Job

13.08.2009 - 15:52 Uhr

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Wer Kollegen hat braucht keine Feinde

Text: Muschelinchen

Dieser Text ist eine kleine Hommage an Margrit Schönberger Charaktertyp: Der Neidische Unverkennbar erstes Anzeichen, dass man einen Menschen dieser unangenehmen Spezies vor sich hat, ist das langsame Betrachten von Kopf bis Fuß. Wie der Terminator zeichnet der Neidische alles genau auf und analysiert deinen Kleidungsstil, jeden Fleck, jeden Fussel, jede Falte, deine Stimme, Mimik, Gestik, dich als Gesamtkunstwerk und kommt zu dem Schluss, dass man dir nicht vertrauen kann. Denn er kann es schon am Äußeren erkennen, dass du eine Gefahr für ihn bist. Nicht, dass er jemals zum Schluss gekommen wäre, jemandem zu vertrauen. Es gibt nur zwei Arten von Menschen für ihn: die, die eine große Gefahr sind und die, die eine noch größere Gefahr sind. Im Laufe der Zeit wird er seine Distanz zu dir wahren, dich gezielt auf Abstand bringen, wenn du ihm zu nah kommst („Und, wie war Ihr Wochenende?“ „Gut.“) und im Gegensatz dazu versuchen, soviel wie möglich über dich heraus zu bekommen, um eure Leben zu vergleichen. Machst du den Fehler, fröhlich von den positiven und erfolgreichen Ereignissen deines Lebens zu berichten, wirst du ihn dir zum erbitterten Feind machen. Ob auf Arbeit oder privat, er missgönnt dir sämtliche Freude und das auch einfach nur, weil er so ist. Charaktertyp: Die Tussi Am Ende des Ganges hörst du ein lautes Kichern, laut genug damit alle mitbekommen, dass man sich über irgendetwas köstlich amüsiert, jedoch leise genug, dass der Grund für die Erheiterung im Verborgenen bleibt. Dann trappelt sie grinsend den Gang entlang, Hüften schwingend, eine Hand auf Bauchhöhe um rege Beschäftigung zu simulieren und mit einem gekonnten Schwung des Kopfes um die Haare wieder in Position zu bringen. In der Kaffeeküche hörst du sie über eine Azubine lästern, die es wagt, sich nicht zu schminken und bei der die Handtasche nicht zu den Schuhen passt. Eine Stunde später beim Mittagessen konstatiert sie im Gespräch über Azubis, dass genau dieses arme Mädel ja überhaupt nicht zu gebrauchen sei, worauf sie von jemand anderem darauf hingewiesen wird, dass die Azubine sehr wohl zu gebrauchen ist. Eine Diskussion entsteht über die subjektive und objektive Beurteilung von Azubis, und du kannst nur den Kopf schütteln bei Sätzen wie „Sie läuft wie ein Bauer“ oder „Nur weil sie gut in der Buchhaltung ist, entschuldigt das nicht ihr Aussehen“. Als du mit der Tussi im Fahrstuhl stehst und eine widerspenstige Haarsträhne versuchst zu bändigen, rät sie dir bald mal wieder zum Friseur zu gehen während sie unauffällig deinen Hintern betrachtet. Von dieser Kollegin wirst du niemals eine gute Beurteilung erhalten, es sei denn, du nimmst 20 kg ab (egal, wie deine Figur jetzt ist), gehst ins Solarium, gibst jeden Monat 200 Euro für Klamotten aus und erzählst es ihr dann stolz. Charaktertyp: Der Feigling Wenn er vor dir steht, wird er dich immer anlächeln, hat Zeit für dich und macht sogar ein Scherzchen. Sobald du jedoch nur mit ihm telefonierst, ist er zickig und zeigt dir sein Missgefallen daran, dass du ihn jetzt störst. Gehst du in diesem Moment in sein Büro, lächelt er wieder. Er könnte dir niemals ins Gesicht sagen, dass ihm etwas nicht passt. Wenn er in einer Manager-Position ist, wird er auch starke Schwierigkeiten haben, jemanden persönlich zu feuern. Er dreht eher die Gespräche in die richtige Richtung, sodass sich der Rest von selbst ergibt. Wenn du ihn fragst, ob er mit dir zufrieden ist, sagt er wie aus der Pistole geschossen „Ja!“, dein Arbeitszeugnis sagt jedoch was ganz anderes. Zuerst denkst du, er sei falsch, aber nein, ich glaube, das Falsch-Sein ergibt sich beim Feigling eben aus der Feigheit. Er traut sich nicht, auf Konfrontationskurs zu gehen, also sät er im Hintergrund Kabale, die sich dann so hochspielen, dass der Betroffene es von allen Seiten bekommt und glaubt, jeder wäre gegen ihn. Bis auf den Feigling. Der lächelt einen schließlich immer an. Charaktertyp: Der Mitläufer Es gibt Menschen, die können einfach nicht allein sein. Ist die Tussi in der Nähe, kichert er über blöde Männerwitze, die er sonst doof findet. Ist der Neidische in der Nähe, missfällt auch dem Mitläufer die neue Frisur des Buchhalters. Der Feigling in höherer Position und der Mitläufer in mittlerer Position bieten eine gute Symbiose, da der Mitläufer eh zu allem ja und Amen sagt und immer des Feiglings Meinung ist. Es kann nicht alleine eine rauchen gehen, wartet mit der Mittagspause bis die Tussi oder der Feigling auch soweit sind, egal wie groß der Hunger ist und macht dann die gleichen blöden Witze in der Kantine wie der restliche erbärmliche Haufen am Tisch. Du erkennst den Mitläufer auch noch daran, dass er, wenn er alleine läuft, mit gesengtem Haupt und leisem Schritt den Gang entlang schleicht, ist er aber in einer Gruppe, wird er hoch erhobenen Hauptes große Schritte machen, schauen, dass die Absatzschuhe ja die Wände zum Wackeln bringen und fröhlich die Arme schwingend vor sich hin schnattert, während es Leute, die an ihren Schreibtischen sitzen, anschaut mit dem Ha-schau-wie-beliebt-ich-bin-Blick. In Meetings sind die Mitläufer gefährlich, da sie im Sekundentakt die Meinung wechseln, eben je nachdem, was die anderen gerade sagen. Da du nun beruflich bedingt mit genau diesen Typen auf einer Stufe stehst, gehört es sich, dass du auch mit ihnen zum Mittag isst. Und während ihr am Tisch sitzt, tauschen sich Mitläufer und Tussi über die neueste Folge „Bauer sucht Frau“ aus, während der Feigling in der Zeitung blättert, sich darüber lustig macht, jedoch alles glaubt, was darin steht, und der Neidische weiß ganz genau, worüber alle sprechen, da er informiert ist, da er ja nicht weniger wissen darf als andere und macht immer nur wissend nickend „hm.. hmm...“. Du beobachtest die Szene und malst dir Fantasien aus, wie du die Kettensäge hervorholst und à la Christian Bale kurzen Prozess machst. Dann schneiden sie ein Thema an, von dem du Ahnung hast (huch, tiefgründige Gespräche?? Was ist denn heute mit denen los?) und erzählen kompletten Blödsinn. Um nicht als Klugscheißer da zu stehen, fängst du eine Richtigstellung an mit „Ich glaube aber nicht, dass es so ist. Eher wäre doch möglich...“ Oh nein. Du bist doch die Neue! Seit 6 Monaten dort beschäftigt, aber die letzte, die dazukam, also die Neue bis der Nächste kommt. Da hast du kein Recht, mitzureden. Und ein Klugscheißer bist du auch. Da sie aber eingesehen haben, dass du Recht hattest, wird das Thema mit einem „Wie auch immer...“ beendet und ein neues angeschnitten, am besten über Sarah Connors Trennungsprobleme. Aber das ist ja nicht genug. Wenn du mit einer Kombination aus dem Neidischen und der Tussi zusammenarbeitest, wirst du deine Retourkutsche schon bekommen. Sie steht bei kurzen Unterweisungen neben dir und fällt dir ständig ins Wort, intrigiert bei Entscheidungen, die zu deinen Gunsten auf einem Meeting gefällt werden sollten und führt konspirative „Raucher-Meetings“ durch. Am Anfang ärgerst du dich über diese Menschen. Später amüsiert es dich. Dann ärgert es dich wieder. Aber im Endeffekt kann man außer Konfrontation oder Ignorieren nichts tun. Aber versuch mal einen Feigling zu einer Konfrontation zu bringen. Oder teile der Neidischen deine Gefühle mit. Also Augen zu und durch, bis du den Stand hast, dass sie alle was von dir wollen und an dir auch leider nicht vorbeikommen. Dann beginnt deine Zeit...


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