Hilfe, die Welt will was von uns
Sie sind ängstlich, lieb und unfähig, Verantwortung zu übernehmen - was ist bloß mit der Generation der 25-Jährigen los? Acht Thesen einer Betroffenen.
1. Meine Generation ist geschwätzig Vor einiger Zeit warb ein Mobilfunkanbieter mit dem Slogan »Quatsch dich leer«. Der Werbefilm zeigte Früh- bis Spätzwanziger, deren Körper im Laufe endloser Telefonate so lange an Volumen verloren, bis sie am Ende nur mehr als platte Hüllen auf dem Boden lagen, mit übergro-ßen, unbeirrt schwatzenden Köpfen. Selten habe ich in den Medien ein so zutreffendes Bild meiner Generation gesehen. Denn wenn es eins gibt, das sie quer über alle Grenzen von Wohlstand, Bildung oder Ethnie hinweg eint, dann das hemmungslose Mitteilungsbedürfnis. Wir posten Weblinks bei Twitter, laden Fotos bei Flickr hoch, aktualisieren unsere Statusmeldungen bei Facebook und scheuen dabei keine Banalität. Eine meldet, dass sie mit ihrem Boyfriend chillt, die andere brät sich ein Steak – »Mmm, lecker« –, der Nächste kratzt sich am Kopf. Die Grunger und Raver vor uns waren süchtig nach Party, Drogen und merkwürdiger Synthetikkleidung. Wir sind vor allem süchtig danach, etwas zu sagen. Egal, was.
- Nachtschicht 23.10.2011
- Aber sicher Schatz, steht dir ausgezeichnet 14.10.2011
- Was ist guter Geschmack? 08.09.2011
- Wuff? Uff. 02.09.2011
- Pac die Badehose ein 26.08.2011
Dieser Text von jetzt.de ist in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
Ansonsten: Trefflich, der Text, sehr sogar.
Sich an Flussläufen sonnende Goths und Emos sind imo schwer aufzutreiben.
1. GRÜNDE
Dass wir keine Subkultur haben, dass wir keine Kritik üben und dass wir "geschwätzig" sind hat viele Gründe. Der wichtigste ist wie ich finde: Zufriedenheit. Wir sind satte, halbwegs gebildete, mit einem guten Freizeitprogramm ausgestattete Mitteleuropäer. Es geht uns (fast) allen gut und warum um Himmels Willen sollte etwas daran geändert werden.
2. MEINUNG
Keine Subkultur zu haben ist nichts Schlimmes. Man kann sogar sagen, dass es ein Segen ist keine zu haben. Im Nachinhein ist es immer einfach gesellschaftliche Bewegungne/Zustände zu romantisieren (so geschehen bei den 68ern oder der DDR). Aber diese Bewegungen hatten auch viele negative Seiten. Nehmen wir nochmal die 68er. Wirkliche, dauerhafte Werte sind leider nicht übriggeblieben. Alles was wir heute noch davon wissen sind 1. Drogenkonsum 2. Freie Liebe 3. keine Autoritäten (und leider gibt es jedes Jahr Menschen die sich im Fasching als "Hippie" verkleiden, weil das sehr einfach ist). Erkenntnis (ebenfalls ein großes Wort) kann immer nur individuell stattfinden, Bewegungen schaden hier nur.
Bisher hat die Menschheit nicht viel geschafft und wenig aus ihrem Potential gemacht. (Wir alle wissen um Probleme wie Umeweltverschmutzung, Gewalt, etc.) Man kann also nicht sagen, dass das Modell, das vor der jetzt-25-Generation gegeben hat, gut war. Vielleicht ist die jetzige Entwicklung heilend und bringt Fortschritt.
Den wünsche ich mir.
Mama, ich liebe dich.
Vielleicht ist die jetzige Entwicklung heilend und bringt Fortschritt.
Gedanklich fortgeführt würde das bedeuten: Bisher war noch jegliche Entwicklung heilend, aber die Erkenntnis dazu impliziert auch, dass vorheriges "falsch" war. Und der Umkehrschluss dann auch, dass das jetzige ebenso "falsch" ist. :)
Es liegen so viele ebenen unfreiwilliger ironie in diesem beitrag, dass ich nicht widerstehen kann, meinen senf dazu zugeben (und damit wahrscheinlich eine "öde labertasche" zu werden?).
Ich kann mir nur vorstellen wie sie, liebe autorin, in einer öden, öden nische aus hipstern und dauertelefonierern platz gefunden haben, und dabei vergessen haben, dass das "jetzt.de" publikum nicht unbedingt die welt repräsentiert.
1) Ist die "sucht nach merkwürdiger Synthetikkleidung" wirklich besser als die, etwas zu sagen?
2) Dieser artikel ist hirnrissiger schrott. Und die uni anscheinend ebenfalls.
3) Vietnam, Atomkrieg und... moment, waren die 90er nicht genau gleich wie heute?
4) Computer-Nerds (gegen zensurstaat, patentwahn, monopolismus). Aber die sind wohl nicht hip(ster) genug für diese liste.
5) Vielleicht sind ja tatsächlich nicht alle männer so böse wie wir pauschal von links beschimpft werden. Aber die "zahlen" sagen es wohl.
6) Jede generation hatte ihre probleme mit ausbeuter-firmen. In verschiedensten formen. Aber muss man deswegen gleich so viel angst haben (siehe 3)?
7) Stimme ich zu. Ist aber auch nicht ungesünder als 5 E zu schmeißen und die nächte durchzuraven.
8) Ich sehe den unterschied zu 2 nicht.
Alles in allem... viel drama um nichts. Es ist alles genauso wie in den 90ern, 80ern, 70ern... Man kann nicht von jeder generation eine 68er bewegung erwarten. So viel fotogene zurschaustellung von sex und schicker mode.
Anstatt einen ganzen artikel über's labern zu labern, wären doch konkrete vorschläge besser: Die nicht zu finden ist nicht unbedingt ein hinweis darauf, dass es sie nicht gäbe. Und wie viel besser waren denn die "popper"?
Welche politischen strukturen haben sich denn seit der letzten generation drogensüchtiger raver, obdachloser punks und... pragmatischer popper(?) gebildet? Was soll man ändern? Und wie? Hat es seit den Hippies (deren größten errungenschaften ich eher im pazifismus ansetzten würde, als im anti-materialismus) eine jugend-subkultur gegeben, die etwas erreicht hat? Mehr als ein "emu", oder wie das heißt?
Ich finde in der überbrodelnden infomrationsgesellschaft eine möglichkeit zur veränderung. Im Iran wird das "gelaber" von Twitter als organisationstool für studentenproteste verwendet. Internetpiraterie stürtzt einen ganzen milliarden-industriezweig schmalziger pop-musik weil plötzlich der wahre wert der musik (0) erzwungen werden kann. Wikipedia, Google und Blogs haben informations-beschaffung, -verbreitung und -bewertung auf nie für möglich gehaltene höhen gebracht.
Viel spaß beim enge-Jeans tragen, MGMT hören und angst haben. Ich habe keine.
Ich hasse und verabscheue Verallgemeinerungen in dieser und jeglicher gleichgestellten Form.
"BlaBla ..." - Kommunikation?
Dieses "BlaBla" zeugt davon das diese Generation nichts auf sich sitzen lässt sondern den Mund auf macht.
Diese Generation hat Angst, selbstverständlich - bei dem was man tag täglich in den Nachrichten sieht oder in Zeitungen lesen kann. Wer bekommt es da nicht mit der Angst zu tun?
Vielleicht hat mal jemand überlegt, das die Angst daher kommt, das Generationen VOR UNS betrügen um an mehr Reichtum zu gelangen? Ich sage aktuell nur einmal "Schlecker" und andere Firmen. WO ist die Gerechtigkeit geblieben? Gab es Sie überhaupt schonmal? Gab und gibt es überhaupt Menschlichkeit? Dies und viele weitere Fragen bewegt diese - nein falsch - bewegt unsere Generation dazu Angst zu haben...zu reden...den Mund auf zu machen und nicht wie andre zu schweigen.
Doch muss man in diesem Hinblick sich merken das nicht jeder - jeder ist. Das jeder verschieden ist. Vielleicht versteht jemand diesen kleinen Text - vielleicht auch nicht. Vielleicht regt er zum denken an - vielleicht bewirkt er auch das Gegenteil.
Nur Schweigen - ist Vergangenheit.
12.09.2009 - 15:11 Uhr
me_guide
Zu ein paar Oberpunkten möchte ich nur ein paar Zeilen los werden - auch wenn diese keiner oder nur wenige lesen werden.
Ängstlich?
Wahrlich könnte dies gar stimmen bei dem, was der Alltag einem beschert. Korruptheit und Betrügereien unter den Geschäftsleuten - "Wer macht das beste Geld - Wer bietet Arbeit mit möglichst geringem Einsatz von Geld und Menschlichkeit an". Fraglich wer bei so etwas keine Angst haben kann. Achja, was ist mit der Angst „Was ist mit mir im Alter?“
Lieb?
Dagegen möchte ich nichts sagen da es nichts von Nachteil ist.
Viele andere Generationen sollten sich daran eventuell ein Beispiel nehmen - Menschlichkeit ist das, was aktuell im Übermaßen fehlt. Jeder denkt nur an sich - nicht einmal oder kaum an seine Mitmenschen - so leit es mir tut - angefangen bei der Politik, fortführend im Arbeitsleben.
Unfähig?
Vielleicht. Doch kann man dies mit Gewissheit behaupten dass dem so ist? Ich denke eher "nein" - Unfähigkeit schlägt sich in jeder Generationengruppe nieder - doch ist dies nur ein geringer Teil einen jeder Generation.
Allgemein würde ich sagen: Nicht JEDER ist JEDER.
JEDER ist Grundsätzlich anders. Verallgemeinerungen in solcher und gleicher Art verabscheue ich – obwohl Sie mir auch von Zeit zu Zeit unter die Schreibfeder schleicht.
Achja. Geschwätzig. Fast vergessen - Jede Generation ist dies - nicht nur wir. Jeder möchte etwas mitteilen - damals wurde dies in Briefen - heute über Twitter oder über E-Mails. Es ist natürlich das man Kommunizieren möchte. Zumindest schweigen wir nicht – Kommunikation ist es, was uns ausmacht.
Alle Kommentare anzeigen










4
15.08.2009 - 19:54 Uhr
alces
...und seit ca. 2.500 Jahren ist das nichts neues.