02.09.2009 - 18:30 Uhr

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"Lustgrotte" geht gar nicht"

Text: philipp-mattheis - Fotos: Nico Klein-Allermann

In "Bester Sex" erzählen Frauen, was guter Sex für sie ausmacht. Ein Gespräche über das Reden über Sex mit den Herausgeberinnen Ina und Marlene

jetzt.de: Findet ihr eigentlich nicht, dass wir alle zu viel über Sex sprechen? Ina: Insgesamt ja - nur in Partnerschaften wird wenig darüber gesprochen. Marlene: Das ist eine Art Doppelmoral. Nach außen hin wirkt alles sehr liberal und übersexualisiert, aber im zwischenmenschlichen Bereich gibt es immer noch viele Hemmschwellen. Wie ist das bei euch selbst? Redet ihr viel darüber? Ina: Ich halte mich schon für sehr offen. Nur manchmal wundert es mich, dass anscheinend Leute in meinem Alter damit mehr Probleme haben als 40- oder 50-Jährige. Vor allem Mädchen haben da oft Hemmungen. Marlene: Ja, da ist bei manchen wirklich erstaunlich. Viel hat mit Erziehung zu tun. Wie seid ihr selbst mit dem Thema groß geworden? Ina: Ich würde sagen: ganz normal. Es war schon locker, aber meine Eltern haben nicht vor mir Sex gehabt oder so. Ich habe viel Bravo gelesen und hätte auch mit meinen Eltern darüber reden können, aber das wollte ich nicht. Wer will das schon? Marlene: Wir sind ja auch nicht jetzt die Sexpertinnen oder gar Nymphomaninnen. Wir glauben nur, dass es viele Parallelen zwischen Frauen gibt. Und die meisten Frauenzeitschriften geben halt immer noch dämliche Sex-Tipps, wie man dem Mann besser gefallen kann. Ina: Zum Beispiel: Man sollte beim Blowjob ein paar Körner Reis mit in den Mund nehmen. Das ist doch Schwachsinn! Nach welchen Aspekten habt ihr die Geschichten für das Buch ausgewählt? Marlene: Uns war dann vor allem wichtig, dass die Geschichten realistisch sind. Ina: Wir wollten keine Schundromanerotik. Wir hatten ja auch Anfragen, ob es ok ist, wenn Feen und Kobolde darin vorkommen. Natürlich nicht! Uns war es auch wichtig, dass man die Dinge beim Namen nennt – also „Schwanz“ und „Fotze“ statt „Vulva“ und „Pullermann“.
Sexuelles Vokabular ist vermint. Welche Wörter gehen gar nicht? Marlene: Zum Beispiel bei Wörtern wie „Lustgrotte“ oder „Jadestab“. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Ina: Ich kenne aber auch Mädchen, die finden das Wort „Schwanz“ grässlich. Sprechen Männer anders über Sex? Ina: Männer und Frauen empfinden Erotik unterschiedlich. Und ich glaube, dass Jungs weniger offen über sexuelle Probleme sprechen. Das Vokabular unterscheidet sich aber nicht. Marlene: Ich muss aber auch sagen, dass ich noch nie bei einem reinen Männergespräch dabei war. Vielleicht drücken sich Jungs derber aus? Ina: Das glaube ich nicht. Marlene: Vielleicht, wenn es sich um einen One-Night-Stand handelt, aber nicht über Probleme mit der eigenen Freundin. Ina: Ich glaube auch nicht, dass Frauen weniger über Sex sprechen, aber sie haben eher Probleme, als sexuell aktiv wahr genommen zu werden. Männer werden halt noch immer als „geiler Hengst“ wahrgenommen. Wenn Frauen darüber sprechen, ist man schnell als Schlampe verrufen – davor haben viele Angst. Als Frau hat man oft immer noch nur die Wahl zwischen Heilige und Hure. Marlene: Einerseits will man modern und offen sein. Andererseits hat man Angst davor, wie man dann von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Wären die Geschichten anders, wenn sie Männer geschrieben hätten? Marlene: Ich glaube, sie wären fantasievoller. Männer hätten mehr Probleme, realistisch zu bleiben. Ina: Dabei denkt man ja eigentlich, Frauen würden Sex immer romantisieren von wegen Kerzenlicht, Kuschelrock und halber Stunde Vorspiel. Auffällig in den Geschichten ist jedoch, dass es fast nur um reinen Sex geht. Die Frage „Ruft er später noch an?“ oder „Liebt er mich wirklich?“ spielt keine Rolle. Habt ihr manche Texte abgelehnt, weil sie zu explizit waren? Marlene: Einen vielleicht. Aber die meisten waren eher zu soft und zu wenig explizit. Ina: Eine schrieb einfach nur: Dann ging alles sehr schnell.
Insgesamt aber sind die Texte in "Bester Sex" sehr explizit, fast schon pornografisch. Seid ihr der Meinung, Pornographie hat einen zu starken Einfluss heute? Ina: Das kommt darauf an. Es gibt ja innerhalb der Porno-Industrie große Unterschiede. Trotzdem zeichnen die meisten Pornos ein verqueres Bild von Frauen: Unterwürfige Wesen, die nur dazu da sind, Männern zu gefallen. Das übt Druck aus – übrigens nicht nur auf Frauen. Auch für Männer wird die Erwartungshaltung erhöht. Die breite Masse der Pornos ist für Männer zugeschnitten. Dadurch entsteht ein völlig falsches Bild von dem, was Frauen erwarten. Marlene: Ich habe das Gefühl, dass Pornographie schon zu einer Art Ersatz-Sexualerziehung für Jüngere geworden ist. Das sehe ich sehr kritisch. Ina: Amerikanische Pornos schaue ich deswegen auch nicht mehr. Sondern? Ina: Erika Lust zum Beispiel, eine Spanierin. Die macht Pornos für Frauen, ohne dabei jetzt dezidiert feministisch zu sein. Das finde ich sehr ansprechend. Spätestens seit Charlotte Roche ist es ja ziemlich hip, wenn junge Frauen explizit über Sex sprechen. Könnt ihr mit diesem Trend etwas anfangen? Ina: Ja! Diese Entwicklung – die Bücher und nicht zuletzt die Serie „Sex and the City“ – hat auch den Weg für unser Magazin Alley Cat geebnet. Trotzdem muss man nicht gleich alles gut finden, das mit Frauen und Erotik zu tun hat. „Feuchtgebiete“ fand ich lustig, „Bitterfotze“ habe ich nicht gelesen. Im Vorwort heißt es „Ergebnis Nummer eins: Richtig heiß wird es meist nicht mit dem Gärtner (…), sondern mit dem langjährigen Freund (…). Ergebnis Nummer zwei: Guter Sex muss nicht unbedingt romantisch sein.“ Das ist also die Quintessenz der 33 Geschichten? Ina: Die Szenarien, wo, wie und wann Sex stattfindet, die Dialoge, die Anmache, das ist alles austauschbar. Wenn man etwas aus dem Buch lernt, ist es, an welchen Stellen Frauen gerne angefasst werden. Das ist bei allen Geschichten nahezu gleich. Die Lehre ist also in erster Linie anatomischer Art.


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eisengrau
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Mag ich Mag ich nicht

2

05.09.2009 - 00:54 Uhr
eisengrau

octopussy sagte:
eisengrau sagte:
Hier geht's ja zu wie im Synchronstudio für eine 70er-Jahre-Komödie!

Und warum ist eigentlich ausgerechnet Schwanz das einzig akzeptierte Wort?
Schwanz ist etwas, was man hinten hat, nicht vorne. Und benutzt wird es, damit man nicht vom Baum fällt oder um Fliegen zu verscheuchen. Und bei Menschen gibt es das sowieso nicht.
So gesehen ist das ein genauso blödes Wort so blöd wie jedes andere.


Falsch. Beim Hund ist es die Rute, beim Pferd der Schweif. Einzig Kuh und Katze haben glaub ich einen.


Und was ist an meinem Beitrag deswegen falsch?
Und wie sagt man bei Gibbons und Leguanen dazu?

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

-4

05.09.2009 - 03:39 Uhr
Digital_Data

@__xxx__

Der Macho fragt nach dem Blow-Job: "Na, wie war ich ?"
Der Super-Macho bekommt beim Blow-Job keinen hoch und fragt: "Passiert Dir das öfter ?"

Digital_Data

coolfire
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Mag ich Mag ich nicht

3

06.09.2009 - 15:41 Uhr
coolfire

Is ja wie am Schulhof. Kaum kommt der eine komische Kerl um die Ecke löst sich die Damenrunde auf. :)
Schade, ihr wart witzig.

Charlotte94
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.09.2009 - 12:49 Uhr
Charlotte94

"Trotzdem muss man nicht gleich alles gut finden, das mit Frauen und Erotik zu tun hat. „Feuchtgebiete“ fand ich lustig, „Bitterfotze“ habe ich nicht gelesen."

Nochmal zurück zu meinem Lieblingszitat in diesem Interview.
Ich habe Bitterfotze dieses Wochenende gelesen und finde diesen Satz jetzt noch viel schwachsinniger, die beiden Bücher haben ja sooo gar nix miteinander zu kriegen (was man durch einfaches Lesen des Klappentexts auch schon hätte herausbekommen können).
Außerdem hat Bitterfotze aber auch mal so überhaupt nix mit Erotik zu tun (mit Frauen zugegebenermaßen schon).

kikuju
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.09.2009 - 13:08 Uhr
kikuju

Charlotte94 sagte:
" Ich habe Bitterfotze dieses Wochenende gelesen und finde diesen Satz jetzt noch viel schwachsinniger, die beiden Bücher haben ja sooo gar nix miteinander zu kriegen (was man durch einfaches Lesen des Klappentexts auch schon hätte herausbekommen können).Außerdem hat Bitterfotze aber auch mal so überhaupt nix mit Erotik zu tun (mit Frauen zugegebenermaßen schon).


mein reden schon im allerersten kommentar... :)

Charlotte94
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Mag ich Mag ich nicht

1

07.09.2009 - 13:45 Uhr
Charlotte94

Was meine Empörung über die Beiden nach der Lektüre gestern nicht kleiner gemacht hat ;-)

Das ist jetzt zwar sehr am Thema vorbei (was aber anscheinend eh´ nix mehr hergibt), aber ich war nach dem Lesen ziemlich erschüttert.
Es stand zwar nix drin, was nach den letzten Untersuchungen vom DGB neu wäre, aber trotzdem fühlte ich mich als klassischer "Orangenschäler" mit meinem Latein am Ende ...
Interessanterweise schlug der gestrige Tatort in die gleiche Kerbe was mir endgültig den Rest gegeben hat ...

kikuju
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.09.2009 - 13:46 Uhr
kikuju

ja, wenn so viel zusammen kommt, da wird man bitterfotzig, ich kenn das :)

Charlotte94
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.09.2009 - 18:34 Uhr
Charlotte94

So etwas in der Art sagte meine Freundin auch, hat mich allerdings nicht gerade vorangebracht in meinen Überlegungen.
Obwohl, die sind eigentlich eh wegen Ratlosigkeit an die Wand gefahren...

cocainemate
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Mag ich Mag ich nicht

2

07.09.2009 - 21:16 Uhr
cocainemate

''geht gar nicht''-sagen geht auch irgendwie mal gar nicht.

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philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.