Warum ich Pirat geworden bin
Nach ihrem überraschenden Erfolg bei den Europawahlen ist die Piratenpartei zu einer wichtigen neuen politischen Bewegung aufgestiegen. In diesem Text erklärt ein Pirat, warum er sich bei der jungen Partei engagiert.
Bevor ich ein Jahr in China studiert habe, hörte ich davon, dass es dort eine Internetsperre gibt um alles Mögliche abzublocken, was der normale Chinese nicht sehen darf. Vor Ort musste ich mich dann daran gewöhnen, dass manche Webseiten entweder gar nicht abrufbar waren, oder je nach Großwetterlage abgeblockt wurden, z.B. youtube, CNN und BBC während den Aufständen in Tibet im Jahr 2008. Schon vor China war ich politisch interessiert, das Jahr dort gab mir aber den endgültigen Anstoß, mich nach meiner Rückkehr in Deutschland politisch zu engagieren. Durch das Leben in einer Diktatur, einem Überwachungsstaat, wurde mir sehr nachdrücklich klar, dass die Demokratie, in der wir leben, nicht nur gelebt, sondern vor allem auch geschützt werden muss. Nach Deutschland zurückgekehrt liebäugelte ich mit verschiedenen Parteien, aber der Drang ein Treffen dieser zu besuchen oder direkt beizutreten, war eher gering bis gar nicht vorhanden. Seit Mitte Juli bin ich nun Pirat.
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Was mir wichtig wäre als Wähler: Das Programm ist ja, wie schön erklärt wurde, ziemlich eingeschränkt. Eine gewählte Partei hat aber nicht nur in ihren Punkten mitzureden, wenn sie entscheiden darf, sondern alle Punkte der Tagesordnung. Hier wäre dringend notwendig, klar und deutlich zu kommunzieren, wo die Piraten stehen, ob sie sich einfach mit anderen zusammentun, und auf deren Kompetenz vertrauen oder nicht.
Dies ist auch der Grund, warum sie damit werben können, nur mit Inhalten Wahlkampf machen zu wollen. Wo die Inhalte für den gemeinen Wähler zu kompliziert werden, wenns zum Beispiel um Atomkraftausstieg oder ähnliches geht, dann wird eben der personelle Besetzung der Ämter (oder hier genannt: Parteienproporz) wichtig. Und ja, ich hab lieber jemand dran, den ich mag, als jemand den ich nicht mag, denn ich mag ja Leute, denen ich entsprechende Kompetenz zutraue. Nicht zuletzt wäre noch anzumerken, dass ein Barack Obama ohne Personenkult womöglich gar nicht Präsident in seinem Land geworden wäre, es ist also meines Erachtens nach nicht ganz richtig, ein der represäntativen (sic!) Demokratie inhärentes Prinzip absolut zu negieren.
es gibt bei den piraten die diskussion, auch auf anderen themenfelder positon zu beziehen. aber das wird noch abgelehnt. vor der bundestagswahl gäbe das eh nur unausgegorene schnellschüsse.
mit der zeit werden sich auch zu anderen themen positionen ergeben. das ergibt sich aus der struktur, nach der die basis die themen und positionen vorgibt. beispiel finanzkrise: viele wollen "etwas" machen, aber es wird dauern, bis sich sachkundige leute in der partei finden, die dazu etwas erarbeiten. und das muss dann auch noch von der mehrheit getragen werden.
ich denke, das wird ähnlich wie bei den grünen laufen: rund um das kernthema werden immer neue gebiete beackert, bis man irgendwann keine themenpartei mehr ist.
und wieder eine neue Partei. Davon hatten wir eigentlich schon genug. Dennoch, der Grundansatz scheint mir vernünftig, auch im IT-Bereich endlich etwas tun zu müssen, weil die etablierten Parteien das nicht hinkriegen, oder auch nicht wollen oder können.
Allerdings nützt das nach unserer Erkenntnis leider nur sehr wenig, weil politische Arbeit im Volk einen verbrannten Ruf hat. Das hat uns dazu bewogen in sogenannten Fachkommisionen Schwerpunktthemen zu erarbeiten und diese über das Internet abstimmen zu lassen. Auch wird an ein Institut oder eine Stiftung gedacht. Allerdings haben wir uns erst in diesem Jahr aus einer Reihe von Kleinstparteienund Netzwerken gegründet. Darin liegt auch der Grund, daß wir bei der jetzigen Bundestagswahl nocht nicht teilnehmen können. Wir könnten uns gut vorstellen, daß Ihr den Bereich Internet und IT ausfüllen könnt.
Und nun noch zu uns. Wir gehören zur WIR-Partei. WIR steht für Wahrheit Information und Rechtschaffenheit. WIR sind politisch interessierte Bürger und wollen eine basisdemokratische Veränderung für den einzelnen Bürger. Der Weg zu einer Partei lies sich auch für uns nicht umgehen. Derzeit kann man nur über eine politisch zugelassene Partei Einfluß auf Veränderungen im Land nehmen.
Ich würde mich über Kontakte und Anregungen freuen und wünsche Euch gutes gelingen.
www.wir-partei.de
Horst Tassler
Stv. Parteivorstand
Soll laut Piraten jede Botschaft, mit der man im Realleben die Wände nicht plakatieren dürfte (Photos des Mißbrauchs von Kindern, rassistische Propaganda, Bombenbaupläne o.ä.) im Internet zugänglich sein dürfen? Steht die Piratenpartei wirklich für einen absolut zensurfreien, nicht reglementierten (de facto also rechtsfreien) Raum, oder machen die noch Abstriche (greifen z.B. bei persönlicher Diffamierung im Internet dann doch die diesbezüglichen Gesetze, wie sie für Printmedien gelten)? Ich habe im Parteiprogramm keine richtig konkrete Stelle dazu gefunden ...
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16.08.2009 - 18:38 Uhr
air_kaviar