31.08.2009 - 18:30 Uhr

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Anna, Studentin

Text: peter-wagner - Foto: Jürgen Stein

Münchner Lebensgeschichten um's Eck: Für diese Kolumne besuchen wir die Freunde von Freunden.

„Den musst du unbedingt mal kennenlernen!“ So redet man über Menschen aus dem Freundeskreis, die man für das bewundert, was sie machen oder wer sie sind. In der Kolumne „Zu Gast bei Freunden“ lernt unser Autor genau diese Menschen in München kennen – die Person, die er vorstellt, sagt, wen er als nächstes kennenlernen soll. Vorangegangene Folgen stehen hier.
Ich leb’ doch für den Moment, sagt Anna. Anna Weileder hat einen Blick wie einen festen Handgriff. Man kommt ihren braunen Augen nicht so leicht aus. Sie bestellt Marlboro Medium an ihren Cafésitzplatz am Englischen Garten und erzählt ihre Münchner Geschichte; ein Leben zwischen Putzbrunn und Schwabing, zwischen Supermarkt und Superküche, zwischen Vorlesung und Vorspeise, eine kleine Pendelei in den Grenzen der Stadt. Anna studiert im siebten Semester Literatur, Psychologie und Archäologie an der LMU und widersteht bislang dem komischen Druck, ihr Studium mit Ortswechseln personalcheftauglich zu machen. „Ich hab’ nicht das Gefühl, dass ich ins Ausland muss, um mich zu finden“, sagt sie. „Ich glaube, ich kann mich auch in München ganz gut finden und dazulernen.“ Die Eltern in Putzbrunn sind Polizist und Lehrerin und machen aus ihrer Tochter einen Menschen, der sich sein Leben selbst verdienen soll. Anna setzt sich mit 14 in den Supermarkt um’s Eck und sagt: „Vier Cent zurück, vielen Dank und einen schönen Tag noch.“ Sie verdient ihr erstes Geld als Kassiererin. „Ein schlimmer Job“, sagt sie. „An der Kasse vergeht die Zeit einfach nicht.“ Gegen Ende der Schulzeit kellnert sie und kommt nicht mehr weg aus der „Gastro“. Der Anruf eines Freundes von einem Freund befördert sie nach dem Abitur in die Dienste von Sternekoch Holger Stromberg. „Nimm einen Teller in die Hand, geh zu Tisch vier und decke im dritten und vierten Gang Fisch und Suppe ein“, sagen sie ihr und wochenlang beklagt sie sich Abend für Abend bei ihren WG-Mitbewohnerinnen, sagt, dass sie am je folgenden Tag kündigen werde – die Ansprüche zu hoch und der Umgang zu schroff, die höhere Gastronomie schmeckt zwar, ist aber anstrengend. Doch Anna bleibt zäh und erlebt später auch in anderen gehobenen Restaurants das, was andere im Erasmus-Programm suchen: Abstand von der gewohnten Welt und das erhebende Gefühl, dass die Dinge am schönsten sind, die anfangs am anstrengendsten wirken. Anna findet sich ein in den Service, sie lernt, den Gästen zu schmeicheln, vielleicht hilft der Blick dabei. Kellner sind nicht nur Tellerträger. Anna erlebt Paare, die sich schon beim Essen zum zweiten Hochzeitstag nichts mehr zu sagen haben. Dann liefert sie einen Gesprächsanlass. Bis zu sechs Mal die Woche führt sie das Doppelleben so vieler Münchner Studenten, die nachts nach Kellner-Arbeit im Bett liegen und morgens um neun in der Universität sitzen und zum Beispiel Vorlesungen über Karl Philipp Moritz hören. Der Zeitgenosse Goethes, sagt Anna, definierte den Begriff des Schönen ganz anders: „Ihm geht es um den Moment der Betrachtung“, schwärmt Anna. Mit 15 Seiten Karl Philipp Moritz könne man zwei Wochen zubringen. „Er definiert Dinge, die ich so nicht einmal ausdrücken könnte.“ Was hat sie in der Archäologie gelernt? „Scherben taugen nicht, um Menschen zu charakterisieren.“ Gastronomie? „Du musst die Menschen lieben. Jeden Tag.“ Psychologie? „Wissen schafft Gelassenheit.“ Und was wird nun daraus? „Du fragst Sachen“. Anna spricht von ihrem Spaß an den Moritzschen Momenten, von einer Bar oder einer Promotion, „mein Weg ist doch nicht vorgezeichnet“, sagt sie. Geht doch gerade erst los, dieses Münchner Leben, 25 Jahre alt. Anna sagt, „nächste Woche musst du unbedingt den Hannes kennenlernen“. Er arbeitet für die Liebe.


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Cate81
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Mag ich Mag ich nicht

9

31.08.2009 - 19:07 Uhr
Cate81

Auch auf die Gefahr hin, wieder mal zu meckern:

Ich fand den Text ein bisschen dünn. Ein Mittelschichts-Mädel, das kellnert und das Leben genießen will. Aha.

Die Essenz dieses für mich auf dem Bild verschlossen wirkenden Mädchens mit auffälligem Kleid & Ohrringen bringt er nicht hervor.

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

1

31.08.2009 - 19:16 Uhr
ein_oxymoron

schon wieder essen!

alces
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Mag ich Mag ich nicht

1

31.08.2009 - 20:19 Uhr
alces

ein_oxymoron sagte:
schon wieder essen!


Essen ist nie verkehrt - außer, es geht um den Ort.

marphine
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Mag ich Mag ich nicht

1

31.08.2009 - 21:04 Uhr
marphine

ist dieser hannes, der für die liebe arbeitet, einer von der schlussmachagentur?

suey
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.08.2009 - 21:37 Uhr
suey

hm. und jetzt?

littlejohn
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Mag ich Mag ich nicht

2

31.08.2009 - 21:42 Uhr
littlejohn

Die Frage die bleibt ist natürlich warum ich die jetzt unbedingt kennen lernen muss.......

alces
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.08.2009 - 22:08 Uhr
alces

littlejohn sagte:
Die Frage die bleibt ist natürlich warum ich die jetzt unbedingt kennen lernen muss.......


Das war doch die Empfehlung des Punk/Kochs von letzter Woche. Und so funktioniert dieses Spiel eben. Sie ist vermutlich eine weltklasse-Kellnerin, das imponiert dem Mann in der Küche...

Ashur
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.08.2009 - 22:17 Uhr
Ashur

Hat sie einen Blick und einen festen Handgriff oder hat sie einen Blick wie ein fester Handgriff?

virginja
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Mag ich Mag ich nicht

0

01.09.2009 - 07:00 Uhr
virginja

ist die so besonders?

Mellie78
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Mag ich Mag ich nicht

0

01.09.2009 - 08:35 Uhr
Mellie78

Anna find ich gut. Weil sie nicht dieses "ich muss unbedingt weg um was zu erleben" Ding drauf hat.

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peter-wagner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


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