23.08.2009 - 18:30 Uhr

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Was macht eigentlich ... das Ozonloch?

Text: anke-luebbert - Illustration: Judith Urban

Unser Leben lässt sich an Aufregungen und gesellschaftlichen Diskussionen festmachen – wir sehen nach, was aus fünf vergangenen Hysterien wurde

Ständig steht der Weltuntergang vor der Tür, gerade lungert er in Form der Schweinegrippe in der Gegend herum. Sind ein paar Jahre vergangen, versteht aber häufig niemand mehr die Aufregung von einst. Unsere Autorin fragt nach, was aus den „Mega-Themen“ geworden ist, die ihr während des Erwachsenwerdens begegneten.
1. TAMAGOTCHI Sommer 1997, 12. Jahrgang, kurz vor den Sommerferien. Immer wenn der Schulbus anfährt, quietschen die Sechstklässler, die zu acht auf den hinteren Vierersitzen sitzen. „Ist deines schon gestorben?“ fragt ein Mädchen mit rosa Haarspange ein anderes. 1997 wurden an ungefähr zwei Millionen Minidisplays ungefähr zwei Millionen digitale Küken gefüttert, gestreichelt und spätestens nach zwei Wochen zu Grabe getragen. Piep. Piep. Im Philosophieunterricht musste darüber debattiert werden, ob die Tamagotchis demnächst Hunde und Katzen überflüssig machen, später bekamen die künstlichen Haustiere Schulverbot. Für die japanische Firma Bandai sind die Jahre des Tamagotchifiebers vorbei. Christof Classen vom deutschen Zweig der Firma erinnert sich an die Zeit, als jeder einen Tamagotchi haben wollte. „Einigen Erwachsenen hat das natürlich Angst gemacht, dass die Zeiten des Holzspielzeugs vorbei sein könnte.“ Im gleichen Jahr, in dem in Deutschland bereits 2,3 Millionen Internetanschlüsse existierten, entzündete sich an einem kleinen japanischen Küken die Angst vor der digitalen Zukunft. Leer und kalt würde sie sein, bevölkert mit Computerwesen. Tamagotchis gibt es noch. Nach einem Relaunch 2004 kann man mit der neuesten Version „Familitchi“ ganze Familien aufziehen. Allerdings fallen die Tamagotchis in den Spielzeugregalen zwischen dem übrigen digitalen Spielzeug kaum auf. Und Christof Classen sieht den Stern seines Produkts weiter sinken. Wegen der geringen Nachfrage werde die Firma das Produkt vom Markt nehmen. „Gegen eine Spielkonsole wie die Nintendo DS können wir nicht konkurrieren“, sagt er. Nur noch 200 000 Exemplare wurden im vergangenen Jahr verkauft. Allerdings kündigt er ein Comeback an. In sieben Jahren vielleicht. 2016 werden Sechstklässler dann aus ihren künstlichen Tieren Models und Rocksänger machen können. Wenn es dann noch Interesse an den bunten Plastikeiern gibt. *** 2. WALDSTERBEN Sommer 1984, Hamburg, meine Oma steht unter der Dusche, jedes Bein steckt in einem Plastikeimer. Mit dem Duschwasser, erklärt sie, kann man noch die Blumen im Garten gießen! „Mädchen“, sagt sie, „wir verbrauchen zuviel Luft und zuviel Wasser, und jetzt“, seufzt sie: „jetzt stirbt sogar schon unser Wald.“ Uwe Paar ist Forstwissenschaftler. Er arbeitet an der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen und ist verantwortlich für die jährlichen Waldzustandsberichte in Sachsen-Anhalt, Niedersachen und Hessen. Die Reaktion auf das Waldsterben in den 80er Jahren ist für ihn „im Grunde genommen eine Erfolgsgeschichte“. Der mit Industrierückständen angereicherte schwefelhaltige, „saure“ Regen hatte für einige deutsche Waldgebiete verheerende Auswirkungen. Baumstummel, die trostlos in den Himmel ragten schockierten die Öffentlichkeit. Apokalyptische Szenarien beschworen eine Zukunft, in der sich der deutsche Forstbestand auf ein Drittel reduziert haben würde. Uwe Paar hält die Prognosen von damals nicht für übertrieben. „Ich glaube nicht, dass unsere Waldökosysteme noch weitere 20 Jahre sauren Regen ausgehalten hätten“, sagt er. Die wichtigste Maßnahme gegen das Sterben der Bäume war der politisch gewollte, flächendeckende Einbau von Schwefelfiltern in Industrienanlagen. Dazu kamen Massenkalkungen in gefährdeten Wäldern, verstärkter Anbau von Mischkulturen statt anfälligerer Monokulturen und die Einführung von bleifreiem Benzin Mitte der 80er Jahre. Auch der Zusammenbruch des Ostblocks und dessen industrieller Produktion hat Luftverschmutzung und Belastung der Wälder vermindert. „Von Waldsterben kann man heute nicht mehr sprechen“, sagt Uwe Paar. Das bedeutet nicht, dass es rosig aussieht für Fichten, Eichen, Buchen und Kiefern: Paar fürchtet jetzt den Klimawandel als größte Bedrohung für die Wälder.
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anke-luebbert

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.