17.08.2009 - 12:14 Uhr

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Rückzug durch Zurücklehnen: Haldern 2009

Text: max in Tagebuchschreiber (1132)

Schön schaurig, das Bild: Genüsslich langsam kippt das Dixie-Klo nach vorne, fällt schließlich mit einem leichten „Wumms“ auf die Eingangstür. Es bedarf der Hilfe vierer tatkräftiger Gentlemen, um das mit Toiletten-Inhalt übergossene Mädchen aus seiner misslichen Lage zu befreien.

Als der erste Schockmoment überwunden war („Sie lebt noch!“ „Ui, krass, wie das stinkt!“), hattest du, geliebtes Haldern-Festival, deine Geschichte. Es war schon dunkel und so die Gefahr groß, dass zu Wenige das Ereignis mitbekommen hatten. Wir rannten also sofort zu unseren Oldenburger Nachbarn, die sich zu helfen wussten: „Ich leih mir dahinten deren Megaphon aus, damit könn’ wir’s rumerzählen!“

Welche Geschichten hätte man auch sonst erzählen sollen? Die von tollen Konzerten überraschender Bands? Dafür ist das Haldern eigentlich bekannt. Doch dieses Jahr war allerorten vor allem Resignation zu spüren: „Ich freu mich eigentlich auf kein Konzert so richtig“, „Wir haben uns extra viel Bier und zu Grillen mitgenommen, dann können wir länger auf dem Zeltplatz bleiben.“ Das sechsundzwanzigste Haldern: Ein Zwischen-Ding mit einem denkbar mittelmäßigen Zwischen-Line-Up. Vielleicht, damit sich die angeblich verschuldeten Veranstalter gesund stoßen können? Vielleicht, weil die Festivalkonkurrenz zu groß, die großen Bands zu teuer geworden sind? Vermutungen machen die Runde, die Menschen ziehen sich zurück – auch noch aus einem anderen Grund: Das Spiegelzelt ist immer noch da.

Für die Nichteingeweihten: Das Spiegelzelt ist ein zwar schönes, rundes Zelt mit Circus- oder Varietécharakter. Doch es hat gleich eine ganze Reihe gravierender Nachteile: Es beinhaltet die zweite offizielle Bühne des 7000 Besucher starken Festivals und fasst nur 500 Personen. Bei Sonnenschein herrscht in ihm eine brütende Hitze. In den letzten Jahren hat sich überschäumend wütender Protest gegen diese Location breit gemacht: Weil sich vor Auftritten von Bands wie Lambchop, Kante oder Gisbert zu Knyphausen kilometerlange Schlangen davor bildeten und dem größten Teil des Publikums der Konzertgenuss so verwehrt blieb. Eine stümperhafte Leinwand mit noch stümperhafterer Soundanlage vor den Toren konnte kaum Abhilfe schaffen. Ein Problem unserer Generation – vor kurzem war das noch im SZ-Magazin nachzulesen – ist jedoch: Wir lehnen uns gegen das Unrecht nicht mehr auf, sondern ziehen uns auf uns selbst zurück. Posten mal was im Facebook: „Scheiß-Spiegelzelt!“

Lasst uns doch diese liebenswerte Schrulle, schrieben die Haldern-Chefs zur Diskussion darum im diesjährigen Programmheft. Sinngemäß: Wir lassen dort ja auch nur unbekannte Bands auftreten, die eigentlich niemand ernsthaft sehen können will. Von wegen! In diesem Jahr spielten da etwa The Temper Trap, Little Boots, Soap & Skin. Ach nein, Soap & Skin fiel ja überraschend aus. Was der Moderator übrigens mit keinem Wort erwähnte. Der Protest? Blieb aus. Keine konzertierte Aktion, aber auch keine Schlangen mehr vorm Spiegelzelt. Man ignorierte es gepflegt, saß auf dem Campingplatz, grillte still vor sich hin. Trank noch ein Bier, wenn die Späher kamen und berichteten: „Gerade Mumford & Sons gesehen – saugeil!“ „The Temper Trap, total super. Voll süß, der asiatische Sänger. Und wie die abgingen! Dass die nicht auf der großen Bühne gespielt haben…“. Tja.

Auf der großen Bühne regierte die neue Langsamkeit. Wenn man das Haldern tatsächlich noch als das visionären Hype-Messgerät bzw. aktuelles Stimmungs-Barometer der Indie-Poplandschaft begreift, dann scheint sich der Rückzug der Indie-Generation auf sich selbst auch in ihrer Musik wiederzuspiegeln: Bärtige Waldschrate wie die kanadischen Bon Iver werden da für ein radikal lahmarschiges Set gefeiert. Geradezu grotesk wirken die zwei Schlagzeuge auf der Bühne, die nur zur Verstärkung des Downbeats eingesetzt werden: „Wir sind langsam – bam, bam – merkt euch das!“ Noah and the Whale, auf die viele ihre Hoffnungen gesetzt hatten, schlagen in dieselbe Bresche: Vor zwei Jahren lieferten sie mit „Five Years’ Time“ noch einen der 34 britischen Sommerhits. Jetzt hat die Band endgültig eingesehen, dass dancen ja nun wirklich nicht mehr im Indie-Trend liegt. Und präsentierten ausschließlich neues Material, bei dem man mal ein paar Gänge runter geschaltet hat.



Das Haldern-Pop ist das beste Festival der Welt. Jahrelang lasse ich die Einlass-Bändchen an meinem Arm verrotten, damit das auch jeder mitkriegt und ich mich erinnern kann. Die Ankunft auf dem Zeltplatz ist wie nach Hause kommen – in ein besseres Zuhause. Alle Last fällt ab, Spannungen lösen sich. Ich soll mit zwei Pärchen zelten? Kein Problem. Wespen? Mir doch egal. Kuhfladen? Hat schon einer weg gemacht. Bier? Noch genug da. Grillanzünder vergessen? Geht auch mit Zeitung. Toll. Und da kommt auch schon ein grüner Käfer angefahren. Ein echter, alter, grüner Käfer aus dem Hause VW, ich werd verrückt. Mit einem Mädchen drin, das Musikjournalismus in Southhampton studiert und bei uns zelten will. Ich bin nicht mehr allein unter Pärchen.

Es ist schon fast unwahrscheinlich, was wir so alles weg grillen. Grillen ist wie ankommen, sich ein Terrain zu Eigen machen. Hier gehöre ich hin, hier esse ich mein Fleisch. Die Barbecue-Sauce ist noch aus dem Zehn-Liter-Eimer vom großen Ikea-Personalfest, Marion hat sie durch einen Trichter in eine Bio-Ketchup-Flasche umgefüllt. Richtig so, wir zeigen’s dem Biowahn. Wir rauchen Zigaretten, ziehen Joints durch und trinken Bier Bier Bier. In die Sonne wird ohne Creme gegangen. Das Haldern wollen wir ungefiltert und verstärkt genießen. Nur nachts, da kommen Ohrenstöpsel rein. Nebenan hören die nämlich HipHop – was das nun wieder soll? Aber war ja eigentlich abzusehen, wenn man sich im zweiten Jahr in Folge einen HipHop-Act als Headliner holt. Fettes Brot. Deren Hit „Jein“ läuft immer in der Chart-Disco meiner Heimatstadt, wenn sich dort zu Weihnachten alle wieder sehen: „Es ist 1996…“

Ich werde geweckt trotz Ohrenstöpsel. Marion muss zum Arzt. Also, die eine Marion. Die weiblichen Parts meiner beiden Pärchen heißen nämlich beide so. Das findet auch Nachbar Henning lustig, der uns jetzt alle nur noch mit Marion begrüßt: „Moin Marion, wollt ihr nicht mit Flunky-Ball spielen?“ –„Was soll’n das sein?“ –„Na, da stellt man sich in zwei Gruppen auf und muss mit einem Ball versuchen, die Bierflasche in der Mitte umzuwerfen. Hat man das geschafft, darf man so lange Bier trinken, bis die andere Gruppe sie wieder aufgestellt hat.“ Oder so ähnlich. Jedenfalls wird bei dem Spiel viel Bier getrunken und manchmal fallen nicht die Flaschen, sondern die Spieler um. Aber jetzt muss Marion erstmal zum Arzt. Wegen einer unangenehmen, eitrigen Geschichte an einer unangenehmen Stelle. Der alt eingesessene Arzt (einer von zweien in der Nähe vom Rewe) des niederrheinischen Dorfs Haldern gibt ihr eine Packung Antibiotika und einen guten Rat mit auf den Weg: „So zwei, drei Bier können sie trotzdem trinken.“ Welch ein Glück.

Abends treffe ich Miriam aus Münster und Wiltrud aus Wesel. Miriam zeltet jetzt nicht mehr, sondern wohnt mit zehn Gleichgesinnten in einer Ferienwohnung nahe des Geländes. Begeistert erzählt sie mir von einem neuen Festival im November an der Ostsee, wo alle Konzerte indoor sind und alle Besucher in Appartements oder Hotelzimmern untergebracht. Es gibt Schwimmbäder, Saunen, Massagen, allerhand so Wellness-Kram eben. Klingt gut. Und ihr schlagendes Argument: „Vielleicht gehöre ich da mal wieder zu den jüngeren Besuchern!“ Ja, auch ich habe Angst, bald zum alten Festival-Eisen zu gehören. Unverschämt junge Menschen springen hier herum auf dem Haldern. Teile ich mit denen überhaupt noch dieselbe Lebenswelt?

Wiltrud aus Wesel ist zwar noch ein paar Jahre jünger als ich, teilt aber den Hang zur Melancholie. Auf dem Festival hat sie Glück und gehört zu den jüngsten in ihrer Gruppe. „Ich bin das Küken“, sagt sie und strahlt mich an. Trotzdem liegen wir einige Zeit später auf dem Rücken und blicken melancholisch in den Sternenhimmel. Direkt neben dem doofen Spiegelzelt, was durch diesen geschickten Kniff mal wieder vollkommen ausgeblendet ist. „Vorhin habe ich was rotes vom Himmel fallen sehen“, berichtet Wiltrud. „Das wird wohl eine Sternschnuppe gewesen sein?“, frage ich. „Nein, das war richtig groß und feurig und man sah es am helllichten Tag.“ –„Dann wird das wohl ein ausgewachsener Komet gewesen sein“, befürchte ich. Und um mir gar nicht ausmalen zu müssen, wie er vielleicht ein Zelt mit Festivalbesuchern oder den Kuhstall eines sympathischen Milchbauern getroffen hat, wechsele ich das Thema: „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?“
–„Ulrike Westkamp“, sagt Wiltrud, „von der SPD.“
Ich hätte lieber etwas anderes gehört.



Vieles ist nicht überliefert: Ob das Mädchen, das mit der Dixie-Toilette gestürzt ist, noch in die Dusche durfte, etwa. Ihr Missgeschick ereignete sich nämlich eine halbe Stunde nach Betriebsschluss. Ob nur ich oder auch die vielen unfassbar jungen Menschen eine Heilung durch den geraden Rolling-Stones-Rock’n’Roll von „The Soundtrack of Our Lives“ erfahren haben. Ob das in Southhampton Musikjournalismus studierende Mädchen sich auf der Rückfahrt im VW-Käfer getraut hat, einen Lastwagen zu überholen. Ob der McDonalds an der A3-Auffahrt Rees am Sonntag nach dem Festival den höchsten Umsatz des Jahres macht. Nur eins ist klar: Für das nächste Haldern werden wieder Tickets gekauft. So früh wie möglich. Und auf der Heimfahrt Abschiedstränen geweint.


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Laudi
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17.08.2009 - 09:15 Uhr
Laudi

Haldern. Dieses Jahr hätte ich das erste Mal zeit gehabt. allerdings bin ich genau wegen dem line up nicht hin. dann lieber Prima Leben und Stereo. das ist toll und quasi mein haldern.

[wurde das dixie umgeworfen? fiese sache das]

gewitterhexe
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Mag ich Mag ich nicht

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17.08.2009 - 10:31 Uhr
gewitterhexe

sehr lesenswert. danke.

sebsemilia
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Mag ich Mag ich nicht

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17.08.2009 - 11:41 Uhr
sebsemilia

hach, war das wieder schön. trotzdem.

yabadabaduuu
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17.08.2009 - 22:58 Uhr
yabadabaduuu

war mein drittes haldern. aber das mit dem dixie gar nicht mitbekommen. über die lahmheit der bands und auch das publikums machen wir uns immer mehr lustig, denn auch wenn es mal ne band zum tanzen gibt, tanzt keiner (letztes jahr flaming lips! grandios! und was machen die leute? glotzen...).

und endlich haben sie vor dem zelt mal ne gescheite leinwand aufgebaut und auch anständigen ton. dieses mal hab ich deshalb dort auch keine riesenschlangen gesehen, kam immer rein. wird daran gelegen haben, das einige dann doch gemütlich auf der wiese bleiben (zum langsamkeit zelebrieren natürlich), und an den bands.

aber war schön wieder. blitzentrapper und der edward (?) mit den magnetic zeroes waren meine higlights.

mit dem immergut fängt der sommer zu rocken an, und wenn es dann richtig warm ist, zu warm zum tanzen, dann liegt man beim haldern gut auf der kuhwiese rum.

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17.08.2009 - 23:00 Uhr
yabadabaduuu

(und das novemberding ist der rolling stone weekender (http://www.rollingstone-weekender.de/), auch nen flyer gesehen.
hui, da muß ich noch ein bißchen älter werden, auch wenn die bands grandios sind...)

getupkid
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18.08.2009 - 12:04 Uhr
getupkid

yabadabaduuu sagte:
(und das novemberding ist der rolling stone weekender (http://www.rollingstone-weekender.de/), auch nen flyer gesehen.
hui, da muß ich noch ein bißchen älter werden, auch wenn die bands grandios sind...)


da freue ich mich extrem drauf. ein festival ohne alles, was an festivals so nervt. genau das richtige für bestager wie mich.

sebastian-mraczny
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18.08.2009 - 14:14 Uhr
sebastian-mraczny

Von der Redaktion empfohlen!

herrderkringel
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18.08.2009 - 16:45 Uhr
herrderkringel

schön!

paul_kemp
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Mag ich Mag ich nicht

-1

20.08.2009 - 19:47 Uhr
paul_kemp

Mein Gott, was für ein Schrott-Artikel ist das denn? Der gehört ins Dixie Klo gesperrt und umgestoßen...Scheiße zu Scheiße..Entschuldigung, aber hier muss man wohl jede Netiquette fahren lassen. Und sowas wird auch noch von der Redaktion empfohlen?? Peinlich, peinlich! Man kann ja alles kaputt schreiben, wenn man möchte.
Was für eine journalistische Glanzleistung, Leute zu befragen, die offenbar von Anfang an nicht wegen der Musik gekommen sind, halbgare (rufschädigende) Gerüchte über die Veranstalter verbreiten (schon mal was von journalistischer Sorgfaltspflicht gehört, hallo REDAKTION?!), ein, trauriges, Einzelereignis, als Aufhänger herauspicken, total ausgelutschte Etiketten (bärtige Waldschrate) auf die Künstler pappen, einfach mal ausblenden, wie z.B. bereits am Samstagnachmittag die Leute zu iLiketrians abgingen, was für einen fulminanten, jetzt schon legendären, Auftritt Mumford and Sons im Spiegelzelt ablieferten, nichts über die reibungslose Festivalorganisation sagen, einfach mal nur die persönlichen, negativen Eindrücke konzertiert abfeuern. Bravo!!

Wie alt mag der Autor wohl sein, dass er sich auf Haldern zum alten Eisen zählt? 55+? Immerhin gibt es wohl kaum ein Festival, auf dem die Altersspanne der Besucher van ca. 18-50 reicht. Und warst Du z.B. mal in den letzten zwei, drei Jahren auf dem Melt? Da darf man sich inzwischen mit Mitte/Ende 20 zum "alten Eisen" zählen. Und schließlich: Was ist darn so schlimm, wenn auch jüngere Leute also sonst üblich den Weg nach Haldern finden, wenn sie es denn wegen der Musik tun?

Ach ja, und woher hast Du Deine technischen Kenntnisse, die LED-Wand als Leinwand abzuqualifizieren? Ich bin selber Redakteur, habe beruflich mit solchen Sachen zu tun und mich hat die Bildqualität dieser Wand (bei gleißendem Sonenlicht gestochen scharf etc.) umgehauen. Hast Du eine ungefähre Ahnung, was so ein Teil, auch zur Miete, eigentlich kostet? Eine schlechte Soundqualität konnte ich auch nicht feststellen.

Zur Spiegelzelt-Problematik: Die gibt es seit Jahren. Kilometerlange Schlangen hat es dagegen noch nie gegeben, schöne Übertreibung. Wahrscheinlich als stilistisches Mittel, damits so richtig kracht, gell? Geh mal ins Forum auf die Festival-Homepage, dort treiben sich die größten und schärfsten Kritiker des Zeltes rum, und dann schau Dir an, was sie diese Jahr im Nachhinein dazu geschrieben haben..aber stimmt ja, Recherche ist nicht so Dein Ding, ich vergaß.

A propos Recherche: Wie bei jedem Festival, kann man sich lange im Vorhinein über das Line-Up informieren. Und selbst wenn einem viele Bandnamen zunächst nchts sagen, dann gibt es da so Sachen wie MySpace oder Youtube, die einem die Möglichkeit geben zu sehen und zu hören, ob die Sachen einem gefallen oder nicht und wie wohl die musikalische Gesamtausrichtung ausfällt. Dann kann man sich überlegen, ob man trotzdem fährt, oder seine Karte lieber verkauft.

Das Haldern Line-Up hat, wie üblich, einen Querschnitt komtemporärer Indie-Musik geboten, wie üblich, Mut zum Außergewöhnlichen gezeigt (z.B. The Irrepressables), wie üblich nicht die ganz großen, weil hier nicht bezahlbaren, Namen rausgelassen und ansonsten sich wie üblich, das muss man halt wissen, nach dem persönlichen Geschmack des Veranstalters gerichtet, denn dieser ist letztendlich hier das Maß aller Dinge. Das mag man schrullig finden, kann es auch arrogant nennen, aber es ist nun mal so und hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu fantastischen Zusammenstellungen geführt.

Kurz noch zu Bon Iver: Man muss die Musik nicht mögen, aber radikal lahmarschig, war das Set nun nicht, im Gegenteil. Die Radikalität liegt hier darin, dass der gute Mann mit den gewohnten Regeln des Songwritings und den herkömmlichen Hörgewohnheiten bricht, das war schon beim Album klar. Tatsächlich brodelt unter der vermeintlichen Lahmarschigkeit der Songs eine fast gefährliche emotionale Spannung, bei der die Verletztheit des Sängers jederzeit droht in Gewalt umzuschlagen, die er gerade so im Zaum hält. Gut das wird einem natürlich nur klar, wenn man mal auf die Texte achtet und auf die Emotionen, die der Sänger durch sein Spiel, seine Körpersprache und seine Mimik an den Tag legt.

Und was soll das mit dem Protest wegen Soap & Skin? Die Absage war schon Tage vor dem Festival bekannt und auch dem Programm entnehmbar. Vielleicht hat sich keiner aufgeregt, weil sich alle, außer dem Autor entsprechend informiert hatten? Gegen kaputte Handgelenke kann man halt nichts machen, da hilft auch kein Protest. Aber hier scheint das eher als Vorlage zu dienen, auf die angebliche, allgemeine Antriebslosigkeit und das "sich Fügen" "unsere" Generation zu verweisen, wie es im Moment ja in allerlei Pseudo-Jugendkultur-Blättchen üblich ist. Das ist also das große 'Unrecht? Ich denke, da gibt es ganz andere Dinge, gegen die man sich auflehen könnte/sollte. Abgesehen davon wird hier auch vergessen, dass geradezu vorbildlich auf die Zeitverschiebungen im Spiegelzelt hingewiesen wurde und zwar mittels "Leinwand" als auch per Ansagen auf der Hauptbühne. Auf dem Melt etwa, kann man froh sein, wenn am Info-Zelt in solchen Fällen ein DIN A 4 Zettel aufgehängt wird.

Gut, was den Rest des Artikels betrifft, also Deine persönlichen Campingerlebnisse, weiß ich nicht was das soll. Zeilen schinden? schlechter Pseudo-Gonzo-Journalismus?

Ich hoffe, Du hast diesen Bericht nur als "normaler" Besucher geschrieben und warst nicht irgendwie akkreditiert. Das wäre nämlich peinlich für die ganze Zunft!

paramore
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Mag ich Mag ich nicht

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04.10.2009 - 13:28 Uhr
paramore

vor der sache mit dem dixie-klo habe ich bei einem festivalbesuch am meisten angst.

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