11.08.2009 - 18:30 Uhr

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In den Schuhen von Fritz Gelowicz, dem Kopf der Sauerland-Gruppe

Text: philipp-mattheis - Foto: AP

Der 29-jährige Neu-Ulmer plante mit drei weiteren Islamisten Terroranschläge in Deutschland. Jetzt legte er ein Geständnis ab.

Was sind das für Schuhe? Auf dem einzigen Bild von Fritz Gelowicz, auf dem sein ganzer Körper zu sehen ist, stecken seine Füße ausgerechnet in der ältesten Modesünde der Neuzeit: Weiße Tennissocken zu Sandalen. Das mag auf den ersten Blick schockierend sein, ist aber in vielerlei Hinsicht passend: Dort, wo Fritz Gelowicz herkommt, ist und hingeht, genügt leichtes, bequemes Schuhwerk. Im Sommer 2006 fuhr Gelowicz nämlich über die Türkei und Iran schließlich ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Der Kopf der sogenannten Sauerland-Gruppe hielt sich also lange in ariden, subtropischen Gebieten mit heißem Kontinentalklima auf (die Durchschnittstemperatur im pakistanischen Peschawar liegt in den Sommermonaten bei 30 Grad). Leichtes, luftiges Schuhwerk ist dort von Vorteil. Nach seiner Rückkehr verbrachte der 29-Jährige dann viel Zeit in geschlossenen Räumen. Zunächst lagerte er 730 Liter Wasserstoffperoxid in seiner Wohnung, um damit einen Sprengstoffanschlag auf amerikanische Soldaten in Deutschland zu verüben. Klobige Stiefel wären hier nur störend gewiesen. Die letzten Monate verbrachte Gelowicz dann abwechselnd in einer Gefängniszelle und im Gerichtssaal – auch in diesen Örtlichkeiten neigt der Mensch, Bequemlichkeit höher zu achten als Stilsicherheit.
Wo kommen diese Schuhe her? Ein Bekannter aus Schulzeiten hat berichtet, bevor Gelowicz zum Islam konvertierte, sei er Hip-Hopper gewesen. Dieser materialistisch geprägten Welt aber schwor der Neu-Ulmer 2005 ab. Renegaten und Konvertiten neigen bekanntermaßen besonders zum Extremismus. Auf die innere Isolation folgte die äußere: Auch wenn Gelowicz die Sandalen vielleicht in Pakistan erworben hat, ist davon auszugehen, dass sie – wie mittlerweile die meisten Artikel des täglichen Gebrauchs – aus chinesischer Produktion stammen. Es ist weiterhin anzunehmen, dass der 29-Jährige mit seiner Schuhwahl kein politisches Statement abgeben wollte. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben ihn rein praktische, klimatische Gründe dieses Schuhwerk wählen lassen. Damit unterscheidet sich der Dschihadist einerseits von konsumkritischen Globalisierungskritikern der heutigen Generation und anderseits von stilbewussteren Aufwieglern und Terroristen vergangener Zeiten. Von Andreas Baader zum Beispiel ist bekannt, dass er „Desert Boots“ der Marke Clarks trugen – einen Schuh, der sich bis heute großer Beliebtheit erfreut und der bei allem Blut und wirren Idealen klobigen Glamour ausstrahlt. Bei Fritz Gelowicz aber kann man sich gut vorstellen, wie er mit Rentner-Ballermann-Schuhwerk und talarartigen Überwurf durch Waziristan stiefelt und mit einer Kalaschnikow auf staubige Steine feuert. Wo gehen diese Schuhe hin? Gelowicz und seine drei Mittäter haben ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Eigentlich wollten die vier in Afghanistan gegen amerikanische Truppen kämpfen. Nach einer dreimonatigen Ausbildung an der Kalaschnikow („Da sind wir richtig gut gewesen“, so Dschihad-Kollege Adem Yilmaz), Bomben- und Minenbau ging es aber nicht wie beabsichtigt an die Front. Ein Taliban überredete die vier, doch lieber Anschläge in Deutschland auf amerikanische Einrichtungen zu verüben. Nicht ganz das Abenteurerleben, das sich Gelowicz vorgestellt hatte – aber immerhin. Zurück in Deutschland bauten die Islamisten aus zwölf Fässern Chemikalien Sprengstoff für Autobomben. Am 4. September 2007 wurden sie festgenommen. Zwar betonte der Richter, dass sich ein solch umfangreiches Geständnisses mit einem Hauch von Reue („Rückblickend würde ich das nicht noch einmal tun. (…) Dass die Operation nicht stattfand, war Allahs Wille.“) positiv auf das Strafmaß auswirken werde, doch Fritz Gelowicz dürfte trotzdem noch einige Jahre in dem Rentner-Malle-Atzen-Look herumschlurfen. An dieser Stelle sei nochmals ein Vergleich zu Andreas Baader erlaubt: Anders als in den Siebzigern die RAF-Ideologie kann der Dschihadismus kaum mehr als eine Handvoll Jugendliche begeistern. Niemand protestiert gegen Haftbedingungen, schimpft auf einen angeblich „prä-, proto- oder postfaschistischen Staat“ oder baut den vieren gar ein eigenes Stammheim. Dem Islamismus gelingt nicht der Schulterschluss mit der hedonistischen Popkultur. Ihm fehlen ein stilsicheres Spiel mit Modesignalen - und vor allem Frauen.


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amplifythegoodtimes
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Mag ich Mag ich nicht

0

11.08.2009 - 19:04 Uhr
amplifythegoodtimes

Vielleicht gehören die Sandalen ja auch zur Strafkleidung, den Overall hat er sich ja vermutlich nicht ausgesucht. Als nächstes möchte ich unbedingt was über den Rock-im-Park-Pulli des Polizisten lesen.

shaddu
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Mag ich Mag ich nicht

6

11.08.2009 - 20:29 Uhr
shaddu

alter. was für ein bescheuerter artikel.

Met
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Mag ich Mag ich nicht

-1

11.08.2009 - 21:26 Uhr
Met

Lieber philipp-mattheis,

ein solches Thema wie diesen hier auf die Schuhe des Mannes, der einen Anschlag mit vielen Toten plante zu zentralisieren, halte ich für sehr fragwürdig. Mag sein dass ich keinen Spaß verstehe, aber es scheint mir doch sehr unpassend, diesen Terrorakt eher ins lächerliche zu ziehen, anstatt ihn so negativ wie möglich zu kritisieren. Dieser Artikel wird dem geplanten Mord nicht gerecht.

OlafMitender
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Mag ich Mag ich nicht

1

11.08.2009 - 22:33 Uhr
OlafMitender

mimimi...
klar is der artikel fürn a****. aber jetzt hier von wegen "fragwürdig" und "unpassend" rumzuheulen, is ziemlich peinlich. wirf bloß niemals einen blick in die titanic...

fraeuleiningeborg
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Mag ich Mag ich nicht

0

11.08.2009 - 22:42 Uhr
fraeuleiningeborg

Ich glaub, ich find den Artikel gar nicht soo blöd. Nur sollte er lieber "in den Schuhen von Andreas Baader" heißen.

Met
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Mag ich Mag ich nicht

-2

11.08.2009 - 23:07 Uhr
Met

Titanic ist auch ein bekennender Satire Magazin und kein Online-Portal, zudem auch kleine Kinder Zugriff haben. Meine Güte.

lea2
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Mag ich Mag ich nicht

0

11.08.2009 - 23:50 Uhr
lea2

die idee find ich ganz gut, doch was dabei rausgekommen ist, schräg. vll hängts mit dem raf-vergleich zusammen

OlafMitender
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.08.2009 - 00:03 Uhr
OlafMitender

stimmt, jetzt seh ich's auch ein. die kinder wären wirklich fürs leben geschädigt -.-

Crushed_on_You
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Mag ich Mag ich nicht

1

12.08.2009 - 00:05 Uhr
Crushed_on_You

Diese "kühne" Mixtur von Terrorismus und Stilkritik war 2001 schon eine äußerst langweilige Denkvermeidungsstrategie.

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Mag ich Mag ich nicht

0

12.08.2009 - 00:06 Uhr
Crushed_on_You

Met sagte:
Titanic ist auch ein bekennender Satire Magazin und kein Online-Portal, zudem auch kleine Kinder Zugriff haben. Meine Güte.

Denk doch einer mal an die Kiiinder!

OlafMitender
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Mag ich Mag ich nicht

-1

12.08.2009 - 00:06 Uhr
OlafMitender

kleine korrektur meinerseits: sooo schlecht is der artikel wirklich nicht ;)

jules__
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.08.2009 - 03:02 Uhr
jules__

wie genau ist man denen eigentlich auf die spur gekommen? mich würde das brennend interessieren; nur finde ich nirgendwo etwas darüber.

BG78
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Mag ich Mag ich nicht

-2

12.08.2009 - 03:13 Uhr
BG78

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Hauptsache ist, ein schlechtes Bild auf den Islam zu werfen... typisch Medien halt... da rennt jeder wie eine Herde dem Trend hinterher... ich finde es wirklich armseelig... und dann so ein Artikel... ich kann mir denken, dass das Einsatzkommando in diesem Fall ihm vielleicht nicht unbedingt die Möglichkeit gegeben hat, seine Schuhe auszusuchen mit denen er vor die sehr verehrte Klatschpresse tritt...
Doch ich vergaß, es ist ja "in" in Deutschland gegen Feindbilder, Unzivilisierte & Barbaren zu lästern... sorry

majia
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0

12.08.2009 - 09:11 Uhr
majia

häh? was soll das denn? versteh ich ned.

Freiheitsliebe
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Mag ich Mag ich nicht

2

12.08.2009 - 09:24 Uhr
Freiheitsliebe

ein baader-vergleich (dem mattheis nicht wirklich fundiert zog) würde von daher passen, dass sich die raf hauptsächlich aus sprösslingen etablierter familien rekrutierte...professoren, unternehmer, etc...

auch dieser gelowicz stammte, wie kolportiert wird, aus einem gehobenen "bürgerlichen" elternhaus...

das ist die rebellion junger männer (oder frauen), gegen vater und elterngeneration, insgesamt.

wo kein establishment is, gibt's auch nix zu rebellieren. wenn gelowicz hauptsächlich (wie die raf-mitglieder auch), ständig im überlebenskampf um was zu fressen gewesen wären, hätten se keine zeit gehabt, den aufstand zu proben..

leider hat p.m. diesen vergleich lediglich anhand eines vergleichs des schuhwerks versucht zu ziehen..

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Mag ich Mag ich nicht

2

12.08.2009 - 10:04 Uhr
Freiheitsliebe

"Er war stets bemüht, die ihm gestellten Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erfüllen. Auch war Herr Mattheis immer als pünktlicher Kollege bekannt. Wir wünschen ihm auf seinem weiteren Lebensweg alles Gute!"

gez.

von Gehlen, Chefredakteur

:-)

(nur spaß, herr mattheis ;))

Karamelleis
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1

12.08.2009 - 10:19 Uhr
Karamelleis

Freiheitsliebe sagte:
"Er war stets bemüht, die ihm gestellten Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erfüllen. Auch war Herr Mattheis immer als pünktlicher Kollege bekannt. Wir wünschen ihm auf seinem weiteren Lebensweg alles Gute!"

gez.

von Gehlen, Chefredakteur

:-)

(nur spaß, herr mattheis ;))


haha :)

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.08.2009 - 11:11 Uhr
soylentyellow

Ich glaube kaum, dass das Schuhwerk, selbst gewählt ist. Eher scheint es mir so zu sein, dass alles (der blaue Overall, der Sack für die Hände (?) wie auch die "Modesünde" Tennissocken in Badelatschen in Kombination mit Sturmhaube von der Polizei bereitgelegt wurde.

"Ihm [dem Islamismus] fehlen ein stilsicheres Spiel mit Modesignalen - und vor allem Frauen."

Das dürfte wohl in der Natur der Sache liegen, Kommune, "wer zweimal mit derselben pennt" oder eine Uschi Obermeier mit "oben ohne" wird man sicher lange bei Islamisten suchen dürfen...

(Nochmal zum angucken weils so schön ist: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...)

Oder dieses Foto aus der Kommune 1 wird man lange suchen dürfen und wird es nicht finden. http://brainwash.webguerillas.de/wp-cont... (auch wenn die Vorstellung von Islamisten mit heruntergelassenen Hosen doch sehr lustig ist)

Gockeline
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Mag ich Mag ich nicht

-1

12.08.2009 - 11:49 Uhr
Gockeline

Der Schreiberling hat nichts verstanden.
Die weißen Socken fallen ihm auf und kann sich daran ergötzen.
Genau das ist solchen Leuten geradezu lächerlich.
Sie streben nach anderen Werten wie die verwöhnten Menschen hierzulande.
Übrigens,er war vorher ein Atheist
und war begeistert wie der Islam mit seinen Gesetzen funktioniert.
Aus einem begeisterten Atheisten ist ein begeisterter fanatischer Moslem geworden.
Das ist es was einen beschäftigt.
Religionen hier verachtet man weil sie zu beliebig seien
und somit nicht glaubhaft seien.
Der Islam gab ihm wieder einen Halt.
Da frage ich mich liebe Atheisten wie anfällig ist man
wenn man keine Religion mehr hat?

vaus
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1

12.08.2009 - 11:53 Uhr
vaus

atheismus, liebe gockeline, ist auch eine religion...

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

1

12.08.2009 - 12:01 Uhr
soylentyellow

Gockeline sagte:
Da frage ich mich liebe Atheisten wie anfällig ist man
wenn man keine Religion mehr hat?


Als Atheist ist man jedenfalls viel weniger anfällig für Fundamentalisten aller Art (Islamisten/Christianisten) als ein Anhänger einer beliebigen Religion/Denomination, da man ja erkannt hat dass es keinen Gott gibt.

cathie
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2

12.08.2009 - 14:38 Uhr
cathie

ich hab laut gelacht.

heiner70b
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12.08.2009 - 16:52 Uhr
heiner70b

wäre besser wenn die SZ texte ganz ausfallen,
und jetzt.de NUR für user da ist.

sonnenblumenmaler
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.08.2009 - 17:15 Uhr
sonnenblumenmaler

Unglaublich die sueddeutsche.
Warum bildet ihr eigentlich die Angeklagten kenntlich in der Zeitung ab?
Gilt nicht bei Angeklagten auch die Unschuldsvermutung bis sie rechtskräftig verurteilt werden?
Ich wundere mich immer mehr über die Süddeutsche Zeitung...

Immerhin hat der Prozess die gute Seite, dass der Terrorismus in Deutschland mal Entmythologiesiert wird.

Met
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0

12.08.2009 - 21:42 Uhr
Met

Wenn wir schon bei Kindern sind. Als man Saddam Husseins Hinrichtung im Fernsehen ausstrahlte, machte es ihm ein kleiner Junge nach. Seine Mutter hat ihn dann nur noch tot im Kinderzimmer aufgefunden. Ja, die armen Kinder.


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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.