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Sex

| 01.09.2009 15:45  

Aus gegebenem Anlass!

Text: haruki
Was soll das? Wo sind wir denn, am Arsch oder was. Was soll man denn tun, wenn man zur Menschenfeindlichkeit neigt. Nicht wegen des Menschseins per se, mehr aufgrund der verschiedenen Ausprägungen der Dämlichkeit und Schlimmheit mancher Menschen. Da fällt man doch rücklings vom Stuhl, wenn man wieder was liest und sagt: Ich glaubt es nicht und dann liest man es am WG Tisch vor und die anderen glauben es auch nicht.
Nun versuche ich ja manchmal zu schreiben, das kann man so und so finden. Dazu bin ich auch noch schwul, was man ja eher gut finden sollte, weil da wenig zu machen ist. Aber das heißt ja nicht, dass alle es wirklich super finden. Da ist schon viel schief gegangen. Die ganze Sache wäre aber um vieles einfacher, wenn man als Schwuler tatsächlich immer hübscher, immer mehr Stil hätte als alle anderen, wie oft gesagt wird. Dem ist aber leider natürlich nicht so, wie sähe das denn aus, außer besser?
Es ist nur so, dass viele Schwule ganz furchtbar furchtbare Menschen sind, die irgendwie zu denken scheinen, dass Schwulsein irgendwas über sie aussagen würde, was über die Partnerwahl hinausgeht. Max Goldt sagte sehr klug, dass seine Homosexualität genauso viel über ihn aussagt wie sein Vegetariertum, nämlich herzlich wenig. Aber diese Idee, dass Schwulsein sehr normal ist, wird leider von vielen Schwulen zu gern unterwandert, weil man ja doch anders sein will, nur bitte ohne die Gesellschaftlichen Sanktionen, die damit einhergehen.
Aber zurück zu meinen Schreiben. Denn auf meiner Suche nach einer Verwertbarkeit meiner Arbeiten stieß ich auf einen schwulen Literaturwettbewerb, der konfessionsfreie Geschichten über schwul-lesbische Freundschaften feiern wollte, was ich erstmal solala fand aber noch im Rahmen des akzeptabeln. Leider wurde dieser Rahmen durch eine Vorgabe des Wettbewerbes gesprengt, die Vorgabe war der Anfang der Geschichte, den ich hier jetzt im Wortlaut genau wiedergebe um das Grauen, den Horror, den Horror des gelieferten Genderverständnisses aufzuzeigen. Festhalten, hier kommt ein Karton:

„Wo sind eigentlich vor den ganzen Kirchen die Denkmäler für all die gebratenen Frauen?“, wandte sich Mareike an Björn, der gerade schweißüberströmt vom Training für die Gay Games kam.

Zurück zu meiner Eingangsfrage: Was soll das? Ich meine wie schlimm kann es den in drei Zeilen werden. Was für ein Verständnis tropft denn da bitte aus diesen Worten. Da sage ich doch gleich, ich bin das nicht und füge ein Igitt hinzu. Dabei fällt es mir schwer den Finger genau heraufzulegen, auf diesen schieren Blödsinn, der wohl etwas heißt wie: Wer schwul ist hat die Aufgabe auch schwul zu sein. Gehe zu den Gay Games, tanze auf dem CSD mit so wenig an wie möglich. Schaue Grand Prix, lies keine Bücher und sei sehr Körperbewusst und zeig das vor allem auf Gay Romeo. Was es heißt ist, dass nicht einmal die Schwulen begreifen, dass sie auf gar keine Weise zu sein haben, dass es kein Klischee gibt, das sie unbedingt erfüllen müssen. Es wird vergessen, dass es nur einfach ist sich so zu verhalten wie andere es verlangen. Und wie man zu sein hat, darüber sind sich die Schwulen und die Homophoben schrecklich einig. Aus diesen Mündern schreit sich eine Ignoranz, die schwer zu ertragen ist, da sie die offensichtlichen Kulturellenmechanismen nicht durchschaut, sondern diese viel mehr als gegeben akzeptiert. Als eine tatsächliche Realität, deren normative Performanz an jeder Möglichen Stelle praktiziert werden muss. Es findet sich vor allem in den schwulen Medien, nicht der Wille daran etwas wirklich ändern zu wollen, viel mehr wird munter mitgespielt. Wird, wenn überhaupt, ein Politisches Behauptet, das auf keinen Fall politisch ist. Jedes Subversive geht abhanden, jede Möglichkeit der Änderung wird verspielt im Funvolk der Szene, deren Vorstellungen ihrer Lebenswelt inzwischen von dem Zeitgeist anderer schon längst überholt wurde. So dass man auf ARD und RTL besserer Ideen von Modernität finden als in irgendeiner Schwuchtelzeitung. Allein aus diesem Wettbewerb stinkt es gewaltig, der zwar den Willen hat etwas aufzeigen zu wollen, nur leider derart stringent in platten Worthülsen, dass sich meine Haare aufstellen, bis sie nicht mehr stehen können, denn sie wissen, dass so etwas nichts ändern wird, nur zementieren.

Also nun. Was jetzt, was weiß ich. Ich kann ja auch nur meckern und über die Lächerlichkeit dieses Wettbewerbes lachen. Es an Küchentischen vorlesen und mich an der Fassungslosigkeit anderer weiden. Und irgendwann, irgendwann und morgen und morgen und morgen ein paar klügere Worte finden als diese. Und vielleicht etwas darüber schreiben wie es ist schwul zu sein, ohne darüber zu schreiben wie es ist schwul zu sein. Nur ein normales Lieben, dabei leben, wie jeder Hinz und Kunz. Mit meinem Freund, dem besten Musicaldarsteller.


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Kommentare
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jane_lane 01.09.2009 | 16:57
ich lache und weine immer noch. aber vor allem weine ich, aber vor allem lache ich. ich der schwulenmagnet.

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Remy 01.09.2009 | 19:29
"Mit meinem Freund, dem besten Musicaldarsteller."
Haha! Toll

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lousal 01.09.2009 | 20:01
Und vielleicht etwas darüber schreiben wie es ist schwul zu sein, ohne darüber zu schreiben wie es ist schwul zu sein.

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reload 09.09.2009 | 18:14
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kakaoseele 12.09.2009 | 13:46
wenn der satz auch in der mitte vom text stehen darf, kannst du ja diesen text hier einreichen!!
mensch, ich fass es nicht.
ich kapier nicht mal, was gebratene frauen sein sollen.

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