06.08.2009 - 18:30 Uhr

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„Wir handeln menschlich“

Text: andreas-glas - Foto: privat

Im April wurde ein Regensburger Student von der Polizei erschossen. Noch ist unklar, ob die Beamten richtig handelten. Falls nicht, wäre dies menschlich. Das sollte auch die Politik verstehen.

Wenn ein Wirtschaftsunternehmen sein Leitbild vorstellt, hat das vor allem Imagegründe. Von sozialer Verantwortung ist dann die Rede, von Vertrauen und Gewissenhaftigkeit. Dann „menschelt“ es plötzlich in einer Welt, die eher für Profitdenken und Gewinnmaximierung bekannt ist, denn für ethisches Moralbewusstsein. Leitbilder in der Wirtschaft sind meist Wunschbilder: Sie zeigen einen Entwurf dessen, wie man gerne sein würde, nicht zwingend davon, wie man tatsächlich ist. Auch die bayerische Polizei hat seit geraumer Zeit ein eigenes Leitbild. „Wir handeln menschlich“, heißt es darin explizit. Natürlich wäre es ungerecht, zu behaupten, auch dies sei ein Wunschbild. Und doch müssen sich acht Regensburger Polizeibeamte derzeit Zweifel an der Menschlichkeit ihres Handelns gefallen lassen. Anfeindungen durch die Bevölkerung gehören seit dem 30. April zu ihrem Dienstalltag. An jenem Tag wurde Tennessee Eisenberg bei einem Polizeieinsatz getötet (jetzt.de berichtete). 16 Mal schossen die Polizisten, zwölf Kugeln trafen den 24-Jährigen. Auch wenn als sicher gilt, dass der Musikstudent den Polizisten mit einem Messer gegenübertrat, bleibt weiterhin die Frage bestehen, warum acht ausgebildete Beamte die Situation nur mit tödlichen Schüssen lösen konnten.
Am 30. April 2009 wird der Student Tennessee Eisenberg, 24, von zwölf Polizeikugeln getötet. Zuvor soll er einen Beamten mit einem Messer bedroht haben. Die vergangenen Wochen waren für die am Einsatz beteiligten Polizisten wohl ähnlich belastend wie für Tennessee Eisenbergs Angehörige. Es wäre daher falsch, sie zu verurteilen, bevor die Umstände des Falles restlos geklärt sind. Als ebenso falsch erscheint es aber auch, dass Vertreter der bayerischen Politik und Justiz die Regensburger Polizisten schon jetzt von jeder Schuld freisprechen. Der zuständige Staatsanwalt sprach bereits am Tag des Vorfalls von „Notwehr“, der bayerische Innenminister hat keinen Zweifel daran, „dass Notwehr oder Nothilfe vorlagen“ – dabei war es ihm kürzlich noch „unbegreiflich, wie der Einsatz in Regensburg so eskalieren konnte“. Das Vertrauen der Politik in sein Personal scheint im Fall Tennessee Eisenberg grenzenlos zu sein. Freilich heißt es im Leitbild der bayerischen Polizei auch „Politiker sind unser Rückhalt und wahren unsere Interessen“; doch sollte der Vertrauensvorschuss wirklich so groß sein, dass jene zwei Beamte, die auf Tennessee Eisenberg schossen, schon kurze Zeit nach dem Vorfall wieder im Streifenwagen saßen? Erst als dies über die Medien bekannt wurde, reagierte der Innenminister und ließ die beiden Polizisten zurück in den Innendienst versetzen. Eine Maßnahme, die allein aus Schutzgründen gegenüber den eigenen Beamten sinnvoll erscheint. Natürlich könnte sich schon bald herausstellen, dass die Einsatzbeamten richtig gehandelt haben. Doch deutet zumindest zum jetzigen Zeitpunkt allein die hohe Anzahl der Schüsse nicht darauf hin, dass der Einsatz reibungslos verlaufen ist. Und sieben Schüsse, die von hinten auf Tennessee Eisenberg abgefeuert wurden, lassen die Notwehrthese fragwürdig erscheinen. Auch die Tatsache, dass die Beamten überhaupt in eine solche Notwehrsituation geraten sein könnten, spricht nicht für ein durchdachtes Vorgehen. Dabei wäre es doch nur menschlich, sollte sich letztlich herausstellen, dass die Polizisten einen Fehler gemacht haben. „Jeder ist ein Mensch, jeder macht Fehler“, sagt selbst Benedict Eisenberg, Tennessees jüngerer Bruder. „Wir handeln menschlich“, heißt es doch auch im Leitbild der Polizei. Derzeit wird es ruhiger um den Fall: Die Anwälte der Angehörigen sind mit der Auswertung eines 800-seitigen Polizeigutachtens beschäftigt, der Staatsanwalt wartet auf das Ergebnis einer zweiten Obduktion und Bayerns Politiker machen Sommerferien. Mit neuen Erkenntnissen ist in den nächsten Wochen also nicht zu rechnen, viele Fragen bleiben offen. Bis all diese Fragen geklärt sind, gilt nur zu hoffen, dass sich die bayerische Polizei wieder auf ihr Leitbild besinnt und aus Fairnessgründen zumindest in Erwägung zieht, dass zu menschlichem Handeln auch Fehler gehören können, die man eingestehen kann. *** Auf www.tennessee-eisenberg.de haben die Angehörigen eine Homepage mit weiteren Informationen eingerichtet.


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Met
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Mag ich Mag ich nicht

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06.08.2009 - 19:29 Uhr
Met

„Jeder ist ein Mensch, jeder macht Fehler“


Ja, aber manche Fehler töten anscheinend, und das ist unentschuldbar.

unsinni
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Mag ich Mag ich nicht

5

06.08.2009 - 19:57 Uhr
unsinni

@ Met
Das können nur die Angehörigen und Freunde entscheiden, wie sie sich gegenüber den Tätern verhalten.

@ Beitrag.
Ich erwarte von ausgebildeten Polizisten angemessenes und professionelles Handeln. Dafür werden Steuergelder der Allgemeinheit gegeben. Wenn so lax unter dem euphemistischen Gequatsche von "menschlich" Straftaten von Beamten mit mörderischen Waffen vertuscht und weichgespült werden sollen, dann adieu Rechtsstaat. Das bedeutet doch, dass ich mir eine Waffe zulegen muss um mich vor staatlich legitimierten Waffenträgern schützen zu können. Egal ob sie "menschlich" oder "unangemessen" handeln.
Tödliche Instrumente haben sie in den Händen.

So geht Rechtsstaat nicht!!!!

Marlene1901
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Mag ich Mag ich nicht

-6

06.08.2009 - 20:27 Uhr
Marlene1901

Sobald ein Polizist oder ein Soldat ausgebildet wird, weiss er genau wie und zum welchem Zeitpunkt er zu Waffe greifen soll. Er kennt die Vorschriften und kennt seine Konzequenten. Meiner Meinung nach ist solche eine Handlung ein ethisches und morales Problem eines Menschen. Diese Problem kann kein Rechtstaat - nicht wenn der Mensch erwachsen ist. Würden solche Mensche vielleicht die Kirchen oder mal in die Bibel blättern würden sie Anworten auf dies agressive Macht in diesem Moment finden. Alles eine Frage der Toleranz auch.

fortune_faded
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Mag ich Mag ich nicht

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06.08.2009 - 20:58 Uhr
fortune_faded

andreas-glas sagte: Doch deutet zumindest zum jetzigen Zeitpunkt allein die hohe Anzahl der Schüsse nicht darauf hin, dass der Einsatz reibungslos verlaufen ist.


Großartige Feststellung! Bravo dazu. Ich glaube das man sich hier tatsächlich kein konkretes Urteil erlauben darf, wir stecken weder in den Polizisten drin, noch waren wir live dabei. Bei der aktuellen Faktenlage sind alle Ansprüche der Art "professionelles Handeln" oder Fehlerfreiheit einfach nicht zu stellen.

unsinni
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Mag ich Mag ich nicht

2

06.08.2009 - 21:05 Uhr
unsinni

@ fortune_faded
"Bei der aktuellen Faktenlage sind alle Ansprüche der Art "professionelles Handeln" oder Fehlerfreiheit einfach nicht zu stellen."

Was haben Ansprüche auf "professionelles Handeln ausgebildeter Beamter" mit der aktuellen (dürftigen) Faktenlage (verursacht durch die Vorenthaltung der Ermittlungsbehörden) zu tun?

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Mag ich Mag ich nicht

0

06.08.2009 - 21:05 Uhr
unsinni

@ fortune_faded
"Bei der aktuellen Faktenlage sind alle Ansprüche der Art "professionelles Handeln" oder Fehlerfreiheit einfach nicht zu stellen."

Was haben Ansprüche auf "professionelles Handeln ausgebildeter Beamter" mit der aktuellen (dürftigen) Faktenlage (verursacht durch die Vorenthaltung der Ermittlungsbehörden) zu tun?

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Mag ich Mag ich nicht

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06.08.2009 - 21:09 Uhr
unsinni

doppelt

Lucbay
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Mag ich Mag ich nicht

7

06.08.2009 - 21:32 Uhr
Lucbay

Es kann mir niemand erzählen das man jemanden mit 12 Schüssen tötet, davon wies oben steht 7 von hinten und dann über menschlichkeit redet?! Sry menschlich wär es wenn man gezielt versucht hätte ihn auszuschalten und der oder die 2 schüsse nunmal tödlich waren. Aber so? Das ist ziemlich unmenschlich... Kein wunder das viele der Polizei so skeptisch gegenüber stehn, wenns dann immer wieder so einzelfälle gibt...

Crushed_on_You
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Mag ich Mag ich nicht

7

06.08.2009 - 21:32 Uhr
Crushed_on_You

Bis all diese Fragen geklärt sind, gilt nur zu hoffen, dass sich die bayerische Polizei wieder auf ihr Leitbild besinnt und aus Fairnessgründen zumindest in Erwägung zieht, dass zu menschlichem Handeln auch Fehler gehören können, die man eingestehen kann.

d.h. auch mal "Sorry, dumm gelaufen" sagt, wenn sie jemanden wie diesen Studenten, dessen Gefährlichkeit man durchaus anzweifeln darf, über den Haufen schießt?
Tut mir Leid, aber dieser windelweiche Appell ist dem Vorfall nicht angemessen. Mir wird niemand erklären können, warum jemand mit 7 Schüssen in den Rücken getötet werden muss, der nicht gerade mit einem Sprenggürtel auf dem Weg in die U-Bahn ist.

Lucbay
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Mag ich Mag ich nicht

1

06.08.2009 - 21:35 Uhr
Lucbay

Wenn gezielt geschossen wird, dann lebt der doch nach 3 Schüssen nicht mehr wieso 12

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andreas-glas

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