Die Piraten - eine bürgerliche Protestpartei?
Die Umfragen der Online-Communities sehen die Piraten schon im Bundestag, die Wahlforscher scheinen die Partei dagegen gar nicht erst auf dem Zettel zu haben. Ein Textmarker zur Piratenpartei
Die Piratenpartei ist die Protestwahl des jungen, gebildeten Bürgertums. Gerade wer in den 90er Jahren politisch sozialisiert wurde und daher die Zeit der ideologischen Konfrontation verpasst hat, gibt viel weniger auf die Bindung zu den etablierten Parteien. Da Nichtwählen die Ultima Ratio für jeden politischen Menschen ist und die radikalen Parteien stinken, könnte die Piratenpartei mit ihrem an freiheitlichen und bürgerrechtlichen Idealen (orientierten) Programm eine Ventilfunktion einnehmen. Wo steht das denn? Diese Einschätzung stammt von Journalist Sebastian Christ, der sich derzeit im Blog von stern.de seine Gedanken zur Bundestagswahl macht. Er hält die Piratenpartei für ein reines Phänomen jüngerer Generationen, die das Zeitalter des Ost-West-Konflikts nicht miterlebt haben. Wie in vielen Online-Umfragen steht die Piratenpartei derzeit auch im jetzt.de-Kosmos hoch im Kurs. Die jüngste jetzt.de-Sonntagsfrage sieht die Piraten bei stolzen 23 Prozent, nur die Grünen erreichen einen besseren Wert. Spiegelt dieses Ergebnis Sebastian Christs Einschätzung wider? Stimmen viele jetzt.de-Nutzer nur deshalb für die Piraten, weil sie sich als bildungsbürgerliche Protestwähler verstehen und in der Partei die einzige Alternative zum Nichtwählen sehen?
- Nach der Bundestagswahl wird abgerechnet 27.09.2009
- Der Kosmos hat gewählt: Das jetzt.de-Kabinett stellt sich vor 25.09.2009
- Die CDU - eine Rothosen-Partei? 24.09.2009
- Trommelwirbel: Die jetzt.de-Bundestagswahl 23.09.2009
- Wie zu Guttenberg so beliebt wurde 22.09.2009
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
Der Piratenpartei traut man momentan genau so wenig zu, weil sich viele Menschen nicht vorstellen können, wie wichtig das Thema Internet für einen Menschen sein kann und wie wichtig es für unsere Gesellschaft noch werden wird.
Die Piratenpartei hat Potenzial für eine ganz eigene Story. Die Piratenpartei war längst überfällig. Die Piratenpartei wird uns noch lange erhalten bleiben. Sie wird auch noch ihre Fußspuren in der deutschen Politik hinterlassen. Auch wenn sie in der kommenden Legislaturperiode erstmal noch in der außerparlamentarischen Opposition aktiv sein wird.
Ich möchte behaupten, dass dieser Wahlkampf interessanter ist, als er es auf den ersten Blick zu sein scheint ;)
Interessant, welchen politischen Dinge sie mittlerweile vertreten, WEIT über das "Online-Geplänkel" hinaus.
Also nicht nur reduziert auf Online-Zensur ect.
Das macht sie für mich nun absolut wählbar. Schön.
Bin mal gespannt.
die kleinste zelle der piraten nennt sich crew. ich war neulich bei unserer hochschulgruppe. und das ist wirklich verdammt nerdig.
der zeitpunkt der bundestagswahl könnte für die partei sehr günstig oder sehr ungünstig sein.
zum einen kommt die wahl zu früh. die partei ist unreif, sie ist mehr mit organisieren des wahlkampfes als mit politik und inhalten beschäftigt. deshalb hat sie kaum substanz.
zum anderen ist das profil sehr unscharf. jeder kann das in die partei hineinprojizieren, was er sich selber wünscht: die gründe für die wahl der piratenpartei denkt man sich selbst bzw. findet sie in der unwählbarkeit anderer parteien, die gründe die gegen die piratenpartei sprechen sind potentiellen wählern nicht bekannt. das wäre ein argument für den richtigen zeitpunkt der wahl: noch hat die partei niemanden durch polarisierende aussagen verschreckt.
Ich mein, wenn die Wahlbeteiligung dank der Piraten z.B. mal um ein paar Prozentpunkte zulegt, kann es knapp werden für die CSU auf Bundesebene die 5%-Hürde zu schaffen. Nicht auszudenken...
aaaarrrrRRRRRR!
Die Auswirkungen wären nicht so gravierend, da die CSU mit Sicherheit drei oder mehr Direktmandate in Bayern holen wird und somit mit voller Truppenstärke in den Bundestag einziehen würde.
Das kann man ihnen zum Vorwurf machen, wenn man will. Aber sie besetzen mehrere Themen, das wie ein Vorredner schon gesagt hat, andere Parteien nicht besetzen wollen oder können.
Für meinen Teil kann ich das Partei-/Wahlprogramm der Piraten unterschreiben.
Das Wahlprogramm ist schmal, aber dafür absolut wählbar. Mir ist es lieber eine Partei zu unterstützen die die Klappe halten kann solange sie keine Ahnung hat, bei der aber die Aussagen die getroffen werden stimmen. Ausserdem ergibt sich hier noch die Chance die Partei bis zur nächsten Wahl mit zu entwickeln, bevor sie verkrustet.
Im übrigen sind Anregungen und Beteiligung über das zentrale Wiki auch von nicht-Mitgliedern gerne gesehen, wer also Lust hat die Piraten mit zu gestalten muss nicht Beitreten. Man wird auch so wargenommen.
seleukos sagte:
Sie haben ein klar umrissenes Wahlprogramm.
haha, genau.
Die_Eintagsfliege sagte:
Im offiziellen Wahl-o-mat, ich hätte es nicht gedacht, kam bei mir die Piraten an die erste Stelle.
Interessant, welchen politischen Dinge sie mittlerweile vertreten, WEIT über das "Online-Geplänkel" hinaus.
Also nicht nur reduziert auf Online-Zensur ect.
das kommt dabei heraus, wenn man sich nur wahlomat-thesen verlässt anstatt mal das konzept der partei auf ihrer website unter die lupe zu nehmen. dort findet man nicht viel über politische standpunkte fern dessen, wofür sie hauptsächlich stehen.
Alle Kommentare anzeigen








2
08.09.2009 - 19:29 Uhr
riesenherz
Natürlich hat auch Christ recht (z.T.), aber es ist wohl auch so, daß die Piraten ein ganz großes und mittlerweile sehr wichtiges Thema mit einer Kompetenz besetzen (wie damals die Grünen), welche die etablierten Parteien nicht in Ansätzen besitzen, obwohl sie alle "Jugendorganisationen" haben.