdeckung dieses Sommers mit beknacktem Namen sind die Dodos aus San Francisco. Irgendwie sehr akustische Gitarren die leicht psychedelisch in der Ecke hängen, mehrstimmiger Gesang und moderate Lazyness. Das Album „Time to die“ eignet sich, trotz des Titels, ausgezeichnet zum Radfahren auf dem Gehweg. Ihr kleiner Hit von letztem Jahr „Fools“ Der Erfolg der Band Kettcar und des ganze nGrandHotelvanCleefs war für den deutsche Indiepop nicht so richtig segensreich. Seither jedenfalls klingt alles, was nachfolgt, ziemlich ähnlich. Die Art zu betonen, den Gitarren-Refrain eindonnern zu lassen, das gefühlige Herausplärren von Männerwunden und mentales Herumtollen in Kornfeldern ödet schon ziemlich an. Die Band Mikroboyist leider keine rechte Ausnahme, aber sie verpackt das Zeug wenigstens so gut, dass ihr Debütalbum so gerade durchs Hirn geht wie eine Grillgabel durch Kräuterbutter. Igitt, ist das eklig. „Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten“ Und weil wir jetzt schon mitten im deutschen Gram sind, gibt’s zum Abschluss noch das frisch gepresste Video von Onkel Distelmeyer. Sein erstes Soloalbum kommt im Oktober und es dürfte, das macht schon diese, allerdings mäßige, Auskopplung klar, wieder hübsch nach Blumfeld klingen - auch ohne Blumfeld. War ja irgendwie klar. Also werden die einen People weiterlieben können und die anderen weiterhassen. Und so wird es immer sein - singt er ja selbst.



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10 Kommentare

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ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

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02.09.2009 - 18:48 Uhr
ThomasCrown

nagut, wer belle and sebastian vornehm und elegant findet, mag wohl auch the xx. sorry, max. laaaaangweilig!

(und wenn distelmeyer, dann murmel!)

donrazzi
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Mag ich Mag ich nicht

0

02.09.2009 - 20:21 Uhr
donrazzi

Kann es sein, daß dieses ganze Indie-Zeugs sich seit knappen zehn Jahren immer gleich anhört und sich nicht wirklich weiterentwickelt hat? Immer schön mit der Gitarre in den Offbeat und 'ne möglichst nölende Morissey-Stimme dazu... Und schwurps fühlen sich die ganze Mißverstandenen plötzlich verstanden.

herzschlag_ins_gesicht
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Mag ich Mag ich nicht

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02.09.2009 - 20:43 Uhr
herzschlag_ins_gesicht

schöne auswahl.

mein soundtrack in den herbst bisher: xx, j. tillman, health, califone, the antlers (unbedingt "two" anhören) und banjo or freakout.

bon ivers neues nebenprojekt volcano choir klingt auch vielversprechend.

ach und: mayer hawthorne. für die letzten sonnigen abende.

lousal
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Mag ich Mag ich nicht

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03.09.2009 - 12:18 Uhr
lousal

ich halt mich an den herzschlag.

schuechternes_Weissbrot
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Mag ich Mag ich nicht

2

03.09.2009 - 12:32 Uhr
schuechternes_Weissbrot

Auch wenn mir die Musikauswahl nicht ganz sooo sehr taugt wie beim letzten Mal: Schön, dass du wieder diesen Musikthread aufmachst :). Ich bin dir immer noch dankbar, dass ich jetzt deinetwegen the Eels kenne.

idealist
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Mag ich Mag ich nicht

1

03.09.2009 - 13:55 Uhr
idealist

kann da dem weissbrot nur zustimmen. die musikauswahl sagt mir eigentlich gar nicht zu aber schön dass das tag weiter belebt wird!

heavenly-jason
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Mag ich Mag ich nicht

0

03.09.2009 - 14:12 Uhr
heavenly-jason

xx sind großartig. und demnäxt live unterwegs.
god help the girl versüßen tag und nacht.
die neue dodos find ich persönlich leider nur nebensächlich, aber zum abwasch klingen sie nett.
mikroboy mit versuchter lässigkeit, leider meiner meinung nach vollkommen überbewertet, trotz einiger kreativ gelungener sätze. der rest muss noch wirken.

noplacespecial
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Mag ich Mag ich nicht

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03.09.2009 - 16:43 Uhr
noplacespecial

herzschlag_ins_gesicht sagte:
the antlers (unbedingt "two" anhören)


und den rest auch.

bei max bedanke ich mich für cubworld-song.

SchwedenHund
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Mag ich Mag ich nicht

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03.09.2009 - 18:18 Uhr
SchwedenHund

Dankeschön.
Ein paar die mir gefallen, und ein paar die es nicht tun.
Ich wusste nicht das Jochen Distelmeyer eine neue Single hat. Ist an mir vorbeigezogen. Gut, das ich es jetzt weiß.

kleiner_waschbaer
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Mag ich Mag ich nicht

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04.09.2009 - 23:17 Uhr
kleiner_waschbaer

wenn das grandhotel öde ist, bin ich froh drum. besser öde und langweilig sein (und dabei gute musik zu machen) als jedesmal das rad neuerfinden zu müssen.
trotzdem vielen dank für jochen distelmeyer. erinnert mich ein wenig an kante.


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max-scharnigg offline

max-scharnigg

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

Das Problem ist der Konsens.