08.09.2009 - 18:30 Uhr

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Die Piraten - eine bürgerliche Protestpartei?

Text: andreas-glas - Foto: dpa

Die Umfragen der Online-Communities sehen die Piraten schon im Bundestag, die Wahlforscher scheinen die Partei dagegen gar nicht erst auf dem Zettel zu haben. Ein Textmarker zur Piratenpartei

Die Piratenpartei ist die Protestwahl des jungen, gebildeten Bürgertums. Gerade wer in den 90er Jahren politisch sozialisiert wurde und daher die Zeit der ideologischen Konfrontation verpasst hat, gibt viel weniger auf die Bindung zu den etablierten Parteien. Da Nichtwählen die Ultima Ratio für jeden politischen Menschen ist und die radikalen Parteien stinken, könnte die Piratenpartei mit ihrem an freiheitlichen und bürgerrechtlichen Idealen (orientierten) Programm eine Ventilfunktion einnehmen. Wo steht das denn? Diese Einschätzung stammt von Journalist Sebastian Christ, der sich derzeit im Blog von stern.de seine Gedanken zur Bundestagswahl macht. Er hält die Piratenpartei für ein reines Phänomen jüngerer Generationen, die das Zeitalter des Ost-West-Konflikts nicht miterlebt haben. Wie in vielen Online-Umfragen steht die Piratenpartei derzeit auch im jetzt.de-Kosmos hoch im Kurs. Die jüngste jetzt.de-Sonntagsfrage sieht die Piraten bei stolzen 23 Prozent, nur die Grünen erreichen einen besseren Wert. Spiegelt dieses Ergebnis Sebastian Christs Einschätzung wider? Stimmen viele jetzt.de-Nutzer nur deshalb für die Piraten, weil sie sich als bildungsbürgerliche Protestwähler verstehen und in der Partei die einzige Alternative zum Nichtwählen sehen?
Christ vergleicht das Image der Piratenpartei mit dem Status der Grünen in den achtziger Jahren: Er bezeichnet die Piraten als "Anti-Parteien-Partei", die "gründungsgrüne Verhaltensmuster in die Gegenwart transferiert" und sorgt damit für Diskussionsstoff: Hat die Piratenpartei außer Protestpotenzial kein eigenes, ausgereiftes Profil, das über das Thema Internet hinausgeht? Oder sind die Piraten gerade deshalb reif für den Bundestag, weil sie sich mit dem Internet einem wichtigen Phänomen zugewandt haben, das andere Parteien bisher noch nicht erkannt haben? In den Kommentaren darf diskutiert werden, ob Sebastian Christs Ansicht stimmt oder ob seine Theorie schon an der vermeintlich paradoxen Verbindung von Protest und Bürgertum scheitert. Alles zur Bundestagswahl gibt es unter jetzt.de/wahl09


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strikingback
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Mag ich Mag ich nicht

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09.09.2009 - 14:02 Uhr
strikingback

wenn 82 Millionen Bundesbürger_innen unter Generalverdacht gestellt werden... wie schlimm wäre es denn, wenn es dagegen KEINE Protestbewegung geben würde!!??

synecstasy
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Mag ich Mag ich nicht

1

09.09.2009 - 17:49 Uhr
synecstasy

Wie auch immer das Ergebnis am Ende aussehen wird, ich denke, dass die Piraten durch ihren spezifischen Wahlkampf genau jene motivieren können, die ansonsten eher indifferent zu jeglichen Parteien und den Wahlen an sich stehen. Sie holen ihre potentiellen Wähler, dort ab, wo sie zu finden sind: http://www.synecstasy.com/2009/08/07/ent...

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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10.09.2009 - 03:43 Uhr
Digital_Data

Viele Wähler sind Wähler der Volksparteien (CDU/CSU und SPD), deshalb heißen sie ja Volksparteien, weil große Teile des Volkes sie wählen. Bisher hatte nur die SPD ein Ventil, nämlich die Linke, also einen Platz wohin man wechseln kann und sich einigermaßen wohl fühlen kann.

Für die CDU-Wähler gab es diesen Platz nicht. Die FDP, als einziger sinnvoller Zufluchtsort, hat bereits alle eingesammelt, die auch nur einigermaßen mit diesem Wechsel leben konnten. Die Piraten könnten dieses Ventiel tatsächlich sein, das nötig ist, um den lange ersehnten Wechsel weg von dieser Partei zu vollziehen.

Digital_Data

Harpagonos
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Mag ich Mag ich nicht

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10.09.2009 - 10:08 Uhr
Harpagonos

@Digital_data: da ich selbst bei den Piraten aktiv bin, weiß ich, dass ihre Struktur sehr heterogen ist.
Viele dort hätten sogar die Linksextremen gewählt, was beispielsweise für mich niemals in Frage kommen würde!

Jemand hat im Forum mal treffend geschrieben, dass die alten Lager dieser Partei völlig fremd sind. Ich würde im Ganzen schon sagen, dass ich Liberal bin, finde aber einen Mindestlohn oder Gesundheitszentren (eher linke Forderungen) sehr unterstützenswert.

Wenn die Partei tatsächlich an Einfluss gewinnt, wie das in bestimmten Gemeinderäten der Fall ist, wird alles so basisdemokratisch wie möglich entschieden. Der Abgeordnete entscheidet also so, wie zuvor auf einem Parteitag beschlossen oder wie er meint, dass es beschlossen würde, sofern er kurzfristig nicht fragen kann.
Auch das war mal ein Grundprinzip der Grünen.

Die FDP und die SPD rechnen schon Szenarien durch, wie es möglich wäre, eine Koalition zu bilden, wenn die Piraten den Einzug schaffen. Ein bisschen Orange würde dem Parlament sicher auch gut tun! :-)

seleukos
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Mag ich Mag ich nicht

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10.09.2009 - 12:16 Uhr
seleukos

@Harpagonos: Ich gehe eigentlich fest davon aus, das die Piraten in den Bundestag einziehen werden.
Prinzipiell ist der Vorsatz mit der Basisdemokratie schon sehr löblich. Ich hoffe nur, das er auch den Alltag im Bundestag überlebt! Und ob er am bisherigen (eingefahrenen) System was ändern kann.

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andreas-glas

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