Hommage an Oasis
Text: ally1983
Oasis. Ja.
Oder Take That. Genau.
Eigentlich hat alles mit Take That angefangen,
damals im Frühling 1996. Es hat mit der einen Band angefangen, und das nur, weil sie aufhörte, und für mich machte das damals irgendwie Sinn. Schließlich suchte ich eine neue Lieblingsband,
eine die mich nun so richtig herausziehen würde aus der Tristesse der Vorstadt und der beginnenden Adoleszenz. Pathos!
Und da waren sie plötzlich: sie knallten mir aus Jugendzeitschriften entgegen, Liam in einer roten Trainingsjacke, Noel mit Gitarre daneben und der Rest der Band irgendwie dahinter. Achtete eh kaum jemand drauf, zumindest nicht als ich 12 war und sie so auf diesem Foto sah (welches ich herausschnitt und an mein Fenster klebte. So schien die Sonne, wenn sie unterging, immer durch Oasis hindurch und sie erstrahlten-
nunja. Jedenfalls hat es so angefangen.
Goodbye, hello. Und es folgten Nächte heimlichen Radiohörens, Warten auf ihre Lieder, ich hatte zu wenig Taschengeld, verdammt.
'Oehsis? Das sind doch diese sich rumprügelnden Brüder?
Nein, dafür bekommst du garantiert kein Geld. Hör dir lieber die alten Beatlesplatten hier an, ist eh dasselbe!' (Meine Mutter.)
Jetzt reichte es mir. Erstens war ich sowieso schon längst Beatlesfan und Oasis schlugen deswegen so gut bei mir ein
(dachte ich) und zweitens interessierte doch niemanden, ob sie sich nun schlugen. Wobei ich trotzdem neugierig all die Berichte über diverse Prügeleien und Skandale las.
Und dann! 'Slip inside the eye of your mind...' DER Übersong im Fernsehen, also der Videoclip.
Und ich davor:
Kirschen essend, Kerne spuckend, Herz klopfend, Noel singend.
Irgendwas erwischte mich nun endgültig. Ich rannte los, um mir die Single zu kaufen.
Oh, ich wünschte, 'Don't Look Back In Anger' wäre meine erste Single gewesen – dieser Meilenstein der Musikgeschichte, um mal so richtig schlechte Phrasen zu dreschen.
Sie war es nicht. Aber das war egal – es gab keine andere mehr für mich! Den ganzen Sommer lang hörte ich dieses Lied, die EM begann, man hörte es noch öfter, man hörte es aus Radios, Bars und Kinderzimmern.
Ich war völlig besessen. Alles, alles sammelte ich nun über Oasis, ich kaufte mir Musikzeitschriften und die beiden ersten Alben, ich nahm die Lieder auf Tapes auf, um alle meine Freunde damit zu beglücken (was leider nicht ganz so gut ankam, wie ich mir vorgestellt hatte. Naja, das ist untertrieben.)
Und so kannte ich, als ich 12 war, niemanden, der die Band auch mochte. Alle hörten nur Zeug wie East-17, die Backstreet Boys, Scooter oder gar Pur.
Diese Hommage ist Dreck, denn ich schweife ja dauernd ab. Es ist nicht wichtig, ob ich alleine war, wenn ich Oasis hörte, war ich eben nicht alleine. Ich war nicht einmal mehr in meinem Zimmer! Es war wirklich so. Oasis hören war wie Fliegen. Und dabei Bier trinken. (Was mir damals noch nicht schmeckte.)
Ein paar Jahre später sang ich mit Hunderten von Leuten
'Live Forever', als Oasis in der Columbiahalle spielten.
An einem heißen Tag im Juni. Ich fühlte mich unendlich, wurde umarmt, ich trank Beck's und sang auf diesem Konzert so laut, dass ich noch Tage später Halsschmerzen hatte. Ich wünschte, es wäre mein erstes Oasiskonzert gewesen, so wie das von dem einen Jungen, er stand hinter uns mit leuchtenden Augen und sagte immer nur, 'oh mein Gott, ich bin wirklich hier...das passiert hier gerade wirklich! Ich kann es nicht glauben..', bis sein Freund ihn etwas haute, damit er wieder runter kam.
Mein erstes Oasiskonzert war so wie vielleicht die der Zukunft.
Noel war gerade aus der laufenden Tour ausgestiegen und die Band sichtlich mies gelaunt. Liam stand arroganter denn je zuvor auf der Bühne, während die Sonnenstrahlen und etliche, geworfene Plastikflaschen auf ihn herunterknallten. Cool! Äh, nein..
Trotzdem war ich natürlich völlig hin und weg,
die Sache mit Noel war zwar schrecklich, aber hey-
Oasis! Live! Zum ersten Mal, nach all diesen Jahren. Irgendwie hatte es davor nie geklappt.
Und so ist das wohl bei Oasis. Es war immer alles irgendwie unperfekt.
Und doch vergaß man das, man vergaß auch, dass sie in den letzten Jahren immer schlechter wurden, Liams Stimme sich verabschiedete. Verabschieden werde ich mich nie, ha.
Wieso auch?
Mir fällt keine andere Band ein, die mich so lange festgehalten hat.
Mit der ich ein ganz klein wenig erwachsen wurde.
Mit der ich mich stundenlang weit weg fühlen konnte, wenn alles furchtbar war.
Die mich all das Schöne und all das Schlechte besser ertragen ließ.
Die Band meiner Jugend.
Neue Texte zum Label 'loveandmusic':
Textoptionen
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02.09.2009 - 00:17 Uhr
ShesSoHigh
Manchmal bekomme ich Anflüge in denen ich merke, was mir das alles mal bedeutet hat, früher, wenn mir im Plattenladen ne überteuerte LP in die Hände fällt oder rare singles zum Beispiel, wie heute erst, oder wenn ich, wie gestern erst, einem Fan zum ersten Mal die Berwick Street zeige.
Oder wenn ich Setlisten sehe auf denen Whatever steht, wie in Wembley im Juli.
Es ist für mich trotzdem eher, als würde sich ein Kreis schließen. Ich hab mit der Band abgeschlossen, und nun hat die Band scheinbar auch mit sich abgeschlossen. Und irgendwie ist es auch einfach okay so.
Please don't put your life in the hands
of a rock'n'roll band
who'll throw it all away.