30.07.2009 - 18:30 Uhr

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Gelöbnis vs. Gelöbnix

Text: philipp-mattheis - Bild: rtr

Am Donnerstagnachmittag wurden auf dem Münchener Marienplatz junge Bundeswehrrekruten vereidigt - und alte Feindbilder gepflegt.

Es sind die nicht die linken Demonstranten, deren Farben auffallen. Es sind die Mützen der Soldaten in Blau, Rot, Hellrot und Schwarz. Und es sind die Uniformen der Polizei: Hellgrün, Dunkelgrün und Schwarz. 1300 Polizisten haben sich am Donnerstagnachmittag auf dem Münchner Marienplatz versammelt, um ein paar Rekruten vor ein paar Demonstranten zu schützen. Mit Gittern ist der Platz weiträumig abgesperrt, seit dem Morgen sieht man nichts als Polizeiwagen, in denen Beamte aus dem ganzen Freistaat nach München gebracht wurden. Rundherum sammeln sich Passanten – vor allem Rentner und Schüler -, um dem Gelöbnis beizuwohnen.



Um 13.45 Uhr trappeln die Gleichschritte der Soldaten auf dem Asphalt, eine Ausbilderin schreit die jungen Männern mit einem Satz an, der nach „Links, zwo, drei, vier“ klingt. Jemand pfeift. Uli, 21, von der Roten Hilfe sagt: „Viele von uns haben sie nicht hereingelassen. Bloß, weil sie Trillerpfeifen haben.“ Links, rechts und vor dem schmalen Punk mit Iro stehen große Männer in schwarzen Uniformen und Schlagstöcken. Hinter ihm tragen sechs Zivilpolizisten einen schreienden Demonstranten davon. Ab und zu fliegt ein Stapel kleiner, neongrüner Zettel in die Luft. Auf ihnen steht „Gelöbnix“ und andere antimilitaristische Parolen. Ein älterer Herr schreit immer wieder den Satz „Bundeswehr raus aus Afghanistan“ über den Platz.

Seit Gründung der Bundeswehr, seit 54 Jahren also, gibt es Gelöbnisse. Die Zeremonie dient dazu, Wehrdienstleistende auf die Bundesrepublik zu vereidigen. Die Soldaten sprechen den Satz: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“ Bis 1980 fanden solche Veranstaltungen ausschließlich innerhalb von Kasernen statt. Als am 6. Mai 1980 im Bremer Weserstadion zum ersten Mal Wehrdienstleistende öffentlich vereidigt wurden, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei den 260 Personen verletzt wurden; es kam außerdem zu einem Sachschaden von über 1.000.000 DM.
Das letzte öffentliche Gelöbnis in München fand vor neun Jahren statt. Viele Politiker, darunter auch Horst Seehofer und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude verteidigten die Veranstaltung, da es die Bundeswehr in der Gesellschaft verankere. Wahrscheinlich ist genau dies gerade notwendig: Auch in Deutschland wird zunehmend klar, dass die Afghanistan-Strategie des Westens gescheitert ist und dass der „Friedenseinsatz“ der Bundeswehr letztlich ein Euphemismus für Krieg ist. Ein Bündnis aus 25 linken und pazifistischen Münchner Gruppen hat zu Protesten aufgerufen, eine Gegendemonstration wurde nicht genehmigt.

Samuel, 33, klatscht genau in dem Moment, als das Gegröle der Demonstranten wieder anschwillt. Er findet das öffentliche Gelöbnis gut: „Wir müssen uns nicht mehr verstecken. Bei der WM 2006 hat sich ein neues Gefühl in Deutschland breit gemacht, wir haben wieder Verantwortung in der Welt und dazu sollten wir auch stehen. Von mir aus sollen sie dagegen demonstrieren, das ist ihr gutes Recht. Aber während der Nationalhymne zu pfeifen, ist respektlos.“

Nach einer Stunde ist die Veranstaltung vorüber. Ein Mann bezeichnet die vielen kleinen Zettel am Boden als „Schweinerei“. Während die Polizeibeamten und Feldjäger bereits dabei sind, die Sperrgitter zu entfernen, verteilt ein junger Mann mit Seitenscheitel immer noch Zettel. Auch darauf steht: „Raus aus Afghanistan“. Wendet man das Flugblatt, liest man „Verteidigt die Ehre unserer Soldaten“. Der junge Mann heißt Philipp Hasselbach und „Bürgerinitiative Ausländerstopp“, eine der NPD nahe stehenden Gruppierung.


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cmbsecond
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Mag ich Mag ich nicht

2

31.07.2009 - 09:25 Uhr
cmbsecond

phlow sagte:
ich hab mir heute eher durch zufall diesen ganzen aufmarsch in muc angeschaut und muss,abgesehen von meiner generellen ablehnung der bundeswehr, schon die frage stellen, ob dieser wahsinnge aufwand wirklich notwendig ist..... wenn sich die ganze republick an ein paar tausend euro für diesen dienstwagenscheiss aufreibt, würde mich wirklich mal interessieren, wieviele steuergelder für den gestrigen polizeieinsatz draufgegangen sind.....


endlich sagts mal jemand. ich finde es eine absolute frechheit den ganzen marienplatz abzusprerren auf dem täglich hundert tausende von leuten und touristen laufen. und das ganze nur um den leuten "aufmerksamkeit aufzuzwingen".
weiters die über tausend polizisten, die extra da hingeschafft und bezahlt werden + die ganzen polizeibusse. totales chaos gestern in der innenstadt und wofür? sollen sie das doch auf der theresienwiese machen, wenns schon unbegingt in der Stadt sein muss. da stören sie wenigstens keinen, und die dies interessiert die können immernoch hingehn und zuschaun. aber die tausend anderen leute bleiben wenigstens ungestört.

philipp-mattheis
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31.07.2009 - 09:58 Uhr
philipp-mattheis

Rosa1918 sagte:
"Seit Gründung der Bundeswehr, seit 49 Jahren also, gibt es Gelöbnisse. " Das ist schonmal falsch. Zur Gründung der Bundeswehr gab es keine solchen Gelöbnisse, weil es gab auch keine Armee. Erst 1955 wurde (gegen breiten Widerstand der Bevölkerund, die keinen neuen Krieg wollte) die Bundesrepublik wiederbewaffnet.

Sorry, stimmt natürlich!

Shorebilly
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Mag ich Mag ich nicht

3

31.07.2009 - 10:25 Uhr
Shorebilly

philipp-mattheis sagte:
Rosa1918 sagte:
"Seit Gründung der Bundeswehr, seit 49 Jahren also, gibt es Gelöbnisse. " Das ist schonmal falsch. Zur Gründung der Bundeswehr gab es keine solchen Gelöbnisse, weil es gab auch keine Armee. Erst 1955 wurde (gegen breiten Widerstand der Bevölkerund, die keinen neuen Krieg wollte) die Bundesrepublik wiederbewaffnet.

Sorry, stimmt natürlich!


WAS stimmt natuerlich? "Zur Gründung der Bundeswehr gab es ... keine Armee."??? nochmal durchlesen bitte. der urspruengliche text war schon korrekt.

cail
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Mag ich Mag ich nicht

1

31.07.2009 - 11:28 Uhr
cail

philipp-mattheis sagte:
in keiner tagesaktuellen Produktion wird das anders gehandhabt. Und - wie gesagt - solange die Informationen eines Wikipedia-Artikel ausreichend belegt sind, sehe ich da auch keine Probleme.

Gruß



wird es wohl. dennoch verständnisvolle, zum teil zustimmende grüße aus ner nordischen tageszeitung.

Gargoyle
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Mag ich Mag ich nicht

-1

31.07.2009 - 12:06 Uhr
Gargoyle

Kann man es wirklich "Journalismus" nennen, wenn da schnell ein Text in die Tastatur geklopft wird, der ein bisschen hier, ein bisschen da abgeschrieben ist, keine Quellen nennt, aber unschwer auf die unzuverlässige Zeitgeistquelle Wikipedia zurückzuführen ist? Meiner Meinung nach hat das mit seriösem Journalismus, der eben auch eigene Recherche beinhaltet, nichts mehr zu tun. Leider greift diese Unsitte des Abschreibens (auch von Falschmeldungen) ja auch auf den regulären SZ-, SpON-, Welt-, Stern-, etc. Seiten um sich, so dass man oft schon nicht mehr sicher sein kann, ob man das glauben kann, was man da liest, ob der Autor es kritisch hinterfragt oder eben einfach irgendwo abgeschrieben hat. So entsteht gleichgeschaltete Presse, ganz ohne Zutun einer steuernden Obrigkeit. Mir dienen die genannten Seiten mittlerweile kaum mehr der Information, sondern eher der reinen Unterhaltung und um einen groben Überblick über die Ereignisse zu bekommen. Ansonsten gibt es oft statt Fakten reine Spekulation und schnell hingerotzte Texte voller sachlicher und orthografischer Fehler. Mittlerweile bin ich deshalb auch schon gegenüber den Printausgaben der jeweiligen Objekte viel misstrauischer geworden. Sehr schade, aber es muss ja alles schnell schnell gehen, darf nix kosten und muss obendrein noch leicht verdaulich sein.

Freiheitsliebe
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Mag ich Mag ich nicht

1

31.07.2009 - 12:38 Uhr
Freiheitsliebe

ich hab damals (lange her!) beim gelöbnis nicht mitgesprochen und hinter dem rücken die finger gekreuzt :-)

was ich untersützenswert finde und was nicht würde ich mir nämlich ungerne von nem unterbelichteten offizier/unteroffizier vorschreiben lassen..

taylorthelatteboy
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Mag ich Mag ich nicht

5

31.07.2009 - 13:17 Uhr
taylorthelatteboy

Für das Ausleben deiner Individualiät hast du dir dann aber die falsche Organisation ausgesucht, lieber Freiheitsliebe. :)

Renaissance_Man
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Mag ich Mag ich nicht

4

31.07.2009 - 16:02 Uhr
Renaissance_Man

phlow sagte:
ich hab mir heute eher durch zufall diesen ganzen aufmarsch in muc angeschaut und muss,abgesehen von meiner generellen ablehnung der bundeswehr, schon die frage stellen, ob dieser wahsinnge aufwand wirklich notwendig ist..... wenn sich die ganze republick an ein paar tausend euro für diesen dienstwagenscheiss aufreibt, würde mich wirklich mal interessieren, wieviele steuergelder für den gestrigen polizeieinsatz draufgegangen sind.....


das ist doch absolut kein argument. in unserer verfassung wird meinungs- und versammlungsfreiheit garantiert. die begründung "für die paar leute sind 1000 polizisten viel zu teuer!" würde bei so gut wie jeder demo passen, aber es geht dabei nunmal nicht um eine kosten/nutzen rechnung, sondern um die garantie der verfassungsmäßigen rechte (bei gleichzeitiger wahrung der öffentlichen sicherheit).
Das öffentliche Gelöbnis ist nichts anderes als solch ein Kundgebung, organisiert von der jeweiligen Stadt um zu sagen "die bundeswehr gehört zu uns und steht in unserer mitte". genauso dürfen auch am rand diejenigen protestieren, die anderer meinung sind.

uther_the_puter
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.07.2009 - 16:55 Uhr
uther_the_puter

Renaissance_Man sagte:
phlow sagte:
ich hab mir heute eher durch zufall diesen ganzen aufmarsch in muc angeschaut und muss,abgesehen von meiner generellen ablehnung der bundeswehr, schon die frage stellen, ob dieser wahsinnge aufwand wirklich notwendig ist..... wenn sich die ganze republick an ein paar tausend euro für diesen dienstwagenscheiss aufreibt, würde mich wirklich mal interessieren, wieviele steuergelder für den gestrigen polizeieinsatz draufgegangen sind.....


das ist doch absolut kein argument. in unserer verfassung wird meinungs- und versammlungsfreiheit garantiert. die begründung "für die paar leute sind 1000 polizisten viel zu teuer!" würde bei so gut wie jeder demo passen, aber es geht dabei nunmal nicht um eine kosten/nutzen rechnung, sondern um die garantie der verfassungsmäßigen rechte (bei gleichzeitiger wahrung der öffentlichen sicherheit).
Das öffentliche Gelöbnis ist nichts anderes als solch ein Kundgebung, organisiert von der jeweiligen Stadt um zu sagen "die bundeswehr gehört zu uns und steht in unserer mitte". genauso dürfen auch am rand diejenigen protestieren, die anderer meinung sind.


Hat ja auch keiner gesagt, dass sie es nicht dürfen. Es geht ja nur um die Verhältnismäßigkeit der Bürgerreaktion auf ein bisserl Dienstwagen fahren wos nicht erlaubt ist und fette Massenevents, die kein Mensch braucht, der ich nicht das Hirn vernagelt hat.

alcofribas
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.07.2009 - 17:05 Uhr
alcofribas

uther_the_puter sagte:
Es geht ja nur um die Verhältnismäßigkeit der Bürgerreaktion auf ein bisserl Dienstwagen fahren wos nicht erlaubt ist und fette Massenevents, die kein Mensch braucht, der ich nicht das Hirn vernagelt hat.


das "bisserl dienstwagen fahren" war ja erlaubt, es wird nur von politikerInnen erwartet, dass sie aus irgendwelchen verschwurbelten moralbegriffen heraus dieses recht nicht wahrnehmen.

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